Wie wirkt sich die Sauna auf die Herzfrequenz aus?

Sauna und Herz: Sicher Entspannen für Patienten

10/09/2024

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Der Saunagang ist für viele ein Inbegriff von Entspannung und Wohlbefinden, ein Ritual, das Körper und Geist belebt. Die wohltuende Wärme und das Gefühl der Reinigung können Stress abbauen und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Doch was für gesunde Menschen eine willkommene Auszeit ist, kann für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine potenzielle Gefahr darstellen. Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, wie die Sauna den Körper beeinflusst und welche speziellen Regeln für Herzpatienten gelten, um die Risiken zu minimieren und dennoch die Vorteile der Wärme nutzen zu können.

Wie wirkt sich Sauna auf den Körper aus?
Zunächst sind die heißen Temperaturen eine Belastung für den Körper: Der ganze Stoffwechsel muss sich auf die Hitze einstellen. In der Sauna können die Haut- und Körpertemperaturen bis auf 40 Grad ansteigen. Auch die Herzfrequenz beschleunigt sich, das Organ muss stärker pumpen. Das hat auch Auswirkungen auf den Blutdruck.

Gerade bei Erkrankungen wie Bluthochdruck, verschiedenen Rhythmusstörungen, koronaren Herzkranzgefäßerkrankungen oder Herzschwäche ist Vorsicht geboten. Die gute Nachricht ist, dass ein Saunabesuch nicht zwangsläufig ein Tabu sein muss. Der Schlüssel liegt in der richtigen Vorbereitung, der Kenntnis des eigenen Körpers und vor allem in der engen Absprache mit dem behandelnden Kardiologen. Bevor Sie als Herzpatient einen Saunabesuch in Erwägung ziehen, ist eine individuelle medizinische Beratung unerlässlich, um festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen dies für Sie sicher ist.

Inhaltsverzeichnis

Wie die Sauna den Körper und das Herz beeinflusst

Wenn wir uns in eine heiße Sauna begeben, setzt unser Körper Mechanismen in Gang, um die erhöhte Temperatur auszugleichen. Die Umgebungstemperatur von 70 bis 80 Grad Celsius lässt die Hauttemperatur um etwa zehn Grad und die Körperkerntemperatur um bis zu zwei Grad ansteigen. Dies entspricht einem leichten bis mittleren Fieberzustand (bis zu 39 Grad Celsius). Um die überschüssige Wärme abzuführen, weiten sich die Blutgefäße in der Haut erheblich. Dies führt zunächst zu einem Absinken des Blutdrucks, während die Pulsfrequenz ansteigt – anfänglich um 20 Prozent, bei Erreichen der maximalen Körperkerntemperatur sogar um bis zu 50 Prozent.

Gleichzeitig schüttet der Körper Stresshormone aus, was die gesamte Herzleistung um beeindruckende 80 Prozent erhöhen kann. Ein gesundes Herz ist in der Regel gut in der Lage, diese Mehrbelastung zu bewältigen. Es passt sich den neuen Bedingungen an, pumpt mehr Blut durch die erweiterten Hautgefäße und sorgt so für die notwendige Wärmeableitung. Ein vorerkranktes Herz hingegen, dessen Leistungsfähigkeit bereits eingeschränkt ist, kann an seine Grenzen stoßen. Diese erhöhte Belastung kann das Herz überfordern und im schlimmsten Fall zu Komplikationen führen. Daher ist die Kenntnis dieser physiologischen Reaktionen entscheidend für Herzpatienten.

Die Gefahr der abrupten Abkühlung: Ein absolutes Tabu

Ein wesentlicher Bestandteil des traditionellen Saunierens ist das anschließende Abkühlen, oft durch eine kalte Schwalldusche oder ein Tauchbecken. Was für Gesunde als belebender Schock empfunden wird, stellt für Herzpatienten ein erhebliches Risiko dar. Die plötzliche und ruckartige Abkühlung ist für alle Herzpatienten ein absolutes Tabu.

Der Grund dafür ist eine drastische physiologische Reaktion: Durch die Kälte ziehen sich die maximal weitgestellten Blutgefäße in Haut und Unterhautgewebe schlagartig zusammen. Dies führt dazu, dass eine große Menge Blut in kürzester Zeit ins Körperzentrum verschoben wird. Das Herz muss plötzlich ein deutlich höheres Blutvolumen bewältigen, und der Blutdruck steigt massiv an. Diese plötzliche Belastung kann für Patienten mit Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit und Bluthochdruck extrem gefährlich sein. Sie kann zu Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris (Brustenge) oder sogar zu einem Herzinfarkt führen.

Daher ist es für Herzpatienten zwingend notwendig, sich nach dem Saunagang sehr langsam und kontrolliert abzukühlen. Dies kann durch Umhergehen in kühlen Räumen oder, noch besser, durch lauwarmes Duschen geschehen. Ziel ist es, den Körper schrittweise an niedrigere Temperaturen zu gewöhnen, ohne das Herz abrupt zu schockieren.

Sauna bei koronarer Herzkrankheit (KHK)

Patienten, die an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) leiden, sei es mit oder ohne überstandenen Herzinfarkt, müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um überhaupt an einen Saunabesuch denken zu können. Eine grundlegende Voraussetzung ist, dass sie bei einem Belastungs-EKG problemlos eine Leistung von mindestens 75 Watt erreichen können. Während dieses Tests sollten auch der maximal erreichbare Puls und der individuelle Trainingspuls ermittelt werden. Diese Werte dienen als wichtige Richtlinien für die sichere Belastbarkeit des Herzens.

Für diese Patientengruppe ist die Sauna kein generelles Tabu, doch es sind spezielle Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Es wird dringend geraten, mit Saunagängen zu beginnen, bei denen die Temperaturen langsam ansteigen. Die Aufenthaltsdauer in der Saunakabine sollte anfangs kurz sein und nur bei guter Verträglichkeit schrittweise verlängert werden. Ein wichtiger Tipp ist, den Puls während des Saunagangs regelmäßig zu kontrollieren. So kann vermieden werden, über einen längeren Zeitraum über dem individuell erlaubten Trainingspuls zu liegen, was das Herz unnötig belasten würde.

Umgang mit niedrigem Blutdruck in der Sauna

Menschen mit chronisch niedrigem Blutdruck (Hypotonie) können langfristig von regelmäßigen Saunabesuchen profitieren, da der Körper sich an die Gefäßerweiterung gewöhnt und die Kreislaufregulation trainiert wird. Allerdings kann es anfangs zu einem starken Blutdruckabfall kommen, der gefährlich sein kann. Die allgemeine Gefäßerweiterung, die durch die Hitze ausgelöst wird, kann bei empfindlichen Personen zu Schwindel, Übelkeit oder sogar Ohnmacht führen.

Aus diesem Grund sollten Patienten mit niedrigem Blutdruck besonders vorsichtig sein und auf zusätzliche Maßnahmen mit gefäßerweiternder Wirkung verzichten. Dies betrifft insbesondere den Alkoholkonsum vor und nach einem Saunagang. Alkohol wirkt ebenfalls gefäßerweiternd und kann den Blutdruck zusätzlich senken, was das Risiko von Kreislaufproblemen signifikant erhöht.

Einstieg und Anpassung für Herz-Kreislauf-Patienten

Für alle Sauna-Einsteiger, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, ist es entscheidend, langsam zu beginnen und sich schrittweise zu steigern. Übereilung ist hier fehl am Platz. Ein guter Startpunkt können Dampfsaunen sein, die mit Temperaturen zwischen 45 und 60 Grad Celsius und einer höheren Luftfeuchtigkeit arbeiten. Diese Bedingungen sind milder und weniger belastend für das Herz-Kreislauf-System als die trockene Hitze einer finnischen Sauna.

Die Verweildauer sollte zu Beginn lediglich etwa drei bis fünf Minuten betragen. Nur wenn diese kurze Verweildauer gut vertragen wird und keine Beschwerden auftreten, kann die Dauer langsam und vorsichtig gesteigert werden. Es ist wichtig, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören und bei Unwohlsein den Saunagang sofort zu beenden.

Sauna bei Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen

Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) müssen besonders vorsichtig sein. Ein Saunagang stellt für das Herz eine Belastung dar, die etwa einem schnelleren Gehen oder einer Leistung von circa 50 Watt entspricht. Daher sollte bei Herzschwäche eine Belastbarkeit von mindestens 50 Watt, idealerweise aber 75 Watt, vorhanden sein. Die Temperaturen in der Sauna sollten in einer langen Eingewöhnungsphase 60 bis 70 Grad Celsius nicht überschreiten.

Ein kritischer Punkt für Patienten mit Herzschwäche und insbesondere mit Herzrhythmusstörungen ist die Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr. Beim Schwitzen scheidet der Körper nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Elektrolyte (Körpersalze) aus. Diese Elektrolyte, wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium, spielen eine wesentliche Rolle für die normale Funktion des Herzens und die Aufrechterhaltung eines stabilen Herzrhythmus. Ein Mangel an diesen Salzen kann Herzrhythmusstörungen auslösen oder verschlimmern. Es ist daher unerlässlich, während des Saunabesuchs und danach auf eine regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, idealerweise durch Wasser oder ungesüßte Fruchtsäfte.

Ein weiterer wichtiger Hinweis: Die beliebten Aufgüsse, bei denen Wasser mit ätherischen Ölen auf die heißen Steine gegossen wird, sind für alle Herz-Kreislauf-Patienten grundsätzlich tabu. Der plötzliche Anstieg der Luftfeuchtigkeit und der Hitzeintensität, oft verbunden mit einem Hitzeschock, kann das Herz zusätzlich belasten und unerwünschte Reaktionen hervorrufen.

Vergleich der Sauna-Empfehlungen für verschiedene Herzleiden

Um die verschiedenen Empfehlungen besser zu überblicken, bietet die folgende Tabelle eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

HerzerkrankungEmpfohlene TemperaturVerweildauerAbkühlungBesondere Hinweise
Gesunde Personen70-90°C10-15 Min.Kalt duschen/TauchbeckenRegelmäßige Flüssigkeitszufuhr
Koronare Herzkrankheit (KHK)Langsam ansteigend, max. 70°CKurz (3-5 Min.), langsam steigernLauwarm duschen, kühler RaumBelastbarkeit von 75 Watt im EKG; Puls-Check während des Saunagangs; keine Aufgüsse
Niedriger BlutdruckMilder (45-60°C Dampfsauna)Kurz (3-5 Min.), langsam steigernLauwarm duschen, kühler RaumKein Alkohol vor/nach dem Saunagang; auf Schwindel achten
HerzschwächeMax. 60-70°C (lange Eingewöhnung)Kurz (3-5 Min.), langsam steigernLauwarm duschen, kühler RaumBelastbarkeit von 50-75 Watt; regelmäßige Elektrolytzufuhr; keine Aufgüsse
HerzrhythmusstörungenMax. 60-70°C (lange Eingewöhnung)Kurz (3-5 Min.), langsam steigernLauwarm duschen, kühler RaumRegelmäßige Flüssigkeitszufuhr zur Elektrolytbalance; keine Aufgüsse

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Hier beantworten wir einige der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Sauna für Herzpatienten:

Darf ich als Herzpatient überhaupt in die Sauna?

Das hängt von Ihrer spezifischen Diagnose, dem Schweregrad Ihrer Erkrankung und Ihrer individuellen Belastbarkeit ab. Es ist absolut entscheidend, dies vorab mit Ihrem Kardiologen zu besprechen. Ohne ärztliche Freigabe sollten Sie die Sauna meiden.

Welche Temperaturen sind für Herzpatienten sicher?

Generell sind für Herzpatienten niedrigere Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit, wie sie in Dampfsaunen (45-60°C) oder Bio-Saunen (50-70°C) zu finden sind, besser geeignet als die hohen Temperaturen einer klassischen finnischen Sauna (80-100°C). Die genaue Temperatur hängt von Ihrer individuellen Toleranz und der Empfehlung Ihres Arztes ab.

Wie kühle ich mich nach dem Saunagang richtig ab?

Für Herzpatienten ist eine langsame Abkühlung unerlässlich. Verzichten Sie unbedingt auf kalte Duschen oder Tauchbecken. Gehen Sie stattdessen langsam in einem kühlen Raum umher oder nehmen Sie eine lauwarme Dusche. Ziel ist es, den Körper schrittweise abzukühlen, um eine plötzliche Belastung des Herzens zu vermeiden.

Sind Aufgüsse für Herzpatienten erlaubt?

Nein, Aufgüsse sind für alle Herz-Kreislauf-Patienten tabu. Der plötzliche Hitzeschock und die erhöhte Belastung können gefährliche Reaktionen des Herzens hervorrufen.

Muss ich meinen Arzt konsultieren, bevor ich in die Sauna gehe?

Ja, unbedingt. Dies ist der wichtigste Ratschlag. Nur Ihr Kardiologe kann auf Basis Ihrer Krankengeschichte, aktueller Befunde und Belastbarkeit eine individuelle Empfehlung geben und festlegen, ob und unter welchen Bedingungen ein Saunabesuch für Sie sicher ist.

Fazit und Wichtige Hinweise

Die Sauna kann auch für Herzpatienten eine Quelle der Entspannung und des Wohlbefindens sein, vorausgesetzt, bestimmte Regeln werden strikt eingehalten. Die wichtigste Botschaft ist die Notwendigkeit einer individuellen medizinischen Beratung. Ihr Herz ist ein komplexes Organ, und seine Reaktionen auf Hitze und Kälte sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, besonders wenn Vorerkrankungen bestehen. Nehmen Sie die Empfehlungen Ihres Kardiologen ernst und sehen Sie ihn als Ihren wichtigsten Partner in der Entscheidung für oder gegen einen Saunabesuch.

Beginnen Sie immer langsam, achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und überfordern Sie sich niemals. Eine langsame Steigerung der Verweildauer und die Wahl milder Saunatypen sind entscheidend. Die korrekte, langsame Abkühlung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind ebenso von größter Bedeutung, um das Herz zu schützen und den Elektrolythaushalt stabil zu halten. Mit der richtigen Vorsicht und ärztlicher Begleitung können auch Herzpatienten die wohltuenden Effekte der Sauna sicher genießen und ihren Beitrag zu einem entspannten und gesunden Lebensstil leisten.

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