16/08/2023
Das Kniegelenk ist eines der am stärksten beanspruchten Gelenke im menschlichen Körper. Durch alltägliche Belastungen, Verletzungen oder altersbedingten Verschleiß, insbesondere durch Arthrose, kann es zu erheblichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen kommen. Wenn konservative Behandlungsmethoden keine Linderung mehr verschaffen und die persönliche Lebensqualität stark beeinträchtigt ist, kann der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks, einer sogenannten Knieendoprothese, eine wirksame Lösung darstellen. Diese moderne medizinische Intervention ermöglicht es vielen Patienten, wieder ein aktives und schmerzfreies Leben zu führen. Doch was genau verbirgt sich hinter einem künstlichen Kniegelenk, wie funktioniert es und was ist nach der Operation zu beachten?
Ein künstliches Kniegelenk, medizinisch als Knieendoprothese oder Knie-TEP (Totalendoprothese) bezeichnet, dient dem Ersatz des meist durch Arthrose oder schwere Verletzungen zerstörten natürlichen Kniegelenks. Da die Kniegelenke einer enormen Belastung durch das Körpergewicht ausgesetzt sind und auch durch Traumata oder Entzündungen geschädigt werden können, sind sie besonders anfällig für Gelenkverschleiß. Die Prothese wird operativ direkt im Knochen verankert und soll dem Patienten ermöglichen, sein Knie nach einer schweren Arthrose wieder beschwerdefrei und ohne Schmerzen zu bewegen und zu belasten. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass ein künstliches Kniegelenk niemals exakt wie ein natürliches Knie funktioniert, aber es kann die Funktionalität erheblich verbessern und Schmerzen lindern.

- Aufbau und Funktion der Knieprothese: Ein Wunder der Technik
- Materialien der Knieendoprothesen und die Herausforderung von Metallallergien
- Knieprothese und die Komplexität des natürlichen Kniegelenks
- Prothesentypen im Überblick: Maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Knie
- Der Ablauf einer Knie-OP: Präzision für Ihr Wohl
- Risiken und mögliche Komplikationen nach Knieprothesen-OP
- Wechseloperation der Knieprothese: Wenn ein Austausch nötig wird
- Rehabilitation und ein aktives Leben mit Knieprothese
- Sport mit Knieprothese: Grenzen und Möglichkeiten
- Zweitmeinung zur Implantation einer Knieendoprothese: Ihre Entscheidung zählt
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Knieprothese
- Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Operation einer Knieprothese?
- Wie lange bleibt man nach Knieprothese im Krankenhaus?
- Wie lange dauert die Rehabilitation nach dem Einsatz einer Knieprothese?
- Wie lange dauert die Krankschreibung (Arbeitsunfähigkeit) nach Knieprothese?
- Wann ist nach einer Knieprothesenoperation wieder Sport möglich?
- Wie lange hält eine Knieprothese?
- Welcher Arzt ist der richtige für eine Knie-TEP?
- Können gesetzlich versicherte Patienten mit Kniearthrose von einem Spezialisten der orthopädischen Gelenk-Klinik operiert werden?
Aufbau und Funktion der Knieprothese: Ein Wunder der Technik
Die Knieendoprothese ist eine hochentwickelte Konstruktion, die darauf abzielt, die natürliche Knorpelgleitfläche des Kniegelenks zu ersetzen und somit die Beweglichkeit wiederherzustellen. Sie besteht in der Regel aus mehreren Komponenten, die aus Metall und Polyethylen gefertigt sind und fest im Knochen verankert werden. Die gebräuchlichste Gleitfläche in einer Knieendoprothese bildet eine Kombination aus Metall und Polyethylen. Als Metallkomponente wird meist eine Legierung aus Chrom, Kobalt und Molybdän verwendet, die für ihre Stabilität und Biokompatibilität bekannt ist.
Die Oberschenkelkomponente (Femurkomponente)
Diese metallische Komponente bedeckt das untere Ende des Oberschenkelknochens im Kniegelenk. Sie ist präzise geformt, um die paarigen, walzenförmigen Enden des Oberschenkels (Femurkondylen) im künstlichen Kniegelenk exakt nachzubilden. Eine zentrale Vertiefung vorne, die patellare Gleitrinne (Trochlea), nimmt die Kniescheibe auf. Dies gewährleistet, dass die Kniescheibe stabil gleitet, während sich das Kniegelenk beim Gehen beugt und streckt.
Die Schienbeinkomponente (Tibiakomponente)
Die Schienbeinkomponente bedeckt das Schienbeinplateau, auf dem der Oberschenkelknochen im Kniegelenk gleitet. Auch sie besteht in der Regel aus Metall. Um eine reibungslose Gleitpaarung mit der oberen Metallkomponente des Oberschenkels zu ermöglichen, ist sie mit einer elastischen, aber äußerst haltbaren Kunststoffschicht aus Polyethylen bedeckt. Oft wird die Schienbeinkomponente zusätzlich mit einem Stiel im Knochen verankert, um ihre langfristige Haltbarkeit zu verbessern.
Die Kniescheibenkomponente (Patellakomponente)
Wenn die Rückseite der Kniescheibe durch eine Patellaarthrose geschädigt ist, kann eine Gleitfläche aus Polyethylen ihre Funktion wiederherstellen. Diese Komponente ist nicht bei jeder Knie-TEP notwendig. Ist das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen (Femoropatellargelenk) noch intakt, kann die natürliche Kniescheibe belassen werden. Das Design der Prothese ist so konzipiert, dass immer eine Metalloberfläche auf einer Kunststoffoberfläche gleitet (Gleitpaarung), was die Haltbarkeit des künstlichen Gelenks erhöht und den Verschleiß minimiert.
Materialien der Knieendoprothesen und die Herausforderung von Metallallergien
Die Auswahl der Materialien für Knieendoprothesen unterliegt strengen Kriterien, um höchste Sicherheit und Funktionalität zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Biokompatibilität: Die Materialien müssen im menschlichen Körper chemisch stabil bleiben und dürfen keine unerwünschten chemischen oder biologischen Reaktionen (z.B. Allergien, Abstoßung) auslösen. Sie dürfen auch nicht rosten oder altern.
- Stabilität und mechanische Belastbarkeit: Die Materialien müssen unter Last formstabil bleiben und diese Funktion über viele Jahre beibehalten.
- Formbarkeit: Die Stoffe müssen so formbar sein, dass sie sich gut an die Anatomie eines natürlichen Gelenks anpassen lassen, während ihre mechanische Stabilität und Bruchsicherheit gewahrt bleiben.
Standardmäßig bestehen die Metallkomponenten aus einer Legierung von Chrom, Kobalt und Molybdän. Diese Legierung ist optimal für Knieendoprothesen geeignet, da sie stabil und elastisch ist und bessere Gleiteigenschaften als beispielsweise Titanlegierungen aufweist, was den Abrieb minimiert. Allerdings kann diese Legierung Spuren von Nickel enthalten.
Knieprothesen bei Metallallergie
Obwohl nicht eindeutig bewiesen ist, dass eine Hautallergie auf Nickel auch zu einer allergischen Reaktion am Knochen führt, wird bei bekannter Nickelallergie Vorsicht geboten. Für solche Fälle gibt es spezielle Allergieimplantate. Diese Knieprothesen verfügen über Beschichtungen aus Titan oder eine mittels Plasmaverfahren hergestellte Oberfläche aus Oxinium®. Titanbeschichtete Implantate weisen eine geringfügig niedrigere Gleitfähigkeit auf, sind aber notwendig, um allergischen Reaktionen vorzubeugen. Dies ermöglicht eine individuelle Anpassung an die Patientensituation.
Die Gleitkomponente (Inlay) aus Polyethylen
Als Gleitpartner wird hochmolekulares Polyethylen (UHMWPE) eingesetzt, das sogenannte Inlay. Dieses Kunststoffmaterial ist biologisch inert, löst also kaum Wechselwirkungen im Körper aus. Es ist zudem sehr verschleißarm und bietet die notwendige Elastizität zwischen den beiden Metallkomponenten, was für den Bewegungsablauf entscheidend ist. Da das Inlay der weichere Gleitpartner ist, unterliegt es im Laufe der Zeit einem gewissen Abrieb. Moderne Verfahren, wie die Behandlung mit Röntgenstrahlung zur Quervernetzung (Cross-Linking), machen das Polyethylen haltbarer und stabiler gegen Abrieb, indem sie freie Radikale eliminieren und die Kohlenstoffketten vernetzen.
Knieprothese und die Komplexität des natürlichen Kniegelenks
Das Kniegelenk wird oft fälschlicherweise als reines Scharniergelenk angesehen, das nur Beuge- und Streckbewegungen zulässt. Tatsächlich aber erlaubt das natürliche Kniegelenk auch seitliche Verschiebungen, Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen sowie Rotationsbewegungen, die für eine optimale Funktion unerlässlich sind. Ein reines Scharniergelenk würde dieser komplexen Bewegungsaufgabe nicht gerecht werden.
Ungekoppelte vs. Gekoppelte Knieprothesen
Moderne Knieendoprothesen berücksichtigen diese Komplexität. Es wird zwischen ungekoppelten und gekoppelten Prothesen unterschieden:
- Ungekoppelte Knieprothese: Diese Prothesen benötigen die natürlichen Bänder um das Kniegelenk (Innenband, Außenband, hinteres Kreuzband) zur Führung und seitlichen Stabilisierung. Sie sind haltbarer und verschleißen langsamer, da die Komponenten sich freier bewegen können. Ein natürlicher und stabiler Bewegungsablauf ist möglich, wenn die Seitenbänder und das hintere Kreuzband intakt sind.
- Gekoppelte Knieprothese (Scharnierendoprothese): Diese Prothesen werden eingesetzt, wenn die natürlichen Bänder nicht mehr funktionsfähig sind, beispielsweise bei extremer X- oder O-Bein-Stellung. Sie sind mit einer Drehachse verbunden, die Ober- und Unterschenkelkomponenten fest miteinander verbindet und lediglich die Beuge- und Streckfunktion freigibt. Sie bieten weniger Bewegungskomfort und sind weniger haltbar als ungekoppelte Prothesen, verhindern aber die Dislokation des künstlichen Gelenks.
Prothesentypen im Überblick: Maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Knie
Je nach Ausmaß und Schwere der Knorpelschäden gibt es unterschiedliche Modelle von Knieprothesen. Das Ziel ist immer der größtmögliche Erhalt körpereigener Gewebestrukturen unter Verwendung des kleinstmöglichen Implantats.
| Prothesentyp | Beschreibung | Anwendungsfall | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Knieteilprothese (Unikondyläre) | Ersetzt nur einen Teil des Kniegelenks (z.B. einen Oberschenkelkondylus). | Knorpelschäden, die auf bestimmte Bereiche begrenzt sind. | Erlaubt den Erhalt großer Teile des Kniegelenks; VKB kann erhalten bleiben. Auch als Schlittenprothese bekannt. |
| Repicci-Prothese | Reduziertes Modell der Schlittenprothese ohne Metallkomponente unter dem Inlay. | Wenn nur ein Teil des Gelenkknorpels betroffen ist. | Maximale Knochenschonung auf der Schienbeinseite; erleichtert eventuellen späteren Prothesenwechsel. |
| Knietotalendoprothese (Knie-TEP) | Ersetzt beide Gelenkflächen (Oberschenkel und Schienbein) vollständig. | Ausgedehnte Abnutzung im gesamten Kniegelenk mit schweren Schmerzen. | VKB muss meist entfernt werden, Funktion wird durch Prothese ersetzt; moderne Oberflächenprothesen erhalten viel Knochensubstanz. |
| Kniescheibenprothese (Patellofemoral) | Ersetzt lediglich die Gelenkfläche zwischen Kniescheibe und Oberschenkel. | Patellofemoralarthrose, wenn kein anderer Teil des Knies betroffen ist. | Spezifische Lösung für isolierte Kniescheibenarthrose. |
Fixed-Bearing vs. Mobile-Bearing Prothesen
Im Bereich der Knietotalendoprothesen wird zwischen „Fixed-Bearing“- und „Mobile-Bearing“-Prothesen unterschieden:
| Merkmal | Fixed-Bearing Prothese | Mobile-Bearing Prothese |
|---|---|---|
| Inlay-Befestigung | Das Polyethylen-Inlay ist fest mit der im Knochen verankerten Metallkomponente verbunden. | Das Polyethylen-Inlay ist selbstrotierend und beweglich gegenüber Oberschenkel- und Schienbein. |
| Stoßabsorption | Direkte Übertragung der Kräfte. | Theoretisch bessere Abfederung von Stößen durch Beweglichkeit des Inlays. |
| Abriebverhalten (aktuell) | Gleicher Abrieb wie Mobile-Bearing. | Erwarteter geringerer Abrieb wurde in Studien nicht bestätigt. |
| Herstellung | Einfacher in der Herstellung. | Komplexer in der Herstellung. |
| Aktuelle Empfehlung | Fast ausschließlich verwendet aufgrund einfacherer Herstellung und vergleichbarer Haltbarkeit. | Seltener verwendet, da der erwartete Haltbarkeitsvorteil nicht eintrat. |
Die Wahl der geeigneten Prothese erfordert eine gute Beratung und eine angemessene Modellauswahl durch den Orthopäden.
Der Ablauf einer Knie-OP: Präzision für Ihr Wohl
Die Implantation eines künstlichen Kniegelenks ist ein hochpräziser chirurgischer Eingriff. Der Operateur öffnet das Kniegelenk in der Regel mit nur einem Hautschnitt. Anschließend wird der erkrankte Gelenkknorpel abgetragen und beschädigte Knochenreste entfernt. Um möglichst wenig Knochensubstanz zu opfern, wird die neue Metalloberfläche geschlechts- und größenspezifisch an den Knochen angepasst. Bei diesem Eingriff bleiben wichtige Bänder des Kniegelenks, wie das Innen- und Außenband sowie das hintere Kreuzband, in den meisten Fällen erhalten, um Stabilität und Beweglichkeit nach der Implantation zu gewährleisten. Lediglich die verschlissenen Oberflächen von Oberschenkel und Schienbein werden ersetzt. Der Kniespezialist nimmt hierfür exakt positionierte Sägeschnitte und Fräsungen vor, um die Prothesenkomponenten maximal knochensparend auf dem Knochen zu platzieren. Das vordere Kreuzband muss bei Knietotalendoprothesen aufgrund der Prothesengeometrie meist entfernt werden, seine Funktion wird jedoch durch die Prothese ersetzt. Bei Knieteilprothesen kann das vordere Kreuzband erhalten bleiben, was dem Patienten einen noch natürlicheren Bewegungsablauf ermöglicht.
Befestigung der Knieendoprothese: Sicherheit und Haltbarkeit
Es gibt verschiedene bewährte Methoden, eine Knieprothese sicher und dauerhaft im umliegenden Knochen zu verankern:
- Zementbefestigung: Die häufigste Methode, bei der ein schnell bindender Knochenzement aus Kunststoff (Polymethylacrylat) verwendet wird, um die Prothese fest im Knochen zu verankern.
- Zementfreie Befestigung: Hier wird die Endoprothese über das „Press-fit“-Verfahren im Knochen verankert. Die Knochenbälkchen wachsen in die aufgeraute Oberfläche der Prothesenrückseite ein und sorgen nach wenigen Wochen für eine hohe Festigkeit des Implantats.
- Hybridbefestigung: Eine Kombination aus beiden Methoden, bei der meist die Oberschenkelkomponente zementiert und die Schienbeinkomponente zementfrei befestigt wird. Auch die Patellakomponente wird in diesem Fall meist zementiert.
Die Befestigungsstrategie wird Ihr Kniespezialist vor der Operation ausführlich mit Ihnen besprechen.
Risiken und mögliche Komplikationen nach Knieprothesen-OP
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff sind auch bei der Implantation einer Knieendoprothese gewisse Risiken vorhanden. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Infektionen der Wunde, Thrombosen, Nachblutungen sowie Vernarbungen, die zu Bewegungseinschränkungen führen können.
Infektion nach der Implantation einer Knieprothese
Eine Infektion im Bereich der Prothese ist eine ernstzunehmende Komplikation. Sie wird zunächst mit Antibiotika behandelt. Sollte diese Therapie nicht erfolgreich sein, kann es notwendig werden, die Prothese zur Ausheilung des Gelenks vorübergehend zu entfernen und zu einem späteren Zeitpunkt durch ein neues Implantat zu ersetzen.
Arthrofibrose: Überschießende Narbenbildung
Die Arthrofibrose ist eine mögliche Komplikation nach Knieoperationen, die mit starken Knieschmerzen, einer erheblich verringerten Beweglichkeit des Kniegelenks und entzündungsähnlichen Beschwerden einhergeht. Das Kniegelenk ist oft geschwollen und gerötet, und anstatt die Beweglichkeit zu verbessern, wird es zunehmend unbeweglicher. Ursache sind Wucherungen von Narbengewebe, die durch ein biochemisches Ungleichgewicht im Gelenk entstehen. Viele Kniespezialisten messen der Gewebsreaktion nach der Operation zu wenig Bedeutung bei. Eine zu starke Belastung fördert die Arthrofibrose eher. Zunächst muss das Gewebsmilieu saniert werden, bevor ein sinnvolles Training und Muskelaufbau möglich sind. Zur Behandlung können Narkosemobilisierungen durchgeführt werden, bei denen das Narbengewebe unter Narkose passiv durchbewegt wird. Fortschrittliche Behandlungen wie die zellbiologische Regulationstherapie können das entzündungsfördernde Milieu normalisieren und die Narbenbildung reduzieren, was die Beweglichkeit des Kniegelenks ohne erneute Operation verbessern kann.

Lockerung der Knieprothese
Eine Lockerung der Knieprothese aus ihrer Verankerung im Knochen kann deren Lebensdauer begrenzen. Eine gelockerte Prothese kann den hohen Anforderungen bei Gehen, Stehen und der Kraftübertragung nicht mehr gerecht werden. Es gibt zwei Hauptursachen:
- Septische Lockerung: Verursacht durch einen Bakterienfilm auf dem Implantat, der eine Immunantwort und Knochenabbau (Osteolyse) auslösen kann. Dies erfordert eine dringende Behandlung mit Antibiotika und im schlimmsten Fall einen Prothesenwechsel.
- Aseptische Lockerung: Nicht bakteriell bedingt, sondern durch Abrieb von Polyethylenpartikeln aus dem Inlay. Dies kann eine Immunantwort im Gewebe provozieren, die zu Osteolyse in der Umgebung der Prothese führt und deren Verankerung zerstört.
Wechseloperation der Knieprothese: Wenn ein Austausch nötig wird
Sollte eine Prothese gelockert sein oder andere schwerwiegende Komplikationen auftreten, kann eine Wechseloperation notwendig werden. Dieser Eingriff ist anspruchsvoller als die Erstimplantation, da die verfügbare Knochensubstanz durch die vorherige Operation reduziert sein kann. Daher erfordert der Prothesenwechsel besondere Erfahrung und ein knochenschonendes Vorgehen des Operateurs.
Rehabilitation und ein aktives Leben mit Knieprothese
Die Rehabilitation beginnt bereits kurz nach der Operation und ist entscheidend für den Erfolg des Eingriffs. Schon am ersten postoperativen Tag wird das Kniegelenk vorsichtig mittels einer motorbetriebenen Schiene bewegt. Ab dem zweiten Tag beginnt die intensive Physiotherapie, bei der die Patienten unter anderem das Gehen mit Gehstöcken und das Treppensteigen erlernen. Der stationäre Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel 7 bis 10 Tage, bei Teilprothesen oft nur 3 bis 4 Tage, bei Vollprothesen 5 bis 7 Tage. Direkt im Anschluss an den Klinikaufenthalt folgt eine drei- bis vierwöchige ambulante oder stationäre Reha. Es dauert einige Monate, bis sich das Knie an das künstliche Gelenk gewöhnt hat und die volle Beweglichkeit erreicht ist. Bis dahin klingen Schwellungen und Schmerzen ab, und die Muskulatur und Bänder werden kräftig genug, um dem Gelenkersatz vollständigen Halt zu bieten. Es ist von entscheidender Bedeutung, die in der Rehabilitation erlernten Übungen zur Kräftigung der Muskeln und zur Verbesserung der Koordination lebenslang fortzuführen. Je besser die körperlichen Voraussetzungen, desto stärker wird die Knieprothese entlastet und von einer angemessen trainierten Muskulatur geführt, was die Gehstrecken und die Lebensdauer der Endoprothese erheblich erhöht.
Haltbarkeit und Lebensdauer einer Knieprothese: Was Sie wissen müssen
Moderne Knieendoprothesen sind sehr langlebig. Eine Knieendoprothese hält in der Regel 15 bis 25 Jahre. Nach 20 Jahren sind noch etwa 90 % der Knieprothesen intakt. Nur etwa 5 % aller Knieprothesen müssen vor dem 15. Jahr nach der Operation ausgetauscht werden. Die Haltbarkeit und Lebensdauer einer Knieprothese hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Körpergewicht des Patienten: Je leichter der Patient ist, desto geringer ist die Belastung und der Abrieb der Knieprothese.
- Aktivitätsniveau: Hohe Belastung durch Sport, körperliche Arbeit oder intensive Aktivitäten kann das Risiko für Abrieb und Lockerung erhöhen. Gelenkschonende Sportarten sind hier von Vorteil.
- Knochenqualität des Patienten: Eine hohe Knochendichte verbessert die Verankerung der Endoprothese im Knochen. Bei Osteoporose oder verminderter Knochenqualität kann die Haltbarkeit kürzer sein.
Um die Haltbarkeit Ihrer Knieprothese zu maximieren, beachten Sie folgende Empfehlungen:
| Was Sie tun sollten | Was Sie vermeiden sollten |
|---|---|
| Setzen Sie gymnastische Übungen nach der Reha fort. | Beugen Sie das Knie nicht über 90 Grad (z.B. Hinknien). |
| Tragen Sie flache Schuhe mit weichen Sohlen. | Heben oder tragen Sie keine schweren Lasten (max. 15 kg). |
| Informieren Sie Ärzte bei Entzündungen über die Prothese. | Meiden Sie schwere körperliche Arbeit. |
| Nehmen Sie verschriebene Antibiotika gewissenhaft ein. | Verzichten Sie auf Kontakt- und Risikosportarten (Fußball, Tennis, Joggen, Reiten). |
| Bevorzugen Sie gelenkschonende Sportarten. |
Sport mit Knieprothese: Grenzen und Möglichkeiten
Sport mit Knieprothese ist generell erwünscht und sinnvoll, sollte aber maßvoll und gelenkschonend ausgeübt werden. Die positiven Effekte sportlicher Aktivitäten auf den gesamten Organismus (Kondition, Durchblutung, Koordination) überwiegen die Risiken einer Verletzung. Patienten mit einer Knieprothese sollten jedoch sturz-, verletzungs- und kontaktintensive Sportarten meiden.
| Empfohlene Sportarten (geringe Belastung) | Bedingt geeignete Sportarten (mit Vorsicht) | Ungeeignete Sportarten (hohe Belastung/Risiko) |
|---|---|---|
| Nordic Walking | Reiten | Alle Kampfsportarten |
| Schwimmen | Joggen (moderat) | Rugby, Hockey |
| Rudern | Skifahren (moderat) | Fußball, Basketball |
| Golfen | Tennis (moderat) | Handball, Volleyball (Kontaktsport) |
| Langlaufen | Badminton (moderat) | |
| Gymnastik, Yoga | ||
| Wandern | ||
| Radfahren | ||
| Moderates Krafttraining |
Denken Sie beim Sport an Kniebandagen, wärmen Sie sich gut auf und dehnen Sie Ihre Muskulatur. Vermeiden Sie unnötige Risiken und Überforderung.
Zweitmeinung zur Implantation einer Knieendoprothese: Ihre Entscheidung zählt
Die Entscheidung für eine Knieprothese ist weitreichend. Um Patienten bei dieser wichtigen Entscheidung zu unterstützen, ist eine fundierte Zweitmeinung von einem ausgewiesenen Kniespezialisten von großem Wert. Zertifizierte Endoprothetikzentren (EPZ) garantieren, dass die dort tätigen Spezialisten über langjährige Erfahrung verfügen, eine hohe Anzahl an Knieprothesen pro Jahr operieren und strenge Qualitätsstandards in Diagnostik und Nachsorge erfüllen. Ein solcher Experte kann Ihre medizinischen Unterlagen begutachten, Sie hinsichtlich der bestmöglichen Behandlungsoption beraten und gegebenenfalls ergänzende Untersuchungen veranlassen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Knieprothese
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema künstliches Kniegelenk.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Operation einer Knieprothese?
Einen allgemeingültigen optimalen Zeitpunkt gibt es nicht. Das wichtigste Kriterium ist der individuelle Leidensdruck des Patienten. Wenn die Schmerzen zu stark werden und eine langfristig hohe Einnahme von Schmerzmitteln erforderlich ist, kann eine Prothese die Situation deutlich verbessern. Es ist zudem wichtig, den Eingriff durchzuführen, bevor der Verschleiß an Weichteilen (Seitenbänder, hinteres Kreuzband) und die Rückbildung der Muskulatur zu weit fortgeschritten sind. Mit gesunden Bändern und leistungsfähiger Muskulatur starten Patienten wesentlich besser in die Rehabilitation und sichern sich die Aussichten auf ein gutes Ergebnis nach der Operation.
Wie lange bleibt man nach Knieprothese im Krankenhaus?
Der stationäre Aufenthalt nach der Implantation einer Knieteilprothese dauert in der Regel 3 bis 4 Tage. Bei der Operation einer Knie-TEP (Vollprothese) kann der stationäre Aufenthalt zwischen 5 und 7 Tagen liegen.
Wie lange dauert die Rehabilitation nach dem Einsatz einer Knieprothese?
Die intensive Reha nach der Implantation einer Knieprothese dauert typischerweise 2 bis 3 Wochen. Bei einer Knievollprothese kann sie etwas länger dauern, da der Eingriff belastender ist. Da bei einer Knieteilprothese ein kleinerer Schnitt ausreicht, ist der Heilungsvorgang oft schneller. Es ist jedoch empfehlenswert, die in der Rehabilitation erlernten Übungen zur Stärkung der Muskeln und zur Verbesserung der Koordination lebenslang fortzuführen.
Wie lange dauert die Krankschreibung (Arbeitsunfähigkeit) nach Knieprothese?
Patienten mit vorwiegend sitzenden Tätigkeiten müssen mit einer Arbeitsunfähigkeit von etwa sechs Wochen rechnen. Patienten mit schwerer körperlicher Tätigkeit sollten sich vor der Wiedereingliederung in den Beruf gut beraten lassen. Schwere körperliche Arbeit und das Tragen schwerer Lasten (maximale Belastung ca. 15 kg) können die Lebensdauer einer Knieprothese erheblich reduzieren. Eine berufliche Änderung oder eine Anpassung des Tätigkeitsschwerpunktes kann in einigen Fällen ratsam sein.
Wann ist nach einer Knieprothesenoperation wieder Sport möglich?
In der Rehabilitation erlernen Patienten maßvolle, gut kontrollierte Kräftigungsübungen für die gelenksführende Beinmuskulatur. Wenn nach etwa 3 Monaten die Operationswunde gut abgeheilt ist und die Muskeln durch Physiotherapie gestärkt sind, kann der Patient mit maßvollen Sporteinheiten wie Radfahren, Wandern, Skilanglauf oder Schwimmen beginnen.
Wie lange hält eine Knieprothese?
Bei Knievollprothesen wurden regelmäßig Haltbarkeiten von bis zu 30 Jahren beobachtet. Knieteilprothesen halten etwa 15–25 Jahre. Über 95 % aller Knieprothesen halten länger als 15 Jahre. Eine gesunde Lebensweise und die Kontrolle des Körpergewichts können die Haltbarkeit einer Prothese zusätzlich verlängern.
Welcher Arzt ist der richtige für eine Knie-TEP?
Ihre Wahl sollte auf einen ausgewiesenen, zertifizierten Kniespezialisten fallen. Eine Einrichtung mit dem Zertifikat EndoProthetikZentrum (EPZ) garantiert, dass die dort arbeitenden Spezialisten über Jahre hinweg viel Erfahrung gesammelt haben, mehr als 100 Knieprothesen pro Jahr operieren und strenge Qualitätsstandards in Diagnostik und Nachsorge erfüllen.
Können gesetzlich versicherte Patienten mit Kniearthrose von einem Spezialisten der orthopädischen Gelenk-Klinik operiert werden?
Viele spezialisierte Kliniken empfangen auch gesetzlich versicherte Patienten für eine ausführliche Diagnose und ambulant durchführbare Therapien. Wenn eine Knieendoprothesen-Operation notwendig wird, besteht oft die Möglichkeit, den Eingriff in der angeschlossenen Privatklinik durchzuführen. Mit vielen gesetzlichen Krankenkassen gibt es integrierte Versorgungsverträge oder spezielle Tarife, die dem Niveau öffentlicher Krankenhäuser entsprechen. In den meisten Fällen wird der Antrag nach Einreichen eines Kostenvoranschlages bei der Versicherung genehmigt, wodurch auch gesetzlich versicherte Patienten Zugang zu hochspezialisierten Operateuren erhalten.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Künstliches Kniegelenk: Neue Mobilität erlangen kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Gesundheit besuchen.
