16/06/2025
Ein plötzlicher Kreislaufstillstand kann jeden treffen, jederzeit und überall. In solchen kritischen Momenten entscheidet die schnelle und entschlossene Reaktion der Anwesenden über Leben und Tod. Die Herzdruckmassage, oft als Herzstück der Wiederbelebung bezeichnet, hat in den letzten Jahren einen immensen Stellenwert gewonnen. Sie ist eine einfache, aber unglaublich effektive Maßnahme, die jeder erlernen kann und sollte. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung, die richtige Durchführung und die neuesten Erkenntnisse rund um die Herzdruckmassage, um Ihnen das nötige Wissen zu vermitteln, um im Ernstfall zum Lebensretter zu werden.

- Die stille Gefahr: Kreislaufstillstand verstehen
- Die Herzdruckmassage: Das Herz der Wiederbelebung
- Schritt für Schritt: Anleitung zur Herzdruckmassage
- Besondere Lebensretter: Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen
- Der Automatische Externe Defibrillator (AED): Der elektrische Helfer
- Nach der Rettung: Die Postreanimationsphase
- Die entscheidenden Sekunden: Prognose und Überlebensfaktoren
- Mehr als nur Medizin: Ethische und Psychische Aspekte der Reanimation
- Wissen, das Leben rettet: Ausbildung und Leitlinien
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Herzdruckmassage
Die stille Gefahr: Kreislaufstillstand verstehen
Ein Kreislaufstillstand tritt ein, wenn das Herz seine Pumpfunktion einstellt und der Blutfluss zu den Organen unterbrochen wird. Dies führt innerhalb weniger Minuten zu schweren Schäden, insbesondere im Gehirn, das extrem empfindlich auf Sauerstoffmangel reagiert. Die häufigste Ursache in westlichen Industrienationen ist der plötzliche Herztod, oft ausgelöst durch einen Herzinfarkt oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. In Deutschland allein sterben jährlich zwischen 80.000 und 100.000 Menschen daran, was etwa 250 Fällen pro Tag entspricht.
Neben kardialen Ursachen können auch andere innere Erkrankungen wie Lungenembolien oder Schlaganfälle einen Kreislaufstillstand verursachen. Externe Einwirkungen wie Unfälle, Ersticken, Vergiftungen, Ertrinken oder Stromunfälle sind ebenfalls mögliche Auslöser. Es ist wichtig zu verstehen, dass es verschiedene Formen des Kreislaufstillstandes gibt, die sich in ihrer elektrischen Aktivität des Herzens unterscheiden: die hyperdyname (defibrillierbare) Form, bei der das Herz zwar elektrisch aktiv, aber ungeordnet schlägt (z.B. Kammerflimmern), und die hypodyname (nicht-defibrillierbare) Form, bei der keine elektrische Aktivität mehr nachweisbar ist (Asystolie). Eine Sonderform ist die pulslose elektrische Aktivität (PEA), bei der zwar eine geordnete elektrische Aktivität besteht, diese aber keine effektive Pumpfunktion bewirkt. Unabhängig von der genauen Ursache ist die sofortige Reaktion entscheidend, um die Überlebenschancen zu maximieren.
Die Herzdruckmassage: Das Herz der Wiederbelebung
Der Stellenwert der Herzdruckmassage hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. Früher lag der Fokus stärker auf der Mund-zu-Mund-Beatmung, doch aktuelle Richtlinien betonen die zentrale Rolle der durchgehenden Brustkompressionen. Studien haben gezeigt, dass die Qualität und Kontinuität der Herzdruckmassage der wichtigste Faktor für das Überleben eines Patienten mit Kreislaufstillstand ist. Das liegt daran, dass selbst bei einem Herzstillstand noch Sauerstoff im Blut des Patienten vorhanden ist. Durch die Herzdruckmassage wird dieser Rest-Sauerstoff im Körper verteilt und kann Gehirn und andere lebenswichtige Organe versorgen, bis professionelle Hilfe eintrifft. Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Durch das Zusammendrücken des Brustkorbs wird das Herz zwischen Brustbein und Wirbelsäule komprimiert, was zu einer gewissen Blutzirkulation führt. Gleichzeitig wird durch den Druck der gesamte Brustkorb beeinflusst, was den Blutkreislauf durch eine Sogwirkung zusätzlich antreibt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn jede Minute ohne effektive Herzdruckmassage verringert die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa 10 Prozent.
Schritt für Schritt: Anleitung zur Herzdruckmassage
Die korrekte Durchführung der Herzdruckmassage ist entscheidend für ihren Erfolg. Hier ist eine einfache Anleitung:
- Sicherheit prüfen und Notruf absetzen: Stellen Sie sicher, dass keine Gefahr für Sie oder den Betroffenen besteht. Sprechen Sie die Person laut an. Wenn keine Reaktion erfolgt und keine normale Atmung sichtbar ist (Atemwege durch leichtes Überstrecken des Kopfes freihalten und Brustkorbbewegungen beobachten), rufen Sie sofort den Notruf 112 an oder lassen Sie ihn von einer anderen Person absetzen.
- Patienten positionieren: Legen Sie den Betroffenen flach auf den Rücken auf eine harte Unterlage, idealerweise den Fußboden. Ein Bett ist für Wiederbelebungsmaßnahmen nicht geeignet, da es den Druck abfedert.
- Druckpunkt finden: Knien Sie seitlich neben dem Patienten. Der richtige Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbes, auf dem Brustbein.
- Hände platzieren: Platzieren Sie den Handballen einer Hand genau auf diesen Punkt. Legen Sie die zweite Hand über die erste und verschränken Sie die Finger, sodass sie keinen Druck auf die Rippen ausüben.
- Druck ausüben: Beugen Sie Ihre Schultern über den Druckpunkt, strecken Sie Ihre Arme durch und halten Sie den Rücken gerade. Drücken Sie den Brustkorb senkrecht von oben nach unten. Bei einem Erwachsenen muss das Brustbein mindestens fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt werden (entspricht etwa 2-3 Querfingern).
- Entlastungsphase beachten: Nach jeder Kompression ist es extrem wichtig, den Druck vollständig nachzulassen, damit der Brustkorb wieder in seine Ausgangslage zurückkehren kann. Die Handballen bleiben dabei am Druckpunkt.
Der richtige Rhythmus: Musik als Taktgeber
Der Rhythmus der Herzdruckmassage ist entscheidend: Es sollten etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute durchgeführt werden. Das ist eine hohe Frequenz, die oft unterschätzt wird. Um den richtigen Takt zu finden, kann Musik eine hervorragende Hilfe sein. Der Hit „Stayin' Alive“ der Bee Gees ist weithin bekannt als der perfekte Rhythmusgeber, da er etwa 100 Schläge pro Minute hat. Aber es gibt viele weitere Songs, die sich eignen und dabei helfen, im Gedächtnis zu bleiben, was zu tun ist. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Berufsverband der Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) haben eine Spotify-Playlist namens „100 BPM – der Rhythmus der Herzdruckmassage“ erstellt, die 86 Lieder mit dem passenden Takt enthält. Dazu gehören:
Tabelle: Rhythmusgeber für die Herzdruckmassage
| Künstler | Titel | BPM (ca.) | Botschaft (optional) |
|---|---|---|---|
| Bee Gees | Stayin' Alive | 103 | „Am Leben bleiben“ |
| Gloria Gaynor | I Will Survive | 117 | „Ich werde überleben“ |
| ABBA | Dancing Queen | 100 | |
| The Beatles | Yellow Submarine | 100 | |
| Bob Marley | Could You Be Loved | 105 |
Indem man sich innerlich eine dieser Melodien vorsingt, kann man den richtigen Takt beibehalten und die Effektivität der Herzdruckmassage deutlich steigern.
Die Bedeutung der Beatmung und wann darauf verzichtet werden kann
Wer in Mund-zu-Mund-Beatmung ausgebildet ist, führt diese zusätzlich zur Herzdruckmassage aus. Das Verhältnis beträgt 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen. Wenn Sie jedoch keine Ausbildung in der Beatmung haben oder sich aus persönlichen Gründen (z.B. Angst vor Infektionen, wie es während der COVID-19-Pandemie der Fall war) nicht dazu in der Lage fühlen, konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die Herzdruckmassage. Es ist nachweislich besser, nur die Herzdruckmassage durchzuführen, als nichts zu tun. Auch ohne zusätzliche Beatmung kann durch den Druck auf den Brustkorb etwas Sauerstoff in den Blutkreislauf gelangen, da sich in den Lungen noch Restluft befindet. Eine Gesichtsmaske für den Helfenden oder das Auflegen eines leichten Tuches über Mund und Nase des Patienten kann dabei einen gewissen Schutz bieten. Die Herzdruckmassage muss ununterbrochen fortgesetzt werden, bis professionelle Hilfe eintrifft und übernehmen kann.
Besondere Lebensretter: Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, und daher gibt es bei der Reanimation von Neugeborenen, Säuglingen und älteren Kindern einige wichtige Besonderheiten zu beachten. Während bei Erwachsenen der Kreislaufstillstand meistens kardial bedingt ist, ist bei Kindern häufig eine Störung der Atmung die primäre Ursache für eine bedrohliche Verlangsamung des Herzschlags und den anschließenden Kreislaufstillstand. Dies wird als „sekundärer Herzstillstand“ bezeichnet, oft ausgelöst durch Asphyxie (Sauerstoffmangel).

Aus diesem Grund wird bei Kindern, im Gegensatz zu Erwachsenen, vor Beginn der Herzdruckmassage zunächst fünf initiale Atemhübe hintereinander gegeben. Die Beatmung bei Neugeborenen und Säuglingen erfolgt aufgrund ihrer geringen Körpergröße oft über Mund und Nase gleichzeitig („Mund zu Mund und Nase“). Bei Säuglingen wird der Kopf nicht überstreckt, sondern nahezu in der Neutralposition belassen, der sogenannten „Schnüffelstellung“.
Für die Herzdruckmassage bei Kindern wird nur ein Handballen verwendet. Bei Säuglingen kommen zwei Finger zum Einsatz, oder der Brustkorb wird mit beiden Händen umfasst und mit den Daumen eingedrückt (bei Zusammenarbeit von zwei Helfern). Die Drucktiefe sollte etwa ein Drittel des Brustkorbdurchmessers betragen. Für den Ersthelfer gilt nach den fünf initialen Atemhüben das gleiche Verhältnis wie beim Erwachsenen: 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen. Für medizinisches Personal gilt ein Druckverhältnis von 15:2, wenn mehrere Helfer anwesend sind. Bei Neugeborenen, die zusätzlich vor Wärmeverlusten geschützt werden müssen, wird ein Verhältnis von 3:1 eingesetzt.
Im Zweifelsfall sollte immer nach dem Schema für Erwachsene verfahren werden, da, wie die Richtlinien betonen, der zeitige Beginn von Maßnahmen wichtiger ist als eine exakte, altersangepasste Durchführung. Bei der Anwendung eines automatischen externen Defibrillators (AED) sollten nach Möglichkeit Kinderelektroden verwendet werden. Bei Kindern unter einem Jahr sollte kein AED verwendet werden.
Tabelle: Vergleich der Reanimationsmaßnahmen (Erwachsene vs. Kinder/Säuglinge)
| Merkmal | Erwachsene | Kinder (ab 1 Jahr) | Säuglinge (bis 1 Jahr) | Neugeborene (bis 28. Tag) |
|---|---|---|---|---|
| Initiale Atemhübe | Keine (oder 2 bei Atemstillstand) | 5 | 5 | 5 |
| Druckpunkt | Mitte des Brustbeins | Mitte des Brustbeins | Mitte des Brustbeins | Mitte des Brustbeins |
| Handposition | Zwei Handballen | Ein Handballen | Zwei Finger / Zwei Daumen (umfassend) | Zwei Finger / Zwei Daumen (umfassend) |
| Drucktiefe | 5-6 cm | ca. 1/3 des Brustkorbdurchmessers | ca. 1/3 des Brustkorbdurchmessers | ca. 1/3 des Brustkorbdurchmessers |
| Frequenz | 100-120/Minute | 100-120/Minute | 100-120/Minute | 100-120/Minute |
| Druck-Beatmungs-Verhältnis (Ersthelfer) | 30:2 | 30:2 | 30:2 | 3:1 (med. Personal) |
| AED-Einsatz | Ja | Ja (Kinderelektroden, falls verfügbar) | Nein (unter 1 Jahr nicht empfohlen) | Nein |
Der Automatische Externe Defibrillator (AED): Der elektrische Helfer
Ein Automatischer Externer Defibrillator (AED) ist ein Gerät, das bei Kammerflimmern, einer speziellen Form des Kreislaufstillstands, einen Elektroschock abgeben kann, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen. Diese Geräte sind zunehmend an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen, Sportstätten oder Einkaufszentren zu finden und sind durch ein grünes Schild mit einem weißen Herz und einem Blitzsymbol gekennzeichnet. Das Besondere an AEDs ist, dass sie von medizinischen Laien bedient werden können. Die Geräte geben klare, gesprochene Anweisungen, die einfach zu befolgen sind. Sie analysieren den Herzrhythmus des Patienten selbstständig und entscheiden, ob ein Schock notwendig und sinnvoll ist.
Es ist von größter Bedeutung, dass die Herzdruckmassage nicht unterbrochen wird, um einen AED zu holen. Wenn ein AED verfügbar ist, sollte er von einer zweiten Person geholt werden, während die erste Person die Herzdruckmassage fortsetzt. Scheuen Sie sich nicht, einen AED anzuwenden. Nachdem die beiliegenden Elektroden nach Anweisung aufgeklebt wurden, führt das Gerät Sie durch den gesamten Prozess. Wichtige Sicherheitsmaßnahmen sind zu beachten: Verwenden Sie den AED nicht im Wasser oder während Sie in einer Pfütze stehen. Berühren Sie den Patienten nicht, während das Gerät den Herzrhythmus analysiert oder einen Stromstoß abgibt – das Gerät wird Sie dazu auffordern, Abstand zu halten. Rechtlich gesehen kann einem Laien, der einen öffentlich zugänglichen Defibrillator zur Ersten Hilfe nutzt, nichts passieren. Diese Handlung fällt in den Bereich des „rechtfertigenden Notstandes“ und geschieht im Rahmen der mutmaßlichen Einwilligung des Betroffenen. Die Kombination aus schneller Herzdruckmassage und frühzeitiger Defibrillation verdoppelt bis verdreifacht die Überlebensquote bei Herz-Kreislauf-Stillstand.
Nach der Rettung: Die Postreanimationsphase
Die Phase nach einer erfolgreichen Reanimation, die sogenannte Postreanimationsphase, beginnt, sobald das Herz wieder spontan zu schlagen beginnt (Return of Spontaneous Circulation, ROSC). Diese Phase ist entscheidend für die weitere Prognose des Patienten. Sie umfasst die präklinische Stabilisierung, den Transport in ein geeignetes Krankenhaus und eine umfassende intensivmedizinische Behandlung und Überwachung. Im Vordergrund stehen dabei kausale Therapiemaßnahmen, wie zum Beispiel eine Reperfusionstherapie nach einem Herzinfarkt oder die operative Versorgung von Verletzungen. Gleichzeitig erfolgt eine symptomatische Behandlung zur Sicherstellung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung, insbesondere des Gehirns. Dies kann Beatmungstherapie, Schrittmachertherapie und den Einsatz verschiedener Medikamente umfassen, um den Blutdruck zu stabilisieren oder Krämpfe zu behandeln.
Ein wichtiger Aspekt in dieser Phase ist die milde therapeutische Hypothermie (MTH), bei der die Körpertemperatur des Patienten für 12 bis 24 Stunden auf 32–34 °C abgekühlt wird. Diese Maßnahme, die in den internationalen Leitlinien empfohlen wird, trägt nachweislich zur Erhöhung der Überlebensrate und zur Verbesserung des neurologischen Zustandes nach erfolgreichen Reanimationen bei. Jede Verzögerung bei der Einleitung und beim Erreichen der Zieltemperatur der MTH verschlechtert das neurologische Ergebnis erheblich. Auch die Sauerstoffgabe wird genau kontrolliert: Eine zu hohe Sauerstoffsättigung (Hyperoxämie) kann in dieser Phase oxidativen Stress erzeugen und Neurone schädigen. Ziel ist es, eine Sauerstoffsättigung von 94–96 % zu erreichen, um eine kontrollierte Reoxygenierung zu gewährleisten.

Die entscheidenden Sekunden: Prognose und Überlebensfaktoren
Die Überlebensraten nach einem Kreislaufstillstand hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, was allgemeine Aussagen zur Prognose schwierig macht. Die zugrunde liegende Ursache des Stillstandes, das Alter und Vorerkrankungen des Betroffenen sowie der Zeitraum bis zur Einleitung von Reanimationsmaßnahmen sind entscheidend. Die Nervenzellen des Gehirns reagieren am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel; schon drei Minuten nach Beginn des Kreislaufstillstands besteht die Gefahr von bleibenden Gehirnschäden. Daher ist neben dem reinen Überleben auch die Vermeidung neurologischer Folgeschäden ein zentraler Aspekt der Wiederbelebung. Viele Patienten, die einen Kreislaufstillstand überleben, tragen leider solche Schäden davon.
Der wichtigste Faktor, der die Prognose beeinflusst, ist die Zeit, die bis zum Beginn der Reanimationsmaßnahmen vergeht. Pro Minute, die bis zum Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung verstreicht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten um etwa 10 Prozent. Wenn Herzdruckmassage und Beatmung innerhalb der ersten drei bis fünf Minuten beginnen und eine Defibrillation erfolgt, sind Überlebensraten von 50–75 % ohne bleibende Zellschäden möglich. Danach fallen die Raten stark ab; nach vier Minuten liegen sie bereits unter 30 %. Da in vielen europäischen Ländern die Eintreffzeit des Rettungsdienstes bei acht Minuten oder mehr liegt, sind die Maßnahmen von anwesenden Laienhelfern für das Überleben des Patienten absolut entscheidend. Ein schneller Beginn der Basismaßnahmen, ein schneller Notruf und erweiterte Maßnahmen, insbesondere die Frühdefibrillation, verdoppeln bis verdreifachen die Überlebensquote, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Die Ursache des Kreislaufstillstands spielt ebenfalls eine Rolle: Während bei kardialen Ursachen bessere Überlebenschancen bestehen, ist die Prognose bei traumatisch bedingten Stillständen oft sehr schlecht. Besser sind die Aussichten bei Unterkühlung und Ertrinkungsunfällen.
Mehr als nur Medizin: Ethische und Psychische Aspekte der Reanimation
Bei einem Kreislaufstillstand stellen sich unweigerlich ethische Fragen bezüglich des Sinns von Reanimationsmaßnahmen und deren Abbruch. Diese Entscheidungen sind komplex und werden von individuellen, kulturellen, rechtlichen, traditionellen, religiösen, sozialen und ökonomischen Faktoren beeinflusst. Es gibt keine einfachen, eindeutigen Antworten.
Eine Patientenverfügung, in der die Unterlassung von Wiederbelebungsmaßnahmen formuliert sein kann, ist für den behandelnden Arzt bindend. Solche Willensäußerungen werden in der Regel berücksichtigt, wenn sie bekannt sind und die Situation eindeutig beschreiben. Im präklinischen Bereich ist eine Prüfung unter Zeitdruck jedoch oft schwierig, sodass eine Reanimation trotz Verfügung begonnen werden kann. Manche Personen in den USA lassen sich „No CPR“ (no cardiopulmonary resuscitation) tätowieren oder tragen entsprechende Armbänder, um ihren Wunsch deutlich zu machen, obwohl die rechtliche Verbindlichkeit dieser Symbole umstritten ist.
Auch die Beendigung einer Reanimation wird kontrovers diskutiert. Wenn die therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, eine erfolglose Reanimation lange andauert oder keine Aussichten auf ein akzeptables Überleben bestehen, kann der behandelnde Arzt die Maßnahmen beenden. Dies ist in den meisten Ländern als passive Sterbehilfe (Therapieverzicht) legal. Das Konzept der Anwesenheit von Angehörigen während der Reanimation hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt und wird in vielen europäischen Ländern zunehmend akzeptiert, da Studien zeigen, dass es zur Bewältigung dieses belastenden Ereignisses beitragen kann. Für Ärzte und Rettungsdienstmitarbeiter stellen Reanimationen, insbesondere bei Kindern, eine hohe psychische Belastung dar, die zu posttraumatischen Belastungsstörungen oder Burnout führen kann. Hier kommen Methoden wie das Critical Incident Stress Management (CISM) zum Einsatz, um Helfern bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen zu helfen.
Wissen, das Leben rettet: Ausbildung und Leitlinien
Die Lehre in der Reanimation ist ein wissenschaftlich untersuchter und zentraler Baustein, um das Überleben von Patienten zu verbessern. Der European Resuscitation Council (ERC) bietet umfassende Leitlinien und Kurse an, um allen Bürgern die grundlegenden Fertigkeiten zur Lebensrettung zu vermitteln. Diese Leitlinien basieren auf evidenzbasierten Anleitungen und zielen darauf ab, das Lehren und Erlernen von Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen zur Reanimation zu fördern. Die Bildungsmethoden sind die entscheidende Brücke zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ihrer praktischen Anwendung. Die Qualität von Lehrinitiativen kann durch die Anwendung pädagogischer Theorien verbessert werden. Die fünf Kernaussagen der ERC-Leitlinie zur Lehre umfassen:
- Der ERC bietet CPR-Unterricht an, um allen Bürgern die grundlegenden Fertigkeiten zu vermitteln, ein Leben retten zu können.
- Die erforderlichen Reanimationsmaßnahmen sind leicht zu erlernen und leicht zu vermitteln.
- Es gibt kontinuierliche Verbesserungen des Basic-Life-Support-Unterrichts.
- Medizinisches Fachpersonal soll an Kursen zu erweiterten lebensrettenden Maßnahmen teilnehmen und seine Zertifikate erhalten.
- Die Entwicklung der Lehrenden (Faculty Development) ist essenziell.
Regelmäßige Auffrischungskurse sind unerlässlich, um das Wissen und die Fertigkeiten auf dem neuesten Stand zu halten. Nur so kann sichergestellt werden, dass im Ernstfall schnell und effektiv gehandelt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Herzdruckmassage
- Kann ich bei der Herzdruckmassage etwas falsch machen oder jemanden verletzen?
Die größte Gefahr besteht darin, nichts zu tun. Auch wenn Sie unsicher sind, ist es immer besser, mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Leichte Verletzungen wie gebrochene Rippen sind möglich, aber diese sind im Vergleich zum Tod durch Sauerstoffmangel irrelevant. Ein Leben zu retten ist das oberste Gebot. - Was ist, wenn ich alleine bin?
Wenn Sie alleine sind, setzen Sie zuerst den Notruf 112 ab und beginnen Sie dann sofort mit der Herzdruckmassage. Konzentrieren Sie sich auf ununterbrochene Kompressionen, bis Hilfe eintrifft. - Wann sollte ich mit der Herzdruckmassage aufhören?
Sie sollten die Herzdruckmassage nicht unterbrechen, bis der Rettungsdienst eintrifft und die Maßnahmen übernehmen kann, der Patient wieder normal atmet und ansprechbar ist, oder Sie physisch völlig erschöpft sind und nicht mehr weitermachen können. - Muss ich Beatmungen durchführen?
Wenn Sie nicht in der Mund-zu-Mund-Beatmung ausgebildet sind oder sich unwohl fühlen, konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die Herzdruckmassage. Die Kompressionen allein sind immer noch sehr effektiv und besser als keine Hilfe. Bei Kindern sind initiale Beatmungen jedoch besonders wichtig. - Wie erkenne ich einen Kreislaufstillstand?
Ein Kreislaufstillstand liegt vor, wenn eine Person bewusstlos ist, nicht auf Ansprache oder Berührung reagiert und keine normale Atmung zeigt (keine oder nur gelegentliche, schnappende Atemzüge).
Die Herzdruckmassage ist eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen in einem medizinischen Notfall. Sie ist ein Wissen, das jeder Mensch besitzen sollte, denn sie kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Nehmen Sie sich die Zeit, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen und Ihr Wissen regelmäßig aufzufrischen. Jeder Schlag zählt, und mit Ihrem Einsatz können Sie ein Leben retten. Seien Sie mutig, seien Sie bereit!
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