24/03/2024
In einer Welt, in der Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen zählen, rückt die Suche nach ergänzenden Therapieansätzen immer stärker in den Fokus. Während operative Medizin und medikamentöse Therapien immense Fortschritte gemacht haben, stellt sich die Frage, wie nicht-medikamentöse Verfahren sinnvoll integriert werden können. Hier kommt die Hydrotherapie, insbesondere der Saunabesuch, ins Spiel. Lange Zeit vorrangig mit Wellness assoziiert, entfaltet die Sauna bei genauerer Betrachtung ein beeindruckendes therapeutisches und präventives Potenzial, das weit über die reine Entspannung hinausgeht. Sie kann eine wertvolle Ergänzung zu einem gesunden Lebensstil sein und dazu beitragen, die Compliance bei chronischen Erkrankungen zu verbessern und möglicherweise sogar die Notwendigkeit bestimmter Medikamente oder deren Dosis zu reduzieren. Es ist an der Zeit, die tiefgreifenden Auswirkungen der Sauna auf unser Herz-Kreislauf-System neu zu bewerten und ihre Bedeutung für die moderne Gesundheitsvorsorge zu erkennen.

- Sauna und Herzgesundheit: Mehr als nur Wellness
- Bluthochdruck (Hypertonus) im Visier
- Koronare Herzkrankheit: Entlastung für das Herz
- Das Risiko senken: Sauna und plötzlicher Herztod
- Herzinsuffizienz: Überraschende positive Effekte
- Periphere arterielle Durchblutungsstörungen: Förderung der Zirkulation
- Sauna als Einflussfaktor auf weitere Risikofaktoren
- Sicherheit und Kontraindikationen: Wann ist Vorsicht geboten?
- Chronisch venöse Insuffizienz: Venen stärken
- Häufig gestellte Fragen zur Sauna und Herzgesundheit
Sauna und Herzgesundheit: Mehr als nur Wellness
Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Bäderkuren und die Hydrotherapie allgemein ein Inbegriff für Möglichkeiten einer Gesundheitsstabilisierung und -förderung. Das Thema „Sauna“ wird heute, im Unterschied zu früher, kaum noch mit Therapie oder Prävention assoziiert, sondern fast ausschließlich mit dem Thema Wellness. Allenfalls denkt man noch an „Abhärtung“ in Bezug auf das Immunsystem. Angesichts der wachsenden Beliebtheit naturheilkundlicher Verfahren ist dies jedoch erstaunlich, zumal die Wirkung der Sauna bestens untersucht und wissenschaftlich fundiert ist. In der Ärzteschaft überwiegen aber oft immer noch Skepsis und die Angst vor einer Überforderung der Patienten. Es ist daher von großer Bedeutung, einige neuere, aber auch relevante ältere Befunde in Erinnerung zu rufen, die das immense Potenzial der Sauna für die Herzgesundheit unterstreichen. Dabei werden nicht nur die klassische finnische Sauna, sondern auch andere Hyperthermie-Varianten wie die Biosauna oder Infrarot-Kabinen berücksichtigt, um ein umfassendes Bild der Möglichkeiten zu zeichnen.
Bluthochdruck (Hypertonus) im Visier
Der Hypertonus, also der chronisch erhöhte Blutdruck, gehört nach wie vor zu den oft nicht erkannten und unterschätzten Risikofaktoren für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die anzustrebenden Grenzwerte wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte mehrfach nach unten korrigiert, was die Dringlichkeit einer effektiven Behandlung unterstreicht. Im Bereich der Hydrotherapie kommen bei Hypertonus traditionell kalte Brust- oder Leibwickel sowie in besonderer Weise ansteigende Arm- oder Unterschenkelbäder und CO2-Bäder zum Einsatz. Auch Zusatzbäder, zum Beispiel mit Melisse oder Lavendel, fördern die Entspannung und sind daher zu empfehlen. All diese Verfahren helfen jedoch nur bei regelmäßiger und serieller Anwendung, wobei sich eine Frequenz von zweimal pro Woche als sinnvoll erwiesen hat.
Weitgehend in Vergessenheit geraten sind die sogenannten „mechanischen Bäder“, bei denen der milde Reiz eines thermoindifferenten Halbbades durch mechanische Reize wie Bürstungen oder Beschöpfungen mit Wasser (Bürsten- oder Schöpfbäder) verstärkt wird. Diese findet man heute fast nur noch in ausgewiesenen Kneipp-Kurorten. Doch auch unabhängig von den Bedingungen eines Kurortes konnte durch eine serielle Anwendung (zweimal Behandlung pro Woche über fünf Wochen) eine signifikante Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks nachgewiesen werden, wobei der Effekt auch drei Wochen nach Ende der Behandlung noch nachweisbar war. Ein regelmäßiger Saunabesuch, das heißt ein- bis zweimal pro Woche das ganze Jahr hindurch, kann bei einem unkomplizierten Blutdruck als erwiesen gelten. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass das Tauchbecken für Patienten mit Bluthochdruck kontraindiziert ist, da der plötzliche Kältereiz zu einem unerwünschten Anstieg des Blutdrucks führen kann. Die positive Wirkung der Sauna auf den Blutdruck beruht auf einem geringeren peripheren Gefäßwiderstand, der durch die Erweiterung der Blutgefäße während des Schwitzens entsteht. Eine Studie von Gayda et al. aus dem Jahr 2012 bestätigte mittels einer 24-Stunden-Blutdruckmessung die günstige Wirkung der Sauna auf den Blutdruck.
Eine Blutdrucksenkung lässt sich auch durch „sanfte“ Varianten der Hyperthermie-Anwendungen erreichen, wie beispielsweise die Biosauna mit einer Temperatur von 60°C oder Infrarot-Kabinen. In den letzten Jahren verdichten sich zudem die Hinweise, dass sich die Endothelzellfunktion, die für die Gefäßgesundheit von entscheidender Bedeutung ist, bei regelmäßigem Saunabesuch verbessert. Obwohl Brockow et al. nach einer systematischen Literaturanalyse im Jahr 2011 noch zu der vorsichtigen Schlussfolgerung kamen, dass eine verbesserte Endothelzellfunktion bei systemischer Hyperthermie zwar wahrscheinlich ist, der Nachweis aber noch aussteht, zeigten Persiianova-Dubrova und Badalov 2013, dass sowohl die finnische Sauna als auch Infrarot-Kabinen die Endothelzellfunktion bei Herz-Kreislauf-Patienten verbessern können.
| Sauna-Art | Temperatur-Bereich | Wirkung auf Blutdruck | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Finnische Sauna | 80-100°C | Signifikante Senkung bei regelmäßiger Anwendung | Intensiver Hitzereiz, starkes Schwitzen, oft mit Kaltwasseranwendung |
| Biosauna | 50-70°C | Sanfte Blutdrucksenkung | Milder als finnische Sauna, höhere Luftfeuchtigkeit, gut für Einsteiger |
| Infrarot-Kabine | 40-60°C | Sanfte Blutdrucksenkung, Verbesserung der Endothelfunktion | Direkte Tiefenwärme, geringere Lufttemperatur, ideal für empfindliche Personen |
| CO2-Bad | ~34°C | Entlastet das Herz, senkt den Blutdruck | Spezielle Anwendung mit Kohlendioxid, geringe Herzbelastung |
Koronare Herzkrankheit: Entlastung für das Herz
Auch bei der koronaren Herzerkrankung (KHK) sind die Ziele der Therapie eine Herzentlastung durch periphere Vasodilatation sowie eine vegetative Umstimmung. Zur Gewöhnung an die thermischen Reize können anfangs kalte Knie- und Schenkelgüsse, später Arm- und Untergüsse empfohlen werden. Gut eignen sich am Anfang auch wechselwarme Fußbäder, die den Kreislauf sanft anregen. Spezifisch wirksam sind ansteigende Armbäder, die zu einer reflektorischen Erweiterung der Koronargefäße und auch einer Blutdrucksenkung führen können. Dabei beginnt man mit Wassertemperaturen von 33–34°C und steigert die Temperatur innerhalb von etwa 20 Minuten auf 40–42°C. Diese Temperatur wird ein bis zwei Minuten beibehalten, und das Armbad wird durch einen kurzen Kaltreiz abgeschlossen. Es folgt eine Nachruhe von 15–30 Minuten. Der Grund für dieses Vorgehen besteht darin, dass ein sofortiger intensiver Warm- bzw. Heißreiz eine paradoxe Reaktion hervorrufen kann, das heißt, es kann zu einer Gefäßverengung (Vasokonstriktion) anstatt der erwünschten Gefäßerweiterung (Vasodilatation) kommen.
Mild wirken auch kalte Brust- oder Leibwickel, die stets nur auf warmer Haut appliziert werden sollen und zu einer intensiven reaktiven Hyperämie mit Wärmegefühl führen. Wird der Patient im Wickel nicht warm, sollte die Behandlung beendet werden. Diese Wickel können besonders nach einer Warmanwendung, zum Beispiel nach der Sauna, empfohlen werden und führen zu einer intensiven vegetativen Umstimmung, die zur Entspannung und Entlastung des Herzens beiträgt.
Besondere Vorsicht ist bei Vollbädern geboten. Vollbäder sollten bei Herzpatienten insgesamt nur vorsichtig angewandt werden, da man die Herzbelastung oftmals unterschätzt. Durch den hydrostatischen Druck des Wassers kommt es zu einer Blutumverlagerung aus den Beinen in Richtung Herz, sodass das Herz unmittelbar circa 750 ml zusätzliches Blut bewältigen muss. Eine Besonderheit stellt das CO2-Bad dar, denn Kohlendioxid reizt die Warm- und hemmt die Kaltrezeptoren. Dadurch ist die Vasodilatation größer als bei einem gleich temperierten Wasserbad, das Herz wird weniger belastet, und der Blutdruck sinkt. Gleichzeitig steigt die vagotone Reaktionsbereitschaft auf einen abschließenden Kaltreiz. Derartige Bäder können auch zu Hause angewandt werden, wobei das CO2 chemisch aus pulverförmigen Substanzen im Badewasser entsteht. Eine genaue Einweisung des Patienten sollte aber erfolgen, zum Beispiel dass sie den Kopf über dem Wannenrand halten müssen, um nicht zu viel CO2 einzuatmen, und das Verfahren nicht alleine zu Hause durchführen sollten.
Gerade in der Rehabilitation nach einem Myokardinfarkt ist die Sauna bei ausreichender Belastbarkeit (75 Watt oder mehr) und dem Fehlen von Kontraindikationen seit Jahrzehnten etabliert. Neuere Untersuchungen, insbesondere zur japanischen Hyperthermie-Variante, der Waon-Therapie, bestätigen die älteren Befunde. Eine Studie von Sobajima et al. aus dem Jahr 2013 untersuchte die Erfolge der Behandlung mit einer Niedrig-Temperatur Infrarot-Kabine von 60°C bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung. Hierbei wurden 16 Patienten täglich 15 Minuten mit 30 Minuten Nachruhe in einer Schwitzpackung behandelt. Die mit Hilfe einer Myokard-Perfusionsszintigraphie ermittelte Durchblutung des Herzmuskels erhöhte sich nach drei Wochen bei den mit Infrarot behandelten Patienten signifikant. Die Autoren interpretierten die Sauna bzw. vergleichbare Anwendungen als neuartige, nichtinvasive Therapie für Herz-Patienten.
Das Risiko senken: Sauna und plötzlicher Herztod
Die Forschung liefert immer mehr Belege für die präventive Wirkung der Sauna, insbesondere im Hinblick auf schwerwiegende kardiale Ereignisse. Nach Untersuchungen des Finnen Laukkanen korrelieren die Häufigkeit des Saunabesuchs pro Woche und der plötzliche Herztod signifikant negativ. Dies bedeutet: Je öfter die Personen in die Sauna gingen, umso seltener trat ein plötzlicher Herztod oder Herzinfarkt auf. An dieser beeindruckenden Untersuchung nahmen immerhin 2315 Männer im mittleren Alter über einen Zeitraum von bis zu 17 Jahren teil. Das Risiko sank bei zwei- bis dreimaligem Saunabesuch pro Woche um 23 %, bei siebenmal pro Woche sogar um 48 %. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass es auch so sein kann, dass gesündere Männer einfach häufiger in die Sauna gehen. Vor einer endgültigen Verifizierung dieser Ergebnisse sollte es bei der Empfehlung bleiben, ein- oder zweimal in der Woche die Sauna zu nutzen. Der Körper braucht etwa zwei bis drei Tage, um den bei uns üblichen intensiven Saunareiz, der nicht in jedem Fall mit den finnischen Saunagewohnheiten übereinstimmt, auszuregulieren. Zu häufiges Nutzen der Sauna kann sonst möglicherweise auch zu Regulationsstörungen des vegetativen Nervensystems führen.
Inzwischen gibt es zu diesem Thema auch tierexperimentelle Befunde, die die positiven Effekte weiter untermauern. Sobajima et al. berichteten 2011 über Versuche an Ratten mit einem experimentell erzeugten Herzinfarkt. Die Ratten wurden dann täglich mit einer Infrarot-Hyperthermie behandelt. Dabei verbesserte sich die Blutgefäßneubildung am Herzen, wobei als Ursache eine gesteigerte Stickoxid-Produktion in den Blutgefäßwänden ermittelt wurde. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass regelmäßige Saunabesuche möglicherweise das Risiko für einen plötzlichen Herztod senken können, indem sie die kardiovaskuläre Gesundheit auf zellulärer Ebene positiv beeinflussen.
Herzinsuffizienz: Überraschende positive Effekte
Ein wichtiges Therapieziel der Hydrotherapie bei Herzinsuffizienz ist die Erzielung einer Herzentlastung durch periphere Vasodilatation. Außer der Sauna werden auch andere Maßnahmen der Hydrotherapie empfohlen. CO2-Bäder können wegen der Entlastung des Herzens und der gleichzeitig nur geringen Herzbelastung aufgrund der niedrigen Temperatur sehr hilfreich sein. Ansteigende Armbäder, wechselwarme Güsse und Brustwickel sind ebenso empfehlenswert, um den Kreislauf sanft zu stimulieren und das Herz zu entlasten. Klassische Vollbäder hingegen belasten, wie bereits besprochen, das Herz und sollten daher vermieden werden.
Es ist erstaunlich, dass Hyperthermie-Anwendungen auch bei Herzinsuffizienz positive Effekte haben können. Bekannt ist, dass das Herz durch die Weitstellung peripherer Blutgefäße entlastet wird. Basford et al. untersuchten 2009 in einer randomisierten Cross-Over-Studie die Verträglichkeit und Akzeptanz der Sauna bei neun Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz in den Stadien NYHA III oder IV. Dabei gingen die Patienten dreimal in der Woche über vier Wochen in die Sauna. Die Verträglichkeit war gut, es kam zu keinen unerwünschten Wirkungen. Die Belastbarkeit auf dem Fahrrad-Ergometer verbesserte sich zwar nicht, unter Ruhebedingungen sank aber der Noradrenalin-Spiegel im Blut signifikant um 24 %, was für eine geringere Stress-Belastung des Herzens spricht.
Unter einer Hyperthermie-Serie (Waon-Therapie) besserte sich nach Sobajima et al. nach drei Wochen die Auswurfleistung des Herzens. Auch der Herzinsuffizienz-Marker Brain Natriuretic Peptide (BNP) und der 6-Minuten-Gehtest fielen besser aus, was auf eine verbesserte kardiale Funktion hindeutet. Die parallel durchgeführte Auswertung von Fragebögen sprach für verbesserte mentale Komponenten und ein erhöhtes allgemeines Wohlbefinden. Dabei erhöhte sich das Wohlbefinden unabhängig von den messbaren Werten. Ähnliche Untersuchungen stammen von Tei et al. ebenfalls zur Waon-Therapie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Als Parameter diente unter anderem der BNP-Spiegel, der anfangs erhöht war. Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe gebildet, die Zuweisung zu den Gruppen erfolgte randomisiert. Nur bei den Patienten mit Waon-Therapie verbesserten sich die gemessenen Parameter, was die Wirksamkeit dieser speziellen Hyperthermie-Form unterstreicht.
Von besonderer Relevanz sind Untersuchungen zu „harten“ Endpunkten, die direkte Auswirkungen auf die Mortalität und Morbidität messen. Dazu untersuchten Kihare et al. 2009 mittels einer randomisierten Studie 129 Patienten mit Herzinsuffizienz in den Stadien NYHA III oder IV. Von diesen Patienten wurden 64 anfangs fünfmal und dann zweimal wöchentlich für jeweils 15 Minuten mit einer 60 °C Infrarot-Kabine behandelt, die übrigen 65 Patienten dienten zum Vergleich. Beachtenswert ist auch die Dauer der Untersuchung mit einem Zeitraum von fünf Jahren. In der Kontrollgruppe verstarben 12 Patienten, in der Hyperthermie-Gruppe nur 8. Schwerwiegende kardiale Ereignisse insgesamt traten bei 68,7 % der Kontrollgruppe und bei 31,3 % der Hyperthermie-Gruppe auf (p < 0,01). Die Ergebnisse bekräftigen den Therapieeinsatz der Hyperthermie für die Herzinsuffizienz und zeigen, dass die Sauna die Herzleistung positiv beeinflussen kann.
Periphere arterielle Durchblutungsstörungen: Förderung der Zirkulation
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist zumindest bei höheren Schweregraden Vorsicht vor zu intensiven lokalen Wärmeanwendungen angebracht, da diese den Stoffwechsel steigern und bei zu geringer Durchblutungssteigerung Gewebsschäden nicht auszuschließen sind. Auch hier sind ansteigende Teilbäder, CO2-Bäder und wechselwarme Güsse angezeigt, um die Durchblutung sanft zu fördern und die Gefäße zu trainieren. Besonders bei funktionellen Durchblutungsstörungen, etwa bei Morbus Raynaud, kann zusätzlich der durchblutungssteigernde Effekt von Gleichstrom genutzt werden, wie man es zum Beispiel bei den Zwei- oder Vier-Zellenbädern oder beim Stangerbad in die Praxis umsetzt. Allerdings sind Physiotherapie-Praxen mit derartigen Geräten kaum noch zu finden.
Die Anwendung der Sauna ist auch bei Frühstadien der pAVK seit langem etabliert. Neuere Untersuchungen stammen zur Variante der Waon-Therapie. Shinsato et al. untersuchten 2010 21 Patienten mit peripherer arterieller Verschluss-Krankheit. Dabei erhielten 11 der Patienten zusätzlich zur Standard-Therapie täglich eine Waon-Therapie über sechs Wochen. Nur bei den Waon-Patienten verbesserten sich Schmerzen und der 6-Minuten-Gehtest signifikant, was auf eine verbesserte Gehstrecke und Lebensqualität hindeutet. Bei den Laborparametern erhöhte sich die Zahl der zirkulierenden CD34+-Zellen, die als Marker für die Gefäßneubildung gelten. Parameter des Stickoxid-Stoffwechsels stiegen ebenfalls nur in der Waon-Gruppe an, was für eine Verbesserung der Endothelzell-Funktion unter Wärme spricht. Im Tierexperiment konnte gezeigt werden, dass an Mäusen mit experimentell erzeugten Durchblutungsstörungen eine Hyperthermie mit Infrarot die Angioneogenese (Gefäßneubildung) und Ausbildung von Kollateralen (Umgehungskreisläufen) fördern kann. Das wäre ein starker Hinweis für die positiven Wirkungen der Sauna im Frühstadium arterieller Durchblutungsstörungen auch beim Menschen.
Sauna als Einflussfaktor auf weitere Risikofaktoren
Ein wesentlicher Risikofaktor für die Arteriosklerose ist der Diabetes mellitus, insbesondere der Typ 2, der zu den wichtigsten Zivilisationskrankheiten gehört. Eine der Hauptursachen ist der westliche Lebensstil mit Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Präventions- und auch Therapieprogramme beinhalten damit in erster Linie die Bausteine Bewegung und Ernährung. Die Änderung alter Gewohnheiten fällt aber nicht immer leicht. So ist es zu begrüßen, dass eine einfache Maßnahme wie die Sauna ebenfalls positive Wirkungen auf den Stoffwechsel zu haben scheint und die Therapie sinnvoll ergänzen könnte. McCarty et al. beschrieben 2009, dass Sauna oder warme Bäder ähnlich wie ein körperliches Training die Insulinempfindlichkeit der Gewebe steigern können. Ursache scheint eine Beeinflussung der endothelialen NO-Synthese zu sein. Die Sauna könnte daher in gewissem Maße eine alternative Anwendung für Patienten sein, die zu einem effektiven aktiven Training nicht in der Lage sind. Insulinpflichtige Diabetiker sollten jedoch beachten, dass sie nicht unmittelbar nach dem Spritzen von Insulin in die Sauna gehen sollten, da durch die Wärme und die damit verbundene Hyperämie das Insulin schneller resorbiert werden kann. Das kann eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) hervorrufen. Eine diabetische Polyneuropathie stellt wegen der fehlenden Warnsignale eine Kontraindikation für die Sauna dar, da die Patienten Hitze nicht ausreichend wahrnehmen können.
Für das Wohl der Patienten ist aber neben den rein medizinischen Befunden auch das Befinden der Patienten entscheidend, das mitunter zu wenig Beachtung findet. Beim Typ-2-Diabetes wird offenbar durch die Sauna auch die Lebensqualität positiv beeinflusst. Dafür sprechen Ergebnisse aus Kanada, wo Diabetiker über Monate zweimal wöchentlich für jeweils 20 Minuten eine Infrarot-Kabine besuchten. Die Lebensqualität wurde mit dem international weit verbreiteten Fragebogen SF 36 beurteilt. Parameter des allgemeinen Gesundheitszustands verbesserten sich ebenso wie soziale Parameter, Stress-Indikatoren und Müdigkeit. Die Akzeptanz einer Infrarot-Hyperthermie war größer als die anderer Interventionen, die den Lebensstil betrafen.
Gegenüber dem Diabetes und seinen Folgen sind die Wirkungen der Sauna auf die Hyperlipidämie als weiterer wichtiger Risikofaktor nur wenig untersucht. Pilch et al. referierten 2010 über Beeinflussungen von Gesamtcholesterin und LDL bei 20 gesunden jungen Frauen. Nach sieben Saunabesuchen im Abstand von zwei Tagen zeigte sich ein Abfall beider Parameter. Die HDL-Fraktion war dagegen angestiegen. Die Ergebnisse lassen sich natürlich nicht unmittelbar auf ältere und kranke Patienten übertragen, sind aber vielversprechend und erfordern weitere Forschung.
Chronischer Stress gilt als ein wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sauna und andere hydrotherapeutische Maßnahmen tragen zu einer Beruhigung des vegetativen Nervensystems bei. Bei regelmäßigem Saunabesuch sinkt die Aktivität des Sympathikus (Indizien findet man am Wertepaar Herzfrequenz – Sinusarrhythmie sowie an einer gesenkten Vanillinmandelsäure-Ausscheidung). Außerdem ist die Substanz P als „Gegenspieler“ von Stresshormonen bei Saunanutzern erhöht, was auf eine verbesserte Stressregulation hindeutet.
Ein gesunder Schlaf gehört neben dem Wärmehaushalt, dem Stuhlgang, der Atmung und der Menstruation zu den vegetativ gesteuerten Grundfunktionen des Körpers. Oft sind sie bei chronischen Krankheiten gestört, können bei Störungen aber auch den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen. Sauna kann sich auch positiv auf Schlafstörungen auswirken. Dabei ist von Bedeutung, dass besonders der Wärmehaushalt durch Sauna positiv beeinflusst wird. Kalte Füße sind zum Beispiel ein erheblicher Störfaktor für das Einschlafen. Die durchschnittliche Dauer bis zum Einschlafen beträgt bei kalten Füßen 25 Minuten, bei warmen Füßen dagegen nur 10 Minuten.
In den letzten Jahren betrachtet man die Arteriosklerose zunehmend auch als einen chronisch entzündlichen Prozess der Arterienwand. Insofern ist es von Interesse und weiterer Untersuchungen wert, dass ein regelmäßiger Saunabesuch die Entzündungsbereitschaft des Körpers allgemein zu senken vermag, was an einer geringeren Belastung durch freie Radikale infolge einer Stärkung antioxidativer Schutzsysteme zum Ausdruck kommt.
Sicherheit und Kontraindikationen: Wann ist Vorsicht geboten?
Kluger hat 2011 auf den Widerspruch zwischen den Warnungen vor der Sauna und den nachgewiesenen günstigen Wirkungen bei Herz-Kreislauf-Patienten hingewiesen. Übertreibungen sollten natürlich vermieden werden, und eine individuelle Abklärung mit dem Arzt ist stets ratsam. So ist die Benutzung des Tauchbeckens für Hypertoniker und auch die meisten anderen Herzpatienten tabu, da der plötzliche Kältereiz zu einer starken Kreislaufbelastung führen kann. Eine ausreichende Leistungsfähigkeit von mindestens 75 Watt ist Voraussetzung für die Nutzung der Sauna. Dies gewährleistet, dass das Herz-Kreislauf-System des Patienten den Belastungen des Saunagangs standhalten kann.
Sauna galt allerdings lange Zeit als ein Risiko für die Provokation von Herzrhythmusstörungen. Radtke et al. konnten 2016 aber zeigen, dass die Gefahr geringer ist als allgemein angenommen. Im Zusammenhang mit der finnischen Sauna wurden 37 männliche Probanden untersucht. Von ihnen litten 12 an einer chronischen Herzinsuffizienz, 13 an einer koronaren Herzerkrankung und weitere 12 waren gesunde Kontrollpersonen. Beurteilt wurden unter anderem die Auswurfleistung des Herzens, der Blutdruck und die vegetative Herznervenfunktion (Rhythmusanalyse). Die Auswurfleistung und die Herzfrequenz stiegen unmittelbar nach der Sauna an, der systolische Blutdruck erniedrigte sich nach der Sauna und stieg nach der Kaltwasseranwendung an. Die Herzfrequenzanalyse zeigte keine Auffälligkeiten. Es ergab sich kein Hinweis für ein angestiegenes Risiko von Herzrhythmusstörungen. Trotz dieses positiven Befundes sollte man aber vor dem Aussprechen einer Empfehlung für die Sauna bei vorbestehenden Herzrhythmusstörungen deren Art und Schwere beachten und im Zweifel immer ärztlichen Rat einholen.
Chronisch venöse Insuffizienz: Venen stärken
Zwar stehen bei der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) Bewegung und Kompression sowie die bei den Patienten beliebten Weinlaub- und Rosskastanienpräparate im Vordergrund, den Effekt von Kaltreizen sollte man aber ebenfalls nicht unterschätzen. Sie tonisieren und straffen die Venen und verringern eine Ödemneigung. Geeignet sind kalte Knie- oder Schenkelgüsse sowie je nach Möglichkeiten das klassische Wassertreten. Warme Fußbäder sollte man dagegen meiden, da sie die Venen zusätzlich erweitern und die Ödembildung fördern können. Sauna ist bei einer einfachen Varikosis ohne Komplikationen und vernünftigem Verhalten dagegen durchaus möglich. Die Venen sind unmittelbar nach der Sauna zwar besser gefüllt und treten stärker hervor, ein venöses Ödem kann in frühen Stadien aber auch ausgeschwemmt werden. In der Saunakabine sollten Venenpatienten die Beine hochlagern und gegebenenfalls bereits in, in jedem Fall jedoch nach der Sauna die Unterschenkel intensiv kühlen. Danach sollten – wenn vorhanden – die verordneten Kompressionsstrümpfe getragen werden, um die Venen zu unterstützen. Bei offenen Wunden bzw. Ulcera ist die Sauna kontraindiziert, um Infektionen und weitere Gewebsschäden zu vermeiden. Bei oberflächlichen Thrombophlebitiden haben sich kalte Auflagen, speziell mit Quark oder Heilerde, als wohltuend erwiesen.
Häufig gestellte Fragen zur Sauna und Herzgesundheit
Darf man mit Bluthochdruck in die Sauna gehen?
Ja, bei unkompliziertem Bluthochdruck kann regelmäßiges Saunieren den Blutdruck senken. Wichtig ist jedoch, dass das Tauchbecken gemieden wird und ein Arzt konsultiert wird, besonders bei medikamentöser Behandlung oder Vorerkrankungen. Sanftere Varianten wie Biosauna oder Infrarotkabinen können eine gute Alternative sein.
Wie oft ist ein Saunabesuch empfehlenswert, um die Herzgesundheit zu fördern?
Für die Förderung der Herzgesundheit und zur Risikosenkung für kardiale Ereignisse wird ein- bis zweimal pro Woche empfohlen. Studien zeigen, dass eine höhere Frequenz zwar mit einem geringeren Risiko korreliert, der Körper aber auch Zeit zur Regeneration benötigt.
Was ist bei vorbestehenden Herzrhythmusstörungen zu beachten?
Obwohl neuere Studien darauf hindeuten, dass das Risiko für die Provokation von Herzrhythmusstörungen geringer ist als angenommen, sollte bei vorbestehenden Rhythmusstörungen immer die Art und Schwere der Erkrankung beachtet und ein Arzt vor dem Saunabesuch konsultiert werden.
Ist das Tauchbecken für jeden geeignet?
Nein, das Tauchbecken ist für Hypertoniker und die meisten anderen Herzpatienten tabu, da der plötzliche intensive Kaltreiz eine erhebliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System darstellen kann und einen unerwünschten Blutdruckanstieg verursachen könnte.
Kann Sauna bei Diabetes helfen und gibt es Einschränkungen?
Ja, Sauna kann die Insulinempfindlichkeit verbessern und das Wohlbefinden bei Typ-2-Diabetes steigern. Insulinpflichtige Diabetiker sollten jedoch nicht unmittelbar nach der Insulininjektion in die Sauna gehen, da die Wärme die Insulinaufnahme beschleunigen und zu Hypoglykämie führen kann. Bei diabetischer Polyneuropathie ist die Sauna kontraindiziert.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Propagierung der Sauna in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich unter medizinischen Gesichtspunkten erfolgte und der Gedanke einer Vorbeugung und Mitbehandlung bei bestimmten Erkrankungen verfolgt wurde. Somit ist die Sauna weit mehr als reiner Wellness-Genuss. Angesichts der in den letzten Jahren nachgewiesenen medizinisch relevanten Wirkungen wäre es wünschenswert, wenn dem gesundheitlichen Aspekt eines regelmäßigen Saunabesuchs wieder vermehrt Beachtung geschenkt werden würde. Sie ist ein wertvolles Werkzeug in der Prävention und Therapie vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann maßgeblich zu einem ganzheitlichen Wohlbefinden beitragen.
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