Wie kann man Mikroplastik reduzieren?

Mikroplastik reduzieren: Ihr Leitfaden

10/06/2023

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Mikroplastik, kaum sichtbar und doch omnipräsent, hat sich in den letzten Jahren zu einem der drängendsten Umweltprobleme entwickelt. Diese winzigen Kunststoffpartikel, oft kleiner als ein Sesamkorn, finden sich nicht nur in unseren Ozeanen und Böden, sondern auch überraschend oft in Produkten des täglichen Gebrauchs – von Kosmetika bis zu Reinigungsmitteln. Sie verleihen Peelings ihre schleifende Wirkung, Cremes eine geschmeidige Textur und Shampoos eine erleichterte Kämmbarkeit. Was auf den ersten Blick praktisch erscheint, birgt jedoch weitreichende Konsequenzen für unsere Umwelt und möglicherweise auch für unsere Gesundheit. Angesichts der wachsenden Besorgnis beginnt sich nun endlich etwas zu bewegen: Schrittweise werden Mikroplastikbestandteile in bestimmten Produkten verboten. Doch reicht das aus? Dieser Artikel beleuchtet das Problem, die neuen Regelungen und zeigt auf, wie jeder Einzelne von uns aktiv dazu beitragen kann, die Verbreitung von Mikroplastik zu reduzieren und eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.

Wie kann man Mikroplastik reduzieren?
Sie können Mikroplastik in Ihrem Alltag reduzieren, zum Beispiel so: Bevorzugen Sie Kosmetik- und Drogerieartikel, die klar als „mikroplastikfrei“ gekennzeichnet sind. Schauen Sie sich die Inhaltsstoffe der Produkte genau an und meiden Sie Nylon, Polypropylene, Polyethylene, Polyurethane oder Polystyrene.
Inhaltsverzeichnis

Was genau ist Mikroplastik?

Der Begriff Mikroplastik bezeichnet Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Diese Definition hat ihren Ursprung in Diskussionen zum Thema „Abfälle im Meer“ und ist ein Teilbereich des übergeordneten Themas „Kunststoffe in der Umwelt“. Ursprünglich wurde dieser Grenzwert im internationalen Meeresschutz festgelegt, um die winzigen Plastikfragmente zu klassifizieren, die in die marine Umwelt gelangen.

Aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) ist Mikroplastik somit ganz allgemein definiert als: „Mikroplastik sind Plastik-Partikel, die fünf Millimeter und kleiner sind.“ Hierbei werden zunächst werkstoffliche Materialien wie Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere erfasst. Hinsichtlich spezifischer Stoffeigenschaften oder Formen gibt es bisher keine vergleichbaren, umfassenden Festlegungen.

Im Kontext kosmetischer Mittel und Wasch- und Reinigungsmittel (Detergenzien) bezieht sich die Diskussion auf diese Größeneinteilung, da erkannt wurde, dass einige dieser Produkte bewusst Mikroplastik – sogenanntes primäres Mikroplastik – enthalten. Beispiele hierfür sind Peelings oder Peelingduschgele, die kleine Kunststoffkügelchen als Schleifmittel nutzen. Alle in kosmetischen Mitteln enthaltenen festen Kunststoffpartikel von fünf Millimetern oder kleiner werden als Mikroplastik bezeichnet, wobei es keine definierte Untergrenze der Größe gibt; selbst nanoskalige Partikel fallen darunter.

Zukünftig wird voraussichtlich eine neue, technische Definition aus den Kriterien des EU-Ecolabels für Wasch- und Reinigungsmittel verwendet: Mikroplastik sind Partikel mit einer Größe von weniger als 5 mm eines unlöslichen, makromolekularen Kunststoffs. Dieser Kunststoff kann durch verschiedene Verfahren gewonnen werden, darunter Polymerisationsverfahren (wie Polyaddition oder Polykondensation), chemische Modifikation natürlicher oder synthetischer Makromoleküle oder mikrobielle Fermentation. Diese Definition, die Ende Juni im Amtsblatt der EU veröffentlicht wurde, bezieht sich explizit auf feste, wasserunlösliche Partikel.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Mikroplastik ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher fester Kunststoffe ist. Abhängig von den eingesetzten Polymeren und Additiven können diese Partikel sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Sowohl die EU-Ecolabel-Definition als auch die aus dem Meeresschutz umfassen alle Arten von Mikroplastik, die in kosmetischen Mitteln oder Wasch- und Reinigungsmitteln verwendet werden, unabhängig von ihrer spezifischen technischen Funktion im Produkt.

Wo versteckt sich Mikroplastik im Alltag?

Die winzigen Kunststoffpartikel sind in einer erstaunlichen Vielfalt von Alltagsprodukten zu finden, oft ohne dass wir es bemerken. Ihre funktionellen Eigenschaften machen sie für Hersteller attraktiv, doch genau diese breite Anwendung trägt zur Verbreitung in der Umwelt bei.

Kosmetische Mittel und Körperpflege

  • Peelings und Duschgele: Hier werden Mikroplastikperlen, auch Microbeads genannt, als Schleifmittel eingesetzt, um abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen.
  • Cremes und Lotionen: Stoffe wie Acrylates Crosspolymer oder Polyethylen (PE) können für ein geschmeidiges Hautgefühl sorgen oder als Füllstoffe dienen.
  • Shampoos und Conditioner: Polymere wie Polyquaternium-7 legen sich als feiner Plastikfilm ums Haar, um es leichter kämmbar zu machen und Glanz zu verleihen.
  • Make-up, Lippenstifte und Nagellacke: Diese Produkte enthalten oft Mikroplastik zur Verbesserung der Textur, Haltbarkeit oder als Bindemittel.
  • Zahncremes: Auch hier wurden Mikroplastikpartikel als Schleifmittel oder für optische Effekte eingesetzt.

Haushalts- und Reinigungsmittel

  • Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel: In diesen Produkten können Mikroplastikpartikel als Trübungsmittel, Füllstoffe oder zur Verbesserung der Reinigungsleistung verwendet werden.
  • Wachse und Poliermittel: Sie können Kunststoffpartikel enthalten, die für eine glatte Oberfläche oder Schutzschicht sorgen.
  • Lufterfrischer: Auch hier können synthetische Polymermikropartikel zur Verkapselung von Duftstoffen zum Einsatz kommen, um eine langanhaltende Freisetzung zu gewährleisten.

Weitere Produkte und Anwendungen

  • Einstreugranulat für Sportplatzböden: Synthetische Sportplätze verwenden oft Gummigranulat, das Mikroplastik freisetzen kann.
  • Düngemittel und Pflanzenschutzmittel: Auch in diesen landwirtschaftlichen Produkten können Polymere zur Umhüllung von Wirkstoffen oder als Trägermaterialien enthalten sein.

Die Liste zeigt, wie tief Mikroplastik in unseren Alltag integriert ist. Obwohl die Menge an Mikroplastik, die aus einzelnen dieser Produkte in die Umwelt gelangt, oft gering erscheint, summiert sich der weltweite Eintrag zu einem erheblichen Problem. Viele Hersteller haben in den letzten Jahren begonnen, freiwillig auf Mikroplastik in ihren Formulierungen zu verzichten, doch gesetzliche Regelungen sind unerlässlich, um einen umfassenden Wandel zu bewirken.

Die unsichtbare Gefahr: Welche Auswirkungen hat Mikroplastik?

Die Besorgnis über Mikroplastik rührt nicht nur von seiner Allgegenwart her, sondern vor allem von den potenziellen Auswirkungen auf die Umwelt und Lebewesen. Obwohl die Forschung noch nicht alle Langzeitfolgen vollständig erfasst hat, gibt es bereits deutliche Hinweise auf negative Effekte.

Auswirkungen auf marine und aquatische Ökosysteme

Die Meere gelten als finale Senke für Kunststoffabfälle. Durchschnittlich dreiviertel des im Meer gefundenen Mülls besteht aus Kunststoffen. Wenn größere Plastikteile zu Mikroplastik zerfallen oder wenn primäres Mikroplastik direkt ins Abwasser gelangt, finden diese Partikel ihren Weg in Flüsse und schließlich in die Ozeane. Dort werden sie von Meeresbewohnern – von Plankton bis zu Fischen und Meeressäugern – aufgenommen.

Physikalische Schäden und ihre Folgen

Bei festen Kunststoffpartikeln sind primär physikalische Schäden des Magen-Darm-Traktes zu befürchten. Kleinere Organismen können Mikroplastik mit Nahrung verwechseln, was zu einer Reihe von Problemen führen kann:

  • Blockierung der Nahrungsaufnahme: Die Partikel können den Verdauungstrakt verstopfen und die Aufnahme echter Nahrung verhindern.
  • Behinderung der Verdauung: Selbst wenn Nahrung aufgenommen wird, kann Mikroplastik die Verdauungsprozesse stören.
  • Ständiges Sättigungsgefühl: Tiere fühlen sich satt, obwohl sie keine Nährstoffe aufnehmen, was zu Mangelernährung führt.

Diese Effekte können weitreichende Folgen haben. Labor-Tests mit Mikroplastik-Partikeln an Wasserflöhen (Daphnien) zeigten erste Hinweise auf negative Auswirkungen auf das Wachstum und die Mobilität dieser Tiere. Langfristig kann dies die Fortpflanzungsfähigkeit und das Überleben ganzer Populationen beeinträchtigen. Da die durchgeführten Tests nicht immer direkt auf die komplexen Umweltbedingungen übertragbar sind, ist weitere Forschung notwendig. Trotzdem scheint ein Handeln aus Gründen der Vorsorge dringend geboten.

Der Eintrag aus Kosmetika und Detergenzien

Das Umweltbundesamt (UBA) stellt fest, dass der Eintrag von Mikroplastik aus Detergenzien und kosmetischen Mitteln über das Abwasser in die Umwelt im Verhältnis zu anderen Quellen (wie Reifenabrieb oder Textilfasern) gering ist. Ein wesentlicher Teil des im Abwasser enthaltenen Mikroplastiks wird in Kläranlagen im Klärschlamm gebunden. Doch auch wenn nur geringe Mengen aus diesen Produkten direkt in die Umwelt gelangen, hält das UBA Mikroplastik in ihnen für verzichtbar. Die freiwilligen Maßnahmen der Kosmetikindustrie, die den Einsatz von Mikroplastik als Schleifmittel in Produkten wie Peelings und Zahncreme erfolgreich reduziert haben, sind ein positiver Schritt. Doch das UBA fordert einen umfassenderen Ausstieg, der auch Trübungsmittel und andere Anwendungen einschließt.

Die Forderung nach harmonisierten gesetzlichen Regelungen auf EU-Ebene zum Verbot der Verwendung von Mikroplastik in kosmetischen Mitteln und Wasch- und Reinigungsmitteln wird von mehreren EU-Mitgliedsstaaten geteilt. Dies soll sicherstellen, dass alle Hersteller, auch jene, die freiwillige Maßnahmen nicht unterstützen, ihrer Verantwortung gerecht werden und zu einer Reduktion des Eintrags von Mikroplastik in die Umwelt beitragen.

Schrittweise Verbote: Ein Hoffnungsschimmer?

Nach Jahren der Diskussion und des wachsenden öffentlichen Drucks werden nun endlich konkrete Schritte unternommen, um die Verwendung von Mikroplastik in bestimmten Produktkategorien zu beschränken. Die Europäische Union hat eine schrittweise Verbotsregelung erlassen, die über die nächsten Jahre in Kraft tritt. Dies ist ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen die Umweltverschmutzung durch winzige Kunststoffpartikel.

Der Zeitplan der Mikroplastik-Verbote in der EU

Die Verbote treten gestaffelt in Kraft, um Herstellern genügend Zeit für die Anpassung ihrer Rezepturen und Produktionsprozesse zu geben. Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Fristen:

Datum des InkrafttretensBetroffene Produkte / AnwendungenDetails und Hintergrund
Oktober 2023Mikroplastikperlen (Microbeads) in KosmetikaVerbot von kleinen Kunststoffteilchen, die in Produkten zum Peelen, Reinigen oder Polieren verwendet werden. Viele Hersteller hatten bereits freiwillig darauf verzichtet.
17. Oktober 2027Auszuspülende Produkte (Rinse-off-Produkte)Shampoos, Duschgele, Conditioner und ähnliche Produkte, die nach der Anwendung abgespült werden, müssen mikroplastikfrei sein.
17. Oktober 2028Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel, Wachse, Poliermittel, LufterfrischerEin breites Spektrum an Haushaltsprodukten wird betroffen sein, was eine umfassende Umstellung in diesen Sektoren erfordert.
17. Oktober 2029Haut- und Haarpflegeprodukte (Leave-on-Produkte)Produkte, die auf der Haut oder im Haar verbleiben, wie Bodylotions, Gesichtscremes, Haargele und Sonnenschutzmittel, müssen mikroplastikfrei sein.
17. Oktober 2029Synthetische Polymermikropartikel zur Verkapselung von DuftstoffenDas Verbot betrifft die Verwendung dieser Partikel in allen Produkten, wo sie zur langanhaltenden Freisetzung von Duftstoffen eingesetzt werden.
17. Oktober 2031Einstreugranulat für SportplatzbödenEin Verbot für das Granulat, das in Kunstrasenplätzen verwendet wird und eine signifikante Quelle für Mikroplastik in der Umwelt darstellt.
17. Oktober 2035Rezepturen von Lippenstiften, Nagellacken und Make-upDiese Produkte erhalten die längste Übergangsfrist, da die Entwicklung von mikroplastikfreien Alternativen hier besonders komplex sein kann.
Zukünftig (noch keine feste Frist)Düngemittel und PflanzenschutzmittelEs sollen ebenfalls neue Vorgaben erlassen werden, um Mikroplastik in diesen landwirtschaftlichen Produkten zu reduzieren.

Bewertung der Verbote: Ein kleiner Schritt?

Obwohl diese Maßnahmen auf den ersten Blick äußerst positiv erscheinen und einen wichtigen Fortschritt darstellen, sind sie in Wirklichkeit nur ein kleiner Schritt im umfassenden Kampf gegen das Mikroplastik-Problem. Das Verbot konzentriert sich hauptsächlich auf primäres Mikroplastik, das bewusst Produkten zugesetzt wird. Es adressiert jedoch nicht die weitaus größere Menge an sekundärem Mikroplastik, das durch den Zerfall größerer Kunststoffteile (z.B. Plastikmüll, Reifenabrieb, Faserabrieb von Textilien beim Waschen) entsteht. Mit dem Verbot der kleinen Kunststoffteilchen in Kosmetik- und Drogerieartikeln werden wir Mikroplastik nicht den Garaus machen können.

Das Umweltbundesamt (UBA) betont, dass, obwohl der Eintrag aus Kosmetika und Detergenzien im Vergleich zu anderen Quellen gering ist, Mikroplastik in diesen Produkten als verzichtbar erachtet wird. Daher ist die gesetzliche Regelung ein notwendiger Schritt, um die gesamte Industrie zur Umstellung zu bewegen, insbesondere auch jene Hersteller, die freiwilligen Maßnahmen der Industrieverbände bisher nicht gefolgt sind. Die Notwendigkeit einer EU-weiten, harmonisierten gesetzlichen Regelung wird von anderen EU-Mitgliedsstaaten geteilt, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und einen umfassenden Umweltschutz zu gewährleisten.

Wie oft sollte man einen Peeling machen?
Die Zahl der Sitzungen richtet sich nach der Menge der Flecken. Bei größeren Pigmentflächen ist Schichtarbeit angesagt. Ein chemisches Schälverfahren (Peeling) mit Fruchtsäure (AHA) oder Trichloressigsäure (TCA) bewirkt, dass je nach Dosierung die erste und zweite Hautschicht (Epidermis und Dermis) verätzt und abgetragen werden.

Die Verbote sind ein klares Signal an die Industrie und die Verbraucher, dass die Problematik ernst genommen wird. Sie schaffen Anreize für Innovationen und die Entwicklung nachhaltiger Alternativen. Dennoch bleibt es entscheidend, dass wir uns der größeren Herausforderung des sekundären Mikroplastiks bewusst bleiben und weiterhin an umfassenderen Lösungen arbeiten, um unsere Umwelt langfristig von dieser allgegenwärtigen Belastung zu befreien.

Was ist KEIN Mikroplastik im Sinne der Definition?

Im Diskurs um Mikroplastik ist es wichtig, präzise zu unterscheiden, welche Stoffe tatsächlich unter diese Definition fallen und welche nicht. Insbesondere im Bereich kosmetischer Mittel und Wasch- und Reinigungsmittel werden neben festen Kunststoffpartikeln auch andere synthetische Polymere eingesetzt, die jedoch eine entscheidende Eigenschaft aufweisen: Sie sind wasserlöslich.

Beispiele hierfür sind Acrylsäure-Copolymere, die in Duschgelen als Filmbildner oder Verdickungsmittel verwendet werden. Obwohl einige Verbände und Organisationen auch diese wasserlöslichen Polymere als problematisch ansehen und sie manchmal pauschal als „flüssiges Mikroplastik“ bezeichnen, fallen sie gemäß der offiziellen Definition nicht unter den Begriff Mikroplastik.

Der Hauptgrund für diese Unterscheidung liegt in ihrem Aggregatzustand: Lösliche Stoffe wie Acrylsäure-Copolymere liegen nicht als feste Partikel in den Produkten vor. Daher können bei ihnen die physikalischen Schäden des Magen-Darm-Traktes, wie sie bei festen Mikroplastik-Partikeln befürchtet werden (z.B. Blockierung der Nahrungsaufnahme oder Verdrängung von Nahrung), nicht auftreten. Sie lösen sich im Wasser auf und verhalten sich anders in der Umwelt.

Für wasserlösliche synthetische Polymere ist es möglich, eine individuelle Bewertung etwaiger Gefahren gemäß den Vorgaben des Chemikalienrechts (z.B. REACh und CLP-Verordnung) durchzuführen. Hierfür stehen etablierte Tests zur Bestimmung der Ökotoxizität mit Fischen, Daphnien und Algen zur Verfügung. Diese Tests ermöglichen eine fundierte Bewertung des Verhaltens dieser Polymere in der Umwelt, einschließlich ihrer Abbaubarkeit und potenziellen Toxizität. Jeder Hersteller eines wasserlöslichen synthetischen Polymers ist daher in der Lage, eine eigene Gefährdungsbeurteilung auf Basis von Ökotox- und Abbau-Daten sowie der Exposition durchzuführen.

Ungeachtet dieser technischen Unterscheidung in der Definition ist es jedoch ein allgemeines Ziel des Umweltschutzes, dass kosmetische Mittel und Wasch- und Reinigungsmittel möglichst keine oder so wenig wie möglich schwer abbaubare Stoffe enthalten sollten. Auch wenn wasserlösliche Polymere nicht die gleichen physikalischen Risiken wie feste Mikroplastikpartikel bergen, können schwer abbaubare Substanzen dennoch eine Belastung für die Umwelt darstellen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher bevorzugt zu Produkten greifen, die solche Stoffe nicht oder nur in geringen Mengen enthalten. Eine gute Hilfestellung bei der Auswahl bieten hier vertrauenswürdige Label und Siegel.

Ihr Beitrag zählt: Wie Sie Mikroplastik im Alltag reduzieren können.

Auch wenn gesetzliche Verbote und die freiwilligen Anstrengungen der Industrie wichtige Schritte sind, spielt das bewusste Handeln jedes Einzelnen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Mikroplastik. Als Verbraucher haben Sie die Macht, durch Ihre Kaufentscheidungen einen Unterschied zu machen. Hier sind praktische Tipps, wie Sie Ihren persönlichen Mikroplastik-Fußabdruck reduzieren können:

1. Auf Inhaltsstoffe achten und verstehen

Es ist oft nicht leicht, Mikroplastik auf den ersten Blick zu erkennen. Viele Hersteller verzichten mittlerweile auf die berüchtigten „Microbeads“, aber andere Formen von Mikroplastik können immer noch enthalten sein. Achten Sie auf der Inhaltsstoffliste (INCI-Liste) von Kosmetika und Reinigungsmitteln auf folgende Begriffe, die auf Mikroplastik hindeuten können:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Nylon-12, Nylon-6
  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer (ACS)
  • Polyquaternium-7 (PQ-7)
  • Polymethyl Methacrylate (PMMA)

Es gibt auch Apps, die Ihnen beim Scannen von Produktbarcodes helfen können, Inhaltsstoffe zu identifizieren und Produkte als mikroplastikfrei einzustufen.

2. Auf vertrauenswürdige Siegel und Zertifikate setzen

Der einfachste Weg, mikroplastikfreie Produkte zu finden, ist die Orientierung an anerkannten Umweltsiegeln. Diese Zertifizierungen garantieren, dass Produkte strenge Kriterien erfüllen und oft auch auf andere bedenkliche Inhaltsstoffe verzichten:

  • Der Blaue Engel: Ein deutsches Umweltzeichen, das strenge Kriterien für Umweltfreundlichkeit erfüllt, auch in Bezug auf Mikroplastikfreiheit.
  • EU-Ecolabel: Das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union, das Produkte auszeichnet, die über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg geringere Umweltauswirkungen haben.
  • Zertifizierte Naturkosmetik-Siegel: Viele Naturkosmetik-Standards (wie Natrue, BDIH, Ecocert) schließen die Verwendung von synthetischen Polymeren und damit auch Mikroplastik aus.

3. Bewusste Produktwahl im Alltag

  • Peelings und Duschgele: Greifen Sie zu Alternativen mit natürlichen Schleifmitteln wie Zucker, Salz, Kaffeesatz, Mohnsamen oder Jojobaperlen. Viele Naturkosmetikmarken bieten solche Produkte an.
  • Zahnpasta: Überprüfen Sie die Inhaltsstoffe Ihrer Zahnpasta; viele Marken bieten mittlerweile mikroplastikfreie Varianten an.
  • Make-up und Körperpflege: Suchen Sie gezielt nach Marken, die sich zur Mikroplastikfreiheit bekennen oder auf zertifizierte Naturkosmetik setzen.
  • Reinigungsmittel: Achten Sie auch hier auf Umweltsiegel oder wählen Sie einfache Hausmittel wie Essig, Natron und Zitronensäure für viele Reinigungsaufgaben.

4. Mikroplastik aus Textilien reduzieren

Ein großer Teil des Mikroplastiks in der Umwelt stammt aus dem Waschen synthetischer Kleidung (z.B. Fleece, Polyester, Nylon). Obwohl dies kein direktes Produktproblem ist, können Sie auch hier aktiv werden:

  • Waschen Sie synthetische Kleidung seltener und bei niedrigeren Temperaturen.
  • Verwenden Sie spezielle Waschbeutel (z.B. Guppyfriend), die Fasern beim Waschen auffangen.
  • Bevorzugen Sie Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Wolle oder Hanf.

5. Unternehmen unterstützen, die sich engagieren

Wählen Sie Marken und Unternehmen, die transparent kommunizieren und sich aktiv für die Reduzierung von Mikroplastik und die Entwicklung nachhaltiger Alternativen einsetzen. Ihre Kaufkraft ist ein starkes Signal an den Markt.

Jede kleine Entscheidung zählt. Indem Sie bewusst einkaufen und sich informieren, tragen Sie aktiv dazu bei, die Belastung unserer Umwelt durch Mikroplastik zu verringern und eine nachhaltigere Zukunft für alle zu schaffen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Ist Mikroplastik wirklich überall?

A: Ja, Mikroplastik ist mittlerweile nahezu überall nachweisbar. Es wurde in den tiefsten Ozeangräben, in arktischem Eis, in Böden, in der Luft und sogar in unserer Nahrungskette gefunden. Es gelangt aus verschiedenen Quellen in die Umwelt, darunter der Abrieb von Reifen, der Verlust von Textilfasern beim Waschen synthetischer Kleidung und, wie in diesem Artikel beschrieben, auch aus Kosmetika und Reinigungsmitteln. Obwohl der Anteil aus Kosmetika im Vergleich zu anderen Quellen (wie z.B. Reifenabrieb) geringer ist, trägt jede Vermeidung dieser winzigen Partikel dazu bei, die Gesamtbelastung für unsere Ökosysteme zu reduzieren.

F: Wie erkenne ich Mikroplastik in Produkten?

A: Es ist oft nicht direkt erkennbar, da Mikroplastik in vielen Formen und Größen vorliegen kann. Viele Hersteller haben jedoch bereits freiwillig auf die am offensichtlichsten erkennbaren Mikroplastikperlen verzichtet. Der beste Weg, um sicherzugehen, ist das Achten auf Umweltsiegel wie den Blauen Engel oder das EU-Ecolabel, die Produkte als mikroplastikfrei oder -arm kennzeichnen. Auf den Inhaltsstofflisten (INCI-Listen) von Kosmetika können Sie nach Begriffen suchen, die auf Kunststoffe hindeuten, wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12, Acrylates Copolymer oder Polyquaternium-7. Es gibt auch Smartphone-Apps, die beim Scannen von Produkten helfen, potenziell bedenkliche Inhaltsstoffe zu identifizieren.

F: Sind wasserlösliche Polymere auch schädlich?

A: Gemäß der aktuellen Definition und wissenschaftlichen Erkenntnissen gelten wasserlösliche synthetische Polymere nicht als Mikroplastik. Sie liegen nicht als feste Partikel vor und können daher keine physikalischen Schäden wie die Blockierung des Verdauungstrakts verursachen. Ihre Umweltverträglichkeit wird individuell bewertet, und für sie gelten andere, etablierte Testverfahren gemäß dem Chemikalienrecht (z.B. REACh und CLP-Verordnung). Trotzdem ist es ratsam, Produkte zu wählen, die möglichst wenige schwer abbaubare Stoffe enthalten, um die Umweltbelastung insgesamt zu minimieren. Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte immer im Vordergrund stehen.

F: Was kann ich persönlich tun, um Mikroplastik zu vermeiden?

A: Sie können eine Menge tun! Informieren Sie sich über die Produkte, die Sie kaufen, und bevorzugen Sie zertifizierte Naturkosmetik oder Produkte mit Siegeln wie dem Blauen Engel oder dem EU-Ecolabel. Vermeiden Sie Peelings mit Kunststoffpartikeln und setzen Sie auf natürliche Alternativen. Auch bei Kleidung ist Vorsicht geboten: Synthetische Fasern können beim Waschen Mikroplastik freisetzen. Waschen Sie diese Textilien seltener, bei niedrigeren Temperaturen und verwenden Sie gegebenenfalls spezielle Waschbeutel. Unterstützen Sie Unternehmen, die sich aktiv für Mikroplastikfreiheit einsetzen, und tragen Sie so zu einem Wandel bei.

Fazit

Die Problematik des Mikroplastiks ist komplex und erfordert sowohl legislative Maßnahmen als auch das Engagement jedes Einzelnen. Die schrittweisen Verbote sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber sie sind nur ein Anfang auf einem langen Weg. Die bewusste Entscheidung für mikroplastikfreie Produkte ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Beitrag zum Umweltschutz. Indem wir unsere Konsumgewohnheiten überdenken und uns für nachhaltige Alternativen entscheiden, können wir gemeinsam dazu beitragen, unsere Umwelt von diesen winzigen, aber folgenschweren Partikeln zu befreien und eine gesündere Zukunft für unseren Planeten zu sichern. Das Thema Nachhaltigkeit wird uns noch lange begleiten und erfordert unser aller kontinuierliches Engagement.

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