Welche Vorteile bietet ein Dampfbad?

Die finnische Sauna: Ein Herzstück der Kultur

03/11/2022

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Finnland, oft als das Land der tausend Seen bezeichnet, könnte ebenso gut das Land der Millionen Saunen genannt werden. Diese einzigartige Nation im Norden Europas pflegt eine über 1.500 Jahre alte Saunakultur, die tief in ihrem Alltag und ihrer nationalen Identität verwurzelt ist. Für die Finnen ist die Sauna weit mehr als nur ein Ort zum Schwitzen; sie ist ein Heiligtum der Reinigung, des Wohlbefindens und der Gemeinschaft. Doch wie oft besuchen die Finnen ihre geliebten Schwitzstuben, und was macht das Saunieren so gesund und unverzichtbar für sie? In diesem umfassenden Artikel tauchen wir tief in die finnische Saunakultur ein, beleuchten ihre Ursprünge, ihre gesundheitlichen Vorteile, die ungeschriebenen Regeln und ihre Bedeutung im modernen Finnland.

Wie oft gehen Finnen in die Sauna?
Jedes Wohnhaus, alle Sommerhäuschen und meistens auch jede Mietwohnung hat eine Schwitzstube. Jede Mietpartei hat diese nach einem genau geregelten Saunaplan mindestens einmal die Woche für mehrere Stunden zur Verfügung. Man kann also durchaus behaupten, dass jeder Finne mindestens einmal die Woche in die Sauna geht.
Inhaltsverzeichnis

Die Finnen und ihre Sauna: Eine tiefe Verbundenheit

Die Zahlen sprechen für sich: Auf rund 5,2 Millionen Finnen kommen durchschnittlich zwei Millionen Saunen. Das bedeutet, dass es für etwa drei Finnen eine Sauna gibt. Diese beeindruckende Dichte ist ein klares Zeichen dafür, wie integral die Sauna für das finnische Leben ist. Nahezu jedes Wohnhaus, jedes Sommerhäuschen und sogar die meisten Mietwohnungen verfügen über eine eigene Schwitzstube. In Mietshäusern steht den Mietparteien die Gemeinschaftssauna nach einem genau geregelten Plan mindestens einmal pro Woche für mehrere Stunden zur Verfügung. Es ist also keine Übertreibung zu behaupten, dass jeder Finne mindestens einmal pro Woche in die Sauna geht.

Die Finnen leben und atmen ihre Saunakultur. Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben, und Kinder werden von klein auf an die hohen Temperaturen von 80 bis 100 Grad Celsius gewöhnt. Die Sauna ist für die Finnen so selbstverständlich wie Käse für die Schweizer oder Weißwurst für die Bayern. Sie ist ein fester Bestandteil des Alltags, ein Ort der Kontemplation und des Zusammenkommens, der über die Jahrhunderte hinweg seine Bedeutung bewahrt hat.

Gesundheitliche Vorteile der finnischen Sauna: Ein Elixier für Körper und Geist

Die Frage, was das Saunieren so besonders macht, lässt sich einfach beantworten: Es ist unglaublich gesund! Das intensive Schwitzen in der Sauna stärkt auf vielfältige Weise Herz, Kreislauf und Immunsystem. Regelmäßige Saunabesuche machen den Körper robuster gegenüber Erkältungen und Infektionen. Diese immunstärkende Eigenschaft ist besonders im langen und kalten finnischen Winter von unschätzbarem Wert und ergänzt die angeborene finnische Widerstandsfähigkeit, das sogenannte „Sisu“.

Die Finnen schwören auf die gesundheitsfördernde Wirkung ihrer Schwitzstube, was sich auch in einem alten finnischen Sprichwort widerspiegelt: „Jos ei viina, terva ja sauna auta, niin tauti on kuolemaksi“ – zu Deutsch: „Wenn Teer, Schnaps und Sauna nicht helfen, dann ist die Krankheit tödlich.“ Dies unterstreicht den hohen Stellenwert, den die Sauna im finnischen Verständnis von Gesundheit und Wohlbefinden einnimmt. Neben den körperlichen Vorteilen trägt die Sauna auch maßgeblich zur Entspannung von Körper und Geist bei, indem sie Stress abbaut und ein Gefühl der tiefen Ruhe vermittelt.

Jüngste wissenschaftliche Studien untermauern diese Überzeugungen. Eine über 20 Jahre laufende Untersuchung der Universität Ostfinnland mit rund 2.000 männlichen Probanden hat gezeigt, dass regelmäßiges Saunieren das Demenz-Risiko senken kann – zumindest bei Männern. Die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, war in der Gruppe der häufigen Saunagänger um 65 Prozent niedriger als bei Teilnehmern, die nur einmal pro Woche die Sauna besuchten. Bei anderen Demenzformen war der Wert sogar um 66 Prozent niedriger. Frühere Studien hatten bereits einen positiven Einfluss auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch regelmäßige Saunabesuche festgestellt. Jari Laukkanen von der Universität Ostfinnland vermutet, dass ein gesundes Herz positiv auf das Gehirn wirkt und somit das Demenzrisiko beeinflusst. Er betont jedoch auch, dass das tiefe Gefühl des Wohlbefindens und der Entspannung während des Saunagangs eine entscheidende Rolle spielt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Menschen mit Herzerkrankungen und Herzfehlern aus gesundheitlichen Gründen auf den Saunabesuch verzichten sollten.

Sauna als sozialer Treffpunkt und Verhandlungsort

Ein besonders wichtiger Aspekt des Saunierens für die Finnen ist der gemeinschaftliche Charakter. Es mag überraschend klingen, aber Finnen entspannen gerne in geselliger Runde in der Sauna – traditionell getrennt nach Geschlechtern, versteht sich. Besonders an Feiertagen wie Juhannus (Mittsommer) oder Weihnachten gehört der Saunagang fest zum Ritual. Doch auch im Alltag ist es üblich, gemeinsam zu schwitzen. Oft herrscht dabei eine angenehme Stille, die Raum für innere Einkehr lässt. Gelegentlich werden aber auch intensive und persönliche Gespräche geführt, die in dieser intimen Atmosphäre eine besondere Tiefe erlangen.

Die Sauna dient zudem als Schauplatz für wichtige Entscheidungen, insbesondere in Politik und Wirtschaft. In der Sauna sind alle nackt und somit gleichgestellt, was als ideale Voraussetzung für faire Verhandlungen gilt. Der ehemalige finnische Staatspräsident Urho Kekkonen erkannte dies und erhob das Saunieren zur hohen Kunst der Diplomatie. Er lud finnische Politiker und ausländische Staatsgäste gerne ins Dampfbad ein und saunierte bereits mit politischen Größen wie Helmut Kohl oder Michail Gorbatschow. Diese Tradition ist bis heute lebendig: Das finnische Parlamentsgebäude verfügt über eine Sauna mit Schwimmbereich, wo sich Kabinettsmitglieder in entspannter Atmosphäre zu Diskussionen treffen. Auch viele große Firmen besitzen eine Schwitzhütte, die besonders gerne genutzt wird, wenn Geschäftspartner aus dem Ausland anwesend sind.

Die traditionelle Geschlechtertrennung in der Sauna stellt jedoch im modernen Geschäftsleben zunehmend eine Herausforderung dar, da in Finnland immer mehr Frauen hohe Positionen bekleiden. Dies ist keineswegs ein Zeichen von Missfallen, im Gegenteil: Finnland ist in puncto Gleichberechtigung führend und führte bereits 1906 als erstes europäisches Land das aktive und passive Wahlrecht für Frauen ein. Die Vermischung von Geschäftsgesprächen und der alten Tradition, dass Frauen und Männer getrennt saunieren, kann daher zuweilen schwierig sein. Gemischt besucht man die Sauna in Finnland nur innerhalb der Familie und wenn man sich bereits jahrelang kennt.

Die Ursprünge der finnischen Saunatradition: Ein vielseitiger Ort

Die Wurzeln der finnischen Saunatradition reichen weit zurück und offenbaren die vielseitige Bedeutung der Sauna in früheren Zeiten. Einst galt die Sauna als zentraler Ort der Ruhe und der seelischen sowie körperlichen Reinigung, da sie oft der einzige Ort im Haus war, an dem warmes Wasser verfügbar war. Ihre hygienische Bedeutung war immens: Kranke wurden in der Sauna gepflegt, und sie diente als Ort für die Totenwäsche und Aufbahrung der Verstorbenen. Da die Sauna als der sauberste Raum des Hauses galt, kamen dort früher auch die Kinder zur Welt, was die tiefe Verbindung zwischen Sauna und Leben symbolisiert.

Darüber hinaus wurde die Sauna für alltägliche Aufgaben genutzt: Wäsche wurde hier gewaschen und getrocknet. Auf dem Lande diente die Sauna auch als Räucherkammer für Fisch und Fleisch oder zum Trocknen von Flachs und Getreide. Diese historischen Nutzungen zeigen, wie essenziell die Sauna für das Überleben und den Alltag der Finnen war und wie tief sie in ihre Kultur eingewoben ist.

Vielfalt der Saunaformen: Von Rauchsauna bis Elektrosauna

Die finnische Saunalandschaft hat sich über die Jahrhunderte entwickelt, wobei die Savusauna, die sogenannte Rauchsauna, die ursprünglichste aller Formen darstellt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie keinen Schornstein besitzt. Der Ofen steht frei im Raum, und der Rauch zieht durch die heißen Steine, entlang der Wände und durch ein kleines Fenster nach draußen. Das Anheizen einer Rauchsauna ist ein zeitaufwändiger Prozess, der meist mehrere Stunden dauert, wobei die Tür zur Sauna offenbleibt, um regelmäßig Holz nachzulegen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass in einer Rauchsauna keinesfalls Tabak geraucht werden darf, da man nicht im Rauch sitzt. Die Rauchsauna ist erst dann bereit zum Betreten, wenn das Feuer erloschen und der Rauch vollständig abgezogen ist. Die Wände und Bänke sind natürlich mit Ruß überzogen, und man kommt leicht verrußt aus der Rauchsauna. Ein großer Vorteil der Savusauna ist jedoch, dass die Temperatur meistens nie über 80 Grad Celsius steigt, was sie besonders für Saunaanfänger ideal macht.

Leider sind Rauchsaunen auch in Finnland selten geworden; schätzungsweise ist nur noch jede hundertste Sauna eine Savusauna. Der Hauptgrund dafür ist, dass Rauchsaunen bei unvorsichtiger Beheizung leicht abbrennen können. Die älteste Rauchsauna Finnlands befindet sich in Espoo, etwa 20 Kilometer von Helsinki entfernt, nahe einer Kirche. Eine neuere Rauchsauna existiert seit 2002 im Ausflugszentrum Kuusijärvi in Vantaa. Heutzutage sind Blockhaus- oder elektrische Saunen in Finnland weitaus verbreiteter und haben die traditionelle Rauchsauna in vielen Haushalten und öffentlichen Einrichtungen ersetzt.

Saunaformen im Überblick

MerkmalRauchsauna (Savusauna)Moderne Sauna (Block-/Elektrisch)
SchornsteinNeinJa
HeizartHolzofen, Rauch zieht durch den RaumHolzofen oder elektrisch, Rauch/Hitze abgeleitet
VorbereitungszeitMehrere StundenSchneller (Minuten bis 1-2 Stunden)
TemperaturMeist unter 80°COft über 80°C (bis 100°C)
RußbildungJa, Wände und Bänke sind verrußtNein
GeruchRauchig, mildNeutral bis holzig

Der FINNTASTISCHE SAUNA-GUIDE: Regeln und Rituale

Obwohl die Finnen gerne betonen, dass es keine festen Regeln für den Saunagang gibt und jeder so sauniert, wie er möchte, gibt es doch einige ungeschriebene Gesetze und Bräuche, die man beim Besuch einer finnischen Sauna beachten sollte. Diese Tipps helfen Ihnen, das authentische finnische Saunaerlebnis zu verstehen und zu respektieren:

Tipp Nr. 1: Einladung niemals ausschlagen

Eine Einladung in die Sauna ist in Finnland ein Zeichen höchster Wertschätzung und Vertrauens. Eine Ablehnung wird fast immer als Zurückweisung empfunden. Nur eine Grippe, Erkältung oder eine Herzerkrankung gilt als wirklich triftiger Grund, nicht gemeinsam zu schwitzen. Nehmen Sie die Einladung an und zeigen Sie Ihren Respekt für diese wichtige Tradition.

Tipp Nr. 2: Ausgiebig duschen und Saunahandtücher nutzen

Reinheit ist in der finnischen Sauna oberstes Gebot. Duschen Sie vor dem Saunagang ausgiebig. Zudem gibt es spezielle Saunahandtücher, auf die man sich in der Sauna setzt, um die Bänke sauber zu halten. Ein weiteres Handtuch kann man sich beim Verlassen der Sauna umwerfen. Dieses ist nicht zu verwechseln mit dem Badehandtuch, das man am Ende des Saunierens zum Abtrocknen nach dem Duschen verwendet.

Tipp Nr. 3: Saunagänge und Abkühlung

Jeder sauniert pro Saunagang so lange er kann und will. Üblich sind zumeist zwei bis drei Saunagänge von jeweils zehn bis fünfzehn Minuten. Für den gesamten Saunabesuch sollte man grundsätzlich viel Zeit einplanen. Zwischen den Gängen kühlt man sich ab, entweder durch kaltes Abduschen, den Sprung ins kühle Seewasser oder im Winter durch das Eintauchen in ein Eisloch oder das Abreiben mit Schnee. Seien Sie jedoch vorsichtig: Niemals ohne Vorerfahrung sofort nach der Sauna ins Eisloch springen, da dies zu einem Kreislaufkollaps oder im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen kann. Während des gesamten Saunierens ist es wichtig, viel zu trinken, da der Körper durch das Schwitzen viel Flüssigkeit verliert. Finnen bevorzugen stilles Wasser, oft direkt aus dem Wasserhahn. Aber auch Bier, Cider und Softdrinks sind beliebte Getränke unter Saunabegeisterten.

Tipp Nr. 4: Keine Sexualität in der Sauna

Die Sauna hat in Finnland grundsätzlich nichts mit Sexualität zu tun. Sie dient einzig und allein der Entspannung sowie der körperlichen und seelischen Reinigung. Sauniert wird daher grundsätzlich getrennt nach Geschlechtern. Nur innerhalb der Familie und unter guten, langjährigen Freunden ist es üblich, dass Männer und Frauen gemeinsam in die Sauna gehen. Auch im Geschäftsleben wird niemals gemischt sauniert.

Tipp Nr. 5: Textilfrei saunieren ist die Norm

Sauniert wird selbstverständlich textilfrei. Man platziert sich dabei stets auf einem eigens dafür vorgesehenen Saunahandtuch. Für die Finnen ist Nacktheit etwas vollkommen Natürliches; Schamgefühl in der Sauna ist ihnen fremd. Sie respektieren es jedoch, wenn ein Gast sein Handtuch um sich wickelt oder Badekleidung trägt. Dennoch schwitzt es sich nackt besser, da der Körper so optimal transpirieren kann.

Tipp Nr. 6: Der Aufguss (Löyly)

Zumeist ist derjenige für den Aufguss, auf Finnisch Löyly genannt, verantwortlich, der am nächsten zum Saunaofen sitzt. In Finnland darf jeder einen Aufguss machen; einen festen Saunameister gibt es in diesem Sinne nicht. Aufgüsse mit speziellen, ätherischen Ölen sind in Finnland übrigens verpönt. Anders als in deutschen Wellnessoasen setzt man beim finnischen Saunaerlebnis ganz auf „Natur pur“. Für den Aufguss reicht einfaches Wasser, das mit einer Schöpfkelle (finnisch Kauha) auf die heißen Steine geschüttet wird. Bier wird eher selten auf den Saunaofen gegossen, obwohl es einen angenehmen Geruch wie frisch gebackenes Brot versprüht. Lieber trinken die Finnen nach der Sauna ein kühles Saunabier. Hingegen ist es üblich, sogenannte Saunawürste auf dem Saunaofen zu garen, die nach der Sauna mit leckerem finnischen Senf verputzt werden.

Tipp Nr. 7: Der Birkenquast (Vihta/Vasta)

Mit frisch gebundenen Büscheln aus Birkenzweigen, die in Westfinnland „Vihta“ und in Ostfinnland „Vasta“ heißen, schlägt man sich gegenseitig sanft auf den Rücken. Dies entfernt obere Hautschichten, massiert die Haut und fördert die Durchblutung. Die Zweige werden vor dem Gebrauch zunächst in warmem Wasser eingeweicht und dann kurz auf den Saunaofen gelegt. Durch die Wärme werden die wohltuenden und natürlichen, ätherischen Öle aus den Blättern der Birke freigesetzt. Der Birkensud kann übrigens auch als erster Aufguss genutzt werden. Für das perfekte Saunaerlebnis im Herbst und Winter werden im frühen Sommer Birkenbüschel gebunden und getrocknet.

Tipp Nr. 8: Kommunikation in der Sauna

In der Sauna kann, muss aber nicht geschwiegen werden. Oft werden auch geschäftliche und politische Verhandlungen in der Sauna geführt oder ganz persönliche Gespräche. Streiten hingegen ist in der Sauna ein absolutes No-Go! Erlaubt sind nur konstruktive Gespräche. Denn das finnische Dampfbad gilt als Ort der Begegnung und der Gemeinschaft sowie der Entspannung. Meist schweigt man aber auch gerne in geselliger Runde, um die Ruhe zu genießen.

Tipp Nr. 9: Dem Gastgeber danken

Nach dem Saunagang ist es unbedingt erforderlich, dem Gastgeber für das Saunieren zu danken. Auf Finnisch sagt man: „Kiitos Saunasta!“. Alles andere wird als äußerst unhöflich empfunden.

Tipp Nr. 10: Ruhe nach der Sauna respektieren

Sollte ein Finne eine Verabredung mit den Worten ablehnen, dass er gerade aus der Sauna kommt, so sollte man das akzeptieren. Die Finnen legen großen Wert darauf, dass sie nach der Sauna noch für ein paar Stunden weiter relaxen und die Stille genießen können, um die volle Wirkung der Entspannung zu erfahren.

Öffentliche Saunen in Helsinki: Eine Reise durch die Saunalandschaft der Hauptstadt

Die Anzahl der öffentlichen Saunen in Finnland hat im Laufe der Zeit abgenommen. In den 1930er Jahren gab es in Helsinki über 100 öffentliche Saunen. Heute sind es nur noch fünf, da in den 1960er- und 1970er-Jahren viele öffentliche Saunen durch die Gemeinschaftssaunen in den Mietshäusern ersetzt wurden und heutzutage die meisten Wohnhäuser in Finnland über eine eigene Sauna verfügen.

Dennoch gibt es in Helsinki einige bemerkenswerte öffentliche Saunen, die die Tradition aufrechterhalten. Die 1928 erbaute Kotiharju Sauna im Stadtteil Kallio, mit ihrem mannshohen Holzofen, ist die letzte öffentliche, holzbeheizte Sauna in Helsinki. Hier können Gäste zusätzlich eine Massage genießen oder die uralte Methode des Schröpfens ausprobieren. Ebenfalls in Kallio befindet sich die gasbeheizte Arla Sauna, und im Stadtteil Hermanni findet man die mit Holzpellets befeuerte Sauna Hermanni, die in den 1950er-Jahren erbaut und vor einiger Zeit komplett modernisiert wurde.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Kallio, im Hafenbezirk Merihaka, liegt die Kultuurisauna (Kultursauna). Dort kann man sich nach dem Saunieren im kühlen Ostseewasser oder im Winter mit einem Sprung ins Eisloch abkühlen. Während des Saunierens bieten die eckigen Holzfenster einen tollen Blick auf die gegenüberliegende Seite des Hafenbeckens, die neuen Wohnblöcke von Kruununhaka und die Kohleberge des Kraftwerkes, während vereinzelt Schiffe vorbeiziehen.

Die Kultuurisauna wurde im Rahmen des Welt-Design-Hauptstadtjahres 2012 von der japanischen Designerin Nene Tsuboi gestaltet und vom finnischen Architekten Tuomas Toivonen ganz aus Holz errichtet. Der Name „Kultuurisauna“ wurde übrigens einem 1925 veröffentlichten Artikel des berühmten finnischen Architekten Alvar Aalto entlehnt, dem die Errichtung einer modernen, unkonventionellen Sauna, einer Kultursauna, vorschwebte.

Im Frühjahr 2016 eröffnete ein neuer, beeindruckender Saunakomplex namens „Löyly“ an der Südspitze der Helsinkier Halbinsel Hernesaari. Das neun Meter hohe Holzgebäude mit seiner Terrasse erstreckt sich über stolze 1800 Quadratmeter und ist aufgrund seiner faszinierenden Bauart auch für Architektur- und Designliebhaber zu einer neuen Attraktion geworden. Gäste können von der großen Terrasse aus, neben dem Saunagang und finnischen Spezialitäten wie Fisch aus nachhaltiger Fischerei, einen herrlichen Blick auf die finnische Ostsee genießen.

Der Hafen am Kalasatama hat sich in den letzten Jahren zum Schauplatz experimenteller, urbaner Kultur entwickelt. Ein Pionierprojekt dieser Kulturbewegung ist die Sompasauna. Diese bunt bemalte, kleine Saunahütte, die mit Sammelholz und einem auf der Straße gefundenen Ofen beheizt wird, steht jedem in Helsinki für den Saunagang frei zur Verfügung. Die einzige Bedingung: Jeder Saunafan muss sein Feuerholz für den Ofen selbst mitbringen. Anfangs wurde die Sompasauna immer wieder von der Stadt Helsinki abgerissen. Doch dank des Engagements einiger passionierter Anhänger der urbanen Saunabewegung, die die Sompasauna immer wieder an anderer Stelle neu aufbauten, wird sie mittlerweile von der Stadt Helsinki geduldet. Im Jahr 2015 erhielt die urbane Schwitzstube sogar den „Helsinki Cultural Act of the Year“. Seitdem machen sich immer mehr Menschen in Helsinki mit selbst gesammeltem Feuerholz auf den Weg zur Sompasauna. Sogar die nahegelegene Tankstelle hat den Trend erkannt und bietet seit einiger Zeit Feuerholz an.

Darüber hinaus gibt es in Helsinki zahlreiche weitere Möglichkeiten zum Saunieren. Auf dem Campingplatz „Rastila Camping“ und auf den Inseln „Uunisaari“ und Suomenlinna können Saunen für die private Nutzung angemietet werden. Neben mehreren großen Schwimmbecken hat auch der nur wenige Meter vom Helsinkier Marktplatz entfernte Allas Sea Pool drei Saunen sowie ein Café im Angebot. Dieser Sea Spa wurde im Frühjahr 2017 nach Renovierungsarbeiten pünktlich zur Schönwettersaison wiedereröffnet.

Auch die Insel Saunasaari hat sich ganz der Saunatradition verschrieben. Dort gibt es drei traditionelle Savusaunas (Rauchsaunen), die für Freunde, Familie oder After-Work-Veranstaltungen reserviert werden können. Wer einmal eine richtig traditionelle finnische Sauna aus dem 19. Jahrhundert erleben möchte, sollte die Sauna Kaurila ausprobieren. In diesem traditionellen Saunahaus gibt es keinen Strom. Kerzen sorgen für das nötige Licht, während antike Möbel und spezielles Design eine entspannte Atmosphäre mit Tradition schaffen. Die Sauna kann für Gruppen ab 15 Personen sowie für Paare angemietet werden. Auch im nahegelegenen Vantaa gibt es seit März 2002 eine Rauchsauna im Ausflugszentrum Kuusijärvi.

Die älteste Rauchsauna Finnlands befindet sich, wie bereits erwähnt, 20 Kilometer von Helsinki entfernt, in Espoo, nahe der Kirche. Das älteste Badehaus Finnlands, die 1906 erbaute Rajaportin Sauna, liegt in Tampere, genauer gesagt im Stadtteil Pispala, der seit 1937 ein Ortsteil von Tampere und heute eine der teuersten Wohngegenden der Stadt ist. Es gibt sicherlich auch in anderen finnischen Städten tolle öffentliche Saunen und Saunen, die privat angemietet werden können.

Sauna jenseits der Grenzen: Finnische Sauna weltweit

Die Faszination für die finnische Saunatradition reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Der „International Sauna Day“, eine Entwicklung aus dem „Helsinki Sauna Day“, ist eine Initiative von Stadtmacher Jaakko Blomberg von Helsinki Urban Art. An diesem Tag können private Saunabesitzer, ob Privatpersonen oder Unternehmen, ihre Saunen kostenlos für jedermann zugänglich machen. Wer keine eigene Sauna besitzt, aber an diesem Tag Lust auf das gemeinschaftliche Schwitzen hat, kann auf der zugehörigen Website aus einem riesigen Saunapool auswählen. Die einzige Bedingung ist, dass der Saunaplatz beim jeweiligen Gastgeber vorher online reserviert werden muss. Dies fördert den Austausch und die Gemeinschaft rund um die Saunakultur.

Seit Frühjahr 2017 gibt es den Saunatrend in Floßform auch in Deutschland, mit dem „FINNFLOAT Saunafloß“ auf dem Müggelsee bei Berlin. Bislang gab es in Deutschland kein vergleichbares Saunaangebot, das die einzigartige Kombination des FINNFLOAT bietet. Während es in Potsdam ein Wellnesshotel mit Saunafloß und auf dem Darß oder der Havel Hausboote mit Sauna gibt, ist das FINNFLOAT als erstes Spa-Saunafloß auf dem Müggelsee ein exklusives Saunaangebot für Freunde und Familie.

Getreu dem Motto „CLEARING YOUR MIND & CLEARING YOUR BODY“ können Kunden die Sauna, das Naturpanorama und das kühle Nass des Müggelsees genießen. FINNFLOAT setzt auf ein ganzheitliches Wellnessangebot, individuelle Aufgüsse sowie Aromaöl-Therapien und bietet unterschiedliche Saunapakete an, die Finnlandliebhaber direkt über die Website buchen können. Im Angebot sind beispielsweise eine Moonlight-Sauna mit Übernachtung im Saunafloßcamp auf dem Müggelsee, ein romantisches Saunaerlebnis für zwei oder ein Saunaerlebnis mit Open-Air Dinner aus der Saunaküche. Das Saunafloß kann auch für Junggesellenabschiede gebucht werden, was die Vielseitigkeit dieses Angebots unterstreicht.

Um die finnische Art des Relaxens, das Saunieren, international zu bewerben, startete Visit Finland Ende Januar 2017 eine große Saunatour quer durch ausgewählte Saunazentren in ganz Deutschland. Bis Anfang April 2017 war es so möglich, die finnische Saunatradition aus erster Hand kennenzulernen. Während der Sauna-Events versorgten finnische Saunameister die Besucher mit entspannenden Aufgüssen, wie zum Beispiel Birkenaufgüssen, und gaben wertvolle Tipps zum Saunieren. Für das leibliche Wohl der Besucher wurde in Form von leckeren finnischen Spezialitäten gesorgt.

Mit im Gepäck der Tour war auch eine rollende Sauna. Dort konnten sich Besucher über die finnische Saunatradition informieren und sich davon überzeugen, dass pure Entspannung ganz einfach zu erreichen ist und man dazu nur ein paar natürliche Zutaten braucht: eine holzbefeuerte Sauna, einen Eimer Wasser für den Aufguss, ein paar Birkenzweige, einen See, ein Eisloch oder Schnee zur Abkühlung, klare Luft und unberührte Natur sowie genügend Zeit. Diese rollende Sauna im Wert von 30.000 Euro wurde schließlich beim großen finnischen Mittsommernachtsfest am 21. Juli 2017 in Berlin verlost, was die Saunakultur auf spielerische Weise einer breiten Öffentlichkeit näherbrachte.

Häufig gestellte Fragen zur finnischen Sauna

Um die wichtigsten Aspekte der finnischen Saunakultur zusammenzufassen, beantworten wir hier einige der am häufigsten gestellten Fragen:

Wie oft gehen Finnen in die Sauna?

Finnen gehen im Durchschnitt mindestens einmal pro Woche in die Sauna. Viele haben eine eigene Sauna zu Hause oder Zugang zu einer Gemeinschaftssauna in ihrem Mietshaus, was regelmäßige Besuche sehr einfach macht. Die Sauna ist ein fester Bestandteil des wöchentlichen Rituals.

Ist Saunieren gesund?

Ja, Saunieren ist sehr gesund. Es stärkt Herz, Kreislauf und Immunsystem, macht widerstandsfähiger gegen Erkältungen und trägt zur Entspannung von Körper und Geist bei. Studien deuten sogar auf eine mögliche Senkung des Demenzrisikos hin. Personen mit Herzproblemen sollten jedoch ärztlichen Rat einholen.

Dürfen Männer und Frauen zusammen in die Sauna?

Traditionell saunieren Männer und Frauen in Finnland getrennt. Nur innerhalb der Familie oder mit sehr engen, langjährigen Freunden ist es üblich, gemeinsam in die Sauna zu gehen. Im geschäftlichen oder öffentlichen Rahmen ist Geschlechtertrennung die Norm.

Was ist der finnische Aufguss (Löyly)?

Löyly ist der finnische Begriff für den Aufguss, bei dem Wasser auf die heißen Saunasteine gegossen wird, um Dampf zu erzeugen und die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. In Finnland wird dafür meist reines Wasser verwendet, oft ohne ätherische Öle, da man „Natur pur“ bevorzugt. Jeder, der am nächsten zum Ofen sitzt, darf einen Aufguss machen.

Was sind Birkenquaste (Vihta/Vasta) und wofür werden sie verwendet?

Vihta (Westfinnland) oder Vasta (Ostfinnland) sind frisch gebundene Büschel aus Birkenzweigen. Sie werden in warmem Wasser eingeweicht und dann sanft auf den Körper geschlagen. Dies dient der Hautmassage, fördert die Durchblutung und setzt wohltuende ätherische Öle aus den Birkenblättern frei, die das Saunaerlebnis bereichern.

Die finnische Sauna ist somit weit mehr als nur ein Ort zum Schwitzen; sie ist ein tief verwurzelter Teil der finnischen Kultur, ein Quell der Gesundheit und ein Ort der Stille und des Austauschs. Sie bietet eine einzigartige Möglichkeit, Körper und Geist zu reinigen und neue Energie zu schöpfen.

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