19/05/2025
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Sauna ausschließlich den kalten Monaten des Jahres vorbehalten ist. Viele Menschen verbinden das Schwitzbad instinktiv mit frostigen Temperaturen, dicken Schneeflocken und dem gemütlichen Gefühl, sich nach einem langen Wintertag aufzuwärmen. Doch wer die Saunawelt wirklich kennt, weiß: Das ist ein Mythos, der längst überholt ist. Gerade die treuen Stammgäste der Außensauna im Thermalbad können dies nur bestätigen. Sie genießen die wohltuende Hitze und die entspannende Atmosphäre zu jeder Jahreszeit, ob die Sonne scheint oder der Regen prasselt.

Ein Paradebeispiel für diese ganzjährige Leidenschaft ist Ernst Hummer aus Neunkirchen. Er ist nicht nur ein regelmäßiger Besucher, sondern bezeichnet sich selbst als „Hobbyaufgießer“. Mit Hingabe und Fachkenntnis übernimmt er es gerne, in der Thermalbad-Sauna den Aufguss durchzuführen und die aufsteigenden Dämpfe kunstvoll zu verwedeln, damit sich die Wärme optimal im Raum verteilt. Seine Begeisterung zeigt: Saunieren ist mehr als nur Schwitzen – es ist eine Kunst, eine Leidenschaft und ein Weg zu ganzheitlichem Wohlbefinden, der keine Saison kennt.
Die Vorteile des ganzjährigen Saunierens: Warum auch im Sommer?
Die Vorstellung, bei sommerlichen Temperaturen in eine heiße Sauna zu gehen, mag zunächst paradox erscheinen. Doch gerade im Sommer bietet das Saunieren einzigartige Vorteile, die oft übersehen werden. Unser Körper ist darauf ausgelegt, seine Kerntemperatur konstant zu halten. Im Sommer hilft die Sauna, die körpereigene Klimaanlage – das Schwitzen – zu trainieren und zu optimieren. Dies verbessert die Thermoregulation und kann dazu führen, dass wir mit hohen Außentemperaturen besser zurechtkommen. Wer regelmäßig sauniert, schwitzt effizienter und kühlt seinen Körper dadurch effektiver ab. Es ist eine Art Training für die Hitzeanpassung.
Darüber hinaus bietet die Sauna eine willkommene Abwechslung von der oft drückenden Sommerhitze. Während draußen die Luft steht, sorgt der Wechsel zwischen Hitze und anschließender Abkühlung für einen erfrischenden Effekt. Die Blutgefäße weiten sich in der Hitze und ziehen sich bei der kalten Dusche oder dem Sprung ins Tauchbecken wieder zusammen. Dieses „Gefäßtraining“ stärkt das Herz-Kreislauf-System und fördert die Durchblutung. Die Haut wird besser versorgt, und das gesamte Wohlbefinden steigt. Es ist ein Gefühl der Reinheit und Leichtigkeit, das sich nach einem Saunagang einstellt, unabhängig von der Jahreszeit.
Die Kunst des Aufgusses: Mehr als nur Wasserdampf
Der Aufguss ist das Herzstück des Saunaerlebnisses und für viele Saunagänger der Höhepunkt eines jeden Besuchs. Ein „Hobbyaufgießer“ wie Ernst Hummer weiß genau, wie er die Atmosphäre in der Sauna mit einem gekonnten Aufguss transformiert. Dabei wird Wasser, oft angereichert mit ätherischen Ölen, auf die heißen Saunasteine gegossen. Der entstehende Dampf, der sogenannte „Aufguss“, erhöht schlagartig die Luftfeuchtigkeit und die gefühlte Temperatur in der Saunakabine.
Doch der Aufguss ist weit mehr als nur Wasserdampf. Ein erfahrener Aufgießer verteilt den Dampf mit einem Handtuch oder Fächer gezielt im Raum. Dieses „Wedeln“ oder „Verfächern“ sorgt dafür, dass die heiße, feuchte Luft gleichmäßig alle Saunabesucher erreicht und die intensiven Düfte der ätherischen Öle sich entfalten können. Die Auswahl der Düfte spielt dabei eine große Rolle: Eukalyptus und Minze wirken belebend und befreiend für die Atemwege, Zitrusdüfte sind erfrischend und stimmungsaufhellend, während Lavendel oder Sandelholz eine beruhigende und entspannende Wirkung haben. Der Aufguss intensiviert nicht nur das Schwitzen, sondern schafft auch ein multisensorisches Erlebnis, das Körper und Geist gleichermaßen anspricht. Es ist ein Ritual, das die Sinne belebt und tiefe Entspannung ermöglicht.
Vielfalt der Saunatypen: Ein Überblick
Die Saunalandschaft bietet eine breite Palette an Möglichkeiten, die über die klassische finnische Sauna hinausgehen. Jede Art hat ihre spezifischen Temperaturen, Luftfeuchtigkeiten und gesundheitlichen Vorteile, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind:
- Finnische Sauna: Dies ist die bekannteste Form mit Temperaturen zwischen 80°C und 100°C und einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit von etwa 10-30%. Sie fördert intensives Schwitzen und stärkt das Immunsystem. Ideal für erfahrene Saunagänger.
- Dampfbad/Türkisches Bad (Hammam): Hier liegen die Temperaturen niedriger (40-55°C), dafür ist die Luftfeuchtigkeit extrem hoch (nahezu 100%). Der feuchte Dampf ist besonders wohltuend für die Atemwege und die Haut. Es wirkt reinigend und entspannend.
- Biosauna/Sanarium: Diese Variante ist milder, mit Temperaturen von 50-70°C und einer moderaten Luftfeuchtigkeit von 40-55%. Oft wird sie mit Farblichttherapie und Aromatherapie kombiniert. Sie ist schonender für den Kreislauf und ideal für Einsteiger oder Menschen mit empfindlichem Kreislauf.
- Infrarotkabine: Hier wird nicht die Luft, sondern der Körper direkt durch Infrarotstrahlen erwärmt. Die Temperaturen sind mit 30-60°C deutlich niedriger, was sie besonders kreislaufschonend macht. Die Tiefenwärme wirkt wohltuend auf Muskeln und Gelenke und kann Verspannungen lösen.
Die Wahl des Saunatyps hängt von persönlichen Vorlieben und gesundheitlichen Aspekten ab. Viele Thermalbäder bieten eine Kombination dieser Saunen an, sodass jeder Besucher sein ideales Schwitzerlebnis finden kann.
Gesundheitliche Vorteile regelmäßiger Saunagänge
Die positiven Auswirkungen des Saunierens auf Körper und Geist sind vielfältig und wissenschaftlich belegt. Regelmäßige Saunabesuche tragen maßgeblich zu unserem allgemeinen Wohlbefinden bei:
- Stärkung des Immunsystems: Der Wechsel zwischen Hitze und Kälte trainiert die Abwehrkräfte des Körpers. Die erhöhte Körpertemperatur während des Saunagangs simuliert leichtes Fieber, wodurch die Produktion von Abwehrzellen angeregt wird.
- Hautpflege und -reinigung: Durch das intensive Schwitzen werden die Poren geöffnet und die Haut von Talg, Schmutz und abgestorbenen Hautschüppchen gereinigt. Die verbesserte Durchblutung verleiht der Haut ein frisches und rosiges Aussehen.
- Muskelentspannung und Schmerzlinderung: Die Wärme lockert verspannte Muskeln und kann bei Gelenkschmerzen oder rheumatischen Beschwerden lindernd wirken. Die erhöhte Durchblutung fördert den Abtransport von Stoffwechselprodukten, die Muskelkater verursachen können.
- Stressabbau und psychische Entspannung: Die ruhige und warme Atmosphäre der Sauna, oft in Kombination mit wohlriechenden Düften, wirkt beruhigend auf das Nervensystem. Der Geist kommt zur Ruhe, Stress wird abgebaut, und man fühlt sich nach dem Saunieren entspannter und ausgeglichener.
- Verbesserung des Schlafs: Die tiefe Entspannung, die durch den Saunagang hervorgerufen wird, kann zu einem besseren und erholsameren Schlaf beitragen.
- Entgiftung: Obwohl die Nieren die Hauptlast der Entgiftung tragen, scheidet der Körper über den Schweiß auch geringe Mengen an Toxinen und Schwermetallen aus.
Diese Vorteile sind nicht auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkt, sondern können das ganze Jahr über genossen werden. Gerade die ganzjährige Praxis des Saunierens maximiert diese Effekte.
Sauna-Etikette und wichtige Tipps für den Saunabesuch
Um das Saunaerlebnis für sich und andere optimal zu gestalten, gibt es einige grundlegende Regeln und Empfehlungen:
- Duschen vor dem Saunagang: Aus hygienischen Gründen und um den Säureschutzmantel der Haut zu neutralisieren, sollte man vor dem Betreten der Sauna duschen.
- Trocken abtrocknen: Um das Schwitzen zu fördern, ist es ratsam, sich nach dem Duschen gründlich abzutrocknen.
- Handtuch unterlegen: In der Sauna sollte immer ein ausreichend großes Handtuch unter den gesamten Körper gelegt werden, damit kein Schweiß auf das Holz gelangt.
- Dauer des Saunagangs: Ein Saunagang sollte zwischen 8 und 15 Minuten dauern. Hören Sie auf Ihren Körper und verlassen Sie die Kabine, sobald Sie sich unwohl fühlen.
- Abkühlung: Nach dem Saunagang ist eine gründliche Abkühlung unerlässlich. Kaltes Duschen oder ein Sprung ins Tauchbecken stärkt den Kreislauf und schließt die Poren.
- Ruhephasen: Zwischen den Saunagängen sind Ruhephasen von 10 bis 20 Minuten wichtig, um dem Körper Zeit zur Erholung zu geben.
- Ausreichend trinken: Durch das Schwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit. Es ist wichtig, vor, während und nach dem Saunabesuch ausreichend Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsäfte zu trinken.
- Keine Ablenkungen: Die Sauna ist ein Ort der Ruhe. Vermeiden Sie laute Gespräche und die Nutzung von Mobiltelefonen.
Diese einfachen Regeln tragen dazu bei, dass jeder seinen Saunabesuch in vollen Zügen genießen kann.
Mythos vs. Realität: Die Ganzjahressauna im Überblick
Die Vorstellung, dass Saunieren nur im Herbst und Winter sinnvoll ist, hält sich hartnäckig. Doch die Realität sieht anders aus. Hier ein kleiner Vergleich, der die Vorteile der Ganzjahressauna verdeutlicht:
| Merkmal | Saunieren im Herbst/Winter | Saunieren im Frühling/Sommer |
|---|---|---|
| Primäre Motivation | Aufwärmen, Erkältungsprophylaxe | Körperliche Entgiftung, Hautpflege, Kreislauftraining |
| Effekt auf Körpertemperatur | Anpassung an Kälte, Stärkung der Kältetoleranz | Optimierung der Thermoregulation, Hitzetoleranz |
| Atmosphäre | Gemütlich, wohlig warm nach Kälte | Erfrischend, reinigend, belebend |
| Hautvorteile | Verbesserte Durchblutung in der Kälte | Tiefenreinigung, Vorbereitung auf Sonneneinstrahlung (mit Sonnenschutz) |
| Psychologischer Effekt | Winterblues-Bekämpfung, Gemütlichkeit | Stressabbau, Leichtigkeit, Erholung vom Alltag |
Wie die Tabelle zeigt, bietet jede Jahreszeit spezifische Anreize und Vorteile für den Saunabesuch. Es gibt also keinen Grund, die wohltuende Wirkung der Sauna auf bestimmte Monate zu beschränken.
Häufig gestellte Fragen zum Saunieren
Um eventuelle Unsicherheiten zu beseitigen, beantworten wir hier einige der häufigsten Fragen rund um das Thema Sauna:
- Kann man im Sommer saunieren?
Absolut ja! Wie ausführlich beschrieben, hilft Saunieren im Sommer dem Körper, sich besser an hohe Temperaturen anzupassen und die Thermoregulation zu optimieren. Es wirkt erfrischend und reinigend. - Wie oft sollte man in die Sauna gehen?
Für die meisten Menschen ist ein bis zwei Saunabesuche pro Woche ideal, um die gesundheitlichen Vorteile optimal zu nutzen. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Regelmäßigkeit. - Was ist ein Aufguss?
Ein Aufguss ist das Gießen von Wasser (oft mit ätherischen Ölen) auf die heißen Saunasteine, wodurch sich Dampf bildet. Dieser Dampf wird vom Aufgießer im Raum verteilt, um die Luftfeuchtigkeit und die gefühlte Temperatur zu erhöhen und ein intensives Dufterlebnis zu schaffen. - Ist Sauna gut für die Haut?
Ja, sehr sogar. Das Schwitzen öffnet die Poren und reinigt die Haut gründlich. Die verbesserte Durchblutung sorgt für eine bessere Nährstoffversorgung und einen gesunden Teint. - Was sollte man nach der Sauna beachten?
Nach dem Saunagang ist eine gründliche Abkühlung (Kaltwasseranwendung) und eine ausreichende Ruhephase (mindestens 15-20 Minuten) wichtig. Vergessen Sie nicht, den Flüssigkeitsverlust durch Trinken von Wasser oder ungesüßten Getränken auszugleichen. - Darf man mit Erkältung in die Sauna?
Nein. Bei akuten Erkältungen, Fieber oder entzündlichen Erkrankungen sollte man auf den Saunabesuch verzichten, da dies den Körper zusätzlich belasten könnte. Bei leichten Erkältungsanzeichen kann die Sauna vorbeugend wirken, aber niemals bei Symptomen. - Ist Saunieren für jeden geeignet?
Die meisten Menschen können die Sauna bedenkenlos nutzen. Bei bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Problemen, hohem Blutdruck, Schwangerschaft) sollte jedoch vorab ein Arzt konsultiert werden.
Die Welt des Saunierens ist reich an Traditionen, gesundheitlichen Vorteilen und purer Entspannung. Egal ob im kalten Winter oder im heißen Sommer – die Sauna ist ein Ort des Wohlbefindens, der zu jeder Jahreszeit Körper und Geist in Einklang bringt. Lassen Sie sich von der Begeisterung eines Ernst Hummer anstecken und entdecken Sie die ganzjährige Freude am Schwitzen und Entspannen. Ihr Körper wird es Ihnen danken!
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