22/10/2022
Der Gedanke an winzige Parasiten, die sich in unsere Haut graben, ist für viele Menschen beunruhigend. Doch genau das ist die Realität bei Krätze, einer ansteckenden Hauterkrankung, die weltweit verbreitet ist und durch winzige Krätzmilben (Sarcoptes scabiei variatio hominis) verursacht wird. Diese Milben sind zwar mit bloßem Auge kaum zu erkennen, ihre Auswirkungen auf die Haut sind jedoch unübersehbar und vor allem unüberfühlbar. Ein quälender Juckreiz ist oft das erste und hartnäckigste Symptom, das Betroffene in den Wahnsinn treiben kann. Aber wie genau erkennt man, dass man sich mit diesen ungebetenen Gästen infiziert hat? Und was kann man tun, um sie wieder loszuwerden?
In diesem umfassenden Artikel tauchen wir tief in das Thema Krätze ein. Wir beleuchten, wie die Milben in die Haut gelangen, welche charakteristischen Anzeichen auf einen Befall hindeuten und welche modernen Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, um die Milben effektiv zu bekämpfen und die Haut zur Ruhe zu bringen. Unser Ziel ist es, Ihnen alle notwendigen Informationen an die Hand zu geben, damit Sie die Krätze frühzeitig erkennen, die richtigen Schritte einleiten und sich und Ihre Umgebung schützen können.

- Was ist Krätze (Skabies) überhaupt?
- Wie erkenne ich die Krätze? Symptome und Anzeichen
- Wie ansteckend ist die Krätze? Übertragungswege und Risikofaktoren
- Die Diagnose: Wie Ärztinnen und Ärzte Krätze feststellen
- Effektive Behandlung: Krätze loswerden
- Wichtige Begleitmaßnahmen zur Therapie
- Wann ist man nicht mehr ansteckend? Und was ist mit Kontaktpersonen?
- Mögliche Komplikationen: Wann Krätze gefährlich wird
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Krätze
Was ist Krätze (Skabies) überhaupt?
Die Krätze, medizinisch auch Skabies oder Scabies genannt, ist eine hoch ansteckende Hauterkrankung, die durch einen spezifischen Parasiten ausgelöst wird: die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei variatio hominis). Diese winzigen Spinnentierchen, wobei die weibliche Milbe gerade einmal 0,3 bis 0,5 Millimeter groß ist, sind wahre Überlebenskünstler auf der menschlichen Haut. Nachdem sich Männchen und Weibchen auf der Hautoberfläche gepaart haben, gräbt sich das befruchtete Weibchen in die oberste Schicht der Haut, die sogenannte Hornschicht, ein. Dort legt sie täglich etwa zwei bis drei Eier ab und hinterlässt gleichzeitig ihre Kotballen. Diese Gänge, in denen sich die Milben bewegen und ihre Eier ablegen, sind oft als feine, gewundene Linien auf der Haut sichtbar. Die Symptome, die sich später zeigen, sind nicht nur auf die Milben selbst zurückzuführen, sondern vor allem auf die allergische Reaktion des Immunsystems auf die Milben, ihre Eier und ihre Ausscheidungen. Dies erklärt, warum der Juckreiz oft so intensiv und hartnäckig ist.
Wie erkenne ich die Krätze? Symptome und Anzeichen
Die Erkennung der Krätze erfordert oft einen genauen Blick und das Wissen um die typischen Symptome. Der primäre Hinweis ist ein unerträglicher Juckreiz, der sich im Laufe der Zeit verstärkt und besonders nachts oder bei Wärme (z.B. im Bett oder nach dem Duschen) unerträglich wird. Dieser Juckreiz ist eine Reaktion des Immunsystems auf die Milben und ihre Ausscheidungen und kann Betroffene stark belasten. Es entsteht ein Teufelskreis: Das Jucken verleitet zum Kratzen, wodurch die Haut weiter geschädigt wird, was wiederum den Juckreiz verstärkt.
Typische Hautveränderungen bei Krätze
Neben dem Juckreiz treten charakteristische Hautveränderungen auf, die je nach Stadium des Befalls und individueller Hautreaktion variieren können:
- Rötungen und Knötchen: Die Haut zeigt gerötete Stellen, oft begleitet von stecknadelkopfgroßen, erhabenen Knötchen. Bei kleinen Kindern können auch Bläschen auftreten.
- Schuppen und Krusten: Durch das ständige Kratzen, das durch den Juckreiz ausgelöst wird, kann die Haut geschädigt werden. Dies führt zur Bildung von Schuppen und Krusten.
- Die Milbengänge: Bei genauer Betrachtung, oft mithilfe einer Lupe oder eines Dermatoskops, können die eigentlichen Bohrgänge der Milben sichtbar sein. Diese erscheinen als feine, leicht erhabene, bogenförmig oder S-förmig gewundene Linien, die wenige Millimeter bis zu einem Zentimeter lang sein können. Am Ende eines Ganges kann manchmal sogar ein kleiner, dunkler Punkt sichtbar sein – die Milbe selbst.
Wo tritt Krätze bevorzugt auf?
Krätzmilben bevorzugen warme Hautregionen, an denen die Hornschicht der Haut besonders dünn ist. Dies sind die typischen Befallsregionen:
- Zwischen den Fingern und Zehen
- In den Achselhöhlen
- Im Bereich des Nabels
- Am Brustwarzenhof
- An den Handgelenken und Fußknöcheln
- An den inneren Fußrändern
- In der Genitalregion
Es ist wichtig zu beachten, dass Kopf, Nacken und Rücken bei Erwachsenen üblicherweise nicht befallen sind. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann sich die Krätze jedoch auch auf der behaarten Kopfhaut sowie an den Hand- und Fußflächen zeigen.
Wann zeigen sich erste Symptome? Die Inkubationszeit
Die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome wird als Inkubationszeit bezeichnet. Beim allerersten Befall mit Krätzmilben dauert es üblicherweise zwei bis fünf Wochen, bis sich die klassischen Symptome einstellen. Dies liegt daran, dass das Immunsystem diese Zeit benötigt, um eine spezifische Abwehrreaktion gegen die Parasiten und ihre Ausscheidungen zu entwickeln. Hatte eine Person bereits früher Krätze, so treten die Beschwerden bei einer erneuten Ansteckung deutlich schneller auf – oft schon innerhalb weniger Tage, da das Immunsystem bereits sensibilisiert ist. Es ist wichtig zu wissen, dass Betroffene bereits vor dem Auftreten sichtbarer Symptome ansteckend sein können.
Die Sonderform: Borkenkrätze (Scabies crustosa)
Eine besonders schwerwiegende und hoch ansteckende Form der Krätze ist die sogenannte Borkenkrätze, auch Scabies crustosa genannt. Sie tritt häufig bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem auf (z.B. bei Senioren, immungeschwächten Patienten oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen). Im Gegensatz zur klassischen Krätze, bei der sich vielleicht zehn bis fünfzehn Milben in der Haut befinden, können es bei der Borkenkrätze Hunderttausende sein. Die Hautveränderungen sind hier großflächiger und können sich über den gesamten Körper ausbreiten. Typisch sind massive Verhornungen und Schuppenbildungen, insbesondere an Hand- und Fußflächen. Das Besondere an dieser Form ist, dass der sonst so quälende Juckreiz deutlich geringer ausfällt oder sogar ganz fehlen kann, was die Diagnose erschwert, aber die Ansteckungsgefahr aufgrund der extrem hohen Milbenzahl drastisch erhöht.
Wie ansteckend ist die Krätze? Übertragungswege und Risikofaktoren
Die Krätze ist primär eine Kontaktdermatose, was bedeutet, dass die Übertragung hauptsächlich durch direkten, intensiven und länger anhaltenden Hautkontakt von Mensch zu Mensch erfolgt. Ein kurzes Händeschütteln oder eine flüchtige Berührung reichen in der Regel nicht aus, um sich anzustecken. Vielmehr ist ein Hautkontakt von mindestens 5 bis 10 Minuten Dauer erforderlich. Dies macht deutlich, warum die Milben besonders häufig innerhalb von Familien, zwischen Sexualpartnern oder in Einrichtungen mit engem Zusammenleben übertragen werden:
- Enger Körperkontakt: Häufige Übertragung zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern oder Partnern.
- Gemeinschaftseinrichtungen: Dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben oder längere Zeit nahe beieinander sind, wie in Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Flüchtlingsunterkünften, kann sich Krätze leichter verbreiten.
Übertragung über Gegenstände?
Die Krätzmilben sind auf ihren menschlichen Wirt spezialisiert und können außerhalb des Körpers nur relativ kurze Zeit überleben (meist 1-2 Tage, unter optimalen Bedingungen bis zu 4 Tage). Eine Übertragung durch gemeinsam genutzte Gegenstände wie Kleidung, Handtücher oder Bettwäsche ist zwar theoretisch möglich, aber deutlich seltener als der direkte Hautkontakt. Die Milben benötigen die Wärme und Feuchtigkeit der menschlichen Haut zum Überleben und zur Fortpflanzung. Bei der Borkenkrätze ist das Risiko einer indirekten Übertragung über Textilien oder Möbel jedoch aufgrund der extrem hohen Milbenzahl erhöht.
Hygiene und Ansteckungsgefahr
Ein Krätzmilbenbefall wird fälschlicherweise oft mit mangelnder Körperhygiene in Verbindung gebracht. Dies ist jedoch ein Irrglaube. Krätze ist keine „Krankheit der Unsauberkeit“. Eine Ansteckung mit Krätze kann auch bei ausgezeichneter Körperhygiene erfolgen. Die Milben sind nicht durch einfaches Waschen der Haut zu entfernen, da sie sich in die Haut eingegraben haben. Vielmehr sind es die oben genannten Faktoren wie enger Körperkontakt und das Milieu in Gemeinschaftseinrichtungen, die das Ansteckungsrisiko maßgeblich beeinflussen.
Die Diagnose: Wie Ärztinnen und Ärzte Krätze feststellen
Die Diagnose der Krätze stellt für erfahrene Ärztinnen und Ärzte oft keine große Herausforderung dar, kann aber in atypischen Fällen schwierig sein. Der Verdacht auf Krätze erhärtet sich, wenn die typischen Symptome wie der starke, nächtliche Juckreiz und die charakteristischen Hautveränderungen an den bevorzugten Körperstellen vorliegen. Ein weiterer wichtiger Hinweis ist, wenn Familienangehörige oder enge Kontaktpersonen ähnliche Beschwerden aufweisen.
Methoden zur Diagnosestellung
Die Bestätigung der Diagnose erfolgt idealerweise durch den direkten Nachweis der Krätzmilben, ihrer Eier oder ihrer Kotballen. Hierfür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:
- Dermatoskopie: Ein Dermatoskop (oder Auflichtmikroskop) ist ein lupenähnliches Gerät mit integrierter Beleuchtung, das direkt auf die Haut aufgesetzt wird. Damit können Ärztinnen und Ärzte die Milbengänge, die Milben selbst oder deren Ausscheidungen oft direkt in der Haut erkennen.
- Mikroskopische Untersuchung: Gelingt der Nachweis mittels Dermatoskop nicht eindeutig, kann die Ärztin oder der Arzt mit einer feinen Nadel vorsichtig Material aus einem vermuteten Milbengang entnehmen. Dieses Material wird dann unter einem Mikroskop untersucht. Bei ausreichender Vergrößerung werden die winzigen Milben, ihre Eier oder die charakteristischen Kotballen sichtbar. Der direkte Nachweis von Milben, Eiern oder Milbenkot gilt als sicherer Beweis für eine Krätzeinfektion.
Obwohl der direkte Nachweis der Milben der Goldstandard ist, gelingt er nicht immer. Oft befinden sich nur sehr wenige Milben (typischerweise weniger als zehn) in der Haut eines Betroffenen, was die Suche erschwert. Zudem sind die Milben und ihre Bestandteile extrem klein. Daher wird die Diagnose in vielen Fällen auch aufgrund der charakteristischen juckenden Hautveränderungen an den typischen Stellen sowie der Anamnese (Befragung des Patienten zu Symptomen und Kontakten) gestellt.
Effektive Behandlung: Krätze loswerden
Die gute Nachricht ist, dass Krätze in den meisten Fällen sehr gut behandelbar ist. Das Ziel der Therapie ist es, alle vorhandenen Krätzmilben in und auf der Haut sowie in der unmittelbaren Umgebung abzutöten. Hierfür stehen verschiedene Anti-Milben-Mittel (sogenannte Antiskabiosa, Akarizide oder Skabizide) zur Verfügung, die entweder äußerlich angewendet oder eingenommen werden.
Äußerliche Behandlung mit Cremes und Salben
Der am häufigsten verwendete Wirkstoff für die äußerliche Behandlung ist Permethrin. Er wird in Form einer Creme auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die Anwendung erfolgt nach genauer ärztlicher Anweisung, meist großflächig auf dem gesamten Körper (außer Kopf und Nacken bei Erwachsenen, es sei denn, der Arzt weist dies anders an). Die Creme muss für eine bestimmte Zeit (oft 8 bis 12 Stunden) auf der Haut verbleiben und wird dann gründlich abgewaschen. Eine einzige Anwendung kann oft ausreichend sein, aber manchmal wird eine Wiederholung nach etwa 7 bis 14 Tagen empfohlen, um neu geschlüpfte Larven abzutöten, die zum Zeitpunkt der ersten Behandlung noch als Eier in der Haut waren und daher nicht abgetötet wurden. Es ist wichtig, auch schwer zugängliche Stellen wie Zehen- und Fingerzwischenräume, unter den Nägeln, in Hautfalten und am Bauchnabel zu behandeln.
Weitere Wirkstoffe, die äußerlich angewendet werden können, sind Crotamiton oder Benzylbenzoat, deren Einsatz jedoch immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen sollte, insbesondere bei Schwangeren, Stillenden oder kleinen Kindern, bei denen Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden müssen. Bei stark verhornter Haut, wie sie bei Borkenkrätze vorkommen kann, kann es sinnvoll sein, diese Bereiche vor der Permethrin-Anwendung mit hornhauterweichenden Mitteln (z.B. Salizylsäure) vorzubehandeln.
Innerliche Behandlung mit Tabletten
Seit Mai 2016 ist in Deutschland mit Ivermectin eine Substanz zur innerlichen Therapie der Krätze zugelassen. Ivermectin wird als Tablette eingenommen und ist besonders vorteilhaft in Fällen, in denen eine äußerliche Behandlung schwierig oder nicht erfolgreich war, oder bei Patienten mit Borkenkrätze, die eine extrem hohe Milbenlast aufweisen. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht des Patienten und wird einmalig durchgeführt. Auch hier kann eine Wiederholung nach 14 Tagen notwendig sein, falls die Symptome persistieren. In besonders schweren Fällen kann eine Kombination aus äußerlicher und innerlicher Therapie verordnet werden.
Das postskabiöse Ekzem: Juckreiz nach der Behandlung
Auch wenn die Milben erfolgreich abgetötet wurden, können Juckreiz und Hautveränderungen noch einige Wochen nach der Behandlung bestehen bleiben. Dies wird als postskabiöses Ekzem bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Entzündungsreaktion der Haut, die durch zurückbleibende Milbenbestandteile ausgelöst wird, auch wenn keine lebenden Milben mehr vorhanden sind. Dieses Ekzem wird in der Regel mit entzündungshemmenden Salben oder Cremes behandelt. Zusätzlich ist eine regelmäßige rückfettende Hautpflege wichtig, um die Regeneration der Haut zu unterstützen.
Wichtige Begleitmaßnahmen zur Therapie
Die medikamentöse Behandlung allein reicht oft nicht aus, um eine erneute Ansteckung oder die Verbreitung der Milben zu verhindern. Begleitende Hygienemaßnahmen sind entscheidend:
- Wäsche waschen: Alle Textilien, die in den letzten drei bis vier Tagen vor Behandlungsbeginn engen Hautkontakt hatten (Bettwäsche, Handtücher, Unterwäsche, Kleidung), sollten bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Diese Temperatur tötet die Milben zuverlässig ab.
- Nicht waschbare Textilien: Gegenstände oder Textilien, die nicht bei 60 °C gewaschen werden können (z.B. empfindliche Kleidung, Plüschtiere), sollten für mindestens vier Tage in einem luftdicht verschlossenen Plastiksack bei Raumtemperatur (mind. 21 °C) aufbewahrt werden. Da Milben ohne menschlichen Wirt nur begrenzt überleben können, sterben sie in dieser Zeit ab. Alternativ können diese Gegenstände für 1 bis 2 Stunden bei -25 °C eingefroren werden.
- Polstermöbel und Teppiche: Polstermöbel, Teppiche und Autositze, die von Betroffenen genutzt wurden, sollten gründlich abgesaugt werden. Danach sollten sie für mindestens drei bis vier Tage nicht benutzt werden, um sicherzustellen, dass eventuell vorhandene Milben absterben.
- Reinigung der Wohnung: Eine gründliche Reinigung der Wohnung, insbesondere der Schlafbereiche, ist empfehlenswert.
Wann ist man nicht mehr ansteckend? Und was ist mit Kontaktpersonen?
Die gute Nachricht ist, dass die Ansteckungsgefahr in der Regel bereits 8 bis 12 Stunden nach der ersten korrekten Anwendung eines Anti-Milben-Mittels verschwindet. Trotzdem sollten Betroffene in den ersten Tagen nach Behandlungsbeginn engen Körperkontakt zu anderen Menschen meiden, um jegliches Restrisiko zu minimieren. Der genaue Zeitpunkt, wann Kinder wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen können und Erwachsene ihre Arbeit wieder aufnehmen können, sollte immer mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt abgesprochen werden.
Informationspflicht und Mitbehandlung von Kontaktpersonen
Es ist von entscheidender Bedeutung, alle Personen zu informieren, mit denen in den letzten Wochen (typischerweise 2-5 Wochen vor Symptombeginn oder dem Zeitpunkt der Diagnose) ein enger oder längerer Hautkontakt bestand. Dazu gehören Familienmitglieder, Lebenspartner, enge Freunde oder auch Mitbewohner. Die eigene Ansteckung kann bereits einige Wochen zurückliegen, und in dieser Zeit könnten unwissentlich andere Personen angesteckt worden sein.
Oft ist es sinnvoll, dass enge Bezugspersonen, die ein hohes Ansteckungsrisiko hatten, zeitgleich ebenfalls behandelt werden. Dies verhindert eine sogenannte Ping-Pong-Infektion, bei der sich Betroffene und Kontaktpersonen gegenseitig immer wieder anstecken. Ob eine Mitbehandlung im individuellen Fall ratsam ist und ob Kosten dafür entstehen, sollte ebenfalls mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. Bei einer Borkenkrätze mit sehr starkem Milbenbefall ist eine Mitbehandlung der engen Kontaktpersonen unbedingt erforderlich und die Maßnahmen zur Umgebungsdesinfektion müssen noch strenger gehandhabt werden.
Mögliche Komplikationen: Wann Krätze gefährlich wird
In den meisten Fällen verläuft Krätze unkompliziert und kann durch eine geeignete Behandlung vollständig geheilt werden. Komplikationen sind selten, können aber in bestimmten Situationen auftreten, insbesondere wenn die Krätze unbehandelt bleibt oder das Immunsystem des Betroffenen geschwächt ist. Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko für schwerwiegendere Verläufe oder sekundäre Infektionen.
Die häufigste Komplikation ist eine bakterielle Sekundärinfektion der Haut. Durch das ständige Kratzen entstehen kleine Hautverletzungen, die Eintrittspforten für Bakterien bieten können. Dies kann zu eitrigen Entzündungen wie Impetigo (Eiterflechte) oder in selteneren, schwerwiegenderen Fällen zu einer Wundrose (Erysipel) führen. Gelangen Bakterien in die Blutbahn, besteht im schlimmsten Fall die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis), die lebensbedrohlich sein kann. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Krätze essenziell, um solche Komplikationen zu vermeiden. Bei immungeschwächten Personen oder bei Verdacht auf Komplikationen ist eine engmaschige ärztliche Überwachung unerlässlich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Krätze
Kann man Krätze vorbeugen?
Eine gezielte Vorbeugung gegen Krätze ist im Alltag meist nicht möglich und auch nicht zwingend notwendig. Da die Übertragung hauptsächlich durch längeren, engen Hautkontakt erfolgt, ist das Risiko im normalen sozialen Umgang gering. Der beste Schutz ist die schnelle Erkennung und Behandlung bei einem Befall, um die Ansteckung anderer zu verhindern. Wenn Sie wissen, dass jemand in Ihrem Umfeld an Krätze erkrankt ist, sollten Sie engen Körperkontakt meiden, bis die Person nicht mehr ansteckend ist. Eine Mitbehandlung von Kontaktpersonen kann in Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein.
Ist Krätze ein Zeichen schlechter Hygiene?
Nein, absolut nicht. Dies ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Krätzmilben sind Parasiten, die sich in die Haut graben, unabhängig davon, wie gut die Körperhygiene ist. Regelmäßiges Duschen oder Baden entfernt die Milben nicht. Eine Ansteckung kann jeden treffen, unabhängig von seiner hygienischen Praxis. Die Übertragung erfolgt durch Hautkontakt, nicht durch mangelnde Sauberkeit.
Wie lange überleben Krätzmilben ohne Wirt (Mensch)?
Außerhalb des menschlichen Körpers können Krätzmilben unter normalen Raumtemperaturbedingungen (etwa 21 °C und 40-80 % Luftfeuchtigkeit) maximal 1 bis 2 Tage überleben. Bei niedrigeren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit kann ihre Überlebenszeit etwas länger sein, jedoch selten länger als 4 Tage. Deshalb sind die Hygienemaßnahmen für Textilien und Möbel so wichtig, aber auch zeitlich begrenzt effektiv.
Müssen sich alle Kontaktpersonen behandeln lassen?
Nicht unbedingt alle, aber alle engen Kontaktpersonen, die in den letzten 2 bis 5 Wochen vor dem Auftreten der Symptome oder der Diagnose des Indexpatienten engen oder längeren Hautkontakt hatten, sollten sich ärztlich untersuchen und beraten lassen. Oft wird eine gleichzeitige Behandlung empfohlen, um eine gegenseitige Wiederansteckung zu verhindern. Dies ist besonders wichtig bei Haushaltsmitgliedern und Sexualpartnern.
Die Krätze mag eine unangenehme und stigmatisierte Erkrankung sein, doch es ist wichtig zu verstehen, dass sie gut behandelbar ist und nicht mit mangelnder Hygiene gleichzusetzen ist. Bei Verdacht auf Krätze ist es entscheidend, schnell zu handeln und professionelle medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie sind der Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung der Milben und zur Wiederherstellung der Hautgesundheit. Zögern Sie nicht, einen Arzt aufzusuchen, denn nur so kann der quälende Juckreiz gelindert und die Ausbreitung der Erkrankung effektiv gestoppt werden.
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