02/06/2024
Aachen, oft liebevoll als die „Stadt des Wassers“ bezeichnet, birgt ein einzigartiges Naturphänomen: die heißesten Thermalquellen nördlich der Alpen. Seit Jahrtausenden sprudelt hier wertvolles Heilwasser aus den Tiefen der Erde und hat die Stadt maßgeblich geprägt. Von den Kelten über die Römer bis hin zu Kaiser Karl dem Großen suchten und fanden hier gekrönte Häupter und einfache Bürger Linderung und Erholung. Begleiten Sie uns auf eine fesselnde Reise zu den Ursprüngen dieser sprudelnden Schätze, entdecken Sie ihre heilende Wirkung und erfahren Sie, wie Aachen bis heute seinen Ruf als „Bad der Könige“ ehrt.

- Aachen: Die Stadt des Wassers und ihre Geschichte
- Die Carolus Thermen: Ein modernes Refugium der Entspannung
- Der Elisenbrunnen: Das Denkmal einer sprudelnden Vergangenheit
- Ein geologisches Wunder: Die Aachener und Burtscheider Thermalquellen im Vergleich
- Von der Trinkkur zur Kosmetik: Historische Nutzung und moderne Anwendungen
- Die Thermalwasserroute: Auf den Spuren des Heilwassers
- Berühmte Kurgäste und faszinierende Legenden
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Aachen: Die Stadt des Wassers und ihre Geschichte
Der Name Aachen selbst ist ein Echo dieser tiefen Verbindung zum Wasser, abgeleitet vom germanischen Wort „ahha“, das „Wasser“ bedeutet. Mit über 30 Thermalquellen, die Temperaturen zwischen 38 und beeindruckenden 74 Grad Celsius erreichen, ist Aachen ein wahrhaft geothermisches Wunder. Diese natürlichen Heilstätten waren schon in der Antike von großer Bedeutung. Die Römer errichteten hier aufwendige Bäder, deren Überreste noch heute von der einstigen Pracht zeugen. Auch Karl der Große schätzte die Quellen für seine täglichen Bäder und trug maßgeblich dazu bei, Aachen zu einem Zentrum der Badekultur in Europa zu machen. Das warme, mineralreiche Wasser wurde über Jahrhunderte hinweg zur Heilung verschiedenster Beschwerden genutzt und zog Menschen aus aller Welt an.
Die Carolus Thermen: Ein modernes Refugium der Entspannung
Das Herzstück des heutigen Aachener Bäderwesens sind zweifellos die Carolus Thermen. Jährlich strömen Tausende Besucher hierher, um Linderung, Heilung und tiefe Erholung zu finden. Die Therme besticht durch eine beeindruckende Architektur: Eine majestätische Badehalle, getragen von 18 Säulen, die tagsüber von natürlichem Licht durchflutet und abends stimmungsvoll illuminiert wird. Im Innenbereich laden verschiedene Becken zum Verweilen ein: das Terrassenbecken, das Sprudelbecken, ein luxuriöser Whirlpool, geheimnisvolle Wassergrotten und eine wohltuende Dampfgrotte. Nach dem Badevergnügen steht ein großzügiger Ruheraum zur Verfügung, der zur vollkommenen Entspannung einlädt.
Doch das Vergnügen endet nicht im Inneren. Die Carolus Thermen bieten auch eine weitläufige Außenanlage mit einem erfrischenden Sonnenbecken und einer naturnahen Felsgrotte, die das ganze Jahr über genutzt werden kann. Für Saunaliebhaber gibt es eine Vielzahl thematischer Saunabereiche, die individuelle Vorlieben abdecken. Und wer nach dem Baden oder Saunieren etwas Sonne tanken möchte, findet in den Solarien die passende Gelegenheit. Die Carolus Thermen sind somit ein umfassendes Wellness-Erlebnis, das Tradition und Moderne auf einzigartige Weise verbindet.
Der Elisenbrunnen: Das Denkmal einer sprudelnden Vergangenheit
Als architektonisches Denkmal der Aachener Thermalquellen erhebt sich der Elisenbrunnen, erbaut im frühen 19. Jahrhundert. Mit seiner offenen Halle und dem prächtigen Säulenvorbau, flankiert von zwei Pavillons, ist er ein öffentlicher Brunnen, aus dem auch heute noch 52 Grad Celsius warmes Wasser aus der Kaiserquelle fließt. Der charakteristische, manchmal als „faulige Eier“ beschriebene Geruch rührt vom Schwefelwasserstoff her, der im Wasser gelöst ist – ein Zeichen seiner natürlichen Herkunft und seiner besonderen Zusammensetzung. Steinerne Tafeln in der Halle erinnern an prominente Kurgäste, die hier einst Linderung suchten, darunter Persönlichkeiten wie Peter der Große, Friedrich der Große, Georg Friedrich Händel und Giacomo Casanova. Der Elisenbrunnen ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein lebendiger Beweis für die anhaltende Bedeutung des Aachener Thermalwassers.

Ein geologisches Wunder: Die Aachener und Burtscheider Thermalquellen im Vergleich
Aachen liegt in einem morphologischen Talkessel, wobei ein Großteil des Einzugsgebietes der Thermalquellen im Hohen Venn und im Aachener Wald liegt, geodätisch 200 bis 300 Meter höher als die Quellpunkte der Innenstadt. Dies führt dazu, dass die Quellen artesisch ausfließen – das Wasser steigt von selbst an die Oberfläche. Um eine Überflutung der Stadt mit warmem Quellwasser zu verhindern, ist ein konstantes Abpumpen der Hauptquellen notwendig. Geologisch sind die Aachener und Burtscheider Thermalquellen an Kalksteinzüge des Frasniums gebunden, die entlang großer tektonischer Überschiebungsbahnen – der Aachener und Burtscheider Überschiebung – an die Oberfläche treten.
Das Regenwasser versickert in Tiefen von etwa 3000 bis 4000 Metern und wird dabei auf beeindruckende 130 Grad Celsius erwärmt. In Spalten und Klüften des Kalksteins steigt es dann rasch auf. Die Burtscheider Thermalquellen sind mit bis zu 74 Grad Celsius im Durchschnitt etwa 20 Grad wärmer als die Quellen in der Aachener Innenstadt, deren Temperaturen um 50 Grad Celsius liegen. Der berühmte Schwefelgeruch des Aachener Thermalwassers rührt von einem höheren Gehalt an Schwefelwasserstoff her, während das Burtscheider Wasser, insbesondere das der oberen Quellengruppe, aufgrund seiner höheren Temperatur geruchsneutraler ist.
Beide Wässer gehören zu den schwefel- und fluoridhaltigen Natrium-Chlorid-Hydrogenkarbonat-Thermen und zeichnen sich durch eine hohe Gesamtmineralisation aus, die zum Teil über 4500 Milligramm pro Liter erreichen kann. Sie enthalten zahlreiche Spurenelemente wie Lithium, Bor, Fluor und Arsen, denen traditionell Heilwirkungen zugeschrieben werden. Die Aachener Thermalquellen sind mit einer Ergiebigkeit von täglich 3,5 Millionen Litern die ergiebigsten Thermalquellen Deutschlands, wobei allein die Burtscheider Quellen 2,2 Millionen Liter pro Tag beisteuern.
Um die chemischen Unterschiede besser zu verdeutlichen, hier ein Vergleich ausgewählter Parameter der Rosenquelle (Aachen) und des Schlangenquellchens (Burtscheid):
| Parameter | Einheit | Rosenquelle (Aachen) | Schlangenquellchen (Burtscheid) |
|---|---|---|---|
| Natrium | mg/l | 1170 | 1100 |
| Kalium | mg/l | 59,0 | 48,0 |
| Calcium | mg/l | 73,5 | 70,8 |
| Magnesium | mg/l | 9,63 | 10,3 |
| Chlorid | mg/l | 1020 | 1390 |
| Fluorid | mg/l | 6,12 | 3,2 |
| Sulfat | mg/l | 253 | 252 |
| Hydrogenkarbonat | mg/l | 851 | 802 |
| Schwefelwasserstoff | mg/l | 2,50 | < 0,1 |
| Arsen | mg/l | 0,058 | 0,015 |
| Trockenrückstand, 180 °C | mg/l | 3550 | 3330 |
| Geschätzte Temperatur | °C | ~50 | ~74 |
Die Tabelle zeigt deutlich, dass die Rosenquelle in Aachen einen höheren Schwefelwasserstoffgehalt aufweist, was den charakteristischen Geruch erklärt. Die Burtscheider Quellen hingegen sind deutlich wärmer.
Von der Trinkkur zur Kosmetik: Historische Nutzung und moderne Anwendungen
Die Nutzung des Aachener Thermalwassers hat eine lange Tradition. In der Vergangenheit wurde der größte Teil des Wassers als Kur- und Heilmittel eingesetzt. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Nachfrage so groß, dass die zahlreichen Badehäuser und Hotels den Bedarf kaum decken konnten. Neben der Trinkkur wurde das mineralisierte Wasser für Badekuren, Thermalwasserduschen und Dampfbäder genutzt. Der Versand von Aachener Thermalwasser in Flaschen und Fässern ist seit dem späten 17. Jahrhundert belegt. Es gab sogar Ausfuhrverbote, um den Ruf des Wassers vor unhygienischen Abfüllmethoden zu schützen und die Gästezahlen in Aachen zu halten.

Die Kaiserbrunnen Aktiengesellschaft füllte das Wasser der Kaiserquelle bis Ende 2009 ab, und auch das Burtscheider Wasser der Mephistoquelle wurde kommerziell vertrieben. Thermalsalz und Quellschwefel wurden ebenfalls zur Herstellung künstlicher Mineralwässer angeboten. Öffentliche Laufbrunnen wie am Burtscheider Markt oder der „Faulbrunnen“ am Friedrich-Wilhelm-Platz gaben das Thermalwasser teilweise kostenlos an die Bevölkerung ab. Heute wird das Thermalwasser in Aachen weiterhin in drei Kurkliniken zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Die Rosenquelle versorgt die Carolus Thermen, und ein kleiner Anteil des Wassers findet sogar als Zusatzstoff in Kosmetikprodukten Verwendung. Der Elisenbrunnen und der Thermalbrunnen Burtscheid sind die letzten öffentlichen Trinkbrunnen, die noch mit Thermalwasser betrieben werden.
Die Thermalwasserroute: Auf den Spuren des Heilwassers
Dank der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen gibt es seit einigen Jahren eine faszinierende Thermalwasserroute durch Aachen. Diese Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Existenz und Bedeutung der Aachener und Burtscheider Thermalquellen wieder ins Bewusstsein zu rücken. Immer mehr Quellen, die oft überbaut und unsichtbar geworden sind, werden markiert und mit informativen Tafeln versehen. Ziel ist es, diese Standorte ehemaliger Badehäuser und Quellen zu einer zusammenhängenden Route zu verbinden. Interaktive Informationssäulen informieren über die Aachener Thermalquellen und die reiche Bäderkultur der Stadt. Für Abenteuerlustige gibt es sogar Geocaching-Routen, die entlang der Thermalwasserroute führen und spielerisch die Geschichte des Wassers näherbringen. Langfristig sollen weitere Quellen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht und erlebbar werden, um an die fast 2000-jährige Nutzung dieses einzigartigen Naturerbes zu erinnern.
Berühmte Kurgäste und faszinierende Legenden
Um die heißen Quellen ranken sich nicht nur historische Fakten, sondern auch zahlreiche Legenden und Anekdoten. Eine der bekanntesten ist die vom Bahkauv, einem Fabelwesen, das in den Abwasserkanälen der Thermalbecken gehaust haben und nächtliche Heimkehrer erschreckt und bestohlen haben soll. Ein Denkmal in der Aachener Innenstadt erinnert an dieses mystische Geschöpf. Eine andere Legende erzählt, wie König Pippin einst in der Kaiserquelle ein Ungeheuer besiegte, dessen Blut das ganze Bad rot färbte – eine Geschichte, die heute mit einer rot gefärbten Mikrobe in warmem Wasser in Verbindung gebracht wird. Und natürlich die berühmte Geschichte, wie Karl der Große die Quellen entdeckte, als sein Pferd bei einem Ausritt in sumpfigem Gelände scheute.
Doch nicht nur Legenden, auch tragische und kuriose Geschichten sind mit den Quellen verbunden. Im Jahr 1790 starb der Gouverneur von Gibraltar, George Augustus Eliott, auf seiner Kurresidenz nach übermäßiger innerlicher Anwendung von Thermalwasser – ein warnendes Beispiel, da Badeärzte damals schon vor dem Konsum von bis zu 18 Litern Brunnenwasser warnten. Der Komponist Norbert Burgmüller ertrank 1836 im Quirinusbad, vermutlich infolge eines epileptischen Anfalls. Im selben Jahr begann Otto von Bismarck seine Referendariatsausbildung in Aachen und verliebte sich leidenschaftlich in eine englische Kurgästin, was zu einer Überschreitung seines Urlaubs und finanziellen Problemen führte. Auch der spätere Schachweltmeister Alexander Aljechin versuchte 1922 im Foyer des Corneliusbades einen Suizid, konnte aber gerettet werden. Diese Geschichten zeigen, dass die Aachener Thermalquellen über die Jahrhunderte hinweg Schauplatz menschlicher Dramen, Lieben und Schicksale waren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wie viele Thermalquellen gibt es in Aachen?
- In Aachen gibt es über 30 Thermalquellen, die als die heißesten nördlich der Alpen gelten.
- Was macht das Aachener Thermalwasser so besonders?
- Das Aachener Thermalwasser ist besonders aufgrund seiner hohen Temperatur (bis zu 74°C), seines hohen Mineralgehalts (schwefel- und fluoridhaltige Natrium-Chlorid-Hydrogenkarbonat-Thermen) und seiner historischen Bedeutung als Heilmittel.
- Kann man das Thermalwasser trinken?
- Historisch wurde das Thermalwasser auch als Trinkkur verwendet. Heute wird eine medizinisch indizierte Anwendung und der Konsum geringer Mengen angeraten. Öffentliche Trinkbrunnen wie der Elisenbrunnen sind weiterhin in Betrieb.
- Welche Thermen gibt es in Aachen?
- Die bekannteste und größte Therme in Aachen ist die Carolus Thermen. Es gibt zudem drei Kurkliniken, die das Thermalwasser zu therapeutischen Zwecken nutzen.
- Warum riecht das Aachener Wasser manchmal nach Schwefel?
- Der charakteristische Geruch, oft als „faule Eier“ beschrieben, kommt vom Schwefelwasserstoff, der im Aachener Thermalwasser gelöst ist. Dieser Stoff ist ein natürlicher Bestandteil des Wassers.
- Gibt es einen Unterschied zwischen Aachener und Burtscheider Quellen?
- Ja, die Burtscheider Quellen sind mit bis zu 74°C im Durchschnitt etwa 20°C wärmer als die Aachener Quellen (um 50°C). Zudem ist das Burtscheider Wasser aufgrund seiner höheren Temperatur ärmer an organischen Schwefelverbindungen und somit geruchsneutraler als das Aachener Wasser.
- Wofür wird das Thermalwasser heute genutzt?
- Heute wird das Thermalwasser hauptsächlich in den Carolus Thermen für Bade- und Saunazwecke, in Kurkliniken für therapeutische Anwendungen und in geringem Maße als Zusatzstoff in Kosmetikprodukten verwendet. Öffentliche Brunnen wie der Elisenbrunnen führen es als Trinkwasser.
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