13/03/2023
Inmitten des geschäftigen Wiener Bezirks Meidling verbirgt sich ein Ort, der Erholung, Geschichte und Kunst auf einzigartige Weise miteinander verbindet: das Theresienbad. Weit mehr als nur eine einfache Badeanstalt, ist es ein lebendiges Zeugnis der Zeit, dessen Wurzeln bis in die römische Antike zurückreichen. Es ist eine wahre Entspannungsoase, die moderne Wellnesseinrichtungen mit einem reichen kulturellen Erbe vereint und Besuchern ein unvergleichliches Erlebnis bietet, das Körper und Geist gleichermaßen belebt. Begleiten Sie uns auf eine Entdeckungsreise durch dieses historische Juwel Wiens.

Das Theresienbad präsentiert sich heute als eine umfassende Anlage, die sowohl ein modernes Hallenbad als auch ein weitläufiges Sommerbad umfasst. Im Inneren erwartet die Besucher eine Welt der Entspannung: Neben dem Hauptschwimmbecken finden sich hier Saunen, Dampfbäder, Wannenbäder und sogar nostalgische Brausebäder, die an die Tradition alter Volksbäder erinnern. Für sportlich Ambitionierte steht ein imposanter Sprungturm bereit, der zu waghalsigen Sprüngen einlädt. Das Sommerbad lockt mit vorgewärmtem Wasser, einem großzügigen Sportbecken und einem speziellen Kinderbecken, das den jüngsten Gästen sicheren Badespaß garantiert. Die Kombination aus Innen- und Außenbereichen macht das Theresienbad zu einem ganzjährig attraktiven Ziel für alle Altersgruppen und Bedürfnisse.
Kunst und Atmosphäre: Das Theresienbad als Galerie
Was das Theresienbad von vielen anderen Bädern unterscheidet, ist die bemerkenswerte Integration von Kunst in seine Architektur und Gestaltung. Schon beim Betreten der Schwimmhalle wird man von zwei monumentalen keramischen Mosaiken des renommierten Künstlers Carry Hauser aus dem Jahr 1964 empfangen. Diese beeindruckenden Kunstwerke zum Thema „Badende“ verleihen dem Raum eine einzigartige Ästhetik und laden zum Verweilen und Betrachten ein. Doch die künstlerische Reise endet hier nicht.
Im Dampfbad können Besucher ein weiteres keramisches Mosaik von Rudolf Hausner aus dem Jahr 1953 bewundern, das eine antike Badeszene darstellt und eine Brücke zur langen Geschichte der Badekultur schlägt. Ebenfalls aus dem Jahr 1953 stammt Paul Meissners Darstellung des mythologischen Triton, der auf einer Flöte bläst – ein charmantes Detail, das die verspielte Seite des Bades unterstreicht. Vor dem Haupteingang des Bades steht zudem eine eindrucksvolle Bronzeplastik von Oskar Thiede, die einen Schwimmer in dynamischer Pose zeigt und die sportliche Komponente des Bades hervorhebt. Direkt dahinter befindet sich ein Gedenkstein, der die lange und wechselvolle Geschichte des Bades detailreich erzählt und neugierige Besucher dazu einlädt, tiefer in die Vergangenheit dieses besonderen Ortes einzutauchen.
Eine Reise durch die Jahrhunderte: Die faszinierende Geschichte des Theresienbades
Die Geschichte des Theresienbades ist so tief und reichhaltig wie die Quellen, die es einst speisten. Es gilt als das älteste bestehende Bad Wiens, dessen Ursprünge bis in die römische Zeit zurückreichen, als bereits eine Schwefelquelle an dieser Stelle bekannt war. Nach einer Periode der Vergessenheit befand sich hier ein Gutshof, der „Niederhoff am Bache“, der sowohl während der ersten (1529) als auch der zweiten Türkenbelagerung Wiens (1683) zerstört wurde.
Das Meidlinger Schloss und seine kaiserliche Verbindung
Auf dem nun leeren Gelände entstand zwischen 1693 und 1699 durch den italienischen Baumeister Domenico Martinelli für den Marchese degli Obizzi eine prächtige Schlossanlage: das Meidlinger Schloss. Dieses Schloss wurde 1764 von keiner Geringeren als Kaiserin Maria Theresia persönlich angekauft und ihrem Kammerzahlmeister Adam von Mayer geschenkt. Mayer versuchte sich hier gemeinsam mit Franz Paul von Stegner an einer Wollzeugfabrik, die jedoch keinen Erfolg hatte und bereits 1772 wieder stillgelegt wurde. Lediglich das Bad wurde weiter betrieben, was die Bedeutung der Quelle für die Region unterstreicht.
Ein interessantes Detail ist die Entdeckung einer schwefelhaltigen Quelle im Gartenbrunnen durch den Abbé Pohl im Jahr 1755. Erzherzogin Maria Theresia erkannte das Potenzial und kaufte Pohl das Grundstück ab. Sie richtete im Schlossgebäude ein Bad ein, das zunächst ausschließlich der kaiserlichen Familie vorbehalten war, die nicht weit entfernt in Schönbrunn residierte. Die Exklusivität währte jedoch nicht ewig. 1782 wurde eine zweite, eisenhaltige Quelle entdeckt, und das Bad wurde schließlich auch der Wiener Bevölkerung zugänglich gemacht. Bald darauf erfreute sich das Kurbad größter Beliebtheit und zog zahlreiche Erholungssuchende an.
Die Ära Ehrenfels und die Namensgebung
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Bades war das Jahr 1822, als der damalige Besitzer, Josef Michael Freiherr von Ehrenfels, eine grundlegende Erneuerung der Anlage veranlasste. Der alte Brunnen wurde vertieft, und im südlich hinter dem Schloss gelegenen Park entstand eine neue Badeanstalt. Diese wurde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufgrund der enormen Nachfrage massiv ausgebaut und bestand bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.
In Erinnerung an die einstige kaiserliche Besitzerin nannte Ehrenfels die Bade- und Trinkkur-Anstalt „Theresienbad“. Dies diente auch dazu, sich von der aufkommenden Konkurrenz, insbesondere dem 1821 eröffneten Pfannschen Bad, das ebenfalls schwefelhaltige Quellen nutzte, abzugrenzen. Bis dahin war das Theresienbad schlicht als „Schwefelbad in Meidling“ bekannt. Interessanterweise befand sich in der Anlage auch das Meidlinger Theater, was die kulturelle Bedeutung des Ortes in jener Zeit unterstreicht.
Städtischer Besitz, Zerstörung und Wiederaufbau
Nachdem der Ort Meidling in Ober- und Untermeidling geteilt worden war, gehörte das Theresienbad zu Untermeidling. Mit der Eingemeindung der Vorstadtgemeinden in die Stadt Wien im Jahr 1890 gelangte das Theresienbad schließlich in städtischen Besitz. 1902 wurde das alte Meidlinger Schloss abgerissen. Eine überraschende Entdeckung während der Abrissarbeiten waren verliesartige Gewölbe in den Kellern, die an mittelalterliche Kerker erinnerten und die lange Geschichte des Ortes noch einmal eindrücklich vor Augen führten.
Im selben Jahr, 1902, entstand östlich des Badehauses ein neues Schwimmbad. Eine wichtige Neuerung war, dass dieses Bad nicht mehr durch die ursprüngliche Schwefelquelle, sondern durch Trinkwasser aus der I. Wiener Hochquellenwasserleitung gespeist wurde – ein Zeichen des Fortschritts und der Hygiene. Ab 1910 wurden hier zusätzlich Dampf- und Wannenbäder angeboten. Leider wurde dieses zweite Theresienbad durch Bombentreffer am 23. August und 10. September 1944 im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Das 1902 eröffnete Sommerbad konnte jedoch weiterhin genutzt werden, wobei die Liegewiese bereits auf einen zukünftigen Wiederaufbau des Bades ausgerichtet war.
Der Wiederaufbau begann 1952. Zunächst wurde 1955 ein Warmbad wiedereröffnet, gefolgt vom Sommerbad im Jahr 1956, beide nach Plänen des Architekten Theodor Schöll. Ein weiterer Meilenstein war die Überbauung des Sommerbades mit einer Halle in den Jahren 1963–65, die eine ganzjährige Nutzung des Schwimmbeckens ermöglichte. 1976 wurde die Anlage schließlich durch ein zusätzliches Sommerbecken erweitert, was die Kapazität und Attraktivität des Bades weiter steigerte.
Theresienbad: Gestern und Heute im Überblick
Um die Entwicklung des Theresienbades besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Unterschiede zwischen seinen historischen Phasen und dem heutigen Zustand:
| Merkmal | Historisches Theresienbad (vor 1902/1944) | Heutiges Theresienbad |
|---|---|---|
| Wasserquelle | Primär Schwefelquelle, später auch eisenhaltige Quelle | I. Wiener Hochquellenwasserleitung (Trinkwasser) |
| Gebäude | Meidlinger Schloss, später separate Badeanstalt | Modernes Hallen- und Sommerbadgebäude |
| Nutzung | Anfangs exklusiv kaiserlich, später öffentliches Kurbad | Öffentliches Sport- und Freizeitbad mit Wellnessbereich |
| Kunst & Kultur | Meidlinger Theater in der Anlage | Keramische Mosaike, Bronzeplastiken, Gedenkstein |
| Ganzjahresbetrieb | Eingeschränkt (primär Kurbad) | Ja, durch überdachtes Hallenbad |
| Besondere Merkmale | Historischer Kurbetrieb, Schwefelbäder | Moderne Sauna, Dampfbad, Sprungturm, Kinderbecken |
Warum das Theresienbad mehr als nur ein Schwimmbad ist
Das Theresienbad ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Geschichte, Kunst und moderne Erholung harmonisch miteinander verschmelzen können. Es ist nicht nur ein Ort, um Bahnen zu ziehen oder im Dampfbad zu entspannen, sondern auch ein Fenster in die Vergangenheit Wiens. Die sorgfältig erhaltenen Kunstwerke und die gut dokumentierte Geschichte verleihen jedem Besuch eine zusätzliche Dimension. Für Familien ist es dank des speziellen Kinderbeckens und der weitläufigen Liegewiesen ein ideales Ausflugsziel, das Spaß und Erholung für alle bietet. Das Theresienbad steht für die Wiener Badekultur in ihrer besten Form – zugänglich, historisch bedeutsam und stets auf das Wohlbefinden seiner Besucher bedacht. Es ist ein Ort, der die Intention des Suchenden, „Was gibt es in Meidling zu sehen?“, auf wunderbare Weise beantwortet, indem es eine einzigartige Kombination aus Aktivität, Kultur und purer Entspannung bietet.
Häufig gestellte Fragen zum Theresienbad
Ist das Theresienbad wirklich das älteste Bad Wiens?
Ja, das Theresienbad gilt als das älteste bestehende Bad Wiens. Seine Ursprünge reichen bis in die Römerzeit zurück, als an dieser Stelle bereits eine Schwefelquelle bekannt war. Obwohl die Anlagen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu aufgebaut und erweitert wurden, ist der Standort seit Jahrhunderten durchgehend als Badeort genutzt worden, was seine historische Einzigartigkeit unterstreicht.
Nutzt das Theresienbad heute noch Schwefelwasser?
Nein, das heutige Theresienbad wird nicht mehr mit Schwefelwasser gespeist. Seit dem Wiederaufbau im Jahr 1902 wird das Bad mit frischem Trinkwasser aus der I. Wiener Hochquellenwasserleitung versorgt. Die ursprüngliche Schwefelquelle spielte jedoch eine zentrale Rolle in der frühen Geschichte und Beliebtheit des Bades als Kuranstalt.
Gibt es im Theresienbad auch Wellness-Angebote außer Schwimmen?
Absolut! Das Theresienbad bietet eine Vielzahl von Wellness-Möglichkeiten. Dazu gehören eine moderne Sauna, ein Dampfbad sowie Wannen- und Brausebäder. Diese Einrichtungen laden dazu ein, nach dem Schwimmen zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen, was das Bad zu einer umfassenden Familienfreundlichen Wellness-Oase macht.
Ist das Theresienbad für Familien mit Kindern geeignet?
Ja, das Theresienbad ist hervorragend für Familien geeignet. Es verfügt über ein spezielles Kinderbecken im Sommerbad, das sicher und flach ist. Der Sprungturm im Hallenbad bietet größeren Kindern und Jugendlichen zusätzlichen Spaß. Die weitläufigen Liegewiesen im Sommerbereich bieten zudem viel Platz zum Spielen und Entspannen für die ganze Familie.
Welche Kunstwerke kann man im Theresienbad besichtigen?
Im Theresienbad können Sie mehrere bedeutende Kunstwerke bestaunen. Dazu gehören zwei monumentale keramische Mosaike von Carry Hauser (1964) in der Schwimmhalle, ein keramisches Mosaik von Rudolf Hausner (1953) mit einer antiken Badeszene im Dampfbad und ein weiteres keramisches Mosaik von Paul Meissner (1953), das Triton auf einer Flöte blasend darstellt. Vor dem Eingang befindet sich zudem eine Bronzeplastik eines Schwimmers von Oskar Thiede und ein Gedenkstein zur Geschichte des Bades.
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