Welche Medikamente können Wehen auslösen?

Wehen fördern: Natürliche Wege zur Geburtseinleitung

09/01/2023

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Die Geburt eines Kindes ist ein Wunder der Natur, ein Prozess, der in den meisten Fällen ganz von selbst seinen Lauf nimmt. Doch manchmal braucht der Körper einen kleinen Anstoß, eine sanfte Ermutigung, um die Wehen in Gang zu setzen oder zu verstärken. Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist, die Wehen zu schwach sind oder medizinische Gründe vorliegen, kann die Förderung der Wehen zu einem wichtigen Thema werden. Es gibt eine Vielzahl von Methoden – von traditionellen Hausmitteln bis hin zu medizinischen Interventionen –, die werdenden Müttern helfen können, diesen besonderen Moment einzuleiten. Es ist jedoch von größter Bedeutung, dass jede Maßnahme zur Wehenförderung stets in enger Absprache mit der Hebamme oder dem Frauenarzt erfolgt, um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten und potenzielle Risiken auszuschließen.

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Inhaltsverzeichnis

Wehen fördern: Warum und Wann ist es sinnvoll?

Wehen sind die rhythmischen Kontraktionen der Gebärmutter, die dazu dienen, das Baby durch den Geburtskanal zu schieben. Sie werden maßgeblich durch das Hormon Oxytocin ausgelöst, das der Körper natürlicherweise produziert. In einigen Situationen kann es jedoch notwendig sein, die Wehen zu fördern. Dies kann der Fall sein, wenn der Geburtstermin deutlich überschritten ist, um eine Übertragung zu vermeiden, oder wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet ist. Auch bei einem vorzeitigen Blasensprung ohne einsetzende Wehen oder bei sehr schwachen, ineffektiven Wehen kann eine Förderung sinnvoll sein. Das Ziel ist immer, einen sicheren und möglichst sanften Geburtsverlauf zu unterstützen.

Medikamentöse Wehenförderung: Eine Option unter Aufsicht

Wenn natürliche Methoden nicht ausreichen oder aus medizinischen Gründen eine schnelle Einleitung erforderlich ist, können Medikamente zum Einsatz kommen. Die am häufigsten verwendeten Substanzen sind synthetisches Oxytocin und Prostaglandine. Oxytocin wird meist intravenös verabreicht und ahmt das natürliche Wehenhormon nach. Prostaglandine können in verschiedenen Formen (Tabletten, Gele, Vaginalzäpfchen) angewendet werden und helfen, den Muttermund weicher und geburtsbereit zu machen. Diese Methoden werden ausschließlich im Krankenhaus und unter ständiger Überwachung der Wehentätigkeit und der kindlichen Herztöne durchgeführt, um die Sicherheit während des gesamten Prozesses zu gewährleisten.

Natürliche Wege zur Wehenstimulation: Sanft und Unterstützend

Viele Frauen bevorzugen es, zunächst auf natürliche Methoden zurückzugreifen, um die Wehen anzuregen. Diese können oft zu Hause angewendet werden, sollten aber dennoch immer mit der Hebamme oder dem Arzt besprochen werden, um sicherzustellen, dass sie für die individuelle Situation geeignet sind.

Die Kraft der Natur: Wehenfördernde Lebensmittel und Tees

Bestimmte Lebensmittel und Kräuter werden seit Generationen zur Wehenförderung eingesetzt. Ihre Wirkung ist oft durch Erfahrungswerte belegt, wissenschaftliche Studien fehlen jedoch häufig. Dennoch können sie eine sanfte Unterstützung bieten.

  • Himbeerblättertee: Dieser Tee ist wohl das bekannteste Hausmittel zur Geburtsvorbereitung. Er soll den Muttermund weicher machen und die Muskulatur der Gebärmutter stärken, was zu effektiveren Wehen führen kann. Es wird empfohlen, ihn erst ab der 36. oder 37. Schwangerschaftswoche zu trinken, um keine vorzeitigen Wehen auszulösen.
  • Wehentee-Mischungen: Oft werden Himbeerblätter mit anderen wehenfördernden Gewürzen wie Nelken, Ingwer und Zimt kombiniert. Eine solche Mischung kann die Gebärmutter anregen und die Wehenintensität erhöhen. Die Zubereitung ist einfach: Die Gewürze in ein Teeei geben, mit heißem Wasser übergießen und einige Minuten ziehen lassen.
  • Rizinusöl: Als Bestandteil des sogenannten "Wehencocktails" wird Rizinusöl oft in Kombination mit Fruchtsaft oder Sekt verwendet. Es wirkt stark abführend und kann dadurch Darmbewegungen auslösen, die indirekt auch die Gebärmutter stimulieren können. Aufgrund seiner starken Wirkung und möglicher Nebenwirkungen (Übelkeit, Durchfall, Kreislaufprobleme) sollte der Wehencocktail nur unter Aufsicht einer Hebamme oder eines Arztes und nur in bestimmten Situationen angewendet werden.
  • Zimt: Der Verzehr von Zimt in größeren Mengen, sei es in Gebäck, als Tee oder in reiner Form, kann bei manchen Frauen Wehen auslösen. Wichtig ist hier die Wahl des richtigen Zimts: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Ceylon-Zimt, da er im Vergleich zu Cassia-Zimt nur sehr geringe Mengen an Cumarin enthält. Cumarin kann in hohen Dosen leber- und nierentoxisch sein und Übelkeit oder Kopfschmerzen verursachen.
  • Unreife Papaya: Diese Frucht enthält Latex, eine Substanz, die Kontraktionen der Gebärmutter auslösen kann. Daher wird sie traditionell in einigen Kulturen zur Wehenförderung verwendet.
  • Weitere Gewürze: Ingwer, Koriander, Curry, Majoran und Nelken werden ebenfalls wehenfördernde Eigenschaften nachgesagt und können in Speisen oder Tees verwendet werden.
  • Zuckerersatzstoffe: In verschiedenen Light-Produkten oder Kaugummis enthaltene Zuckerersatzstoffe können ebenfalls eine stimulierende Wirkung auf die Gebärmutter haben, obwohl dies weniger bekannt ist.

Tabelle: Wehenfördernde Lebensmittel und ihre potenzielle Wirkung

Lebensmittel/ZutatPotenzielle WirkungWichtige Hinweise
HimbeerblätterteeWeitung des Muttermunds, Stärkung der GebärmutterAb 36./37. SSW, nicht überdosieren
Nelken, Ingwer, ZimtGebärmutterstimulation, WehenanregungIn Tees oder Speisen, Zimt: Ceylon-Zimt bevorzugen
RizinusölStark abführend, indirekte GebärmutterstimulationNur unter Aufsicht von Hebamme/Arzt!
Unreife PapayaKontraktionen der Gebärmutter durch LatexNatürliches Vorkommen von Latex beachten

Bewegung und Haltung: Den Körper aktivieren

Bewegung kann eine effektive und natürliche Methode sein, um die Wehen zu fördern, da sie die Schwerkraft nutzt und dem Baby hilft, tiefer ins Becken zu rutschen.

Wie kann ich mich vor einer Massage entspannen?
[1] Setze dich für zehn Minuten in ein warmes Bad. Das könnte nützlich sein, um dich vor der Massage zu entspannen und die Muskeln rund um den Damm zu lockern. Du kannst auch Badeöle hinzuzufügen, um die Haut weich zu machen und dich zu entspannen.
  • Spaziergänge: Leichte Spaziergänge können den Kopf des Kindes besser im Becken positionieren und durch den Druck einen Wehenreiz setzen. Achten Sie darauf, nicht zu weit von zu Hause wegzugehen und idealerweise eine Begleitperson dabei zu haben, falls die Wehen plötzlich einsetzen.
  • Treppensteigen und Fensterputzen: Diese Aktivitäten ähneln in ihrer Wirkung dem Spazierengehen, da sie aufrechte Bewegung und leichte Anstrengung mit sich bringen. Wichtig ist, sich nicht zu überanstrengen, da dies kontraproduktiv sein könnte.
  • Gymnastikball: Auf einem Gymnastikball können sanfte, kreisende Bewegungen ausgeführt werden. Dies hilft, das Becken zu lockern und das Baby in eine optimale Geburtsposition zu bringen, was wiederum Wehen anregen kann. Auch hier ist es ratsam, eine zweite Person zur Unterstützung bereitzuhalten, um Stürze zu vermeiden.
  • Beckenkreisen und Bauchtanz: Ähnlich wie auf dem Gymnastikball können auch andere kreisende Bewegungen des Beckens oder Bauchtanz die kindliche Lage im Becken verbessern und somit die Wehen fördern.

Entspannung durch Wärme: Das Bad als Helfer

Ein warmes Bad kann Wunder wirken, um die Muskulatur im Beckenbereich zu entspannen und der Gebärmutter den nötigen Anstoß für den Beginn der Wehen zu geben. Die ideale Wassertemperatur liegt bei etwa 38 Grad Celsius.

  • Ätherische Öle: Ein paar Tropfen Lavendelöl im Badewasser können zusätzlich entspannend wirken und das Wohlbefinden steigern.
  • Vorsichtsmaßnahmen: Achten Sie darauf, nicht zu lange im Bad zu bleiben, um den Kreislauf nicht zu überlasten. Eine zweite Person sollte in der Nähe sein, um bei Bedarf schnell Hilfe leisten zu können. Ein weiterer Vorteil des warmen Bades: Es kann helfen, echte Wehen von Vorwehen zu unterscheiden. Vorwehen lassen oft in einem warmen Bad nach, echte Wehen hingegen werden in der Regel stärker.

Gezielte Massagen und Akupressur: Berührung, die wirkt

Massagen und Akupressur können bestimmte Körperbereiche stimulieren und so die Ausschüttung wehenfördernder Hormone anregen.

  • Brustwarzenstimulation: Eine sanfte Massage oder Stimulation der Brustwarzen kann die Freisetzung von Oxytocin fördern, dem Hormon, das für Wehen verantwortlich ist. Diese Methode sollte nur wenige Minuten angewendet werden, um eine Überreizung zu vermeiden, die später beim Stillen Schmerzen verursachen könnte.
  • Muttermundsmassage: Diese Massage wird in der Regel von der Hebamme oder dem Arzt durchgeführt, um den Muttermund auf die Geburt vorzubereiten.
  • Bauchmassage: Eine sanfte Bauchmassage, eventuell mit Mandelöl, kann die Gebärmutter anregen und die Wehen unterstützen.
  • Fußreflexzonenmassage: Es gibt spezifische Druckpunkte an den Füßen, die die Wehen stimulieren oder die Senkung des kindlichen Kopfes ins Becken fördern sollen.
    • Der Punkt Milz 6 befindet sich etwa drei Finger breit oberhalb des Innenknöchels am Schienbein, in Richtung Achillessehne. Eine Massage dieses Punktes soll den Muttermund aufweichen und schwache Wehen fördern.
    • Der Punkt Blase 60 liegt zwischen dem Außenknöchel und der Achillessehne. Eine Stimulation dieses Punktes kann helfen, den kindlichen Kopf in die richtige Geburtsposition zu leiten, was ebenfalls zur Wehenförderung beitragen kann.

    Es ist ratsam, diese Massagen von einer erfahrenen Person durchführen zu lassen.

  • Akupressur: Die Akupressur basiert auf der Stimulation spezifischer Druckpunkte entlang der Meridiane des Körpers. Ein bekannter Punkt zur Wehenförderung ist der Punkt Dickdarm 4, der sich zwischen Daumen und Zeigefinger befindet. Durch gleichmäßigen Druck und kreisende Bewegungen können Wehen ausgelöst werden. Tritt eine Wehe ein, sollte die Akupressur pausiert werden, bis die Wehe abgeklungen ist. Auch Punkte im Bereich der Schulter und des Beckens können stimulierend wirken.

Homöopathie: Eine umstrittene Methode

Einige homöopathische Mittel wie Pulsatilla oder Caulophyllum werden zur Wehenförderung eingesetzt. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Wirksamkeit homöopathischer Mittel wissenschaftlich nicht belegt ist und ihr Effekt oft nicht über den Placeboeffekt hinausgeht. Besonders in der Schwangerschaft sollte der Einsatz von zusätzlichen Substanzen oder Medikamenten kritisch hinterfragt und nur nach Rücksprache mit einem erfahrenen Frauenarzt oder Homöopathen erfolgen, da viele Wirkstoffe die Plazentaschranke passieren und das ungeborene Kind erreichen können.

Wehenförderung nach Blasensprung: Wann ist Eile geboten?

Wenn die Fruchtblase platzt, setzen die natürlichen Wehen in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein. Geschieht dies nicht, muss nachgeholfen werden, da das Risiko einer Infektion für Mutter und Kind steigt. Die Vorgehensweise hängt jedoch vom Zeitpunkt des Blasensprungs ab:

  • Vor der 37. Schwangerschaftswoche: In diesem Fall wird versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, um die Lungenreife des Babys zu fördern. Es werden Antibiotika zur Infektionsprophylaxe und wehenhemmende Medikamente gegeben. Zusätzlich erhält die Mutter Medikamente zur Lungenreife des Kindes.
  • Nach der 37. Schwangerschaftswoche: Hier wird eine zügige Geburt angestrebt. Die Wehen können mit den zuvor beschriebenen natürlichen Maßnahmen gefördert werden, zum Beispiel durch Brustwarzenstimulation. Es sollte vermieden werden, Gegenstände in die Scheide einzuführen oder unnötige vaginale Untersuchungen durchzuführen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. In den meisten Fällen (ca. 95%) setzen die Wehen nach einem vorzeitigen Blasensprung innerhalb von 24 Stunden spontan ein.

Wichtige Überlegungen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Entscheidung, Wehen zu fördern, sollte immer gut überlegt und in Absprache mit medizinischem Fachpersonal getroffen werden. Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist einzigartig, und was für die eine Frau funktioniert, ist für die andere möglicherweise nicht geeignet. Hören Sie auf Ihren Körper und auf den Rat Ihrer Hebamme oder Ihres Arztes. Überanstrengen Sie sich nicht, da der Körper alle Kraftreserven für die bevorstehende Geburt benötigt. Achten Sie auf die Zeichen Ihres Körpers und unterscheiden Sie zwischen echten Wehen und Vorwehen. Ein warmes Bad kann hierbei eine gute Hilfe sein, da Vorwehen oft in der Wärme nachlassen, während echte Wehen sich verstärken.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Wehenförderung

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Wehen zu fördern?
Der richtige Zeitpunkt wird in der Regel von Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt festgelegt, meist wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist oder medizinische Gründe vorliegen. Es ist wichtig, nicht eigenmächtig zu handeln.
Sind Hausmittel zur Wehenförderung sicher und wirksam?
Viele Hausmittel haben eine lange Tradition und basieren auf Erfahrungswerten. Ihre Sicherheit und Wirksamkeit sind jedoch nicht immer wissenschaftlich belegt. Einige, wie Rizinusöl, können starke Nebenwirkungen haben und sollten nur unter professioneller Aufsicht angewendet werden. Sprechen Sie immer mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt, bevor Sie Hausmittel ausprobieren.
Kann ich Wehen selbst auslösen?
Während Sie bestimmte natürliche Methoden anwenden können, um Ihren Körper auf die Geburt vorzubereiten und Wehen anzuregen, sollten Sie niemals versuchen, Wehen ohne professionelle Anleitung auszulösen. Eine unkontrollierte Wehenauslösung kann Risiken für Mutter und Kind bergen.
Welche Rolle spielt der Partner bei der Wehenförderung?
Der Partner kann eine wichtige unterstützende Rolle spielen, indem er beispielsweise Massagen durchführt, bei Spaziergängen begleitet oder für Entspannung sorgt. Seine emotionale Unterstützung ist ebenfalls von unschätzbarem Wert.
Gibt es Situationen, in denen Wehenförderung vermieden werden sollte?
Ja, in bestimmten medizinischen Situationen, wie zum Beispiel bei einer ungünstigen Lage des Kindes, bestimmten Vorerkrankungen der Mutter oder Plazentaproblemen, kann eine Wehenförderung kontraindiziert sein. Ihr Arzt oder Ihre Hebamme wird dies individuell beurteilen.

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