12/11/2025
Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) ist eine zentrale Säule der österreichischen Politik und prägt das Land seit über einem Jahrhundert maßgeblich. Gegründet im Jahr 1889 als Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) in Hainfeld, steht sie seit jeher für die Ideale einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft. Ihr Weg war oft steinig, geprägt von Verboten, Widerstand und tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen, doch stets blieb das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und Freiheit für alle im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Heute ist die SPÖ eine der einflussreichsten politischen Kräfte in Österreich und blickt auf eine reiche Geschichte voller Errungenschaften und Herausforderungen zurück. Dieser Artikel beleuchtet die Kernprinzipien, aktuellen Ziele und die bewegte Historie dieser bedeutenden Partei, die sich dem Wohl der Menschen und einer fairen Gesellschaft verschrieben hat.

- Die Leitprinzipien der SPÖ: Fundamente einer gerechten Gesellschaft
- Aktuelle Schwerpunkte und Ziele der Sozialdemokratie
- Die SPÖ zur Asylfrage: Menschlichkeit und faire Verteilung
- Mitgliederwerbung und Engagement für die Jugend
- Die bewegte Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Österreichs
- Gründung und frühe Jahre (bis 1918)
- Die Erste Republik (1918-1934): Aufbruch und Verbot
- Die Zeit der Illegalität (1934-1945)
- Die Zweite Republik (1945-1991): Wiederaufbau und Kreisky-Ära
- Die jüngere Geschichte (seit 1991): Herausforderungen und Neubeginn
- Tabelle: Wichtige SPÖ-Bundeskanzler und ihre Amtszeiten
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur SPÖ
Die Leitprinzipien der SPÖ: Fundamente einer gerechten Gesellschaft
Die Sozialdemokratie bekennt sich zu einem Gesellschaftsmodell, in dem Klassengegensätze überwunden sind und Probleme friedlich gelöst werden. Ziel ist es, dass sich die menschliche Persönlichkeit frei von Angst und Not entfalten kann. Vier zentrale Werte bilden das Fundament ihrer politischen Arbeit:
- Freiheit: Die SPÖ tritt für die Freiheit jedes Einzelnen im Sinne sozial verantworteter Selbstbestimmung ein. Sie versteht die Freiheit des Individuums als Voraussetzung für die Freiheit der gesamten Gesellschaft.
- Gleichheit: Jeder Mensch ist in seiner Einmaligkeit und Individualität gleichberechtigt und gleichwertig. Dies ist eine tiefe Überzeugung der Partei.
- Gerechtigkeit: Die Partei setzt sich für Gerechtigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen ein, insbesondere für eine gerechte Verteilung von Arbeit, Bildung, Einkommen und Vermögen.
- Solidarität: Als Basis für die politische Verwirklichung ihrer Ziele versteht die SPÖ Solidarität im Sinne von Rücksichtnahme auf den Nächsten und die Bereitschaft zu gemeinsamem Handeln. Sie bedeutet Verantwortung für die Gemeinschaft und die Verpflichtung, sich für andere einzusetzen.
Aktuelle Schwerpunkte und Ziele der Sozialdemokratie
In der aktuellen politischen Landschaft Österreichs konzentriert sich die SPÖ auf mehrere vordringliche Ziele, die darauf abzielen, das Leben der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zu verbessern und die Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten. Ein zentrales Anliegen ist die Schaffung einer Trendumkehr am Arbeitsmarkt. Die Partei ist überzeugt, dass eine leistungsfähige Gesellschaft nur mit einer starken Wirtschaft und einer möglichst niedrigen Arbeitslosenquote funktionieren kann. Daher setzt sie sich für Investitionen und Beschäftigungsprogramme durch die öffentliche Hand ein, wirbt aber auch verstärkt um private Investoren aus Handel und Industrie und schafft den entsprechenden gesetzlichen Rahmen für deren Erfolg.
Im Bildungsbereich strebt die Sozialdemokratie eine gemeinsame Schule für 10- bis 14-Jährige an. Internationale Beispiele, insbesondere aus Skandinavien, zeigen, dass dieses Modell zukunftsweisend ist. Es motiviert schwächere Schülerinnen und Schüler zu mehr Leistung, ohne die stärkeren zu bremsen. Die derzeitige Trennung der Schüler nach der Volksschule in verschiedene Schultypen führt aus Sicht der SPÖ zu einer frühzeitigen Spaltung in unterschiedliche Gesellschaftsgruppen, was in Zukunft vermieden werden soll.
Parteiintern verfolgt die SPÖ das Ziel, sich für eine breitere Bevölkerungsschicht zu öffnen. Sie möchte eine Partei sein, in der sich alle beteiligen und ihre Meinung einbringen können. Dies soll sicherstellen, dass die Partei nah an den Bedürfnissen der Menschen bleibt und in ihren Gremien die richtigen, zukunftsweisenden Entscheidungen trifft. Die Offenheit und Partizipation der Mitglieder sind dabei von entscheidender Bedeutung.
Die SPÖ zur Asylfrage: Menschlichkeit und faire Verteilung
Die SPÖ bekennt sich ausdrücklich zu den geltenden internationalen Verträgen im Rahmen des Flüchtlingswesens. Gleichzeitig ist der Partei klar, dass Österreich nicht dauerhaft die hohen Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre aufnehmen kann. Nationale Maßnahmen wie Grenzsicherung betrachtet die SPÖ lediglich als Plan B. Die bevorzugte Lösung liegt in einer effektiven Kontrolle der EU-Außengrenzen und einer fairen Aufteilung der Flüchtlinge auf ganz Europa. Dies soll im Rahmen eines gemeinsamen Kontingents mit der Türkei und unter Beteiligung aller EU-Länder über sogenannte Hotspots erfolgen. Die Solidarität Europas sei dabei unerlässlich, da Österreich und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg selbst internationale Hilfe in Anspruch genommen hätten, um ihren heutigen Wohlstand zu erreichen. Daher bekennt sich die SPÖ dazu, auch weiterhin Flüchtlinge im Ausmaß von 1,5 % der Gesamtbevölkerung bis 2019 aufzunehmen und ihnen gemäß der unterzeichneten internationalen Verträge Asyl zu gewähren. Die Partei setzt sich für eine gerechte Verteilung dieser Flüchtlinge auf alle Gemeinden in Österreich ein und betont die Notwendigkeit einer raschen Integration, die auch den frühzeitigen Zugang zum Arbeitsmarkt umfasst. Nur so kann eine Integration ohne Neid und Vorurteile in der Bevölkerung gelingen.
Mitgliederwerbung und Engagement für die Jugend
Die SPÖ ist tief in den Gemeinden verwurzelt. Alleine in Kärnten ist sie in allen 132 Gemeinden organisiert und kann auf rund 3.500 Funktionärinnen und Funktionäre zählen. Das Werben neuer Mitglieder findet daher täglich im persönlichen Gespräch statt, im direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ergänzend dazu nutzt die Partei moderne Medien wie Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke, um ihre Ziele, Werte und Ideen zu verbreiten. Wer diese Visionen teilt und unterstützen möchte, ist eingeladen, dem Freundes- und Gesinnungskreis beizutreten oder sich für die Umsetzung kurz- und mittelfristiger Ziele zu engagieren.
Die Jugend gilt der SPÖ als die Zukunft der Gesellschaft und erhält daher besondere Aufmerksamkeit. Die Partei legt höchsten Wert darauf, dass sich alle Jugendlichen in Österreich frei entwickeln und Zugang zu freier Bildung haben. Bildung muss unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses für alle gleich zugänglich sein. Der freie und kostenlose Zugang zu Bildung, inklusive Schulbüchern und Schülerfreifahrt, wurde bereits unter der ersten SPÖ-Alleinregierung unter Dr. Bruno Kreisky umgesetzt, und die SPÖ sieht sich auch weiterhin als Garant für diesen Zugang. Eine gute Ausbildung sichert die besten Chancen am Arbeitsmarkt und ermöglicht ein selbstständiges und finanziell abgesichertes Leben. Aus diesem Grund hat die SPÖ auch eine Ausbildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr umgesetzt, um diese Chance für alle Jugendlichen zu gewährleisten.
Jugendliche werden in der SPÖ aktiv in die Parteiarbeit und Meinungsbildung eingebunden. Innerhalb der Partei gibt es zwei große Jugendorganisationen: die Sozialistische Jugend (SJ) und die Junge Generation (JG), die in Kärnten in der SJG (Sozialistische Junge Generation) zusammengefasst sind. Diese Organisationen verfügen über eigene Statuten und eigenes Vereinsrecht, was ihnen volle Selbstbestimmung und -verwaltung garantiert. Die SJG ist zudem mit Sitz und Stimme in allen Gremien der SPÖ eingebunden und vertritt die Anliegen der jungen Menschen.
Die bewegte Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Österreichs
Gründung und frühe Jahre (bis 1918)
Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) wurde am 30. Dezember 1888 bis 1. Jänner 1889 auf dem Parteitag in Hainfeld, Niederösterreich, gegründet. Treibende Kraft hinter dieser Einigung war Victor Adler, dem es durch beträchtliche Investitionen in die Presse gelang, die unterschiedlichen Gruppierungen der österreichischen Arbeiterbewegung zu vereinen. Die Partei verstand sich als Vertretung der Arbeiterbewegung aller Königreiche und Länder Cisleithaniens und übernahm das marxistische Eisenacher Programm von 1869, das auf dem Kommunistischen Manifest basierte.

Victor Adler lenkte die Partei auf einen gemäßigten Kurs, bei dem das Kommunistische Manifest eher eine Zukunftsvision als eine unmittelbare Richtlinie darstellte. Das erste Zwischenziel war der Kampf um das Wahlrecht. Parallel dazu wurden Bildungs- und Sozialinstitutionen für die Arbeiterklasse gefördert, was den Zusammenhalt stärkte und zu steigenden Mitgliederzahlen führte, besonders in Wien, Böhmen, Mähren und den industriellen Gebieten der Steiermark, Ober- und Niederösterreichs. Ein markantes Ereignis war die erste 1.-Mai-Feier 1890 am Wiener Prater mit über 100.000 Teilnehmern, ein friedlicher Erfolg der österreichischen Arbeiterschaft. Der Wimberger-Parteitag 1897 war von Nationalitätenkonflikten geprägt, die zur Bildung nationaler Sektionen führten. 1899 wurde das Brünner Programm beschlossen, das die Reform des österreichischen Teils der Doppelmonarchie in einen demokratischen Bundesstaat vorsah. Mit der Durchsetzung des allgemeinen Männerwahlrechts im Jahr 1907 gelang Victor Adler ein historischer Kompromiss. Die SDAP wurde zweitstärkste Fraktion im Reichsrat und 1911 sogar stärkste. Trotz ihrer Friedensziele unterstützte die SDAP Österreichs in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs die Kriegspolitik. Erst unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution und des absehbaren Zusammenbruchs der Monarchie kam es 1917 zu einer Distanzierung von der Staatsführung.
Die Sozialdemokratische Frauenbewegung entstand parallel zur Partei. Obwohl das Hainfelder Programm Diskriminierung nach Geschlecht verurteilte, war keine Frau Delegierte. Dies führte 1890 zur Gründung eines eigenen „Arbeiterinnen-Bildungsvereins“ in Wien. Trotz repressiver Gesetze und Vorbehalte in der Partei wuchs die Bewegung rasch, auch dank der „Arbeiterinnen-Zeitung“ unter Adelheid Popp ab 1892. Nach Boykotten von Parteitagen und der Gründung eigener Frauengewerkschaften erkämpfte sich die Bewegung ihren Platz, und 1907 wurde eine reichsweite Sozialdemokratische Frauenorganisation gegründet, die 1909 als gleichwertig in die SDAP integriert wurde.
Die Erste Republik (1918-1934): Aufbruch und Verbot
Mit dem Ende der Monarchie trat die SDAP als erste Partei mit einem klaren Programm für eine parlamentarische Republik auf. Karl Renner wurde im Oktober 1918 zum Staatskanzler Deutschösterreichs gewählt. Am 12. November 1918 wurde die Republik ausgerufen. Von 1918 bis 1920 bildeten die Sozialdemokraten als stimmenstärkste Partei eine Große Koalition mit den Christlichsozialen. In dieser Zeit wurden wesentliche soziale Verbesserungen wie der Achtstundentag, die Gründung der Arbeiterkammer und das Betriebsrätegesetz verabschiedet. Karl Seitz, Otto Bauer und Karl Renner setzten einschneidende Reformen um. Otto Bauers Versuch, mit dem Austromarxismus eine Wiedervereinigung der reformistischen II. Internationale mit der kommunistischen III. Internationale zu erreichen, scheiterte.
Nachdem die Christlichsozialen 1920 die Nationalratswahlen gewonnen hatten, führte Otto Bauer die Partei in die Opposition, wo sie bis zu ihrem Verbot 1934 blieb. Besonders in Wien, dem „Roten Wien“, regierte die Sozialdemokratie unter den Bürgermeistern Jakob Reumann und Karl Seitz mit Zweidrittelmehrheit und entwickelte ein international beachtetes Gegenmodell zur konservativen Bundesregierung, vor allem durch den sozialen Wohnbau. Als Reaktion auf faschistische Heimwehren wurde 1923/1924 der „Republikanische Schutzbund“ gegründet. Das Linzer Programm von 1926, maßgeblich von Otto Bauer beeinflusst, verstärkte die Kluft zwischen „Rot“ und „Schwarz“ durch das Bekenntnis zur „Diktatur des Proletariats“, die jedoch auf demokratischem Weg erreicht werden sollte. Die Julirevolte 1927, ausgelöst durch den Freispruch der Schützen von Schattendorf, führte zu gewalttätigen Demonstrationen und der Brandstiftung des Justizpalastes, was das Land schockierte.
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf auch die Sozialdemokratie, was radikalen Ideologien wie dem Nationalsozialismus und Kommunismus in der Arbeiterschaft Auftrieb gab. Nach der sogenannten „Selbstausschaltung des Parlaments“ durch die Dollfuß-Regierung 1933 wurden politische Rechte sukzessive eingeschränkt. Das Verbot des Maiaufmarsches 1933 und der Versuch, den Schutzbund zu entwaffnen, führten am 12. Februar 1934 zum Februaraufstand. Am selben Tag wurde die Sozialdemokratische Partei verboten. Der Aufstand wurde bis zum 14. Februar niedergeschlagen, was das Ende der legalen Sozialdemokratie in der Ersten Republik markierte.
Die Zeit der Illegalität (1934-1945)
Nach dem Verbot 1934 wurde im „Ständestaat“ die Partei in den Untergrund gedrängt. Otto Bauer und Julius Deutsch gründeten in Brünn das Auslandsbüro der österreichischen Sozialdemokraten (ALÖS), das die geheim gegründeten Revolutionären Sozialisten (R.S.) unterstützte. Nach dem „Anschluss“ 1938 und der Verhaftung vieler Sozialisten sowie der Flucht jüdischer Funktionäre kam es zu einem organisatorischen Niedergang. Trotzdem bildeten sich lose Freundeskreise, die mit anderen Widerstandsbewegungen Kontakt aufnahmen, wie Karl Seitz und Adolf Schärf mit Kaplan Heinrich Maier. Prominente Sozialdemokraten wie Karl Renner passten sich zum Schutz an, wobei Renners Aussage zur Begrüßung des „Anschlusses“ nach dem Krieg als notwendige Tarnung erklärt wurde.
Die Zweite Republik (1945-1991): Wiederaufbau und Kreisky-Ära
Mitte April 1945, noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, wurde die Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) gegründet. Adolf Schärf wurde provisorischer Vorsitzender. Karl Renner nahm Verhandlungen mit der Sowjetarmee auf, die zur Bildung einer von der Besatzungsmacht akzeptierten Regierung führten. Am 27. April 1945 unterzeichneten SPÖ, ÖVP und KPÖ die Unabhängigkeitserklärung. Nach den ersten Nationalratswahlen 1945, bei denen die ÖVP die absolute Mehrheit erreichte, wurde Karl Renner der erste Bundespräsident der Zweiten Republik. Die SPÖ verfolgte einen gemäßigten, pragmatischen Kurs und wirkte in mehreren „großen Koalitionen“ mit der ÖVP mit. Sie setzte die Verstaatlichung vieler Betriebe durch und verbesserte die Lage der Arbeiterschaft. Die Partei spielte auch eine Rolle bei der Gründung des VdU (spätere FPÖ), um die ÖVP zu schwächen. 1950 mobilisierte der sozialistische Gewerkschafter Franz Olah erfolgreich gegen kommunistische „Oktoberstreiks“. 1955 erreichte die SPÖ gemeinsam mit der ÖVP den Staatsvertrag und den Abzug der Besatzungstruppen.
Die 1958 gegründete Junge Generation (JG) und die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ) spielten eine wichtige Rolle in der Jugendarbeit. Die Olah-Affäre 1964, bei der Franz Olah wegen Medienpolitik abseits der Parteigremien und Zahlungen an die FPÖ ausgeschlossen wurde, erschütterte die Partei. Von 1966 bis 1970 war die SPÖ in Opposition. 1967 wurde Bruno Kreisky gegen innerparteiliche Widerstände zum neuen Parteichef gewählt.

Die Ära Bruno Kreisky (1970-1983) war eine prägende Zeit für die SPÖ und Österreich. Kreisky, ein Medienstar, führte die SPÖ 1970 zu einer Minderheitsregierung mit FPÖ-Unterstützung und ab 1971 zu drei aufeinanderfolgenden absoluten Mehrheiten. Seine Regierungszeit war geprägt von weitreichenden sozial- und gesellschaftspolitischen Reformen: Einführung des Mutter-Kind-Passes, Karenzgeld, Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch, massive Reform des Strafrechts, Demokratisierung der Universitäten und Abschaffung der Studiengebühren. Wirtschaftspolitisch zeichnete sich die Ära Kreisky durch eine niedrige Arbeitslosenquote und den „Austrokeynesianismus“ aus. Die Aussöhnung mit der Römisch-katholischen Kirche und die Wahl des praktizierenden Katholiken Rudolf Kirchschläger zum Bundespräsidenten trugen ebenfalls zum Erfolg bei. Eine Kontroverse zwischen Kreisky und Finanzminister Hannes Androsch überschattete die späten Jahre. 1983, nach dem Verlust der absoluten Mehrheit, bildete Kreisky eine Koalition mit der FPÖ unter Fred Sinowatz.
1991, unter Franz Vranitzky, benannte sich die Partei von „Sozialistische Partei Österreichs“ in „Sozialdemokratische Partei Österreichs“ um, um sich zu modernisieren. 1994 entschied sich Österreich unter Vranitzky für den Beitritt zur Europäischen Union, ein großer Erfolg für die SPÖ, die lange Zeit EWG-kritisch gewesen war.
Die jüngere Geschichte (seit 1991): Herausforderungen und Neubeginn
Nach dem Rücktritt von Franz Vranitzky 1997 übernahm Viktor Klima das Kanzleramt. Die Jahre bis 1999 waren für die SPÖ von Wahlniederlagen und dem Aufstieg der FPÖ geprägt. Im Jahr 2000 ging die SPÖ trotz Wahlsiegs in die Opposition, da ÖVP und FPÖ eine Koalition bildeten. Alfred Gusenbauer wurde neuer Parteivorsitzender. Trotz einiger Rückschläge auf Bundesebene konnte die SPÖ in der Landespolitik Erfolge verzeichnen, etwa in Salzburg mit Gabi Burgstaller als Landeshauptfrau ab 2004 oder die Rückeroberung der absoluten Mehrheit im Burgenland 2005.
Der BAWAG-Skandal 2006 fügte der SPÖ Imageschaden zu, dennoch wurde sie ungeachtet der Ergebnisse sämtlicher seriöser Meinungsforschungsinstitute bei der Nationalratswahl im Oktober 2006 mit einem Stimmenanteil von 35,3 % (−2,2 %) und 68 Mandaten (−1) wieder zur bundesweit stimmenstärksten Partei und stärksten Parlamentsfraktion vor der Volkspartei mit 34,3 % (−8,0 %) und 66 Sitzen (−13). 2007 wurde Alfred Gusenbauer Bundeskanzler einer Großen Koalition mit der ÖVP. Interne Unzufriedenheit und weitere Wahlniederlagen führten jedoch 2008 zur Ablösung Gusenbauers durch Werner Faymann als Parteivorsitzenden.
Werner Faymann führte die SPÖ als Kanzler in einer erneuten Großen Koalition. Seine Amtszeit war von weiteren Verlusten bei Wahlen geprägt, bis 2013 ein Stimmenzuwachs bei der Kärntner Landtagswahl Peter Kaiser zum Landeshauptmann machte. Trotzdem folgten weitere schwere Niederlagen, die zu parteiinternen Krisen führten. Nach dem schlechten Ergebnis bei der Bundespräsidentenwahl 2016 trat Faymann zurück. Christian Kern wurde sein Nachfolger als Kanzler und Parteivorsitzender.
Nach dem Zerbrechen der Großen Koalition 2017 ging die SPÖ erneut in Opposition. Pamela Rendi-Wagner wurde 2018 als erste Frau in der Geschichte der Partei zur Parteivorsitzenden gewählt. Ihre Amtszeit war von parteiinternen Querelen und weiteren Wahlniederlagen geprägt, einschließlich des historisch schlechtesten Ergebnisses bei der Nationalratswahl 2019. Interne Debatten führten 2023 zu einer Mitgliederbefragung über den Parteivorsitz, bei der Andreas Babler überraschend gewann. Er wurde auf einem außerordentlichen Parteitag am 3. Juni 2023 zum neuen Vorsitzenden gewählt, ein Ergebnis, das von Turbulenzen bei der Auszählung begleitet war, aber schlussendlich bestätigt wurde.
Unter Andreas Babler startete die SPÖ eine Sommertour und präsentierte Pläne für eine Erbschaftssteuer. Bei der Nationalratswahl 2024 erzielte die Partei das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte, konnte aber paradoxerweise ein Mandat hinzugewinnen. Nach langen Verhandlungen ist die SPÖ nach 2017 wieder als Juniorpartner an der Bundesregierung Stocker beteiligt, wobei Andreas Babler das Amt des Vizekanzlers innehat.
Tabelle: Wichtige SPÖ-Bundeskanzler und ihre Amtszeiten
| Name | Amtszeit als Bundeskanzler | Wichtige Ereignisse / Reformen |
|---|---|---|
| Karl Renner | 1918–1920 (Staatskanzler), 1945 (Staatskanzler) | Gründung der Ersten Republik, Achtstundentag, Staatsvertrag 1955 (als Bundespräsident) |
| Bruno Kreisky | 1970–1983 | Absolute Mehrheiten, Mutter-Kind-Pass, Fristenlösung, Demokratisierung der Universitäten |
| Fred Sinowatz | 1983–1986 | Rot-blaue Koalition (mit FPÖ) |
| Franz Vranitzky | 1986–1997 | Große Koalition mit ÖVP, EU-Beitritt Österreichs |
| Viktor Klima | 1997–2000 | Fortsetzung der Großen Koalition |
| Alfred Gusenbauer | 2007–2008 | Große Koalition mit ÖVP |
| Werner Faymann | 2008–2016 | Große Koalition mit ÖVP, Wirtschaftskrise, Flüchtlingskrise |
| Christian Kern | 2016–2017 | Ende der Großen Koalition, Neuwahlen |
| Andreas Babler | Seit 2025 (Vizekanzler in Regierung Stocker) | Parteivorsitzender seit 2023, Fokus auf Erbschaftssteuer, aktuell Vizekanzler |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur SPÖ
- Wer war der Gründer der SPÖ?
- Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), der Vorläufer der SPÖ, wurde maßgeblich von Victor Adler gegründet. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Einigung der verschiedenen Arbeitergruppierungen auf dem Hainfelder Parteitag 1888/1889.
- Wann wurde die SPÖ verboten?
- Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) wurde am 12. Februar 1934 im Zuge des Februaraufstandes von der Dollfuß-Regierung verboten. Sie war auch während der NS-Diktatur (1938-1945) illegal tätig.
- Was sind die Kernwerte der SPÖ?
- Die SPÖ basiert auf den Werten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Diese Prinzipien leiten ihr Streben nach einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft ohne Privilegien und Herrschaftsverhältnisse.
- Wie positioniert sich die SPÖ zur gemeinsamen Schule?
- Die SPÖ strebt eine gemeinsame Schule für 10- bis 14-Jährige an. Sie ist davon überzeugt, dass dieses Modell, wie internationale Beispiele zeigen, schwächere Schülerinnen und Schüler motiviert und eine frühzeitige soziale Spaltung verhindert.
- Welche Rolle spielte Bruno Kreisky für die SPÖ?
- Bruno Kreisky prägte die SPÖ von 1970 bis 1983 als Bundeskanzler und Parteivorsitzender. Unter seiner Führung erreichte die Partei dreimal in Folge die absolute Mehrheit und setzte weitreichende sozial- und gesellschaftspolitische Reformen um, darunter den Mutter-Kind-Pass, die Fristenlösung und die Abschaffung der Studiengebühren. Seine Ära gilt als eine der erfolgreichsten der österreichischen Sozialdemokratie.
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