10/03/2025
In der komplexen Welt der Unternehmensfinanzen gibt es eine Vielzahl von Kennzahlen, die Aufschluss über die Gesundheit und Leistungsfähigkeit eines Unternehmens geben. Eine der am häufigsten verwendeten und diskutierten Größen ist das EBITDA. Es mag auf den ersten Blick wie ein weiteres Akronym im Finanzjargon erscheinen, doch seine Bedeutung für die Bewertung der operativen Leistungsfähigkeit, die internationale Vergleichbarkeit und die Einschätzung der Kreditwürdigkeit ist immens. Dieser Artikel beleuchtet umfassend, was sich hinter dem EBITDA verbirgt, wie es berechnet wird, welche Vorteile und Einschränkungen es hat und warum es für Manager, Investoren und Kreditgeber gleichermaßen relevant ist.

- EBITDA: Definition und Grundlagen
- Warum EBITDA für Unternehmen unverzichtbar ist
- Varianten des EBITDA
- EBIT vs. EBITDA: Ein detaillierter Vergleich
- Die Berechnung des EBITDA: Schritt für Schritt
- EBITDA im Verhältnis zu weiteren Kennzahlen
- EBITDA vs. Cashflow: Eine wichtige Abgrenzung
- Unternehmensbewertung auf EBITDA-Basis
- EBITDA: Interpretation, Stärken und Einschränkungen
- Fazit
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
EBITDA: Definition und Grundlagen
EBITDA ist die Abkürzung für „Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization“. Übersetzt bedeutet dies „Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände“. Es handelt sich somit um eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das operative Ergebnis eines Unternehmens beschreibt. Indem Zinsen, Steuern sowie nicht-zahlungswirksame Abschreibungen auf Sachanlagen (Depreciation) und immaterielle Vermögensgegenstände (Amortization) vor der Betrachtung des Gewinns herausgerechnet werden, soll das reine operative Geschäftsergebnis sichtbar gemacht werden, unabhängig von Finanzierungsstrukturen, Steuersystemen oder der Abschreibungspolitik.
Diese Kennzahl ist in der traditionellen Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) nicht explizit ausgewiesen. Nach internationalen Rechnungslegungsstandards wie IFRS und US-GAAP sind Abschreibungen und Amortisationen bereits in den Umsatzkosten enthalten und werden nicht separat dargestellt. In Deutschland hingegen wird der Gewinn nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) ermittelt, was die internationale Vergleichbarkeit einschränkt. Um diese zu ermöglichen, müssen die Abschreibungen aus dem hierzulande zugrunde liegenden EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) herausgerechnet werden.
Obwohl das EBITDA im deutschen Handelsrecht keine direkte Rolle spielt, hat es seit 2008 im Steuerrecht Einzug gehalten. Die sogenannte Zinsschrankenregelung (§4h EstG) beschränkt die Abzugsfähigkeit des Nettozinsaufwands auf maximal 30 % „des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA)“.
Warum EBITDA für Unternehmen unverzichtbar ist
Als betriebswirtschaftliche Kennzahl dient das EBITDA vor allem dem Vergleich von Unternehmen nach internationalen Vorgaben. Es ermöglicht eine Einschätzung der reinen operativen Leistungsfähigkeit, da es Einflüsse wie unterschiedliche Besteuerung, Finanzierungsstrukturen oder Abschreibungsmethoden eliminiert. Diese Aspekte können die Vergleichbarkeit von Unternehmen, die in verschiedenen Ländern oder mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen operieren, erheblich verzerren.
Auch intern ist das EBITDA von großer Bedeutung, um die eigene Wirtschaftlichkeit zu ermitteln und als Steuerungskennzahl im betrieblichen Controlling zu fungieren. Es hilft Managern, die Effizienz des Kerngeschäfts zu beurteilen und operative Verbesserungen zu identifizieren.
Dritte, wie Banken oder potenzielle Investoren, nutzen die Kennzahl, um sich einen Überblick über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen zu verschaffen. Ein hohes und stabiles EBITDA kann ein starkes Signal für die Fähigkeit eines Unternehmens sein, Schulden zu bedienen. Darüber hinaus findet das EBITDA Anwendung bei Unternehmensbewertungen, der Bemessung gewinnabhängiger Managergehälter und in der Finanzkommunikation.
Varianten des EBITDA
Neben dem reinen EBITDA gibt es weitere Formen, die je nach Analysezweck herangezogen werden:
Bereinigtes EBITDA (Adjusted EBITDA)
Das bereinigte EBITDA ist um außerordentliche Erträge und Kosten korrigiert. Der Vorteil dieser Bereinigung liegt darin, dass das operative Geschäft ohne Sondereinflüsse dargestellt wird, was einen besseren Vergleich über verschiedene Jahre und zwischen verschiedenen Unternehmen ermöglicht. Allerdings liegt es im Ermessen des Unternehmens selbst, welche Posten als außerordentlich eingestuft werden. Dies können Aufwendungen für Abfindungen, Restrukturierungen, größere Marketingaktionen oder Rechtsstreitigkeiten sein. Diese subjektive Einstufung kann den Aussagegehalt der Zahl einschränken und birgt das Risiko, dass unprofitable Unternehmen tatsächliche Entwicklungen verschleiern, indem sie durch zahlreiche Bereinigungen positive Werte ausweisen. In der Vergangenheit wurde dies durch die Option begünstigt, Umsätze bereits vor der Lieferung und Rechnungslegung zu buchen. Auch lässt sich das EBITDA über die Aktivierung von Eigenleistungen künstlich erhöhen.
Structuring EBITDA
Diese Variante unterteilt die Zahlen nach Eigen- und Fremdkapital, d. h. nach der Kapitalstruktur.
Recurring EBITDA
Bei dieser Variante wird das Ergebnis zusätzlich um einmalige Gewinne oder Verluste bereinigt. Auch hier ist Vorsicht geboten, da solche kosmetischen Veränderungen die Ergebnisse beschönigen und verfälschen können.
EBIT vs. EBITDA: Ein detaillierter Vergleich
Der Unterschied zwischen EBIT und EBITDA wird bereits in ihren Abkürzungen deutlich:
- EBIT steht für „Earnings before Interest and Taxes“ = „Gewinn vor Zinsen und Steuern“.
- EBITDA steht für „Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization“ = „Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände“.
Der entscheidende Unterschied liegt also in den Buchstaben „DA“, die Abschreibungen auf Sachanlagen (Depreciation) und immaterielle Vermögensgegenstände (Amortization) umfassen. Entsprechend sieht das Verhältnis der beiden Kennzahlen wie folgt aus:
EBITDA = EBIT + Abschreibungen
Unterschiede zwischen EBIT und EBITDA im Detail
Der EBIT konzentriert sich ausschließlich auf die Rentabilität des operativen Kerngeschäfts, bevor Zinsen und Ertragssteuern abgezogen werden. Er lässt sich in der GuV ermitteln, indem man zum Betriebsergebnis die Zinsen addiert. Die EBIT-Marge ermöglicht den Vergleich der Ertragskraft von Unternehmen unabhängig von ihrer Finanzierungsstruktur.
Für das EBITDA werden zusätzlich die Abschreibungen zum EBIT hinzugerechnet. Mithilfe dieser Kennzahl kann ermittelt werden, wie viel vom Ertrag noch für Tilgung und Zinsen zur Verfügung steht. Damit ist diese Kennzahl vor allem für Kreditanalysten von großer Bedeutung. Auch ist der Aussagegehalt bei einem branchen- oder länderübergreifenden Vergleich relevant, da sie die Auswirkungen unterschiedlicher Abschreibungspolitiken eliminiert.
| Merkmal | EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) | EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization) |
|---|---|---|
| Definition | Gewinn vor Zinsen und Steuern | Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte |
| Berücksichtigte Kosten | Betriebliche Aufwendungen, inklusive Abschreibungen | Betriebliche Aufwendungen, exklusive Abschreibungen |
| Zweck | Analyse der operativen Rentabilität (Kerngeschäft) unabhängig von Finanzierung | Analyse der operativen Cashflow-Generierung, internationale Vergleichbarkeit |
| Anwendungsbereich | Rentabilität, interne Steuerung, Branchenvergleiche | Kreditwürdigkeit, Unternehmensbewertung, internationale Vergleiche |
Für gewöhnlich ist der EBITDA höher als der EBIT, da die Abschreibungen zum EBIT addiert werden. Allerdings ist dies branchen- und auch situationsabhängig. Wenn beispielsweise Beteiligungen über Buchwert verkauft werden und das Finanzergebnis die Abschreibungen übersteigt, kann eventuell auch der EBIT höher sein.
Die Berechnung des EBITDA: Schritt für Schritt
Die Grundlage der Berechnung des EBITDA bildet der Gewinn nach Steuern (Jahresüberschuss, EAT). Die Berechnung erfolgt indirekt, ähnlich der eines Cashflows, indem nicht-zahlungswirksame Posten addiert werden:
EAT (Jahresüberschuss) + Steueraufwand – Steuererträge = EBT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) + Zinsaufwand und sonstiger Finanzaufwand – Zinsertrag und sonstiger Finanzertrag = EBIT (operatives Ergebnis) + Abschreibungen auf das Anlagevermögen – Zuschreibungen zum Anlagevermögen = EBITDA
Für das bereinigte EBITDA werden zusätzlich berücksichtigt:
EBITDA + außergewöhnliche Aufwendungen – außergewöhnliche Erträge = bereinigtes EBITDA
EBITDA Formel für das Gesamtkostenverfahren
Die Berechnung des EBITDA ist sowohl im Gesamt- als auch im Umsatzkostenverfahren nach §275 Abs. 2 bzw. Abs. 3 HGB möglich. Bei beiden Verfahren sind außergewöhnliche Bestandteile nicht enthalten:
Umsatzerlöse +/- Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen + andere aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge – Materialaufwand – Personalaufwand – sonstige betriebliche Aufwendungen = EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation)
EBITDA Formel für das Umsatzkostenverfahren
Das Umsatzkostenverfahren ist die zweite Methode der Berechnung. Hieraus geht auch nochmals das Verhältnis von EBIT und EBITDA hervor:
Umsatzerlöse – Herstellungskosten = Bruttoergebnis vom Umsatz – Vertriebskosten – allgemeine Verwaltungskosten + sonstige betriebliche Erträge – sonstige betriebliche Aufwendungen = EBIT (Earnings Before Interests and Taxes) + Abschreibungen auf das Anlagevermögen – Zuschreibungen zum Anlagevermögen = EBITDA
EBITDA im Verhältnis zu weiteren Kennzahlen
Das EBITDA lässt sich mit zahlreichen anderen Kennzahlen in Bezug setzen, um Vergleiche zwischen verschiedenen Unternehmen zu vollziehen und tiefere Einblicke zu gewinnen.

EBITDA-Marge
Die EBITDA-Marge bildet das Verhältnis des EBITDA zum Umsatz ab und wird in Prozent ausgedrückt. Sie trifft eine Aussage zur Profitabilität in einem bestimmten Zeitraum. Je höher der Prozentsatz, desto profitabler ist das Unternehmen und desto geringer ist die Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Sinnhaftigkeit dieser Aussage hängt jedoch stark von der Art des Geschäfts ab und ist nicht unumstritten. Berechnet wird sie wie folgt:
EBITDA-Marge = (EBITDA / Umsatz) * 100
Damit die EBITDA-Marge hoch ausfällt, muss das EBITDA im Verhältnis zum Umsatz hoch liegen, d. h., die Kosten müssen gering sein. Damit kann die EBITDA-Marge genutzt werden, um die Wirkung von Einsparungen bezüglich der betrieblichen Kosten zu überprüfen.
Alternativ kann das EBITDA auch in das Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt werden (EBITDA return on total assets). Dieses Verfahren eignet sich auch für nicht börsennotierte Unternehmen und ermöglicht eine Aussage über die Rendite des eingesetzten Eigen- und Fremdkapitals in Prozent.
Verhältnis zum Enterprise Value (EV/EBITDA)
Der entschuldete Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) kommt vor allem bei Übernahmen ins Spiel. Mithilfe dieser Zahl kann beispielsweise ermittelt werden, nach wie vielen Jahren das eingebrachte Kapital an den neuen Eigentümer zurückfließt:
EBITDA-Enterprise Value = EV / EBITDA
Liegen bei einem Unternehmen keine außerordentlichen Schulden vor, eignet sich hier auch der Börsenwert (Marktkapitalisierung) als Referenzgröße. Dann sieht die Formel wie folgt aus:
EV = Marktkapitalisierung – liquide Mittel + verzinsliches Fremdkapital + Eigenkapital
Weitere Bezugsgrößen sind das Verhältnis zum Kreditumfang (z.B. langfristige Schulden, Nettoschulden) und zum sogenannten Kapitaldienst, der Tilgung und Zinsen umfasst.
TTM EBITDA
Diese Berechnungsmethode zieht nicht das Geschäftsjahr, sondern einen beliebigen Zeitraum von zwölf aufeinanderfolgenden Monaten (Trailing Twelve Months) für die Berechnung heran. Dies ist besonders nützlich, um die aktuellste operative Performance zu bewerten, ohne auf den Abschluss eines Geschäftsjahres warten zu müssen.
Nettoverschuldungsquote
Diese Quote bezeichnet die Verschuldung abzüglich der liquiden Mittel im Verhältnis zum Ertrag. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis ein Unternehmen Fremdkapital an externe Gläubiger zurückzahlen kann. Um diese Quote zu berechnen, teilt man die Nettoverschuldung durch das EBITDA:
Nettoverschuldungsquote = Nettoverschuldung / EBITDA
EBITDA vs. Cashflow: Eine wichtige Abgrenzung
Ein häufiges Fehlerpotenzial besteht darin, den Cashflow mit dem EBITDA gleichzusetzen. Dies ist jedoch insofern falsch, als dass Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwar nicht im EBITDA berücksichtigt werden, aber sehr wohl Teil des Cashflows sind. Der Cashflow spiegelt die tatsächlichen Zahlungsströme wider, während das EBITDA eine operative Ertragsgröße ist, die um nicht-zahlungswirksame Posten bereinigt wurde.
Diese Verwechslung kann dazu führen, dass Unternehmen, die vollständig über Eigenmittel finanziert sind und keine Zinsaufwendungen haben, mit überschuldeten Unternehmen gleichgesetzt werden, bei denen Zinsbelastungen durchaus einen existenzbedrohenden Faktor bedeuten können. Das EBITDA ist eine Annäherung an den operativen Cashflow vor Steuern, aber keine exakte Darstellung der Liquidität. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit berücksichtigt auch Veränderungen im Working Capital und Rückstellungen, die im EBITDA nicht erfasst werden.
Unternehmensbewertung auf EBITDA-Basis
Vor allem beim Verkauf von Unternehmen ist es von Interesse, wie es um den Unternehmenswert bestellt ist. Um diesen zu ermitteln, kann die Multiplikatormethode genutzt werden.
Multiplikatormethode
Bei dieser Methode werden Verkaufspreise ähnlicher Unternehmen als Vergleichsgröße genutzt. Der Wert des Vergleichsunternehmens wird durch eine Kennzahl wie EBIT oder EBITDA dividiert, um einen Multiplikator zu erhalten. Mit diesem Multiplikator können dann die Kennzahlen des zu bewertenden Unternehmens hochgerechnet werden:
Unternehmenswert = Multiplikator des Vergleichsunternehmens * Kennzahl des Bewertungsobjektes
Während das EBITDA einen schnellen Überblick über die operative Ertragskraft bietet, sollte eine fundierte Unternehmensbewertung stets auch eine detaillierte Cashflow-Analyse umfassen. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, aus Investitionstätigkeit und aus Finanzierungstätigkeit geben einen umfassenderen Einblick in die Mittelherkunft und -verwendung. Der sogenannte Free Cashflow (operativer Cashflow plus Cashflow aus Investitionstätigkeit) ist eine wichtige Größe, die das tatsächlich frei verfügbare Kapital eines Unternehmens anzeigt.
EBITDA: Interpretation, Stärken und Einschränkungen
Grundsätzlich kann mit dem EBITDA die operative Performance von Unternehmen bewertet und miteinander verglichen werden. Durch die ausbleibende Berücksichtigung von Abschreibungen und Steuern ist das Ergebnis aussagekräftig für die reine operative Ertragskraft, unabhängig von der Finanzierungsstruktur oder der Besteuerung des Unternehmens. Die höhere Stabilität des EBITDA im Vergleich zu anderen Erfolgsgrößen, da es nicht durch zufällig schwankende Posten wie Veränderungen der Rückstellungen oder des Net Working Capital verzerrt wird, macht es zu einer guten Ausgangsbasis für die Abschätzung der zukünftigen Ertragskraft.
Einschränkungen und Fallstricke
In der Praxis ist jedoch zu berücksichtigen, dass Unternehmen meist erhebliche Investitionen zum Erhalt oder Ausbau der Geschäftstätigkeiten erbringen müssen. Diese notwendigen Ersatzinvestitionen, die sich in den Abschreibungen widerspiegeln, sind im EBITDA nicht abgebildet. Das bedeutet, dass ein positiver EBITDA-Wert und eine hohe Marge nur wenig Aussagekraft hinsichtlich der langfristigen Stabilität und Überlebensfähigkeit eines Unternehmens aufweisen. Mit zunehmender Kapitalintensität eines Unternehmens sinkt der operative Cashflow, der nach Abzug der Investitionen verbleibt.

Die Bezeichnung des EBITDA als operativer „Gewinn“ ist zudem irreführend. Ein echter Gewinn (wie z. B. der EBIT oder Jahresüberschuss) zeigt eine Vermögensmehrung an. Aus einem positiven EBITDA-Ergebnis kann dagegen nicht auf eine Vermögensmehrung geschlossen werden, da zur Aufrechterhaltung des Geschäfts noch die erforderlichen Investitionen und Steuerzahlungen finanziert werden müssen. Zur Beurteilung einer Vermögensmehrung im operativen Geschäft sollten deshalb besser operative Gewinngrößen (EBIT, NOPAT) oder operative Free Cashflows betrachtet werden.
Betriebsvergleiche von Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalintensität anhand des EBITDA bzw. von EBITDA-Kennzahlen ergeben ebenfalls wenig Sinn. Unternehmen mit unterschiedlichem Bedarf an Ersatzinvestitionen sind anhand des EBITDA nur schwer vergleichbar. Vergleiche von Bewertungen und Margen auf der Grundlage des EBITDA sind am ehesten bei Unternehmen innerhalb derselben Branche mit vergleichbaren Investitionen und Verschuldungsgraden sinnvoll.
Ein weiteres Problem ist, dass die Berechnung des EBITDA in den verschiedenen Rechnungslegungsstandards (IFRS, US-GAAP) nicht standardisiert ist. Manche Unternehmen missbrauchen diesen Umstand und weisen ein „adjusted EBITDA“ bzw. „bereinigtes EBITDA“ aus, dessen Bereinigung sehr willkürlich vorgenommen werden kann. Besonders fragwürdig wird es, wenn die Unternehmensleitung auf der Grundlage eines „Adjusted EBITDA“ entlohnt wird, da weder Abschreibungen (auf möglicherweise überhöhte Kaufpreise) noch die Kapitalkosten für die Finanzierung im Kalkül berücksichtigt werden. Insbesondere zur Zeit des Neuen Marktes wurde das adjusted EBITDA von manchen unprofitablen Unternehmen zur Verschleierung einer Verlustsituation genutzt, da es durch das Bereinigen des Ergebnisses um zahlreiche Aufwandspositionen unter Umständen trotzdem positive Werte liefern kann. In diesem Kontext entstand auch der sarkastische Spitzname „Earnings Before I tricked the dumb auditor“ (Gewinn, bevor ich den dummen Wirtschaftsprüfer täuschte), sowie weitere Bezeichnungen wie EBBS (Earnings Before Bad Stuff) bzw. EBA (Earnings Before Anything).
Fazit
Die Kennzahl EBITDA ist eine hilfreiche Größe beim Vergleich und auch der Bewertung verschiedener Unternehmen. Sie bietet eine wertvolle Grundlage im Controlling und zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit. Sie ermöglicht einen klaren Blick auf die operative Ertragskraft eines Unternehmens, indem sie nicht-operative und nicht-zahlungswirksame Posten ausklammert, was insbesondere für internationale Vergleiche von Vorteil ist.
Doch sollte stets bedacht werden, dass die Aussagekraft des EBITDA begrenzt ist. Es gibt sowohl die Möglichkeit, Zahlen zu beschönigen und so über Verlustsituationen hinwegzutäuschen, als auch die Gefahr, anlageintensive Unternehmen nicht korrekt einzustufen, da die notwendigen Investitionen für den Erhalt des Geschäfts im EBITDA nicht abgebildet sind. So sinnvoll das EBITDA als Kennzahl damit auch ist: Zu einer fundierten Bewertung und umfassenden Analyse gehören stets auch weitere Kennzahlen, um ein Unternehmen aus verschiedenen Perspektiven heraus zu beleuchten und ein vollständiges Bild seiner finanziellen Gesundheit zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was bedeutet EBITDA?
EBITDA steht für „Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization“ und ist eine finanzielle Kennzahl, die den Gewinn eines Unternehmens vor Abzug von Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände darstellt. Es dient als Indikator für die operative Leistungsfähigkeit.
Warum ist EBITDA wichtig?
EBITDA ist wichtig für die internationale Vergleichbarkeit von Unternehmen, da es die Auswirkungen unterschiedlicher Finanzierungs-, Steuer- und Abschreibungsstrategien eliminiert. Es ist auch ein Indikator für die Kreditwürdigkeit und wird häufig bei Unternehmensbewertungen verwendet, um die reine operative Ertragskraft zu beurteilen.
Was ist der Unterschied zwischen EBIT und EBITDA?
Der Unterschied liegt in den „DA“ von EBITDA: Während EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) den Gewinn vor Zinsen und Steuern misst, schließt EBITDA zusätzlich die Abschreibungen auf Sachanlagen (Depreciation) und immaterielle Vermögensgegenstände (Amortization) aus. Das EBITDA ist somit in der Regel höher als das EBIT.
Kann man EBITDA manipulieren?
Ja, insbesondere das „bereinigte EBITDA“ (Adjusted EBITDA) kann manipuliert werden. Da Unternehmen selbst entscheiden können, welche Posten als „außerordentlich“ eingestuft und aus dem Ergebnis herausgerechnet werden, besteht das Risiko, dass unprofitable Geschäftsentwicklungen verschleiert oder die Zahlen künstlich verbessert werden.
Ist EBITDA ein Cashflow?
Nein, EBITDA ist kein Cashflow, auch wenn es oft als Annäherung an den operativen Cashflow vor Steuern interpretiert wird. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Cashflow tatsächliche Zahlungsmittelbewegungen darstellt, während EBITDA eine Gewinngröße ist, die um nicht-zahlungswirksame Abschreibungen bereinigt wurde, aber weder Steuern noch Zinszahlungen oder Veränderungen im Working Capital berücksichtigt.
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