13/05/2022
Während der kalten und dunklen Monate zieht es viele Menschen in die wohltuende Wärme der Sauna. Oft steht dabei der Wunsch nach Entspannung und einer Auszeit vom Alltag im Vordergrund. Doch neben dem reinen Wohlbefinden ranken sich auch zahlreiche Mythen um die gesundheitlichen Vorteile des regelmäßigen Saunierens. Es heißt, die Sauna stärke die Abwehrkräfte, rege den Kreislauf an und könne sogar das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen. Doch was ist dran an diesen Behauptungen, insbesondere für Personen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzleiden? Die Frage, ob ein Saunagang in solchen Fällen tatsächlich förderlich oder eher schädlich ist, verunsichert viele. Dieser Artikel beleuchtet die gesundheitlichen Aspekte der finnischen Sauna und gibt wichtige Hinweise, wie Sie sicher und bewusst saunieren können.
Die finnische Sauna ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der nordischen Kultur und wird weltweit für ihre entspannende und reinigende Wirkung geschätzt. Die hohen Temperaturen, oft zwischen 70 und 100 Grad Celsius, in Kombination mit der geringen Luftfeuchtigkeit und den anschließenden Abkühlphasen, setzen eine Kette von körperlichen Reaktionen in Gang, die sich auf vielfältige Weise auf die Gesundheit auswirken können. Für gesunde Menschen kann regelmäßiges Saunieren eine Bereicherung sein. Es trägt zur Stärkung des Immunsystems bei, da der Körper durch die Hitze eine Art künstliches Fieber erzeugt, das die Produktion von weißen Blutkörperchen anregen kann. Auch die Durchblutung wird gefördert, was sich positiv auf Haut und Muskeln auswirken kann. Die tiefe Entspannung, die ein Saunagang mit sich bringt, hilft zudem beim Stressabbau und kann die Schlafqualität verbessern. Die Poren öffnen sich, Schweißdrüsen werden aktiviert, und der Körper scheidet über den Schweiß Giftstoffe aus, was zu einem Gefühl der Reinheit und Frische führt.
Doch die Frage nach der Verträglichkeit für das Herz-Kreislauf-System ist komplexer. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen ist Vorsicht geboten. Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer, betont die Notwendigkeit einer ärztlichen Rücksprache: „Wer unter einer ärztlich diagnostizierten Herzerkrankung leidet, sollte in jedem Fall vor dem Besuch einer Sauna mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten.“ Nur ein Experte kann fundiert beurteilen, ob und unter welchen Bedingungen ein Saunabesuch empfehlenswert ist. Ein Belastungs-EKG kann hierbei wichtige Aufschlüsse geben. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere mit koronarer Herzkrankheit (KHK), sollten demnach eine Belastung von 75 Watt auf dem Fahrradergometer gut bewältigen können, bevor sie einen Saunagang in Betracht ziehen.
Es ist entscheidend zu verstehen, dass ein Saunagang für den Körper zunächst eine erhebliche Stresssituation darstellt. Bei Temperaturen von 70 bis 80 Grad Celsius, wie sie in einer finnischen Sauna üblich sind, erwärmt sich der Körper innerhalb von etwa 15 Minuten um bis zu zwei Grad. Gleichzeitig arbeitet der Organismus intensiv daran, die Kerntemperatur von etwa 37 Grad konstant zu halten. Diese Anpassungsleistung erfordert eine starke Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems. Die Blutgefäße erweitern sich massiv, um die Wärmeabgabe zu fördern, was zu einem Absinken des Blutdrucks führt. Gleichzeitig steigt der Puls an, um das erweiterte Gefäßsystem ausreichend mit Blut zu versorgen. Diese Mehrbelastung des Herzens kann für gesunde Personen in der Regel problemlos bewältigt werden. Liegt jedoch eine Herzschwäche, eine Herzrhythmusstörung oder eine andere Form der Herzerkrankung vor, kann der Körper schnell an seine Belastungsgrenzen stoßen. Die Gefahr einer Überforderung ist real und sollte keinesfalls unterschätzt werden.
Um das Saunieren so sicher und gesundheitsfördernd wie möglich zu gestalten, gibt es einige wichtige Empfehlungen, insbesondere für Saunaneulinge und Personen mit gesundheitlichen Bedenken.
Langsame Gewöhnung und moderate Hitze:
Dr. Marschall rät dazu, den Körper schrittweise an die Sauna zu gewöhnen. Ein idealer Einstieg ist oft die Dampfsauna, die im Vergleich zur klassischen finnischen Sauna weniger heiß ist. In einer Dampfsauna liegen die Temperaturen typischerweise zwischen 45 und 60 Grad Celsius, während die Luftfeuchtigkeit deutlich höher ist. Diese Bedingungen sind für den Körper oft leichter zu tolerieren und ermöglichen eine sanftere Anpassung an die Hitze. Auch die Dauer des ersten Saunierens sollte moderat gewählt werden. Maximal fünf Minuten sind für den Anfang völlig ausreichend. Wer diese kurze Zeit gut verträgt, kann die Dauer über einen längeren Zeitraum langsam steigern. Es geht darum, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören und ihn nicht zu überfordern.
Richtiges Abkühlen ist entscheidend:
Nach dem Saunagang ist die Abkühlphase ebenso wichtig wie der Aufenthalt in der Hitze. Hierbei ist jedoch größte Vorsicht geboten, insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen. Das plötzliche Eintauchen in ein kaltes Tauchbecken oder eine eiskalte Schwalldusche kann für den Körper einen Schock bedeuten. Durch die Hitze haben sich die Blutgefäße maximal geweitet. Ein schlagartiges Abkühlen führt zu einem sehr schnellen und starken Zusammenziehen dieser Gefäße. Das große Blutvolumen, das nun plötzlich durch engere Bahnen gepresst werden muss, verursacht einen rapiden Anstieg des Blutdrucks, was das Herz extrem belasten kann. Besser geeignet ist eine langsame und schrittweise Abkühlung. Gehen Sie langsam an der frischen Luft umher oder nehmen Sie eine lauwarme Dusche. Beginnen Sie dabei mit den Extremitäten und arbeiten Sie sich langsam zum Rumpf vor. Dies ermöglicht dem Körper eine sanftere Anpassung und minimiert das Risiko einer Kreislaufüberlastung.
Hydration und Aufgüsse:
Während des Saunierens verliert der Körper durch Schwitzen viel Flüssigkeit. Es ist daher essenziell, auch während des Saunierens ausreichend zu trinken, insbesondere für Patienten mit Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen. Wasser oder ungesüßte Tees sind hier die besten Optionen. Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten zudem grundsätzlich auf Saunaaufgüsse verzichten. Die plötzliche Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur durch den Aufguss kann eine zusätzliche Belastung für den Kreislauf darstellen und den Körper unnötig stressen.
Um die Unterschiede und die Eignung der verschiedenen Saunaarten besser zu verdeutlichen, hier ein Vergleich zwischen der klassischen finnischen Sauna und der Dampfsauna:
| Merkmal | Finnische Sauna | Dampfsauna |
|---|---|---|
| Temperatur | 70 - 100 °C | 45 - 60 °C |
| Luftfeuchtigkeit | Gering (10-30%) | Sehr hoch (80-100%) |
| Empfinden | Trockene, intensive Hitze | Feuchte, sanfte Wärme |
| Schweißbildung | Stark | Intensiv (durch hohe Luftfeuchtigkeit) |
| Kreislaufbelastung | Hoch | Mittel bis gering |
| Einstieg für Anfänger | Weniger geeignet | Sehr gut geeignet |
| Empfehlung Herzpatienten | Nur nach ärztl. Rücksprache, oft weniger geeignet | Oft besser verträglich, aber immer ärztl. Rücksprache |
| Wirkung | Starke Anregung von Kreislauf und Immunsystem | Gut für Atemwege, Hautpflege, sanfte Entspannung |
Neben den bereits genannten Effekten auf Immunsystem und Kreislauf bietet das Saunieren weitere Vorteile. Die Wärme entspannt die Muskulatur und kann bei Verspannungen und leichten Schmerzen lindernd wirken. Durch die verbesserte Durchblutung wird die Haut besser mit Nährstoffen versorgt, was zu einem frischeren und gesünderen Teint führen kann. Viele Saunagänger berichten auch von einer positiven Wirkung auf die Atemwege, insbesondere bei Erkältungen oder chronischen Atemwegserkrankungen, da die Wärme und die (im Dampfbad) feuchte Luft Schleimhäute befeuchten und das Abhusten erleichtern können. Nicht zuletzt ist der Saunabesuch eine hervorragende Möglichkeit zum mentalen Ausgleich und zum Stressabbau. Das bewusste Abschalten vom Alltag, die Ruhe und die Wärme tragen maßgeblich zum seelischen Wohlbefinden bei.
Häufig gestellte Fragen zum Saunieren
Um die häufigsten Unsicherheiten rund um das Thema Sauna auszuräumen, haben wir hier einige oft gestellte Fragen beantwortet:
F: Wer sollte grundsätzlich nicht in die Sauna gehen?
A: Personen mit akuten Infekten (Fieber, Grippe), schweren Herzerkrankungen (ohne ärztliche Freigabe), akuten Entzündungen, offenen Wunden, Epilepsie oder bestimmten Nierenerkrankungen sollten auf einen Saunabesuch verzichten. Bei Unsicherheit immer den Arzt konsultieren.

F: Wie oft sollte man saunieren?
A: Für gesunde Menschen ist ein bis zwei Saunagänge pro Woche ideal, um die positiven Effekte zu erzielen. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Regelmäßigkeit.
F: Was sollte man vor und nach dem Saunagang beachten?
A: Vor dem Saunagang duschen und abtrocknen. Leichtes Essen ist erlaubt, aber kein voller Magen. Nach dem Saunagang ist eine gründliche Abkühlung wichtig, gefolgt von ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
F: Ist die Sauna gut bei Erkältung?
A: Bei beginnender Erkältung ohne Fieber kann ein Saunagang das Immunsystem anregen. Bei Fieber, Husten oder Schnupfen sollte man die Sauna meiden, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten und andere Saunagäste nicht anzustecken.
F: Kann Sauna den Blutdruck senken?
A: Während des Saunagangs sinkt der Blutdruck zunächst aufgrund der Gefäßerweiterung. Nach der Abkühlung steigt er wieder an. Langfristig kann regelmäßiges Saunieren bei gesunden Menschen zu einer besseren Blutdruckregulation beitragen, bei bestehendem Bluthochdruck ist aber unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.
F: Welche Utensilien brauche ich für die Sauna?
A: Ein großes Saunatuch zum Unterlegen auf der Bank, ein kleineres Handtuch zum Abtrocknen, Badeschuhe, eventuell ein Bademantel und ausreichend zu trinken (Wasser, ungesüßter Tee).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die finnische Sauna für gesunde Menschen eine wunderbare Möglichkeit ist, Körper und Geist zu stärken und zu entspannen. Sie kann das Immunsystem unterstützen, die Durchblutung fördern und Stress abbauen. Für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Vorerkrankungen ist jedoch höchste Vorsicht geboten. Die Belastung für das Herz ist nicht zu unterschätzen. Eine ärztliche Rücksprache ist in diesen Fällen unerlässlich, um potenzielle Risiken auszuschließen und individuelle Empfehlungen zu erhalten. Beginnen Sie stets moderat, achten Sie auf eine langsame Abkühlung und hören Sie auf die Signale Ihres Körpers. Mit dem richtigen Wissen und der nötigen Vorsicht kann der Saunabesuch auch für Sie zu einem gesunden und wohltuenden Ritual werden.
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