Warum tut Mein Steißbein weh wenn ich schwanger bin?

Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft: Linderung finden

30/04/2026

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Viele Frauen kennen das Gefühl nur zu gut: Ein dumpfer oder stechender Schmerz im Bereich des Steißbeins, besonders beim längeren Sitzen oder nach körperlicher Anstrengung. Ob in der Früh- oder Spätschwangerschaft oder sogar noch lange nach der Geburt – Steißbeinschmerzen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Doch Sie sind nicht allein mit diesem Problem. Dieses weitverbreitete Leiden betrifft zahlreiche werdende Mütter und Frauen nach der Entbindung. Die gute Nachricht ist, dass es in den allermeisten Fällen wirksame Wege gibt, diese Beschwerden zu lindern oder sogar ganz zu beseitigen. Lassen Sie uns gemeinsam die Ursachen ergründen und effektive Strategien entdecken, um Ihnen wieder mehr Wohlbefinden zu schenken.

Was tun wenn das Steißbein weh tut?
Mit einfachen Übungen können Sie Ihren Beckenboden stärken und so Steißbeinschmerzen entgegenwirken. Wärme kann ebenfalls gegen unangenehmes Ziehen im Steißbein helfen. Legen Sie sich ein Körnerkissen in den unteren Rücken oder gehen Sie in die - nicht zu heiße - Badewanne. Fragen Sie Ihre Hebamme nach speziellen Tapes gegen Steißbeinschmerzen.

Was sind Steißbeinschmerzen und warum treten sie in der Schwangerschaft auf?

Das Steißbein, auch Os coccygis genannt, bildet den untersten Abschluss unserer Wirbelsäule. Es besteht in der Regel aus vier bis fünf miteinander verwachsenen Wirbelkörpern und ist ein Überbleibsel des Schwanzes unserer Vorfahren. Obwohl es klein ist, spielt es eine wichtige Rolle beim aufrechten Sitzen und dient als Ansatzpunkt für zahlreiche Muskeln und Bänder im Beckenbereich. Schmerzen in dieser Region werden oft als dumpf, ziehend oder stechend beschrieben und können bis in angrenzende Rückenbereiche ausstrahlen. Besonders unangenehm werden sie beim Sitzen auf harten Oberflächen, beim Aufstehen oder beim Wechsel der Sitzposition.

In der Schwangerschaft verändert sich der weibliche Körper auf wundersame Weise, um Raum für das wachsende Leben zu schaffen. Diese Veränderungen sind zwar notwendig, können aber leider auch Beschwerden mit sich bringen. Eine Hauptursache für Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft sind die hormonellen Umstellungen. Hormone wie Relaxin und Progesteron werden in erhöhter Konzentration ausgeschüttet. Ihre Aufgabe ist es, Sehnen, Bänder und Gelenke im Beckenbereich zu lockern und weicher zu machen. Dies ist entscheidend, damit sich das Becken während der Geburt erweitern kann, um dem Baby den Weg in die Welt zu ebnen. Doch diese Lockerung betrifft nicht nur die für die Geburt relevanten Gelenke, sondern auch die um das Steißbein herum liegenden Strukturen. Die dadurch entstehende Instabilität kann zu Reizungen und Schmerzen führen.

Darüber hinaus übt die wachsende Gebärmutter mit zunehmender Schwangerschaftsdauer immer mehr Druck auf die umliegenden Strukturen aus. Das Gewicht des Babys, des Fruchtwassers und der Plazenta lastet auf dem Beckenboden und kann auch direkt auf das Steißbein einwirken. Dieser erhöhte Druck kann Nerven einklemmen, die Knochenhaut reizen oder sogar zu einer Prellung oder in seltenen Fällen zu einer Fraktur des Steißbeins führen. Auch der lumbosakrale Nervenplexus, ein komplexes Nervengeflecht im unteren Rückenbereich, kann durch den Druck beeinträchtigt werden, was ausstrahlende Schmerzen verursacht.

Die Schmerzen können zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Schwangerschaft auftreten. Im ersten Trimester sind sie oft auf die hormonelle Umstellung und die damit verbundene Lockerung der Gelenke zurückzuführen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass in seltenen Fällen Steißbeinschmerzen in der Frühschwangerschaft auch auf eine Eileiterschwangerschaft hindeuten können, die umgehend medizinisch abgeklärt werden muss. Im dritten Trimester verstärken sich die Beschwerden häufig durch das zunehmende Gewicht des Babys und den Druck, den es auf das Becken ausübt. Auch Senk- oder Vorwehen können sich als Schmerzen im Steißbeinbereich bemerkbar machen. Manchmal werden sogar echte Geburtswehen anfangs als Steißbeinschmerzen wahrgenommen, bevor sie sich ausbreiten und intensiver werden.

Steißbeinschmerzen nach Schwangerschaft und Geburt

Leider enden die Steißbeinschmerzen nicht immer mit der Geburt. Tatsächlich kann der Geburtsvorgang selbst eine erhebliche Belastung für das Steißbein darstellen. Während einer vaginalen Geburt wird enormer Druck auf das Steißbein ausgeübt, wenn der Kopf des Babys durch den Geburtskanal tritt. Dies kann zu Prellungen, Luxationen (Verrenkungen) oder in sehr seltenen Fällen sogar zu einer Fraktur des Steißbeins führen. Aber auch nach einem Kaiserschnitt können Frauen unter Steißbeinschmerzen leiden. Die hormonellen Veränderungen und die Belastung des Beckenbodens während der Schwangerschaft sind unabhängig von der Art der Entbindung und können auch nach einem Kaiserschnitt zu anhaltenden Beschwerden führen. Zudem können die veränderte Haltung, das Tragen des Babys und die oft sitzenden Stillpositionen die Schmerzen nach der Geburt weiter begünstigen.

Effektive Strategien gegen Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft und danach

Die gute Nachricht ist, dass Sie den lästigen Schmerzen nicht hilflos ausgeliefert sind. Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern und Ihr Wohlbefinden zu steigern.

1. Bewegung und gezielte Übungen

Eine starke Rumpfmuskulatur und ein gut trainierter Beckenboden sind essenziell, um den wachsenden Bauch zu stützen und den Druck auf das Steißbein zu minimieren. Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen können Wunder wirken. Es ist wichtig, Übungen zu wählen, die speziell für Schwangere geeignet sind und den Beckenboden nicht überlasten. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten, bevor Sie mit einem neuen Trainingsprogramm beginnen.

  • Schulterbrücke (Pelvic Tilt): Legen Sie sich auf den Rücken, die Knie sind angewinkelt, die Füße stehen hüftbreit auseinander flach auf dem Boden. Heben Sie langsam das Becken an, bis Schultern, Hüften und Knie eine gerade Linie bilden. Halten Sie die Position kurz und senken Sie das Becken langsam wieder ab. Diese Übung stärkt die Gesäß- und Rückenmuskulatur und entlastet das Steißbein.
  • Katze-Kuh (Cat-Cow): Gehen Sie in den Vierfüßlerstand. Atmen Sie ein und machen Sie einen Hohlrücken (Kuh-Position), während Sie den Kopf leicht anheben. Atmen Sie aus und machen Sie einen Rundrücken (Katze-Position), während Sie das Kinn zur Brust ziehen. Diese Übung mobilisiert die Wirbelsäule und kann Verspannungen im unteren Rücken lösen.
  • Beckenbodenübungen (Kegel-Übungen): Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur so an, als würden Sie den Urinstrahl anhalten. Halten Sie die Spannung für einige Sekunden und entspannen Sie dann langsam. Diese Übungen stärken den Beckenboden, der das Steißbein stützt und stabilisiert.

2. Haltung und Alltagstipps

Oft können kleine Anpassungen im Alltag eine große Wirkung haben. Vermeiden Sie langes und ununterbrochenes Sitzen, insbesondere auf harten Oberflächen. Wenn Sie viel sitzen müssen, stehen Sie regelmäßig auf, gehen Sie ein paar Schritte oder wechseln Sie die Position. Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist ebenfalls wichtig.

Ist eine Bauchmassage in der Schwangerschaft erlaubt?
In der frühen Schwangerschaft sollte aber von einer Massage abgesehen werden. Genauso ist auch eine Bauchmassage in der Schwangerschaft abzuraten. Schwangere, die unter bestimmten Erkrankungen leiden oder bei denen eine Risikoschwangerschaft eingestuft wurde, sollten vor einer Massage mit ihrem Frauenarzt sprechen.
  • Sitzringe oder Keilkissen: Spezielle Sitzkissen mit einer Aussparung für das Steißbein können den Druck beim Sitzen erheblich reduzieren. Auch weiche Keilkissen können helfen, die Beckenposition zu optimieren.
  • Schwangerschaftsgurte: Ein Bauchgurt kann das Gewicht des Bauches besser verteilen und so den Druck auf das Becken und das Steißbein verringern.
  • Vermeiden Sie das Überschlagen der Beine: Dies kann die Beckenstellung verändern und den Druck auf das Steißbein erhöhen.
  • Aufstehen und Hinsetzen: Achten Sie darauf, sich langsam und kontrolliert hinzusetzen und aufzustehen, um ruckartige Bewegungen zu vermeiden.

3. Wärme und sanfte Massagen

Wenn die Schmerzen von Verspannungen der umliegenden Muskulatur herrühren, können Wärme und Massagen Linderung verschaffen. Eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder ein Kirschkernkissen können die Durchblutung fördern und die Muskeln entspannen. Eine sanfte Massage des unteren Rückens und der Gesäßmuskulatur durch einen Partner oder, noch besser, durch einen Physiotherapeuten kann ebenfalls sehr wohltuend sein. Achten Sie darauf, dass der Masseur Erfahrung mit Schwangeren hat und keine direkten Druckpunkte auf das Steißbein ausübt.

4. Alternative Therapien

Manchmal sind die Ursachen der Steißbeinschmerzen komplexer und erfordern spezifischere Behandlungsansätze.

  • Osteopathie: Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die den Körper als Einheit betrachtet und versucht, Blockaden und Bewegungseinschränkungen zu lösen, die die Schmerzen verursachen. Ein Osteopath kann manuelle Techniken anwenden, um die Beweglichkeit des Beckens und des Steißbeins wiederherzustellen und Verspannungen in den umliegenden Geweben zu lösen. Viele Schwangere berichten von großer Erleichterung durch osteopathische Behandlungen.
  • Akupunktur: Bei Schmerzen, die durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden, kann Akupunktur eine wirksame Methode sein. Durch das Setzen feiner Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers können Schmerzen gelindert und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden. Viele Hebammen bieten Akupunktur an und sind erfahren in der Behandlung von schwangerschaftsbedingten Beschwerden.
  • Kinesiotaping: Das Anbringen von elastischen Kinesiotapes kann bei manchen Frauen eine vorübergehende Entlastung und Schmerzlinderung bewirken, indem es die Muskulatur unterstützt und die Durchblutung fördert.

5. Medikamentöse Unterstützung (mit Vorsicht)

In der Schwangerschaft ist die Einnahme von Medikamenten stets mit großer Vorsicht zu genießen, da viele Schmerzmittel auch Auswirkungen auf den Fötus haben können. Paracetamol gilt oft als das Mittel der Wahl bei leichten bis mäßigen Schmerzen in der Schwangerschaft, allerdings sollte auch hier die Einnahme nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt erfolgen und nur, wenn unbedingt notwendig. Ibuprofen sollte in der Schwangerschaft, insbesondere im dritten Trimester, vermieden werden. Eine Schmerztherapie durch Spritzen, wie sie außerhalb der Schwangerschaft manchmal angewendet wird, ist in der Schwangerschaft in der Regel nicht zu empfehlen.

Wann sollte ich ärztlichen Rat einholen?

Obwohl Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft häufig sind, gibt es Situationen, in denen Sie unbedingt einen Arzt oder Ihre Hebamme kontaktieren sollten:

  • Wenn die Schmerzen plötzlich, sehr stark und anhaltend sind.
  • Wenn die Schmerzen mit Fieber, Blutungen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen einhergehen.
  • Wenn Sie den Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft haben (starke einseitige Unterleibsschmerzen, Schmierblutungen, Schwindel).
  • Wenn die Schmerzen rhythmisch auftreten und sich wie Wehen anfühlen, insbesondere wenn sie regelmäßig und mehr als dreimal am Tag wiederkehren.
  • Wenn die Schmerzen so stark sind, dass sie Ihren Alltag massiv beeinträchtigen und Sie nicht mehr schlafen oder sich bewegen können.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Sind Steißbeinschmerzen ein frühes Schwangerschaftsanzeichen?

Nein, Steißbeinschmerzen sind kein typisches oder zuverlässiges frühes Anzeichen für eine Schwangerschaft. Auch wenn sie im Laufe der Schwangerschaft bei vielen Frauen auftreten können, sind sie kein Indikator für eine erfolgreiche Einnistung oder eine frühe Schwangerschaft. Es gibt viele andere Gründe für Steißbeinschmerzen, insbesondere in einer Gesellschaft, in der viele Menschen sitzende Tätigkeiten ausüben.

Gibt es bei Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot?

Ein allgemeines Beschäftigungsverbot aufgrund von Steißbeinschmerzen gibt es nicht. Allerdings kann ein Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen, wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind am Arbeitsplatz gefährdet ist. Dies wird immer im Einzelfall entschieden. Dazu wird der Arbeitsplatz fachmännisch beurteilt, ebenso wie die Stärke und Häufigkeit Ihrer Beschwerden. Es kann sein, dass Ihr Arbeitgeber verpflichtet ist, Ihnen einen angepassten Arbeitsplatz zuzuweisen, bei dem zum Beispiel weniger lange sitzende Tätigkeiten anfallen. Auch ein Teilzeitbeschäftigungsverbot, bei dem die tägliche Arbeitszeit verkürzt wird, ist eine mögliche Option.

Können Steißbeinschmerzen auf eine Fehlgeburt hindeuten?

In den meisten Fällen sind Steißbeinschmerzen kein Anzeichen für eine Fehlgeburt. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass sich echte Wehen im Anfangsstadium manchmal wie Schmerzen im Steißbeinbereich anfühlen können. Wenn die Schmerzen also plötzlich auftreten, dann wieder verschwinden und sich in regelmäßigen Abständen wiederholen (mehr als dreimal am Tag), sollten Sie aufmerksam werden und Ihre Hebamme oder Ihren Gynäkologen kontaktieren. Dies gilt insbesondere, wenn die Schmerzen von Blutungen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen begleitet werden.

Vergleich der Behandlungsmethoden bei Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft

MethodeVorteile für SchwangereNachteile / Wichtige Hinweise
Gezielte Übungen (Schwangerschaftsgymnastik, Beckenboden)Stärkt unterstützende Muskulatur, verbessert Haltung, ganzheitlicher Ansatz, fördert das allgemeine Wohlbefinden.Erfordert Disziplin und Regelmäßigkeit. Bei akuten, starken Schmerzen nicht immer sofort lindernd.
Sitzhilfen (Sitzring, Keilkissen)Sofortige Entlastung des Steißbeins beim Sitzen, einfach anzuwenden, kostengünstig.Nur beim Sitzen wirksam. Muss immer mitgeführt werden.
Wärme und sanfte MassagenEntspannt verspannte Muskulatur, fördert die Durchblutung, angenehm und nicht-invasiv.Nur bei muskulären Ursachen wirksam. Bei professioneller Massage Kostenübernahme klären.
OsteopathieGanzheitlicher, ursachenorientierter Ansatz, löst Blockaden im Beckenbereich, oft sehr effektiv bei Instabilität.Kostenübernahme durch Krankenkasse prüfen. Benötigt erfahrene Therapeuten.
AkupunkturKann gezielt Nervenschmerzen lindern, entspannend, oft von Hebammen angeboten.Wirkung individuell verschieden. Nicht für jeden geeignet. Kostenübernahme klären.
KinesiotapingGibt Unterstützung und Entlastung, verbessert die Durchblutung lokal, meist gut verträglich.Wirkung ist temporär und nicht bei allen Frauen gleich stark. Anbringung durch Fachpersonal empfohlen.
Medikamente (z.B. Paracetamol)Schnelle Schmerzlinderung bei akuten Beschwerden.Nur nach ärztlicher Rücksprache! Viele Schmerzmittel sind in der Schwangerschaft kontraindiziert oder nur eingeschränkt erlaubt.

Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft sind ein häufiges, aber meist gut zu behandelndes Problem. Nehmen Sie Ihre Schmerzen ernst und zögern Sie nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ob durch gezielte Übungen, angepasste Haltung im Alltag, sanfte Therapien wie Osteopathie und Akupunktur oder in Absprache mit Ihrem Arzt – es gibt viele Wege, um Ihnen zu helfen. Ihr Wohlbefinden in dieser besonderen Zeit ist von größter Bedeutung, und mit den richtigen Maßnahmen können Sie die Schwangerschaft und die Zeit danach wieder schmerzfreier und unbeschwerter genießen.

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