Was tun wenn die Wehen weh tun?

Wehen sanft anregen: Dein Weg zur natürlichen Geburt

19/04/2022

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Der errechnete Geburtstermin ist verstrichen, und die Vorfreude auf Dein Baby wächst mit jedem Tag, doch die Wehen lassen noch auf sich warten? Diese Situation kennen viele werdende Mütter. Es ist wichtig, sich von einem festen Datum nicht verrückt machen zu lassen, denn der errechnete Geburtstermin ist eher als ein Zeitfenster zu verstehen, das sich in der Regel über mehrere Wochen erstreckt. Wehen hängen von vielen individuellen Faktoren ab, und das Wichtigste zuerst: Dein Baby entscheidet, wann es bereit ist, sich auf den Weg zu machen. Doch wenn Dein kleiner Schatz schon in den Startlöchern steht und Du das Gefühl hast, ein wenig nachhelfen zu wollen, gibt es verschiedene sanfte und natürliche Methoden, die die Wehentätigkeit fördern können. In diesem umfassenden Artikel erfährst Du, welche Möglichkeiten es gibt, Deine Wehen auf natürliche Weise anzuregen und worauf Du dabei unbedingt achten solltest.

Welche Medikamente können Wehen auslösen?
Gabe von wehenfördernden Medikamenten (Oxytocin oder Prostaglandin) Es gibt nicht nur den einen Wehentee. Je nach Quelle und Erfahrungen der Hebammen, können die Rezepte sehr unterschiedlich ausfallen. Ihnen gemeinsam ist jedoch, dass die einzelnen Bestandteile des Wehentees dafür bekannt sind, Wehen auslösen zu können.

Bevor Du jedoch irgendwelche Maßnahmen ergreifst, ist es unerlässlich, dass Du Dich ausführlich mit Deiner Hebamme berätst. Sie kann beurteilen, ob Dein Körper und Dein Baby bereits für die Geburt bereit sind und welche Methoden für Dich persönlich geeignet und sicher sind. Denn nicht jede Methode ist für jede Schwangere gleichermaßen empfehlenswert, und die Sicherheit von Mutter und Kind hat immer oberste Priorität.

Inhaltsverzeichnis

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Wehenförderung?

Die Entscheidung, Wehen auf natürliche Weise anzuregen, sollte immer wohlüberlegt und in Absprache mit medizinischem Fachpersonal getroffen werden. Der Körper der Frau und das Baby müssen eine gewisse Geburtsbereitschaft erreicht haben. Wenn das Köpfchen des Babys noch nicht tief im Becken liegt, der Gebärmutterhals noch nicht verkürzt oder verstrichen und der Muttermund noch geschlossen ist, ist es in der Regel noch zu früh für gezielte Versuche. Der Körper muss hormonell und physisch auf die Geburt eingestellt sein, damit die angewandten Methoden auch tatsächlich wirken können. Es ist ein feines Zusammenspiel von Hormonen, der Position des Babys und der Reife des Gebärmutterhalses, das den Beginn der Wehen einleitet. Vertraue auf Dein Gefühl und vor allem auf den Rat Deiner Hebamme, die den Reifegrad Deines Körpers einschätzen kann.

Bewegung: Sanfte Impulse für den Geburtsbeginn

Auch wenn es in den letzten Wochen der Schwangerschaft schwerfallen mag, ist Bewegung ein hervorragendes Mittel, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten und die Wehen sanft anzuregen. Lange Spaziergänge an der frischen Luft, Treppensteigen oder sogar ein leichter Wohnungsputz können helfen, die Beckenmuskulatur zu lockern und die Durchblutung der Plazenta zu fördern. Diese körperliche Aktivität kann dazu beitragen, dass das Baby tiefer ins Becken rutscht und Druck auf den Muttermund ausübt, was wiederum die Ausschüttung wehenfördernder Hormone anregen kann.

  • Spaziergänge: Regelmäßige, ausgedehnte Spaziergänge sind eine einfache und effektive Methode.
  • Treppensteigen: Nutze jede Gelegenheit, Treppen zu steigen anstatt den Aufzug zu nehmen.
  • Tanzen: Sanftes Schwingen und Tanzen kann entspannen und gleichzeitig den Beckenboden lockern.
  • Hüpfen auf dem Gymnastikball: Kreisen der Hüften oder sanftes Hüpfen auf einem großen Gymnastikball kann helfen, das Baby in die richtige Position zu bringen.
  • Kniebeugen und Yoga: Spezielle Übungen, die den Beckenboden öffnen und kräftigen, sind ebenfalls hilfreich.

Wichtig ist dabei, Dich nicht völlig auszupowern. Du brauchst Deine Kräfte für die eigentliche Geburt. Höre auf Deinen Körper und mache Pausen, wenn Du sie brauchst. Das Ziel ist eine sanfte Anregung, keine Erschöpfung.

Stimulation: Natürliche Oxytocin-Booster

Die Stimulation bestimmter Körperbereiche kann die Ausschüttung von Oxytocin, dem sogenannten Kuschel- und Wehenhormon, anregen. Oxytocin spielt eine zentrale Rolle bei der Auslösung und Aufrechterhaltung von Wehen.

Geschlechtsverkehr

Sex kann aus zwei Gründen wehenfördernd wirken: Erstens enthält Sperma Prostaglandine, die eine ähnliche Wirkung wie wehenfördernde Medikamente haben und den Gebärmutterhals reifen lassen können. Zweitens wird beim Orgasmus der Frau Oxytocin freigesetzt, was die Gebärmutterkontraktionen anregen kann. Es ist jedoch wichtig, dass beide Partner in Stimmung sind und Sex nicht nur als „Mittel zum Zweck“ empfunden wird. Solange der Blasensprung noch nicht stattgefunden hat und keine anderen medizinischen Gründe dagegen sprechen, ist Sex eine sichere und oft angenehme Methode.

Brustwarzenstimulation

Die Stimulation der Brustwarzen ist eine weitere effektive Methode, um die Oxytocin-Produktion anzukurbeln. Ob manuell durch Massage, durch Saugen des Partners oder mithilfe einer Milchpumpe – die Reizung der Brustwarzen sendet Signale an das Gehirn, die die Freisetzung von Oxytocin bewirken. Es wird empfohlen, die Brustwarzen für etwa eine Minute zu massieren, dann eine Pause von einigen Minuten einzulegen und diesen Zyklus zu wiederholen. Auch hier gilt: Spreche die Anwendung vorher mit Deiner Hebamme ab, um die richtige Intensität und Dauer zu bestimmen und sicherzustellen, dass keine Risiken bestehen.

Entspannende Bäder und wohltuende Massagen

Wärme und Berührung können eine beruhigende und gleichzeitig stimulierende Wirkung auf den Körper haben.

Warmes Bad

Ein warmes Bad kann die Durchblutung fördern und entspannend wirken, was indirekt die Wehentätigkeit unterstützen kann. Einige Tropfen ätherischer Öle wie Eukalyptus, Ingwer oder Zimt können die Wirkung verstärken. Achte darauf, dass das Wasser nicht zu heiß ist, um Deinen Kreislauf nicht zu überfordern. Die Badezeit sollte 20 Minuten nicht überschreiten, und es ist ratsam, nicht alleine zu baden, falls Dir schwindlig werden sollte. Ein Heublumenbad ist ebenfalls eine beliebte Methode, da es die Muskulatur des Beckenbodens lockert und dessen Durchblutung fördert.

Bauchmassage

Eine sanfte Bauchmassage kann nicht nur entspannend sein, sondern auch die Gebärmuttermuskulatur stimulieren. Verwende dafür ein neutrales Basisöl wie Mandelöl. Du kannst auch ein paar Tropfen wehenfördernder Aromaöle wie Lavendel (zur Entspannung) oder Rose (zur Stärkung der Gebärmutter) hinzufügen, sofern Du die Düfte magst und keine Allergien bestehen. Der sanfte Druck in Kombination mit den ätherischen Ölen kann helfen, die Wehen in Gang zu bringen.

Wie kann ich mich vor einer Massage entspannen?
[1] Setze dich für zehn Minuten in ein warmes Bad. Das könnte nützlich sein, um dich vor der Massage zu entspannen und die Muskeln rund um den Damm zu lockern. Du kannst auch Badeöle hinzuzufügen, um die Haut weich zu machen und dich zu entspannen.

Ernährung und Getränke: Küchenhelfer für Wehen

Auch die Ernährung kann einen Einfluss auf die Wehentätigkeit haben. Bestimmte Lebensmittel und Kräuter werden traditionell zur Wehenförderung eingesetzt.

Wehenfördernde Tees

Ab der 38. Schwangerschaftswoche können bestimmte Kräutertees getrunken werden, die eine wehenfördernde Wirkung haben sollen. Dazu gehören:

  • Himbeerblättertee: Er soll die Gebärmuttermuskulatur stärken und lockern.
  • Eisenkraut (Verveine, Zitronenverbene): Wirkt entspannend und kann Wehen anregen.
  • Ingwer- und Zimttee: Beide Gewürze fördern die Durchblutung und können die Gebärmutter stimulieren.
  • Salbei, Brombeerblätter, Schafgarbe, Kreuzkümmel, Wermutkraut, Thymian, Frauenmantel, Nelken: Diese Kräuter und Gewürze werden ebenfalls in der traditionellen Hebammenkunde zur Wehenförderung eingesetzt.

Bereite diese Tees frisch zu und trinke sie in Maßen. Auch hier gilt: Sprich die Anwendung und Dosierung mit Deiner Hebamme ab.

Nahrungsmittel und Gewürze

Einige Nahrungsmittel und Gewürze können ebenfalls die Durchblutung der Bauchorgane anregen und somit potenziell wehenfördernd wirken:

  • Zimt: Soll die Durchblutung der Gebärmutter fördern.
  • Basilikum, Oregano, Thymian, Majoran, Nelken, Ingwer, Muskat, Kardamom: Diesen Gewürzen und Kräutern wird eine wehenfördernde Wirkung nachgesagt.
  • Chinin: In chininhaltigen Getränken wie Bitter Lemon oder Tonic Water enthalten, kann Chinin eine stimulierende Wirkung auf die Gebärmutter haben. Es wurde früher sogar zur Geburtseinleitung verwendet.
  • Frische Ananas: Enthält ein Enzym (Bromelain), das den Gebärmutterhals weicher machen soll.
  • Leinsamen: Ein Esslöffel geschrotete Leinsamen täglich ab der 34. Schwangerschaftswoche, zusammen mit reichlich Wasser, kann die Verdauung fördern und die Schleimproduktion der Scheidenschleimhäute anregen, was für die Geburt wichtig ist.

Achte auf eine ausgewogene und leicht verdauliche Ernährung, denn Dein Körper benötigt viel Energie für die bevorstehende Geburt und die Stillzeit.

Die Bedeutung von Ruhe und Entspannung

Obwohl es paradox klingen mag, ist auch ausreichend Schlaf, Erholung und Entspannung entscheidend für den Beginn der Wehen. Wehenfördernde Hormone werden vom Körper hauptsächlich in Ruhephasen ausgeschüttet. Viele Frauen spüren die ersten Vorwehen daher oft abends und nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommt. Ein ausgeruhter Körper ist zudem besser auf die Anstrengungen der Geburt und die Zeit danach vorbereitet.

Einlauf: Eine klassische Methode

Der Einlauf ist eine traditionelle Methode, um die Wehentätigkeit zu fördern. Die Entleerung des Darms führt zu verstärkten Darmbewegungen, die wiederum reflektorisch die Gebärmutter stimulieren und zu spontanen Geburtswehen führen können. Während ein Einlauf früher oft zur Standardprozedur bei Gebärenden gehörte, bleibt es heute der werdenden Mutter überlassen, ob sie diese Methode anwenden möchte oder nicht. Auch hier ist eine Absprache mit der Hebamme wichtig.

Alternative Ansätze und wichtige Hinweise

Neben den genannten Methoden gibt es auch alternative Ansätze, die von einigen Hebammen zur Wehenanregung empfohlen werden. Dazu gehören:

  • Fussreflexzonenmassage: Gezielte Massagepunkte an den Füßen sollen wehenfördernd wirken.
  • Akupunktur und Akupressur: Das Setzen von Nadeln oder gezielter Druck auf bestimmte Punkte kann die Wehentätigkeit anregen.
  • Spagyrik und Moxa: Dies sind weitere Methoden aus der Alternativmedizin, deren Wirkung jedoch nicht immer wissenschaftlich erwiesen ist.

Wichtiger Hinweis: Wir raten dringend davon ab, Hausmittel wie Rizinusöl-Cocktails oder Nelkenöl-Tampons auf eigene Faust auszuprobieren. Diese Substanzen können starke Nebenwirkungen haben und sollten nur unter strenger Aufsicht und Anleitung einer erfahrenen Hebamme oder eines Arztes angewendet werden. Die unsachgemäße Anwendung kann zu unkontrollierbaren Wehenstürmen oder anderen Komplikationen führen. Die Sicherheit von Dir und Deinem Baby steht an erster Stelle.

Tabelle: Vergleich natürlicher Wehenförderungsmethoden

MethodeWirkprinzipEmpfohlene AnwendungWichtiger Hinweis
BewegungFördert Durchblutung, hilft Baby in Position, stimuliert GebärmutterRegelmäßige Spaziergänge, Treppensteigen, leichtes Tanzen, GymnastikballNicht überanstrengen, auf den Körper hören
SexProstaglandine im Sperma, Oxytocin-Ausschüttung bei OrgasmusWenn beide Partner in Stimmung sind; nur vor BlasensprungKeine medizinischen Kontraindikationen beachten
BrustwarzenstimulationStimuliert Oxytocin-AusschüttungCa. 1 Min. Stimulation, dann Pause (mehrfach wiederholen)Mit Hebamme besprechen, sanft vorgehen
Warmes BadFördert Durchblutung, entspannt MuskulaturAngenehm warmes Bad (nicht zu heiß), max. 20 Min.Nicht alleine baden, Kreislauf beobachten
BauchmassageSanfter Druck, Aromaöle stimulieren GebärmutterMit Mandelöl und ggf. wehenfördernden AromaölenSanft und achtsam massieren
Wehenfördernde TeesInhaltsstoffe bestimmter Kräuter (z.B. Himbeerblätter, Ingwer)Täglich 1-2 Tassen ab 38. SSWDosierung und Art des Tees mit Hebamme absprechen
Bestimmte NahrungsmittelNatürliche Stimulanzien (z.B. Zimt, Ananas, Chinin, Leinsamen)Regelmäßiger Verzehr in MaßenKeine übermäßige Einnahme; Rizinusöl nur unter Aufsicht
EinlaufReflektorische Stimulation der Gebärmutter durch DarmbewegungNach Absprache mit Hebamme, bei BedarfKeine Standardprozedur mehr, persönliche Entscheidung

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was fördert die Wehen auf natürliche Weise?

Wehen können durch eine Kombination aus Bewegung (Spaziergänge, Treppensteigen), körperlicher Stimulation (Sex, Brustwarzenstimulation), warmen Bädern, gezielten Massagen, dem Konsum bestimmter wehenfördernder Tees und Nahrungsmittel (wie Zimt, Ingwer, Ananas, Himbeerblätter) sowie durch ausreichende Entspannung gefördert werden. Der Körper muss jedoch bereits eine gewisse Geburtsbereitschaft aufweisen, damit diese Maßnahmen wirken.

Kann Brustwarzenstimulation die Wehen auslösen?

Ja, Brustwarzenstimulation kann die Wehen auslösen oder verstärken. Durch die sanfte Massage oder das Saugen an den Brustwarzen wird das Hormon Oxytocin freigesetzt. Oxytocin ist das körpereigene Wehenhormon, das Kontraktionen der Gebärmutter auslöst. Es ist eine effektive Methode, sollte aber in Maßen und am besten in Absprache mit der Hebamme angewendet werden, um eine Überstimulation zu vermeiden.

Wie merkt man, dass das Baby kommt?

Die Anzeichen für den bevorstehenden Geburtsbeginn können variieren. Viele werdende Mütter verspüren in den Tagen vor der Geburt eine erhöhte Müdigkeit, ein Schweregefühl im Beckenbereich oder auch Unruhe und Schlafstörungen. Deutlichere und typische Anzeichen sind jedoch das Ablösen des Schleimpfropfs (oft blutig oder schleimig), der den Muttermund verschließt, und natürlich das Einsetzen von regelmäßigen und stärker werdenden Wehen. Wenn die Wehen in ihrer Intensität zunehmen, kürzer werden und in immer regelmäßigeren Abständen auftreten, ist dies ein klares Zeichen für den Geburtsbeginn.

Wie kann man die Wehen anregen, wenn der errechnete Termin überschritten ist?

Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist und Du die Wehen anregen möchtest, kannst Du die im Artikel genannten natürlichen Methoden ausprobieren. Dazu gehören sanfte Bewegung, die Stimulation der Brustwarzen oder Geschlechtsverkehr (falls medizinisch unbedenklich), entspannende Bäder, Bauchmassagen mit Aromaölen und der Konsum wehenfördernder Tees (z.B. Himbeerblätter, Zimt) oder Gewürze. Wichtig ist immer, diese Maßnahmen mit Deiner Hebamme abzustimmen, um sicherzustellen, dass sie für Dich und Dein Baby sicher und geeignet sind.

Wir hoffen, dieser Artikel gibt Dir einen guten Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten, Wehen auf natürliche und entspannte Weise zu fördern. Denke immer daran: Höre auf Deinen Körper, vertraue auf Deine Intuition und sprich alle Schritte mit Deiner Hebamme ab. Sie ist Deine wichtigste Ansprechpartnerin und wird Dich sicher durch diese aufregende Zeit begleiten. Das Team von Emma & Noah wünscht Dir und Deinem Baby alles Gute für eine wundervolle Geburt und einen guten Start ins Leben!

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