24/09/2022
Eine Polyneuropathie ist eine komplexe Erkrankung, die das periphere Nervensystem betrifft und oft weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben hat. Während Gehirn und Rückenmark unversehrt bleiben, können die Nervenfasern, die für Empfindungen, Bewegungen und sogar die Funktion innerer Organe zuständig sind, Schaden nehmen. Dies äußert sich typischerweise in symmetrischen Empfindungsstörungen, meist beginnend an Füßen und Unterschenkeln, aber auch in Muskelschwäche oder Funktionsstörungen des vegetativen Nervensystems. Die Suche nach wirksamen und gleichzeitig sanften Therapien, die das Wohlbefinden steigern und Nebenwirkungen minimieren, ist für Betroffene von großer Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet naturheilkundliche Ansätze, die eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen Behandlung darstellen können, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

- Was ist Polyneuropathie?
- Ursachen und Risikofaktoren der Polyneuropathie
- Symptome der Polyneuropathie: Frühzeitig erkennen
- Diagnose: Den Nerven auf der Spur
- Naturheilkundliche Ansätze zur Linderung
- Hydro- und Thermotherapie: Kraft des Wassers und der Wärme
- Ernährung und Vitamine: Die Basis für gesunde Nerven
- Ordnungstherapie: Lebensstil im Fokus
- Phytotherapie: Heilkraft aus der Natur
- Bewegungstherapie und Krankengymnastik: Aktiv gegen Beschwerden
- Weitere physikalische Therapien: Gezielte Unterstützung
- Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Polyneuropathie
Was ist Polyneuropathie?
Die Polyneuropathie, kurz PNP, beschreibt eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt sind. Diese Nerven sind die „Leitungen“, die Informationen zwischen dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und dem Rest des Körpers austauschen. Man unterscheidet hauptsächlich drei Formen, je nachdem welche Nervenfasern betroffen sind:
- Sensible Polyneuropathie: Hier sind die Nerven betroffen, die Empfindungen wie Berührung, Temperatur und Schmerz weiterleiten. Dies führt zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Brennen oder Schmerzen.
- Motorische Polyneuropathie: Wenn die Nerven geschädigt sind, die für die Muskelbewegungen zuständig sind, kann dies zu Muskelschwäche, Lähmungen und Reflexausfällen führen.
- Autonome Polyneuropathie: Diese Form betrifft das vegetative Nervensystem, das unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzschlag, Verdauung, Blutdruck und Schweißproduktion steuert. Die Symptome können vielfältig sein und von Herzrhythmusstörungen über Verdauungsprobleme bis hin zu Blasenentleerungsstörungen reichen.
Oft treten Mischformen auf, bei denen sowohl sensible als auch motorische und/oder autonome Nerven betroffen sind. Die Symptome zeigen sich meist symmetrisch, das heißt an beiden Seiten des Körpers gleichzeitig.
Ursachen und Risikofaktoren der Polyneuropathie
In vielen Fällen ist die Polyneuropathie eine Folgeerscheinung einer anderen Grunderkrankung oder externer Einflüsse. Die Identifizierung und Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ist entscheidend für den Therapieerfolg. Die häufigste Ursache in Deutschland und der westlichen Welt ist ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Die chronisch hohen Blutzuckerwerte können die Nervenfasern direkt schädigen oder indirekt die kleinen Blutgefäße beeinträchtigen, welche die Nerven mit Nährstoffen versorgen. Studien zeigen, dass im Laufe der Zeit jeder zweite Diabetiker eine Form der Nervenerkrankung entwickelt, oft unbemerkt.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Stoffwechselstörungen und Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin), B12 oder Folsäure kann Nervenschäden verursachen. Auch ein Vitamin-B6-Mangel kann eine Rolle spielen.
- Schwere Organ- oder Allgemeinerkrankungen: Zustände wie Nieren- oder Leberinsuffizienz können zu einer „Selbstvergiftung“ des Körpers führen, die die Nerven schädigt.
- Malabsorption bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen: Wenn der Körper Nährstoffe nicht richtig aufnehmen kann, kann dies zu Mangelerscheinungen führen.
- Krebserkrankungen und deren Therapien: Insbesondere Chemotherapien sind eine bekannte Ursache für toxisch bedingte Polyneuropathien.
- Arterielle Durchblutungsstörungen: Eine unzureichende Blutversorgung kann die Nerven schädigen.
- Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems: Dazu gehören beispielsweise Borreliose.
- Toxisch bedingte Polyneuropathien: Chronischer Alkoholismus, bestimmte Medikamente, Heroinkonsum oder Umweltgifte wie Blei, Kupfer, Amalgam oder Cadmium können Nervenschäden hervorrufen.
Kann keine spezifische Ursache festgestellt werden, spricht man von einer „idiopathischen Polyneuropathie“.
Symptome der Polyneuropathie: Frühzeitig erkennen
Die Symptome einer Polyneuropathie sind vielfältig und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Oft beginnen sie schleichend und unspezifisch, was eine frühzeitige Diagnose erschwert.
Sensible Symptome:
- Taubheitsgefühle: Besonders in Füßen und Händen, oft als „Handschuh- und Socken-Gefühl“ beschrieben.
- Kribbeln oder Ameisenlaufen: Ein unangenehmes, prickelndes Gefühl.
- Brennen: Häufig in den Füßen, oft nachts.
- Schmerzen: Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) können brennend, stechend, ziehend oder elektrisierend sein und sind oft schwer zu lindern.
- Nachlassende Empfindlichkeit: Die Fähigkeit, Berührungen, Temperatur oder Vibrationen wahrzunehmen, nimmt ab. Dies ist besonders gefährlich an den Füßen, da kleine Verletzungen oder Druckstellen unbemerkt bleiben können, was zu Geschwüren und im schlimmsten Fall zu Amputationen führen kann.
Motorische Symptome:
- Muskelschwäche und Lähmungen, die symmetrisch auftreten können.
- Reflexausfälle.
- Unsicherer Gang oder Gleichgewichtsstörungen.
Autonome Symptome:
- Trophische Hautstörungen, die die Bildung von Geschwüren begünstigen.
- Verminderte oder fehlende Schweißproduktion.
- Potenz- und Blasenentleerungsstörungen.
- Tachykardie (erhöhter Herzschlag) in Ruhe.
- Störungen der Pupillomotorik.
- Eine besonders tückische Form ist die „stumme Ischämie“, bei der Herzinfarkte oder Angina Pectoris-Anfälle aufgrund der Nervenschädigung ohne die typischen Brustschmerzen verlaufen können, was eine lebensbedrohliche Situation darstellt.
Diagnose: Den Nerven auf der Spur
Die Diagnose einer Polyneuropathie beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese, bei der der Arzt die Beschwerden, die Krankengeschichte und mögliche Risikofaktoren erfragt. Eine umfassende neurologische Untersuchung ist unerlässlich und beinhaltet die Prüfung der Reflexe sowie Tests des Berührungs-, Temperatur- und Vibrationsempfindens. Ergänzend können spezielle Tests wie Schweißtests, Kipptisch-Untersuchungen zur Prüfung des autonomen Nervensystems, die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität oder der Magenentleerungszeit durchgeführt werden.
Für eine weitergehende Diagnostik kommen bildgebende Verfahren und neurophysiologische Untersuchungen zum Einsatz:
- Elektroneurografie (ENG): Misst die Nervenleitgeschwindigkeit, um Schäden an den Nervenfasern oder ihrer Isolierschicht (Myelinscheide) zu erkennen.
- Histologische Untersuchung: In seltenen Fällen kann eine kleine Nervenbiopsie (z.B. des Nervus suralis) entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden, um die Art der Nervenschädigung (Demyelinisierung, axonale Schädigung) genauer zu bestimmen.
Die genaue Diagnostik ist entscheidend, um die Ursache der Polyneuropathie zu finden und eine zielgerichtete Therapie einzuleiten.
Naturheilkundliche Ansätze zur Linderung
Neben der Behandlung der Grunderkrankung und der Vermeidung von schädigenden Einflüssen bieten naturheilkundliche Ansätze vielfältige Möglichkeiten, die Symptome der Polyneuropathie zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Ziel ist es, die Nerven zu stärken, die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen auf sanfte Weise zu reduzieren.
Hydro- und Thermotherapie: Kraft des Wassers und der Wärme
Die Anwendung von Wasser und Wärme bzw. Kälte kann die Durchblutung anregen und die Nervenrezeptoren stimulieren, was zu einer Linderung der Beschwerden führen kann. Es ist jedoch höchste Vorsicht geboten, wenn das Temperaturempfinden eingeschränkt ist, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden.
- Trockenbürsten: Eine milde Methode zur Anregung der Durchblutung und Stimulation der Haut. Auch Igelbälle, Sandbäder oder sanfte Klopfungen wirken ähnlich.
- Kneipp-Anwendungen: Tägliches Wassertreten oder kalte Unterschenkelgüsse können die Durchblutung intensiv verbessern.
- Ansteigende Teilbäder: Mit allmählich steigenden Temperaturen fördern sie die Gefäßerweiterung. Diese können lokal an den Füßen und Unterschenkeln oder als Armbäder angewendet werden, um eine Fernwirkung zu erzielen.
- Vollbäder: Mit Zusätzen wie Fichtennadeln oder Heublumen können entspannend wirken und das Wohlbefinden steigern.
- Lehmpackungen (Heilerde): Tägliche Anwendungen können bei Nervenschmerzen schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken.
- Sauna: Bietet einen intensiven thermischen Wechselreiz, wirkt schmerzlindernd und harmonisierend auf das vegetative Nervensystem. Voraussetzung ist eine gute körperliche Belastbarkeit und Durchblutung.
- Eisbad der Füße: Ein sehr starker Kältereiz, der nur für wenige Sekunden und unter strenger Aufsicht durchgeführt werden sollte, um Kälteschäden zu vermeiden.
- Lokale Kaltlufttherapie: In spezialisierten Physiotherapie-Einrichtungen kann diese Therapie bei brennenden Schmerzen an den Unterschenkeln versucht werden, vorausgesetzt, die Durchblutung ist ausreichend.
Generell gilt: Hydro- und Thermotherapie sind indiziert, wenn eine ausreichende Durchblutung gewährleistet ist. Bei sensibler Polyneuropathie und höhergradigen Durchblutungsstörungen sind zu intensive Warm- oder Kaltanwendungen wegen des nicht verspürten Reizes und der Gefahr von Gewebeschäden zu vermeiden.
Ernährung und Vitamine: Die Basis für gesunde Nerven
Eine ausgewogene Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Nervengesundheit und der Reduktion von Entzündungsprozessen.
- Vollwertige Ernährung: Eine ovolaktovegetabile vollwertige Kost wird empfohlen. Sie hilft, Vitamin- und Mineralmängel zu vermeiden.
- Blutzuckerregulierung: Bei diabetischer Polyneuropathie ist eine optimale Blutzuckereinstellung durch Ernährung und Bewegung unerlässlich.
- Basische Ernährung: Eine Umstellung des Stoffwechsels in Richtung einer basischen Ernährung (viel Kartoffeln, Gemüse, Obst) kann sich positiv auswirken.
- Vermeidung von Noxen: Toxische Einflüsse wie Alkohol sind unbedingt zu meiden.
- Heilfasten: Unter ärztlicher oder fachkundiger Aufsicht kann Heilfasten einen Einstieg in eine Stoffwechselnormalisierung ermöglichen, insbesondere bei Diabetes, wobei eine Anpassung der Medikation notwendig sein kann.
- Gute Eisenversorgung: Die Kombination von eisen- und vitamin-C-reichen Lebensmitteln (Obst, Gemüse) fördert die Eisenaufnahme. Schwarzer Tee sollte nicht zu den Mahlzeiten getrunken werden, da er die Eisenresorption hemmt.
Wichtige Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel:
- Vitamin B1 (Thiamin): Bei diabetischer Polyneuropathie ist ein Mangel häufig, weshalb Benfotiamin (eine gut resorbierbare Form von Vitamin B1) oft eingesetzt wird.
- Vitamin B12 und Folsäure: Ein Mangel an diesen Vitaminen sollte ebenfalls ausgeglichen werden, da sie für die Nervenfunktion essenziell sind. Protonenpumpenhemmer können langfristig zu einem Vitamin-B12-Mangel führen.
- Alpha-Liponsäure: Dieses Coenzym besitzt antioxidative Eigenschaften und wird häufig zur Unterstützung der Nervenfunktion eingesetzt.
- Vitamin B6: Ein Mangel kann zu Neuropathien beitragen, kommt aber selten vor. Bei künstlicher Zufuhr ist Vorsicht geboten, da extrem hohe Dosen (500 mg/Tag über Monate/Jahre) eine sensible Polyneuropathie als Nebenwirkung hervorrufen können. Dosen bis 100 mg/Tag gelten als unbedenklich.
- Glutathion: Wird manchmal als „Radikalfänger“ eingesetzt.
Ordnungstherapie: Lebensstil im Fokus
Die Ordnungstherapie zielt darauf ab, den Lebensstil ganzheitlich zu betrachten und anzupassen. Dazu gehört eine individuelle Auseinandersetzung mit Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum. Da chronischer Stress die Schmerzverarbeitung maßgeblich beeinflussen kann, sind Entspannungsverfahren von großer Bedeutung.
- Entspannungstechniken: Yoga, progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen.
- Akupunktur: Kann bei der Schmerzlinderung und der Harmonisierung des vegetativen Nervensystems wirksam sein.
Phytotherapie: Heilkraft aus der Natur
Pflanzliche Präparate können eine wertvolle Unterstützung bei der symptomatischen Behandlung von Nervenschmerzen sein, insbesondere um die Dosis konventioneller Schmerzmittel zu reduzieren. Es ist wichtig zu beachten, dass auch Phytotherapeutika Nebenwirkungen haben können und ihre volle Wirkung oft erst nach einigen Wochen entfalten.
- Teufelskrallen-Präparate: Werden häufig eingesetzt, um Schmerzen zu lindern.
- Äußere Anwendungen:
- Aconit-Nervenöl, Nelken-, Rosmarin- oder Minzöl: Können zur Einreibung der betroffenen Bereiche verwendet werden.
- Johanniskraut-Rotöl: Traditionell bei Nervenschmerzen eingesetzt.
- Capsaicinhaltige Salben: Aus Chili- oder Paprikaschoten gewonnen, können bei neuropathischen Schmerzen angewendet werden (Vorsicht bei Anwendung auf geschädigter Haut oder Schleimhäuten).
- Senfmehl-Fußbäder: Wirken durchblutungsfördernd. Sie sollten jedoch wegen des gestörten Empfindens nicht heiß zubereitet und nur vorsichtig und nach Anleitung angewendet werden.
Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker über mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen, insbesondere wenn Sie andere Medikamente einnehmen.
Bewegungstherapie und Krankengymnastik: Aktiv gegen Beschwerden
Bewegung ist ein Eckpfeiler in der Behandlung der Polyneuropathie, da sie die Ausdauer verbessert, Muskelschwäche entgegenwirkt, die Durchblutung fördert und den diabetischen Stoffwechsel positiv beeinflusst.
- Ausdauertraining: Walking, Ergometertraining, Gerätetraining oder Laufbandübungen.
- Gezieltes Krafttraining: Unter physiotherapeutischer Anleitung zur Stärkung geschwächter Muskelgruppen.
- Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitationstherapie (PNF): Eine spezielle Technik zur Aktivierung von Muskelketten und zur Stärkung der Muskulatur durch gezielte Stimulation der Tiefensensibilität.
- Neurophysiologische Krankengymnastik (z.B. nach Bobath): Verbessert die Oberflächen- und Tiefensensibilität und fördert die „Bahnung“ im Zentralnervensystem.
- Gangschulung: Bei fortgeschrittenen Gangstörungen oder motorischen Ausfällen kann eine physio- oder ergotherapeutische Gangschulung notwendig sein, gegebenenfalls auch mit Hilfsmitteln wie Fußheberorthesen, orthopädischen Schuhen, Gehstöcken oder Rollatoren.
- Gleichgewichtstraining: Übungen auf dem Kreisel, dem Posturomed oder eine Gangschulung auf weicher Unterlage sind bei Unsicherheit, Schwindel oder zur Sturzprophylaxe angezeigt.
- Vibrationstraining (z.B. Galileo/Vibraflex): Eine vibrierende Platte stimuliert die Muskulatur, verbessert die Leistungsfähigkeit, Koordination und kann den Blutzucker bei Diabetes mellitus positiv beeinflussen. Auch zur Sturzprophylaxe relevant.
- Laufen auf unterschiedlichen Unterlagen: Gezieltes Training auf Rasen, Noppenmatten oder Teppichen schult die Empfindungsfähigkeit der Fußsohlen. Dies kann auch mit geschlossenen Augen intensiviert werden.
Weitere physikalische Therapien: Gezielte Unterstützung
Physikalische Verfahren können vielfältige Ziele verfolgen, darunter die Verbesserung der Sensibilität, Feinmotorik, Kraft und Durchblutung sowie die Schmerzlinderung und Sturzprophylaxe.
- Massagen: Können eine Umstellung im vegetativen Nervensystem bewirken und die Durchblutung reflektorisch beeinflussen. Die Bindegewebsmassage, insbesondere im Bereich der Nervenaustritte (z.B. paravertebral der Lendenwirbelsäule), kann hier hilfreich sein. Auch segmentales Schröpfen kann ähnliche Effekte haben.
- Nadelreizmatte: Eine aus der fernöstlichen und ayurvedischen Medizin stammende Methode, bei der kleine Plastikstacheln auf einer Matte die Haut reizen und die Durchblutung fördern. Einfach zu Hause anwendbar, aber nicht bei Hautveränderungen.
- Fußreflexzonenmassage: Eine beliebte Methode, deren Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist und die in der Regel keine Kassenleistung darstellt.
- Kraniosakrale Therapie: Eine manuelle Therapieform, die das craniosacrale System beeinflussen soll. Ihre Grundlagen sind umstritten und sie ist meist keine Kassenleistung.
- Elektrotherapie:
- Zwei- oder Vierzellenbäder: Gezielte Gleichstromanwendung im Wasser für Unterschenkel und/oder Unterarme zur Verbesserung der Empfindlichkeit der Rezeptoren oder zur Schmerzlinderung. Die großflächige Anwendung im Wasser minimiert Hautirritationen.
- Hydrogalvanisches Vollbad (Stangerbad): Wirkt ähnlich, ist aber seltener verfügbar.
- TENS-Gerät (Transkutane elektrische Nervenstimulation): Kann zur Schmerzbehandlung zu Hause verordnet werden. Die Leistung ist so begrenzt, dass Hautschäden bei eingeschränkter Sensibilität kaum zu befürchten sind.
- Ultraschall: Kann in physiotherapeutischen Einrichtungen paravertebral angewendet werden, um Nervenwurzeln zu beeinflussen.
- Hochtontherapie: Eine neuere Entwicklung mit höheren Elektrotherapie-Frequenzen, die die Muskulatur in der Tiefe stimulieren soll. Es gibt vielversprechende Berichte über Behandlungserfolge bei diabetischer Polyneuropathie, die Wirkung könnte auf einer Verbesserung der mikrovaskulären Endothelzellfunktion beruhen. Diese Therapie wird jedoch nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen erstattet.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bei allen Therapieansätzen sind individuelle Gegebenheiten und mögliche Gegenanzeigen zu beachten:
- Kontraindikationen: Metallimplantate oder Herzschrittmacher sind bei den meisten Elektrotherapie-Verfahren Gegenanzeigen. Bei Einnahme von Gerinnungshemmern (z.B. Marcumar) sind intensive Massagen oder Schröpfen wegen der Gefahr von Hämatomen zu vermeiden. Vollbäder können das Herz belasten und sollten bei Herzinsuffizienz mit Vorsicht angewendet werden.
- Empfindungsstörungen: Wie bereits erwähnt, ist bei einer eingeschränkten Sensibilität größte Vorsicht bei Wärme- oder Kälteanwendungen geboten, um Gewebeschäden zu vermeiden.
- Kombinationstherapien: Physikalische Maßnahmen lassen sich oft gut mit Phytotherapie, Akupunktur oder klassischen Medikamenten kombinieren. Ein Therapieerfolg ist es bereits, wenn die Dosis konventioneller Schmerzmittel reduziert werden kann.
- Heilmittelverordnung: Die Erstattung naturheilkundlicher und physikalischer Therapien durch die gesetzlichen Krankenkassen ist in Deutschland oft begrenzt. Viele der hier genannten Verfahren sind nicht immer als Kassenleistung verfügbar, was die Suche nach geeigneten Einrichtungen erschweren kann. Dennoch gibt es viele Maßnahmen, die der Patient nach entsprechender Anleitung selbst zu Hause durchführen kann.
Fußpflege bei Polyneuropathie: Eine Notwendigkeit
Da die Füße bei einer sensiblen Polyneuropathie, insbesondere bei Diabetes, häufig betroffen sind und das Schmerzempfinden reduziert sein kann, ist eine regelmäßige und fachgerechte Fußpflege essenziell. Kleine Wunden oder Druckstellen können sonst leicht übersehen werden und sich zu ernsthaften Geschwüren entwickeln.
- Tägliche Selbstuntersuchung: Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich auf Druckstellen, Rötungen, Blasen und Wunden. Ein kleiner Spiegel kann dabei hilfreich sein.
- Passendes Schuhwerk: Achten Sie auf gut sitzende Schuhe, die ausreichend Bewegungsfreiheit bieten und keine Druckstellen verursachen.
- Professionelle Fußpflege: Regelmäßige Besuche bei einer medizinischen Fußpflegekraft (Podologie) sind ratsam.
Ergänzende Verfahren und Psychologische Unterstützung
Neben den genannten Therapieansätzen gibt es weitere Verfahren, deren Wirksamkeit wissenschaftlich teils kontrovers diskutiert wird, aber von einigen Betroffenen als hilfreich empfunden werden:
- Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne: Versucht, die Stoffwechselsituation im peripheren Gewebe durch Bewegung, Sauerstoffzufuhr und Vitamine positiv zu beeinflussen. Sie ist keine Kassenleistung.
- Homöopathie und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM): Diese Ansätze verfolgen eine ganzheitliche Philosophie. Die TCM umfasst Therapien wie Akupunktur, Tuina-Massage, Qi-Gong, spezielle Kräutermedizin (wobei die Herkunft der Kräuter und mögliche Belastungen mit Schwermetallen zu beachten sind) und eine angepasste Diät.
- Psychologische/Psychotherapeutische Behandlungen: Bei hoher Schmerzchronifizierung können psychologische Unterstützung oder Psychotherapie sinnvoll sein, um den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern.
Die Behandlung der Polyneuropathie erfordert Geduld und einen multimodalen Ansatz. Durch die Kombination von konventionellen Therapien mit ausgewählten naturheilkundlichen Verfahren und einer bewussten Lebensweise kann das Wohlbefinden deutlich verbessert und die Symptome effektiv gemildert werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und erfahrenen Therapeuten ist dabei stets der beste Weg.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Polyneuropathie
Ist Polyneuropathie heilbar?
Eine Polyneuropathie ist in vielen Fällen eine chronische Erkrankung. Ob sie heilbar ist, hängt stark von ihrer Ursache ab. Wenn die zugrunde liegende Erkrankung (z.B. Diabetes) erfolgreich behandelt oder die schädigende Substanz (z.B. Alkohol) eliminiert werden kann, ist eine Besserung oder sogar ein Stillstand der Nervenschädigung möglich. Eine vollständige Heilung bereits geschädigter Nerven ist jedoch nicht immer erreichbar. Die Therapie zielt daher oft auf die Linderung der Symptome, die Verhinderung des Fortschreitens der Erkrankung und die Verbesserung der Lebensqualität ab.
Kann die Ernährung wirklich bei Polyneuropathie helfen?
Ja, die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Eine ausgewogene, vollwertige und nährstoffreiche Kost kann helfen, Vitamin- und Mineralmängel zu vermeiden, die Nerven zu stärken und Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren. Insbesondere bei diabetischer Polyneuropathie ist eine gute Blutzuckereinstellung durch die Ernährung essenziell. Auch bestimmte Vitamine wie B1, B12 und Alpha-Liponsäure, die oft bei Polyneuropathie eingesetzt werden, können über die Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.
Haben auch naturheilkundliche Therapien Nebenwirkungen?
Ja, auch naturheilkundliche Therapien können Nebenwirkungen haben oder mit anderen Medikamenten wechselwirken. Zum Beispiel können pflanzliche Präparate wie Teufelskralle den Magen reizen, und hochdosiertes Vitamin B6 kann bei übermäßiger Einnahme selbst eine Neuropathie auslösen. Bei Hydro- und Thermotherapie ist bei eingeschränktem Temperaturempfinden Vorsicht geboten, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden. Es ist daher immer ratsam, vor Beginn einer naturheilkundlichen Therapie Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker zu halten.
Werden naturheilkundliche Therapien von den Krankenkassen übernommen?
Die Kostenübernahme von naturheilkundlichen Therapien durch die Krankenkassen ist in Deutschland oft begrenzt und variiert je nach Kasse und Therapieform. Einige physikalische Therapien wie Krankengymnastik, Elektro- oder Wärmetherapie sind im Heilmittelkatalog aufgeführt und können bei entsprechender Verordnung erstattet werden. Viele komplementäre Verfahren wie Fußreflexzonenmassage, Kraniosakraltherapie oder die Hochtontherapie werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es empfiehlt sich, vorab direkt bei der Krankenkasse nachzufragen.
Warum ist die Fußpflege bei Polyneuropathie so wichtig?
Die Füße sind bei sensibler Polyneuropathie, insbesondere bei Diabetes, häufig betroffen. Da das Schmerz- und Temperaturempfinden reduziert sein kann, werden kleine Verletzungen, Druckstellen oder Blasen oft nicht bemerkt. Dies erhöht das Risiko für Infektionen und chronische Wunden, die im schlimmsten Fall zu Geschwüren oder Amputationen führen können. Eine regelmäßige, fachgerechte Fußpflege (Podologie) sowie eine tägliche Selbstkontrolle der Füße und passendes Schuhwerk sind daher unerlässlich, um Komplikationen vorzubeugen.
Kann Stress die Symptome der Polyneuropathie beeinflussen?
Chronischer Stress kann die Schmerzwahrnehmung und das allgemeine Wohlbefinden negativ beeinflussen. Auch wenn Stress keine direkte Ursache der Polyneuropathie ist, kann er die Symptome, insbesondere die Schmerzen, verstärken. Daher können Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder Akupunktur, die auf die Reduktion von Stress abzielen, eine wertvolle Ergänzung in der Therapie sein und helfen, die Lebensqualität zu verbessern.
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