Wie geht es weiter mit BAWAG?

BAWAG: Ihr Finanzpartner im Wandel

02/05/2023

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In der dynamischen Welt der Finanzen steht die BAWAG, die viertgrößte Bank Österreichs, erneut im Fokus des Interesses. Nach einer bewegten Geschichte, die von ihrer Gründung als Arbeiterbank bis hin zu einem aufsehenerregenden Finanzskandal reichte, festigt die BAWAG ihre Position auf dem europäischen Markt. Besonders relevant ist dabei die jüngste Übernahme des Privatkundengeschäfts der Barclays Bank in Deutschland, die weitreichende Implikationen für zehntausende Kunden mit sich bringt. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung der BAWAG, ihre Angebote und was die aktuellen Veränderungen für Sie als Kunde bedeuten.

Wie geht es weiter mit BAWAG?
Inhaltsverzeichnis

Die bewegte Geschichte der BAWAG: Von der Arbeiterbank zum modernen Finanzinstitut

Die Wurzeln der BAWAG reichen tief in die österreichische Wirtschaftsgeschichte zurück. Gegründet im Jahr 1922 als „Arbeiterbank“ durch den damaligen Staatskanzler Karl Renner, war ihr ursprüngliches Ziel, eine Finanzinstitution für die Organisationen und Institute der Arbeiterklasse zu schaffen, um die Abhängigkeit von kapitalistischen Institutionen zu reduzieren. Nach ihrer Auflösung im Jahr 1934 durch den austrofaschistischen Ständestaat erfolgte die Wiedergründung 1947. Ab den 1970er Jahren, umbenannt in Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG), erweiterte sie ihr Filialnetz erheblich und gewann einen großen Kundenkreis mit populären Produkten wie dem Kapitalsparbuch und dem Betriebsratskredit.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Bank war die Fusion mit der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.) im Jahr 2005, wodurch die BAWAG P.S.K. entstand. Die P.S.K. selbst blickt auf eine lange Tradition seit 1882 zurück und war maßgeblich durch Georg Coch geprägt. Diese Fusion schuf die damals viertgrößte Bankengruppe Österreichs und legte den Grundstein für die heutige Struktur.

Die Eigentümerstruktur der BAWAG hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Ursprünglich mehrheitlich im Besitz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und der Konsum-Genossenschaften, wechselten die Anteile mehrfach, bis der ÖGB 2004 Alleinaktionär wurde. Dies änderte sich jedoch drastisch im Zuge der größten Krise der Bank.

Die BAWAG-Affäre: Eine Zäsur mit weitreichenden Folgen

Die wohl dunkelste Periode in der Geschichte der BAWAG war die sogenannte BAWAG-Affäre, die im März 2006 öffentlich wurde. Im Zentrum standen hochriskante „Karibik-Geschäfte“ und Kredite an die Firma Refco, die der Bank Verluste in Milliardenhöhe einbrachten. Um diese Verluste zu verschleiern, wurden Briefkastenfirmen auf karibischen Inseln gegründet. Die Wirtschaftsprüfer der Bank verlangten für die Bilanz 2000 eine Garantie für die Werthaltigkeit der Kredite, was schließlich durch eine Garantieerklärung des damaligen ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch unter Verwendung des ÖGB-Streikfonds erfolgte – ohne die Zustimmung der zuständigen Gremien.

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Die Aufdeckung des Skandals führte zu einem Erdbeben in der österreichischen Finanzwelt und Politik. Zahlreiche Rücktritte, darunter der von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, folgten. Ein langwieriges Gerichtsverfahren endete 2008 mit Schuldsprüchen und Haftstrafen für die Hauptangeklagten, darunter der ehemalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner. Die Affäre zwang den ÖGB zum vollständigen Verkauf seiner Anteile an der Bank, um seine Schulden abzubauen und eine Inanspruchnahme der Haftung der Republik Österreich zu vermeiden. Im Mai 2007 wurde die BAWAG P.S.K. schließlich vom US-Fonds Cerberus übernommen, der 90 Prozent der Anteile erwarb, während die restlichen zehn Prozent an österreichische Unternehmen wie die Österreichische Post, Generali Versicherung und Wüstenrot gingen.

Die BAWAG erhielt im Jahr 2009 staatliche Unterstützung in Höhe von 550 Millionen Euro in Form von Partizipationskapital, welches bis 2014 vollständig und mit erheblichen Dividendenzahlungen an den österreichischen Staat zurückgezahlt wurde. Dies unterstreicht die erfolgreiche Sanierung und Stabilisierung der Bank nach der Krise.

Die BAWAG heute: Aktuelle Struktur und Leistungsangebot

Nach dem Börsengang im Oktober 2017 an der Wiener Börse, der als eine der größten Wertpapieremissionen in Wien in die Geschichte einging, verteilen sich die Aktien der BAWAG auf verschiedene Eigentümer. 48,7 % der Aktien befinden sich im Streubesitz, während die Investmentfonds Cerberus Capital Management und GoldenTree Asset Management jeweils 25,7 % halten. Seit Juli 2022 firmiert die Bank nur noch als BAWAG, was die Entwicklung hin zu einer schlankeren und fokussierteren Marke widerspiegelt.

Obwohl die BAWAG in der Vergangenheit Zukäufe in Osteuropa tätigte, liegt ihr Geschäftsschwerpunkt heute wieder primär in Österreich. Die Bank bietet eine breite Palette an Finanzdienstleistungen an, die zunehmend digital abgewickelt werden können. Ein Kernstück des Angebots sind die flexiblen und einfachen Online-Serviceanfragen. Kunden können Daten ändern, Anträge stellen und Bestätigungen erhalten – alles bequem von zu Hause aus. Dieser Service ist in mehreren Sprachen verfügbar, darunter Deutsch, Englisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch, was die Kundenorientierung der Bank unterstreicht.

Wie kann man einen Termin bei BAWAG Finanz-Experten vereinbaren?
Filiale in Ihrer Nähe finden Termin mit unseren BAWAG Finanz-Experten vereinbaren Kontaktieren Sie uns schriftlich auf einem sicheren Kanal Unsere 24/7 Sperrhotline steht Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung, um Sie bei Verlust ihrer Karte oder bei einer Frage zu ungewohnten Aktivitäten im eBanking oder der BAWAG App zu unterstützen.

Ein wichtiger Schritt in der jüngeren Geschichte war die Beendigung der langjährigen Kooperation mit der Österreichischen Post AG im Jahr 2020. Obwohl dies zu einer Reduzierung der physischen Standortanzahl der BAWAG um 70 % führte, betreibt die Bank nun eigene Filialen und Beratungszentren, um ihren Kunden weiterhin persönlichen Service zu bieten.

Die BAWAG übernimmt Barclays: Was bedeutet das für Sie als Kunde?

Eine der bedeutendsten Entwicklungen in jüngster Zeit ist die Übernahme des deutschen Privatkundengeschäfts der Barclays Bank durch die BAWAG. Diese Transaktion, die zwischen Januar und März 2025 vollständig vollzogen werden soll und deren offizieller Vollzug am 1. Februar 2025 erfolgte, ist ein strategischer Schritt der BAWAG, um ihre Präsenz in Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden auszubauen. Für bestehende Barclays-Kunden in Deutschland ist diese Nachricht von großer Bedeutung, doch die BAWAG betont, dass zunächst alles unverändert bleibt.

Konkret bedeutet die Übernahme für Sie als Barclays-Kunde:

  • Ihre bestehenden Konten, Verträge und Vereinbarungen mit Barclays bleiben unverändert gültig und gehen auf die BAWAG über.
  • Ihre Barclays-Kreditkarte können Sie weiterhin wie gewohnt nutzen.
  • Ihre Kontonummer, Karten-PIN und alle anderen Barclays-Produkte bleiben gleich.
  • Die Barclays-Privatkunden-App und das Online-Banking können Sie weiterhin nutzen. Ihre Zugangsdaten ändern sich nicht.

Sie als Kunde müssen vorerst absolut nichts tun. Barclays wird Sie rechtzeitig über etwaige Änderungen informieren. Dies gewährleistet einen reibungslosen Übergang und minimiert den Aufwand für die betroffenen Kunden.

Einlagensicherung: Mehr Sicherheit für Ihr Tagesgeld

Ein besonders wichtiger Aspekt der Übernahme betrifft die Einlagensicherung für Tagesgeldkonten. Bislang unterlag Ihr Tagesgeld bei Barclays der irischen Einlagensicherung. Mit der BAWAG-Übernahme ist Ihr Geld künftig durch die österreichische Einlagensicherung abgesichert. Dies stellt für viele Kunden eine Verbesserung dar, da Österreich bei der Kreditwürdigkeit tendenziell besser bewertet wird als Irland. Das bedeutet, dass Ihr Geld bis zu 100.000 Euro nun noch sicherer ist. Zusätzlich profitieren Sie nach wie vor vom Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken, dem sowohl Barclays als auch die BAWAG angehören.

Wer steckt hinter BAWAG?
Mit November 2003 übernahm die BAWAG die restlichen 25,18 %, die seit 2000 eine Tochtergesellschaft der Bayerischen Landesbank und des ÖGB gehalten hatte. Im Jahre 2005 fusionierte die BAWAG endgültig mit der P.S.K. und es entstand die BAWAG P.S.K. als viertgrößte Bankengruppe Österreichs.

Vergleich der Einlagensicherung

Um die Vorteile der neuen Einlagensicherung zu verdeutlichen, hier ein kurzer Vergleich:

MerkmalBarclays (vor Übernahme)BAWAG (nach Übernahme)
Zuständige EinlagensicherungIrische EinlagensicherungÖsterreichische Einlagensicherung
AbsicherungshöheBis zu 100.000 € pro KundeBis zu 100.000 € pro Kunde
Länderrating (Kreditwürdigkeit)Irland (geringer als Österreich)Österreich (höher als Irland)
Zusätzliche AbsicherungEinlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher BankenEinlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur BAWAG und der Barclays-Übernahme

Was ist die BAWAG?

Die BAWAG ist die viertgrößte Bank Österreichs mit Sitz in Wien. Sie bietet eine breite Palette an Finanzdienstleistungen für Privat- und Firmenkunden an und hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1922 zurückreicht.

Was passiert mit meinem Barclays-Konto nach der Übernahme durch die BAWAG?

Ihre bestehenden Konten, Verträge und Vereinbarungen mit Barclays bleiben unverändert gültig und gehen auf die BAWAG über. Ihre Kreditkarte, Kontonummer, PIN und Zugangsdaten für Online-Banking und App bleiben ebenfalls gleich. Es sind vorerst keine Änderungen für Sie als Kunde erforderlich.

Ist mein Geld bei der BAWAG sicher?

Ja, Ihr Geld ist sicher. Tagesgeldkonten sind bis zu 100.000 Euro pro Kunde durch die österreichische Einlagensicherung abgesichert. Österreich wird bei der Kreditwürdigkeit tendenziell besser bewertet als Irland, was eine erhöhte Sicherheit bedeutet. Zusätzlich ist die BAWAG weiterhin Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken.

Muss ich etwas unternehmen oder Formulare ausfüllen?

Nein, Sie müssen vorerst absolut nichts tun. Barclays wird Sie rechtzeitig informieren, falls zu einem späteren Zeitpunkt Änderungen notwendig werden oder Ihre Mithilfe gefragt ist.

Wie geht es weiter mit BAWAG?
Dann kommt demnächst eine Änderung auf Dich zu: Zwischen Januar und März 2025 wird das deutsche Privatkundengeschäft von Barclays Teil der viertgrößten Bank Österreichs. Mit der Übernahme plant Bawag, ihre Präsenz in Österreich, Deutschland, Schweiz und den Niederlanden auszubauen.

Wie kann ich die BAWAG im Notfall erreichen, z.B. bei Kartenverlust?

Für Notfälle, wie den Verlust Ihrer Karte oder bei ungewohnten Aktivitäten im eBanking oder der BAWAG App, steht Ihnen die 24/7 Sperrhotline zur Verfügung. Sie können Ihre Karte auch selbst in der BAWAG App oder im eBanking sperren und eine neue Karte nachbestellen.

Wo finde ich BAWAG-Filialen, nachdem die Kooperation mit der Post beendet wurde?

Die BAWAG bietet ihre Dienstleistungen in eigenen BAWAG-Filialen und Beratungszentren an. Obwohl die Anzahl der Standorte nach Beendigung der Kooperation mit der Österreichischen Post AG gesunken ist, können Sie die genauen Adressen der verbleibenden Filialen auf der offiziellen Website der BAWAG finden.

Fazit

Die BAWAG hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht und sich von einer Bank mit turbulenter Vergangenheit zu einem stabilen und zukunftsorientierten Finanzinstitut entwickelt. Die Übernahme des Barclays Privatkundengeschäfts in Deutschland ist ein klares Zeichen für ihre Wachstumsstrategie und den Anspruch, ihre Marktposition weiter auszubauen. Für Kunden, insbesondere jene, die von der Barclays-Übernahme betroffen sind, bietet die BAWAG Stabilität, verbesserte Einlagensicherheit und einen weiterhin bequemen Zugang zu ihren Finanzdienstleistungen. Die Bank ist bereit für die Herausforderungen der digitalen Finanzwelt und positioniert sich als wichtiger Akteur im europäischen Bankensektor.

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