Wann sollte man sich nach einem Herzinfarkt massieren lassen?

Herzmassage: Leben retten im Notfall

01/04/2022

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Ein Herzstillstand kann jeden treffen, jederzeit und überall. In solchen kritischen Momenten zählt jede Sekunde. Die Frage "Wie hoch sind die Überlebenschancen bei einer Herzdruckmassage?" ist nicht nur berechtigt, sondern unterstreicht die enorme Bedeutung sofortiger Hilfe. Es gibt keine einfache Zahl, die man nennen kann, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Doch eines ist sicher: Ohne sofortige Herzdruckmassage sinken die Überlebenschancen drastisch. Mit entschlossenem Handeln können Sie jedoch das Leben eines Menschen retten und die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrücken. Frischen Sie Ihr Erste-Hilfe-Wissen auf, damit Sie im Notfall richtig handeln und keine wertvolle Zeit verlieren, wenn es darauf ankommt.

Wie hoch sind die Überlebenschancen bei einer Herzdruckmassage?
Die Überlebenschancen hängen in so einer Situation massgeblich von der korrekt ausgeführten Reanimation ab. Mit jeder Minute, die ohne Hilfe vergeht, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Wir erklären dir, wie du sie richtig durchführst und wie du bei der Herzdruckmassage den Rhythmus findest, den es braucht.
Inhaltsverzeichnis

Sekunden entscheiden: Warum schnelle Hilfe zählt

Stellen Sie sich vor, eine Person bricht vor Ihren Augen zusammen – sei es aufgrund eines vermuteten Herzinfarkts, eines Schlaganfalls oder aus unbekannten Gründen. In diesen kritischen Augenblicken ist Panik Ihr größter Feind. Doch genau hier beginnt Ihre Rolle als potenzieller Lebensretter. Die Zeitspanne zwischen einem Herzstillstand und dem Beginn der Reanimation ist entscheidend für die Überlebenschancen und die Vermeidung bleibender Schäden. Gehirnzellen beginnen bereits nach wenigen Minuten ohne Sauerstoffzufuhr abzusterben. Ihre sofortige Reaktion kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten und die Qualität des Überlebens maßgeblich beeinflussen. Zögern Sie nicht, denn jede Minute zählt.

Der erste Schritt: Bewusstsein, Atmung, Puls (BAP) prüfen

Bevor Sie mit der Herzdruckmassage beginnen, ist eine schnelle und präzise Einschätzung der Situation unerlässlich. Befolgen Sie die bewährte BAP-Regel:

1. Bewusstsein prüfen

  • Sprechen Sie die Person laut und deutlich an.
  • Reagiert sie nicht, setzen Sie einen Schmerzreiz. Reiben Sie beispielsweise mit den Fingerknöcheln kräftig über das Brustbein.
  • Bleibt die Person weiterhin reaktionslos, ist sie bewusstlos.

2. Atmung überprüfen

  • Beugen Sie sich über die Person und beobachten Sie den Brustkorb. Hebt und senkt er sich gleichmäßig?
  • Hören Sie auf Atemgeräusche. Ist die Atmung normal, also ruhig und regelmäßig? Oder ist sie auffällig, wie Schnappatmung oder Röcheln?
  • Wichtig: Eine normale Atmung bedeutet, dass die Person in die stabile Seitenlage gebracht und unter ständiger Beobachtung auf den Rettungsdienst gewartet werden kann. Bei keiner oder auffälliger Atmung (Schnappatmung, Röcheln) muss sofort mit der Reanimation begonnen werden.

3. Puls fühlen (optional, aber hilfreich)

  • Wenn Sie sich sicher fühlen, können Sie den Puls an der Halsschlagader prüfen. Legen Sie drei Finger neben den Kehlkopf unterhalb des Kiefers.
  • Suchen Sie nach einem Herzschlag. Dieser Schritt ist jedoch nicht zwingend notwendig. Wenn eine Person nicht normal atmet, wird sie sehr schnell auch keinen Puls mehr haben. Sie können also direkt mit der Reanimation beginnen, um keine wertvolle Zeit zu verlieren.

Herzdruckmassage: Die Technik, die Leben rettet

Die Herzdruckmassage ist der wichtigste Bestandteil der Reanimation. Sie ersetzt die Pumpfunktion des Herzens und sorgt dafür, dass weiterhin Blut und Sauerstoff zu den lebenswichtigen Organen, insbesondere dem Gehirn, transportiert werden. Keine Angst, Sie können nichts falsch machen, außer nichts zu tun!

Die richtige Position und Haltung

  • Knien Sie sich seitlich neben die bewusstlose Person. Achten Sie darauf, dass die Person auf einem harten Untergrund liegt.
  • Legen Sie Ihren Handballen mittig auf das entkleidete Brustbein der Person.
  • Legen Sie Ihre zweite Hand darüber und verschränken Sie die Finger, um Druck von den Rippen zu nehmen.
  • Beugen Sie sich mit Ihrem Oberkörper senkrecht über Ihre Hände. Ihre Arme bleiben dabei durchgestreckt, der Druck kommt aus Ihrem Oberkörper, nicht aus den Armen.

Rhythmus und Tiefe: Drücken Sie kräftig!

  • Drücken Sie den Brustkorb etwa 5 bis 6 Zentimeter tief ein. Es mag sich ungewohnt anfühlen, aber scheuen Sie sich nicht, kräftig zu drücken. Die Angst, eine Rippe zu brechen, ist verständlich, aber ein gebrochener Knochen ist heilbar – ein nicht reanimierter Mensch stirbt.
  • Der ideale Rhythmus liegt bei 100 bis 120 Schlägen pro Minute. Das ist schneller, als viele denken.
  • Das Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung beträgt 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen. Wechseln Sie immer in diesem Rhythmus.
  • Wichtig: Falls Sie sich mit der Beatmung unsicher fühlen oder aus anderen Gründen nicht beatmen können oder wollen, lassen Sie sie weg. Die ununterbrochene Herzdruckmassage ist in diesem Fall weitaus wichtiger als gar keine Hilfe. Studien zeigen, dass selbst reine Herzdruckmassage die Überlebenschancen deutlich erhöht.

Hören Sie nicht auf!

Setzen Sie die Reanimation ununterbrochen fort, bis professionelle Rettungskräfte eintreffen und die Aufgabe übernehmen. Die Herzdruckmassage ist körperlich sehr anstrengend. Wenn andere Personen in der Nähe sind, sprechen Sie diese an und bitten Sie um Hilfe. Wechseln Sie sich nach Möglichkeit alle zwei Minuten ab, um Ermüdung vorzubeugen und die Effektivität der Massage zu gewährleisten.

Der Automatische Externe Defibrillator (AED): Ihr Helfer im Notfall

In vielen öffentlichen Gebäuden, Bahnhöfen oder Sportstätten finden Sie heute einen AED (Automatischer Externer Defibrillator). Dieses Gerät ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Ersten Hilfe und kann die Überlebenschancen bei Herzstillstand erheblich steigern. Falls ein AED in der Nähe ist, sollte er unbedingt so schnell wie möglich eingesetzt werden, während die Herzdruckmassage fortgesetzt wird.

  • Anwendung: Auf dem AED selbst sind klare Anweisungen und Bilder abgebildet, wie die Elektroden (Pflaster) auf dem Brustkorb des Patienten anzubringen sind.
  • Sprachanweisungen: Das Gerät leitet Sie mittels klarer Sprachanweisungen durch den gesamten Wiederbelebungsprozess. Sie müssen kein Experte sein, um es zu bedienen.
  • Analyse und Schock: In kurzen Pausen der Herzdruckmassage misst der AED den Herzrhythmus. Er entscheidet selbstständig, ob ein Elektroschock notwendig ist, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen.
  • Sicherheit: Vor der Abgabe eines Schocks warnt das Gerät Sie deutlich und fordert Sie auf, Abstand zu halten und den Patienten nicht zu berühren. Es ist absolut wichtig, dass während des Schocks niemand den Patienten oder seine Kleidung berührt, um einen Stromschlag zu vermeiden. Das Gerät ist so konzipiert, dass es nur schockt, wenn es wirklich notwendig ist.

Im Takt des Lebens: Musik als Rhythmus-Helfer

Den richtigen Rhythmus von 100 bis 120 Schlägen pro Minute bei der Herzdruckmassage beizubehalten, kann eine Herausforderung sein, besonders unter Stress. Eine einfache und effektive Methode ist es, sich einen Song vorzustellen oder zu summen, der diesen Takt hat. Dies hilft, die Frequenz konstant zu halten und kann in der Stresssituation eine mentale Stütze sein.

Songs mit dem idealen Reanimations-Rhythmus (100-120 bpm):

  • "I Will Survive" – Gloria Gaynor
  • "Yellow Submarine" – The Beatles
  • "Sweet Home Alabama" – Lynyrd Skynyrd
  • "Dancing Queen" – ABBA
  • "Highway to Hell" – AC/DC
  • "Knockin’ on Heaven’s Door" – Guns N’Roses
  • "Another One Bites the Dust" – Queen
  • "Atemlos" – Helene Fischer
  • "Treasure" – Bruno Mars
  • "Crazy in Love" – Beyoncé
  • "Who’s That Girl" – Madonna
  • "Just Dance" – Lady Gaga
  • "Quit Playing Games (With My Heart)" – Backstreet Boys
  • "Hey, Soul Sister" – Train
  • "Crazy" – Gnarls Barkley
  • "Rock Your Body" – Justin Timberlake
  • "Girls Just Want to Have Fun" – Cyndi Lauper

Manche dieser Songs mögen thematisch passend erscheinen, andere vielleicht makaber. Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie einen Song aus dieser Liste wählen, den Sie gut kennen und der Ihnen in einer Notsituation sofort in den Sinn kommt, um den entscheidenden Rhythmus zu finden. Üben Sie es im Kopf, um im Ernstfall vorbereitet zu sein.

Angst überwinden: Warum Ihr Mut zählt

Es ist vollkommen natürlich, Angst davor zu haben, in eine solche Notfallsituation zu geraten oder Fehler zu machen. Viele Menschen zögern, weil sie befürchten, der Person zu schaden, etwa durch das Brechen von Rippen. Lassen Sie uns hier ganz klar sein: Wenn eine Person einen Herzstillstand hat und nicht reanimiert wird, wird sie sterben. Eine Herzdruckmassage, selbst wenn sie nicht perfekt ausgeführt wird, ist immer besser als keine Hilfe.

Denken Sie daran: Wenn die hilflose Person die Wahl hätte, würde sie lieber mit ein paar gebrochenen Rippen überleben, als gar nicht. Diese Gewissheit sollte Ihnen helfen, Ihre anfängliche Scheu zu überwinden. Ihr beherztes Eingreifen kann das höchste Gut – das Leben – retten.

Auffrischungskurse: Bleiben Sie bereit

Theorie ist wichtig, aber die Praxis ist entscheidend. Je häufiger Sie ein Notfallszenario im Kopf durchgehen und sich mit dem richtigen Vorgehen vertraut machen, desto schneller und sicherer können Sie im Ernstfall handeln. Die Grundlagen der Ersten Hilfe sollten regelmäßig aufgefrischt werden. Viele Organisationen bieten Erste-Hilfe-Kurse an, die speziell auf die Reanimation und den Umgang mit einem AED eingehen. Wenn Ihr letzter Kurs schon länger zurückliegt, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für eine Auffrischung.

Machen Sie sich mit den Basics vertraut, finden Sie Ihren persönlichen "Reanimations-Song" und schauen Sie sich den AED in Ihrem Büro oder an öffentlichen Orten genau an, falls vorhanden. Wissen ist Macht, und in diesem Fall ist es die Macht, Leben zu retten.

Häufig gestellte Fragen zur Herzdruckmassage

FrageAntwort
Muss ich unbedingt beatmen, wenn ich reanimiere?Nein, die Herzdruckmassage ist viel wichtiger. Wenn Sie sich unsicher fühlen oder nicht beatmen können, konzentrieren Sie sich auf die ununterbrochene Herzdruckmassage. Jede Hilfe ist besser als keine.
Kann ich bei der Herzdruckmassage etwas kaputt machen, z.B. Rippen brechen?Ja, es kann vorkommen, dass Rippen brechen. Dies ist jedoch ein akzeptables Risiko, da das Überleben der Person im Vordergrund steht. Ein gebrochener Knochen heilt, ein nicht reanimierter Mensch stirbt.
Wie lange muss ich die Herzdruckmassage durchführen?Sie sollten die Herzdruckmassage ununterbrochen fortsetzen, bis professionelle Rettungskräfte eintreffen und die Situation übernehmen, oder bis die Person wieder normal atmet.
Kann ich einen AED falsch bedienen?AEDs sind so konzipiert, dass sie auch von Laien bedient werden können. Sie geben klare Sprachanweisungen und schocken nur, wenn es medizinisch notwendig ist. Befolgen Sie einfach die Anweisungen des Geräts.
Was ist, wenn ich mich an den genauen Rhythmus nicht erinnern kann?Versuchen Sie, den Rhythmus eines Liedes zu nutzen, das Sie kennen und das 100-120 Schläge pro Minute hat (z.B. "Stayin' Alive" oder "Another One Bites the Dust"). Wenn Sie unsicher sind, ist eine kontinuierliche Herzdruckmassage in fast jedem Rhythmus besser als gar keine.

Die Fähigkeit zur Herzdruckmassage ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein Mensch besitzen kann. Sie gibt Ihnen die Macht, in den kritischsten Momenten eines Lebens den entscheidenden Unterschied zu machen. Seien Sie mutig, seien Sie vorbereitet und handeln Sie – denn Ihr Eingreifen kann ein Leben retten.

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