19/01/2024
Metallische Werkstoffe sind in der modernen Zahnmedizin aufgrund ihrer außergewöhnlichen mechanischen Belastbarkeit unverzichtbar geworden. Sie finden breite Anwendung in Zahnersatz, kieferorthopädischen Geräten und Füllmaterialien. Obwohl ihr Aussehen manchmal als störend empfunden wird – weshalb sie im sichtbaren Bereich oft mit zahnfarbener Keramik verblendet werden – ist ihre Funktionalität unbestreitbar. Doch wie bei allen Materialien, die im menschlichen Körper zum Einsatz kommen, stellen sich wichtige Fragen bezüglich ihrer Verträglichkeit und potenziellen Nebenwirkungen. Dieser Artikel beleuchtet umfassend die verschiedenen Aspekte metallischen Zahnersatzes, von der Zusammensetzung der Legierungen bis hin zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen und der Bedeutung der richtigen Materialwahl.

Dentallegierungen: Eine Vielfalt an Materialien
Im zahnmedizinischen Bereich werden fast ausschließlich Legierungen, also Mischungen verschiedener Metalle, verwendet. Diese bieten eine Kombination von Eigenschaften, die reinen Metallen oft fehlen. Man unterscheidet sie hauptsächlich nach ihrem Hauptbestandteil:
- Goldlegierungen: Traditionell sehr beliebt, bekannt für ihre hohe Korrosionsbeständigkeit und Biokompatibilität.
- Palladiumlegierungen: Eine Alternative zu Gold, ebenfalls mit guter Korrosionsfestigkeit.
- Silberlegierungen: Werden oft in Kombination mit anderen Metallen verwendet.
- Kobaltlegierungen: Nichtedelmetall-Legierungen, die für ihre Härte und Korrosionsbeständigkeit geschätzt werden.
- Nickellegierungen: Ebenfalls Nichtedelmetall-Legierungen, deren Einsatz jedoch aufgrund des höheren Allergiepotenzials sorgfältiger abgewogen wird.
- Titan: Wird häufig unlegiert verwendet und zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Biokompatibilität und Leichtigkeit aus.
Für kieferorthopädische Zwecke kommen zudem spezielle Stähle (Eisenlegierungen) und Titanlegierungen zum Einsatz. Amalgame, die Quecksilberlegierungen sind, dienen ausschließlich als Füllungsmaterialien und werden aufgrund von Bedenken immer seltener verwendet.
Verträglichkeit und potenzielle Nebenwirkungen
Wie alle Werkstoffe setzen auch Metalle und Legierungen unvermeidbar Bestandteile frei – ein Prozess, der bei Metallen als Korrosion bezeichnet wird. Diese Korrosionsprodukte können unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Die wichtigsten sind allergische Reaktionen, lokaltoxische, systemtoxische und elektrische Effekte.
Allergische Reaktionen: Eine seltene, aber relevante Sorge
Allergische Reaktionen im Zusammenhang mit Dentallegierungen sind bekannt, treten aber im Verhältnis zur großen Anzahl der versorgten Patienten relativ selten auf. Eine allergische Reaktion setzt immer eine bereits erfolgte Sensibilisierung des Patienten voraus. Diese Sensibilisierung entsteht hauptsächlich durch wiederkehrende Hautkontakte mit der verursachenden Substanz, etwa durch Modeschmuck, Münzen oder im beruflichen Umfeld. Eine Sensibilisierung über die Mundschleimhaut ist hingegen ausgesprochen selten.
Patienten, die beispielsweise auf Nickel oder Palladium allergisch reagieren (oft durch Hautprobleme wie Ekzeme in Verbindung mit Modeschmuck), sollten ihren Zahnarzt unbedingt darüber informieren. Obwohl die Mundschleimhaut etwa 6 bis 10 Mal widerstandsfähiger gegenüber allergischen Reizen ist als die Haut, können bei bestehender Sensibilisierung auch bei Dentalwerkstoffen Beschwerden wie Mundschleimhautentzündungen, Lippenekzeme oder Streureaktionen an der Haut auftreten. In solchen Fällen sollte grundsätzlich ein Material gewählt werden, das die allergieauslösende Substanz nicht enthält.
Wichtiger Hinweis: Ein routinemäßiger Allergietest vor einer zahnärztlichen Versorgung ist nicht empfehlenswert. Tests sollten nur bei begründetem Verdacht auf eine Allergie durchgeführt werden. Der sogenannte Epikutantest, bei dem die verdächtigen Substanzen auf die Rückenhaut geklebt werden, ist hierfür geeignet. Er sollte von einem Facharzt (Hautarzt/Dermatologe, Allergologe) durchgeführt werden, um eine zuverlässige Diagnose zu gewährleisten.
Lokaltoxische Effekte: Wenn die Verarbeitung eine Rolle spielt
Lokaltoxische Effekte sind nichtallergische Entzündungen der Mundschleimhaut, die in unmittelbarer Nähe des metallischen Werkstoffes auftreten können. Sie entstehen, wenn eine Legierung aufgrund eines Verarbeitungsfehlers (z.B. beim Gießen, Löten oder Verblenden) nicht ausreichend korrosionsfest ist und vermehrt unedle Komponenten wie Kupfer freisetzt. Solche Fehler sind vor dem Einsetzen des Zahnersatzes nur schwer zu erkennen und werden daher typischerweise erst während der Tragezeit sichtbar. Die einzige Abhilfe ist in der Regel die Entfernung des betreffenden Materials.
Systemtoxische Effekte: Eine Frage der Dosis
Systemtoxische Effekte beziehen sich auf Schädigungen von Geweben, Organen oder Zellen im gesamten Körper, einschließlich Keimzellen oder der Auslösung von Krebs. Es ist wichtig zu betonen, dass solche Gesundheitsschäden durch Dentallegierungen beim Menschen bis heute nicht nachgewiesen wurden. Laborstudien zeigen zwar, dass Dentallegierungen oder ihre Komponenten bei entsprechender Dosis Schäden verursachen können, doch die zusätzliche Dosis metallischer Elemente, die durch Zahnersatz im menschlichen Körper freigesetzt wird, ist offenbar selbst unter ungünstigen Bedingungen nicht ausreichend hoch, um solche systemischen Effekte auszulösen.
Diese Erkenntnis basiert auf jahrzehntelangen Beobachtungen und umfangreichen analytischen Untersuchungen von Körperflüssigkeiten und Geweben, die die Sicherheit der verwendeten Dentallegierungen untermauern. Behauptungen aus alternativmedizinischen Kreisen über weitreichende Gesundheitsschäden durch „Metalle im Munde“ stützen sich oft auf wissenschaftlich nicht anerkannte Diagnoseverfahren (z.B. Elektroakupunktur, Pendeln), deren Ergebnisse als zufällig und unzuverlässig gelten.
Elektrische Effekte: Das galvanische Element im Mund
Die Auflösung von Metallen oder Legierungen im Speichel (einem Elektrolyt) ist eine elektrochemische Reaktion. Dabei laden sich die freisetzenden Metalle negativ auf. Wenn zwei unterschiedlich edle Legierungen im Mund vorhanden sind, entsteht eine Spannungsquelle, ein sogenanntes Galvanisches Element oder eine Batterie, mit Spannungen von bis zu einem Volt. Beim Zubeißen können diese Pole elektrisch verbunden werden, was zu einem kurzzeitigen Stromfluss führen kann.
Die dabei entstehenden Spannungen und Ströme sind jedoch extrem klein (anfänglich bis zu 100 µA, sinkend auf etwa 1 µA) und gelten als absolut ungefährlich. Sie können allerdings ein unangenehmes Kribbeln oder einen metallischen Geschmack verursachen, ähnlich dem Gefühl, wenn Stanniolpapier mit einem anderen Metall im Mund in Kontakt kommt. Dieser Effekt tritt bei Dentallegierungen nur auf, wenn ein Material unzureichend korrosionsfest ist, meist infolge eines Verarbeitungsfehlers. Auch hier ist die Entfernung des fehlerhaften Materials die übliche Lösung.
Mundbeständigkeit: Ein Qualitätsmerkmal
Dentallegierungen zeichnen sich durch eine hohe Korrosionsfestigkeit aus und sind in der Regel deutlich beständiger als Metalle, die für Modeschmuck oder Münzen verwendet werden. Diese hohe Beständigkeit beruht bei Edelmetall-Legierungen auf der inhärenten Korrosionsfestigkeit ihrer edlen Hauptkomponenten. Bei Nichtedelmetall-Legierungen (wie Eisen-, Kobalt- und Nickellegierungen, die alle Chrom enthalten) wird diese durch die Bildung einer schützenden Passivschicht aus Chromoxid erreicht, die sich nach mechanischer Verletzung sofort erneuert. Bei Titan und Titanlegierungen bildet sich eine ähnliche Passivschicht aus Titanoxid. Auch moderne Amalgame zeigen eine verbesserte und mit der Zeit zunehmende Korrosionsfestigkeit.
Die richtige Legierungswahl: Eine Entscheidung mit Ihrem Zahnarzt
Für die Herstellung von Zahnersatz steht eine Vielzahl von Dentallegierungen zur Verfügung, die sich in ihrer Korrosionsfestigkeit und ihren biologischen Eigenschaften unterscheiden. Als besonders korrosionsfest und biokompatibel gelten hochgoldhaltige Legierungen (mit mindestens 70m% Gold), Kobaltlegierungen und Titan. Aber auch preiswertere Edelmetall-Legierungen sind bewährte Materialien mit erwiesener Verträglichkeit.
Es wird jedoch vor sogenannten goldarmen Legierungen mit weniger als 60m% Edelmetallgehalt (wobei Silber in diesem Zusammenhang nicht als Edelmetall zählt) und vor Nickellegierungen mit weniger als 20m% Chromgehalt gewarnt, da diese ein höheres Risiko für Unverträglichkeiten oder Korrosion aufweisen können. Viele Legierungshersteller stellen detaillierte Informationen zum Korrosionsverhalten und zur biologischen Verträglichkeit ihrer Produkte bereit.
Unser Rat: Sprechen Sie ausführlich mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt. Lassen Sie sich umfassend beraten, bevor Sie sich für ein Material entscheiden. Ihre individuelle Situation, eventuelle Allergien und die spezifischen Anforderungen an den Zahnersatz sollten bei der Materialwahl berücksichtigt werden, um die bestmögliche und sicherste Lösung für Ihre Mundgesundheit zu finden.
Häufig gestellte Fragen zu metallischem Zahnersatz
Sind metallische Zahnersätze sicher?
Ja, moderne metallische Zahnersätze sind bei sachgemäßer Materialwahl und Verarbeitung sehr sicher. Die Forschung und jahrzehntelange Erfahrung zeigen, dass schwerwiegende systemische Schäden durch Dentallegierungen beim Menschen nicht nachgewiesen wurden. Die verwendeten Materialien werden strengen Normen unterzogen, um ihre Biokompatibilität und Korrosionsbeständigkeit zu gewährleisten.
Kann ich allergisch auf meinen Zahnersatz reagieren?
Allergische Reaktionen auf Dentallegierungen sind möglich, aber selten. Sie setzen eine bereits bestehende Sensibilisierung voraus, die meist durch Hautkontakt mit Metallen (z.B. Nickel in Modeschmuck) erworben wurde. Wenn Sie bekannte Allergien haben, informieren Sie unbedingt Ihren Zahnarzt, damit ein allergiefreies Material gewählt werden kann.
Was ist ein „galvanisches Element“ im Mund?
Ein galvanisches Element entsteht, wenn zwei verschiedene Metalle oder Legierungen im Mund durch Speichel (als Elektrolyt) in Kontakt kommen. Dies führt zu geringen elektrischen Spannungen und Strömen. Diese sind absolut ungefährlich, können aber in seltenen Fällen ein leichtes Kribbeln oder einen metallischen Geschmack verursachen, besonders wenn ein Material nicht ausreichend korrosionsfest ist.
Gibt es Alternativen zu metallischem Zahnersatz?
Ja, insbesondere im sichtbaren Bereich wird metallischer Zahnersatz oft mit zahnfarbenen Materialien wie Keramik verblendet, um ästhetische Wünsche zu erfüllen. Zudem gibt es rein keramische oder Kunststoffmaterialien für bestimmte Anwendungen, die metallfrei sind. Die Wahl hängt von der individuellen Situation, der Belastung und den ästhetischen Anforderungen ab.
Wie finde ich die richtige Legierung für mich?
Die Auswahl der passenden Legierung sollte immer in enger Absprache mit Ihrem Zahnarzt erfolgen. Informieren Sie ihn über bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten. Ihr Zahnarzt kann Sie über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Materialien aufklären und die für Ihre spezifischen Bedürfnisse am besten geeignete Option empfehlen, basierend auf Faktoren wie Mundgesundheit, Ästhetik und Materialeigenschaften.
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