21/06/2023
Schluckbeschwerden, medizinisch als Dysphagien bezeichnet, können das Leben der Betroffenen massiv einschränken und zu erheblichem Leidensdruck führen. Wenn nach umfassender ärztlicher Untersuchung keine organische Ursache wie neurologische Erkrankungen, HNO-Probleme oder Tumore gefunden werden, fühlen sich viele oft missverstanden oder sogar als Simulanten abgestempelt. Doch weit gefehlt: Solche Leiden sind keineswegs Einbildung, sondern können auf sogenannte funktionelle Schluckstörungen zurückzuführen sein. Diese sind oft muskulär bedingt und haben ihren Ursprung in chronischen Verspannungen und ungünstigen Bewegungsmustern, die den Schluckvorgang beeinträchtigen.

Im Zentrum dieser funktionellen Probleme stehen häufig die Muskeln vorn am Hals, insbesondere jene, die das Zungenbein bewegen – die suprahyoidalen und infrahyoidalen Muskeln. Eine dauerhafte Anspannung dieser Muskelgruppen kann dazu führen, dass der Kehlkopf unbewusst in einer festen Position gehalten wird. Er verliert seine notwendige Beweglichkeit nach oben und unten, die für einen reibungslosen Schluckakt unerlässlich ist. Die Folge: Essen und Trinken werden zur Qual, weil der Transport von Nahrung und Flüssigkeit in die Speiseröhre erschwert oder gar unmöglich wird. Obwohl die Beschwerden oft 'innen' wahrgenommen werden, liegt der Befund bei funktionellen Schluckstörungen tatsächlich 'außen' – in den Muskeln und im Bindegewebe. Wissenschaftliche Studien, wie die von Suntrup et al. (2014), haben sogar gezeigt, dass bei Betroffenen veränderte Aktivierungsmuster im Schlucknetzwerk des Gehirns vorliegen können, was die Ernsthaftigkeit dieser Zustände untermauert.
Es ist entscheidend zu betonen, dass vor jeder körpertherapeutischen Behandlung eine gründliche ärztliche Abklärung erfolgen muss. Die Pohltherapie®, eine spezielle Form der Sensomotorischen Körpertherapie, setzt genau dort an, wo organische Ursachen ausgeschlossen wurden. Sie bietet einen vielversprechenden Ansatz, diese komplexen funktionellen Schluckbeschwerden nicht nur zu verstehen, sondern auch effektiv zu behandeln, indem sie die zugrunde liegenden muskulären Dysbalancen und Bewegungsmuster korrigiert.
- Wie erlebt man eine Schluckstörung? Eine tägliche Qual
- Die faszinierende Anatomie des Schluckvorgangs: Ein Meisterwerk der Koordination
- Ursachen für funktionelle Schluckstörungen ohne organischen Befund
- Die Pohltherapie® bei Schluckstörungen: Ein detektivischer Ansatz
- Häufig gestellte Fragen zu funktionellen Schluckstörungen
- Was ist der Unterschied zwischen organischen und funktionellen Schluckstörungen?
- Können psychischer Stress und Angst Schluckbeschwerden verursachen?
- Kann ich funktionelle Schluckstörungen selbst behandeln?
- Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen, wenn ich Schluckbeschwerden habe?
- Was ist die Pohltherapie® und wie hilft sie bei Schluckstörungen?
Wie erlebt man eine Schluckstörung? Eine tägliche Qual
Schluckstörungen, auch Dysphagien genannt, werden von Betroffenen oft als extrem quälend und am Hals vorne lokalisiert empfunden. Was für die meisten Menschen ein unbewusster und selbstverständlicher Vorgang ist, wird für jemanden mit einer funktionellen Schluckstörung zu einer enormen Herausforderung. Jeder Bissen, jeder Schluck erfordert höchste Konzentration und übermäßige Anstrengung, und selbst dann gelingt es oft kaum, Nahrung oder Flüssigkeit hinunterzubringen. Manchmal fühlen sich die Betroffenen wie Tantalus in der griechischen Mythologie: Sie haben Hunger und Appetit, sitzen vor dem köstlichsten Essen, können es kauen, aber nicht schlucken.
Der Versuch, trotzdem zu schlucken, führt häufig zum Verschlucken, bei dem Teile der Nahrung in die Luftröhre gelangen und Hustenattacken auslösen. Langfristig kann dies zu einer starken Abnahme des Körpergewichts führen, da die Nahrungsaufnahme massiv eingeschränkt ist. Manche Patienten werden fälschlicherweise für magersüchtig gehalten, obwohl sie nichts sehnlicher wünschen, als normal essen zu können. Für Außenstehende ist diese Situation oft schwer nachvollziehbar, da sie das reibungslose Schlucken als selbstverständlich erleben. Umso wichtiger ist es, die komplexen Abläufe des Schluckvorgangs zu verstehen.
Die faszinierende Anatomie des Schluckvorgangs: Ein Meisterwerk der Koordination
Der Schluckvorgang ist ein hochkomplexer, meist unbewusster und teils reflektorischer Vorgang, der unserer Aufmerksamkeit normalerweise entzogen ist. Auch wenn wir willkürlich schlucken können, sind wir uns der genauen Schritte, die dabei im Rachen und Hals ablaufen, kaum bewusst. Bei Schwierigkeiten merken Betroffene oft nur, dass 'irgendetwas schwer geht', können aber die genaue Ursache nicht benennen. Daher lohnt sich ein Blick auf die funktionelle Anatomie.
Die anatomischen Voraussetzungen sind präzise aufeinander abgestimmt: Vorn in der Mitte des Halses befindet sich die knorpelige Luftröhre, die oben in den Kehlkopf mündet, wo sich die Stimmbänder befinden. Der Kehlkopf ist wiederum mit dem hufeisenförmigen Zungenbein verbunden, das sich vorn am Hals, vor dem Übergang zum Kinn, befindet. Am Zungenbein ist auch der Kehlkopfdeckel (Epiglottis) befestigt, der normalerweise locker herabhängt. Hinter der Luftröhre liegt die Speiseröhre, der eigentliche Weg für die Nahrung.
Vorbereitung des Schluckens
Bevor wir schlucken können, muss die Nahrung vorbereitet werden. Feste Nahrung wird mit den seitlichen Zähnen gekaut, was eine Bewegung des Unterkiefers erfordert. Diese Kaubewegung stimuliert die Speicheldrüsen, die sich an den Kiefergelenken, in den Wangenmuskeln und am Mundboden befinden. Auch der Geruch und Geschmack des Essens, ja sogar die bloße Vorstellung davon, lassen uns 'das Wasser im Mund zusammenlaufen' und kurbeln die Speichelproduktion an. Gut gekaut und mit dem glitschigen Speichel vermischt, verwandelt sich feste Nahrung in einen leicht schluckbaren Brei. Um diesen Brei oder auch Flüssigkeiten wie Kaffee nach hinten in die Speiseröhre zu befördern, wird alles auf die Zunge gelegt, der Unterkiefer leicht gesenkt, um den Rachen zu weiten, und der Mund geschlossen gehalten.
Der eigentliche Schluckvorgang
Der Schluckakt selbst ist eine hochkoordinierte Abfolge von Bewegungen:
- Die Zunge drückt nach oben in Richtung Gaumen, um einen Schluck oder Bissen abzutrennen. Gleichzeitig hebt sich der Unterkiefer leicht an, sodass sich obere und untere Zähne berühren, was die Zunge zusätzlich an den Gaumen presst.
- Gleichzeitig ziehen die oberen Zungenbein-Muskeln den Kehlkopf und das Zungenbein nach oben zum Kehlkopfdeckel. Dies dichtet die Luftröhre und die Stimmbänder von oben ab. Man kann es sich so vorstellen, als würde nicht der Deckel auf den Topf gesetzt, sondern der Topf (Kehlkopf) zum Deckel hochgezogen, der sich dann darauflegt.
- Das Essen gleitet an der nun verschlossenen Luftröhre vorbei nach hinten in die offene Speiseröhre. Aus diesem Grund kann man während des Schluckens weder atmen noch sprechen (Sprechen ist ein Ausatemvorgang). Versucht man es doch, verschluckt man sich fürchterlich.
- Zusätzlich wird das Gaumensegel (Uvula oder 'Zäpfchen') beim Schlucken durch einen speziellen Muskel an die Rachenhinterwand gepresst, wodurch die Mundhöhle gegen die Nasenhöhle abgedichtet wird. Auch die Nase ist von unten 'zu', weshalb man beim Schlucken nicht durch die Nase atmen kann.
- Sobald die Nahrung die vorderen Gaumenbögen berührt, wird der Schluckreflex ausgelöst. Man kann die Nahrung aber auch absichtlich mit der Zunge nach hinten unten drücken.
- Dabei legen wir den Kopf oft leicht in den Nacken, um der Schwerkraft zu helfen, die Nahrung gerade nach unten rutschen oder fließen zu lassen.
- Im letzten Teil des Schluckvorgangs ziehen die unteren Zungenbeinmuskeln das Zungenbein mitsamt dem Kehlkopf wieder nach unten. Dadurch werden die Atemwege wieder frei, und man kann wieder sprechen.
- Gleichzeitig werden die Muskeln der Speiseröhre ('Schlundschnürer') aktiv, um den Speisebrei oder die Flüssigkeit weiter nach unten zu befördern.
Die normale Bewegung des Kehlkopfs: Ein ständiger Tanz
Der Kehlkopf ist nicht nur beim Schlucken, sondern auch bei der Atmung und beim Sprechen ständig in Bewegung, meist ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Bei der Einatmung bewegen wir den Kehlkopf mitsamt der Zunge mit den infrahyoidalen Muskeln leicht nach unten, um den Rachenraum zu erweitern. Bei der Ausatmung ziehen die suprahyoidalen Muskeln den Kehlkopf und die Zunge wieder nach oben in die mittlere Ausgangsposition. Beim Sprechen bewegt sich der Kehlkopf noch viel aktiver, da die Stimmbänder im Kehlkopf die Töne erzeugen. Diese feinen, oft unbemerkten Bewegungen sind entscheidend für eine reibungslose Funktion.
Selbst ausprobieren: Legen Sie Ihre Finger sacht vorn auf den Hals. Spüren Sie, wie sich der Kehlkopf beim Atmen leicht auf und ab bewegt. Sprechen Sie dann ein paar Worte – Sie werden merken, wie viel munterer sich der ganze Halsbereich bewegt. Beim Schlucken werden Sie eine deutliche Aufwärtsbewegung des Kehlkopfs und des Zungenbeins spüren, gefolgt von einer Abwärtsbewegung.
| Merkmal | Normales Schlucken | Funktionelle Schluckstörung |
|---|---|---|
| Wahrnehmung | Unbewusst, mühelos, selbstverständlich | Bewusst, anstrengend, quälend |
| Kehlkopf-Bewegung | Frei beweglich (auf/ab) | Eingeschränkt, fixiert durch Spannung |
| Beteiligte Muskeln | Koordiniert und entspannt | Chronisch verspannt (supra/infrahyoidal) |
| Gefühl | Reibungslos, angenehm | Fremdkörpergefühl, Kloß im Hals, Würgen |
| Konsequenzen | Normale Nahrungsaufnahme, Wohlbefinden | Verschlucken, Gewichtsverlust, soziale Isolation |
Ursachen für funktionelle Schluckstörungen ohne organischen Befund
Wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, können eine Vielzahl von Faktoren zu funktionellen Schluckstörungen beitragen. Diese sind oft tief in unseren Alltagsgewohnheiten und Stressreaktionen verwurzelt.
1. Schluckstörungen durch Angst und Stress
Die Redewendung 'es schnürt uns die Kehle zu' ist nicht nur sprichwörtlich, sondern eine tatsächliche körperliche Reaktion. Bei akuter Angst oder Schreck ziehen wir den Kehlkopf reflexartig hoch, um die Luftröhre zu verschließen. Bei chronischer Angst oder langanhaltendem Stress kann dieser Zustand zur Gewohnheit werden: Der Kehlkopf bleibt ständig hochgezogen, oft gerade so weit, dass noch Luft zum Atmen bleibt. In Kombination mit einem chronisch eingezogenen Bauch führt dies oft zu einer Hochatmung, bei der der Brustkorb mittels Halsmuskeln nach oben gezogen wird, anstatt die Atmung in den Bauch zu verlagern. Dies kann zu Hyperventilation und wiederum zu chronischen Schluckstörungen führen, die nicht selten Gewichtsverlust zur Folge haben.
Auch solche psychisch bedingten Schluckstörungen können mit der Pohltherapie® gut behandelt werden, indem die chronisch gewordenen Verspannungen gelöst werden. Für eine umfassende und nachhaltige Besserung werden dabei das gesamte gestörte Atemmuster und die zugrunde liegende Angst mit einbezogen.

2. Schlechte Kopf- und Körperhaltung beim Schlucken
Die Körperhaltung spielt eine entscheidende Rolle beim Schlucken. Am besten funktioniert der Schluckakt mit aufrechter Körper- und Kopfhaltung, idealerweise im Stehen oder Sitzen, da die Schwerkraft hier optimal genutzt wird. Im Kopfstand kann man beispielsweise nicht schlucken, und auch im flachen Liegen verschlucken sich Erwachsene jämmerlich. Nur Babys können im Liegen nuckeln und schlucken, da ihr Kehlkopf noch sehr niedrig liegt und sie dabei atmen können. Bei Erwachsenen liegt der Kehlkopf höher, was uns zwingt, entweder zu schlucken oder zu atmen/sprechen.
- Mit nach vorn gebeugtem Oberkörper (Stoppmuster): Eine vorgebeugte, starre Haltung erschwert das Schlucken erheblich, da wir nur 'hinunter' schlucken können, nicht 'hinauf'. Dies ist besonders bei älteren Menschen zu beobachten.
- Starr nach vorn gestreckter oder nach unten gebeugter Kopf: Um eine Tasse oder ein Glas auszutrinken, muss man den Kopf leicht in den Nacken legen, damit die Flüssigkeit nicht aus dem Mund läuft, sondern den Schlund hinuntergleitet. Eine starre Kopfhaltung verhindert diese notwendige Bewegung und erschwert das Trinken massiv. Dies kann sogar dazu führen, dass ältere Menschen zu wenig trinken und austrocknen. Die ständige Beugung des Kopfes drückt den oberen Halsbereich zusammen und schafft eine Engstelle.
- Vom 'Sich gerade halten': Ein übergerader Nacken, oft absichtlich erzeugt, um 'besser auszusehen', kann dazu führen, dass der Kopf mit dem Kinn Richtung Brustbein gedrückt wird. Dies erschwert das Schlucken und führt zu verkrampfter Muskulatur und verfestigtem Bindegewebe am vorderen Hals. Dies setzt sich oft in einen übergeraden oberen Rücken und eine starre Brustwirbelsäule fort, oft begleitet von zurückgezogenen Schultern. Man wirkt dann, als hätte man 'einen Stock verschluckt', und ist doppelt verspannt – vorne und hinten.
- Unsicherer Gang: Besonders bei älteren Menschen, die beim Gehen auf ihre Füße schauen, wird der Kopf dicht am Körper nach unten gesenkt, wodurch der Hals vorn zusammengequetscht wird. Dies führt zu Schluckbeschwerden und oft zu einem Kloßgefühl im Hals oder Räusperzwang. Solche 'eingefleischten' Angewohnheiten entstehen oft im Sitzen und führen über Jahre zu steifen Gelenken und unsicherem Gang.
| Merkmal | Vierbeiner (z.B. Hund) | Zweibeiner (Mensch, Vogel) |
|---|---|---|
| Kehlkopflage | Tief liegend | Höher liegend |
| Sprechfähigkeit | Nicht möglich | Ermöglicht Sprachentwicklung |
| Verschlucken | Kaum anfällig | Erhöhtes Risiko (Preis der Aufrichtung) |
| Trinkhaltung | Kopf gesenkt | Kopf in den Nacken gelegt |
3. Schluckstörungen durch bewusste Stimmveränderungen
Manche Menschen verändern bewusst ihre natürliche Stimmlage, um auf eine bestimmte Weise zu wirken. Frauen, die versuchen, eine höhere, 'piepsige' Stimme anzunehmen, um 'weiblicher' zu wirken, oder Männer und auch Frauen im Business, die ihre Stimme tiefer legen, um 'männlicher' oder 'ernster' zu wirken, tun sich damit keinen Gefallen. Solche künstlichen Stimmlagen erfordern eine chronische Anspannung der beteiligten Hals- und Kehlkopfmuskulatur. Dies kann zu Schluckstörungen, Globusgefühlen (Kloß im Hals), chronischen Halsschmerzen, Angstzuständen und chronischem Räuspern führen. Die Pohltherapie® kann hier ansetzen, indem sie die chronischen Verspannungen löst und den Betroffenen hilft, zu ihrer natürlichen Stimmlage zurückzufinden.
4. Schluckstörung durch Vermeidung von Doppelkinn
Ein ungewöhnliches, aber reales Beispiel aus der Praxis zeigt, wie die bewusste Vermeidung eines Doppelkinns zu Schluckstörungen führen kann. Ein Patient hielt seinen Kopf ständig in den Nacken gelegt und die suprahyoidalen Muskeln angespannt, um ein Doppelkinn zu kaschieren. Dies führte zwar zu einer gewissen optischen Verbesserung, aber gleichzeitig zu Nackenschmerzen und Schluckbeschwerden. Die Behandlung der Nacken- und Zungenbeinmuskeln mit der Pohltherapie® konnte hier helfen, doch der Patient musste auch lernen, sein Doppelkinn zu akzeptieren, um die Verspannungen nachhaltig zu lösen.
5. Schluckstörung durch frühere Verletzungen
- Narben von Schilddrüsen-Operationen: Häufig treten Schluckstörungen im unteren Halsbereich durch alte Narben von Schilddrüsenoperationen auf, besonders nach mehrfachen Eingriffen. Das Haut-Bindegewebe kann so verhärten, dass die darunter liegenden infrahyoidalen Muskeln in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Oft geht dies mit einem Kloßgefühl im Hals einher. Die Pohltherapie® behandelt in solchen Fällen gezielt das Haut-Bindegewebe um die Narbe, um die Beweglichkeit wiederherzustellen.
- Verspannungen der Atemmuskulatur: Ein weiteres Beispiel ist eine junge Patientin, die nach einem Reitunfall extreme Schluckstörungen entwickelte, die sie dem Verhungern nahebrachten. Die eigentliche Ursache war eine unbewegliche Brustkorbatmung, hervorgerufen durch versteifte Rippen-Wirbelgelenke. Erst nachdem diese Blockaden gelöst wurden, konnte sie wieder frei atmen und schlucken. Dies unterstreicht, wie weitreichend die Ursachen von Schluckstörungen sein können und wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung ist.
Die Pohltherapie® bei Schluckstörungen: Ein detektivischer Ansatz
Die Behandlung von funktionellen Schluckstörungen mit der Pohltherapie® beginnt mit einer detaillierten Befragung der Patient*innen, um genau zu verstehen, wo und wie sie ihre Beschwerden empfinden. Es wird herausgearbeitet, ob beispielsweise der Kehlkopf im ersten Teil des Schluckaktes nicht ausreichend hochgezogen oder im zweiten Teil nicht nach unten gezogen werden kann. Die Patient*innen lernen von Anfang an, sich selbst zu beobachten und die Bewegungen ihres Halses zu spüren.
In der Praxis legen Therapeut*innen sacht eine Hand auf den Hals der Patient*innen und lassen sie atmen, sprechen und schlucken, um die Bewegung unter der Hand zu spüren. Oft werden die Patient*innen auch gebeten, dies bei sich selbst zu tun oder die Hand auf den Hals des Therapeuten zu legen, um den normalen Bewegungsablauf zu vergleichen. Dabei wird detailliert erklärt, was normalerweise beim Schlucken passiert und wo die Abweichungen im individuellen Fall liegen.
Umfassende Untersuchung und Behandlungsstrategie
Die Untersuchung in der Pohltherapie® geht über den Halsbereich hinaus und umfasst eine ganzheitliche Betrachtung:
- Wie ist die Kopfhaltung?
- Wie ist die allgemeine Körperhaltung?
- Gibt es Auffälligkeiten in der Fußhaltung oder im Gangbild?
- Gibt es Narben oder andere frühere Verletzungen, die mit der Schluckstörung in Verbindung stehen könnten?
- Sind Beeinträchtigungen der Atmung vorhanden?
Die Behandlung der Pohltherapie® ist eine gemeinsame Detektivarbeit zwischen Therapeut*in und Patient*in. Die zentrale Frage lautet: 'Was tut jemand (oft unbewusst), sodass er/sie genau diese Schluckbeschwerden entwickelt hat?' und 'Welche Alltagsgewohnheiten fördern diese spezifische Schluckstörung?'
Basierend auf den Untersuchungsergebnissen und der Selbstbeobachtung werden die entsprechenden Muskeln und Bindegewebspartien manuell behandelt. Da viele Patient*innen aufgrund einer 'sensomotorischen Amnesie' – das Gehirn hat 'vergessen', wie sich bestimmte Muskeln anfühlen und bewegen lassen – anfangs keine Vorstellung von der willkürlichen Bewegung des Kehlkopfs haben, wird zunächst manuell gearbeitet. Die Oberzungenbeinmuskeln (Suprahyoidales) und/oder die Unterzungenbeinmuskeln (Infrahyoidales) sowie das Haut-Bindegewebe auf diesen Muskeln werden behandelt. Auch die 'Schlundschnürer' der Speiseröhre werden in die Untersuchung und Behandlung einbezogen.
Die Behandlung beschränkt sich nicht nur auf die direkt am Schlucken beteiligten Muskeln. Die Therapeuten beobachten auch die gesamte Körper- und Kopfhaltung des Patienten und versuchen gemeinsam, die 'ungewollten Alltagsgewohnheiten' und Stressreaktionen zu identifizieren, die die Beschwerden verursachen. Wenn zum Beispiel jemand unter Stress die Zähne zusammenpresst und dabei einen geraden Nacken und oberen Rücken macht, werden nicht nur die Kiefermuskeln behandelt, sondern auch die Zusammenhänge bewusst gemacht, damit der Patient im Alltag erkennen kann: 'Aha! Jetzt mache ich es wieder!'
Die Pohltherapie® hilft den Patient*innen, die betroffenen Körperteile – wie die infrahyoidalen und suprahyoidalen Muskeln – wieder erreichbar und spürbar zu machen. Dann ist die aktive Mitarbeit der Patient*innen gefragt, um sich die 'dummen Angewohnheiten' wieder abzugewöhnen. Pohltherapeuten zeigen individuell angepasste Übungen und Selbstbehandlungen und leiten ein umfassendes Körperbewusstseinstraining an, um eine nachhaltige Besserung zu erzielen.
Häufig gestellte Fragen zu funktionellen Schluckstörungen
Was ist der Unterschied zwischen organischen und funktionellen Schluckstörungen?
Organische Schluckstörungen haben eine identifizierbare medizinische Ursache, wie neurologische Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, MS), HNO-Probleme (z.B. Reflux, Mandelentzündung) oder Tumore. Funktionelle Schluckstörungen hingegen treten auf, wenn keine organische Ursache gefunden werden kann. Sie sind oft auf chronische Verspannungen der Muskulatur und des Bindegewebes im Halsbereich sowie auf ungünstige Körperhaltungen und Stressreaktionen zurückzuführen.
Können psychischer Stress und Angst Schluckbeschwerden verursachen?
Ja, absolut. Bei Stress und Angst neigen viele Menschen dazu, ihren Kehlkopf unbewusst hochzuziehen und die Muskulatur im Hals- und Nackenbereich chronisch anzuspannen. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der Kehlkopfbeweglichkeit und somit zu Schluckstörungen führen. Auch die damit oft verbundene Hochatmung kann das Problem verstärken.
Kann ich funktionelle Schluckstörungen selbst behandeln?
Aufgrund der 'sensomotorischen Amnesie', bei der das Gehirn den Zugang zu bestimmten Muskeln verloren hat, ist es sehr schwierig, funktionelle Schluckstörungen allein zu beheben. Es bedarf professioneller Hilfe, um die betroffenen Körperteile wieder spürbar und ansteuerbar zu machen. Ein Therapeut kann die zugrunde liegenden Muster erkennen und gezielte manuelle Behandlungen sowie Übungen anleiten, die eine Selbsthilfe erst ermöglichen.
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen, wenn ich Schluckbeschwerden habe?
Bei jeglichen Schluckbeschwerden sollten Sie immer zuerst einen Arzt aufsuchen, um organische Ursachen auszuschließen. Dies ist ein entscheidender erster Schritt. Erst wenn alle medizinischen Abklärungen erfolgt sind und keine organische Ursache gefunden wurde, kann eine Therapie für funktionelle Schluckstörungen, wie die Pohltherapie®, in Betracht gezogen werden.
Was ist die Pohltherapie® und wie hilft sie bei Schluckstörungen?
Die Pohltherapie® ist eine ganzheitliche Körpertherapie, die sich auf die Behandlung von chronischen Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe konzentriert. Bei Schluckstörungen werden spezifisch die Hals-, Kiefer- und Zungenbeinmuskulatur sowie das umliegende Bindegewebe behandelt. Der Ansatz beinhaltet auch die Analyse und Korrektur von ungünstigen Körper- und Kopfhaltungen sowie das Bewusstmachen von Stressreaktionen und Alltagsgewohnheiten. Ziel ist es, die natürliche Beweglichkeit des Kehlkopfs und des gesamten Schluckapparats wiederherzustellen und den Patienten zu einem besseren Körpergefühl und zur Selbsthilfe anzuleiten.
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