Wie gefährlich ist eine Sauna?

Sauna im Winter: Immun-Booster oder Tabu?

05/04/2026

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Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt nicht nur die gemütliche Zeit der Kerzen und heißen Getränke, sondern auch die gefürchtete Erkältungssaison. Viele suchen nach Wegen, um sich vor den allgegenwärtigen Viren zu schützen oder zumindest die Symptome zu lindern. Ein bewährtes Ritual, das oft in den Fokus rückt, ist der regelmäßige Saunabesuch. Doch ist die Sauna wirklich ein Allheilmittel gegen Schnupfen und Husten, oder gibt es Situationen, in denen das Schwitzen eher kontraproduktiv sein kann? Tauchen wir ein in die Welt der heißen Dämpfe und klären, wann die Sauna Ihr treuer Begleiter für ein starkes Immunsystem ist und wann Sie lieber auf Abstand gehen sollten.

Was passiert wenn man in der Sauna angesteckt wird?
Nicht zu vergessen — andere Gäste in der Sauna könnten angesteckt werden. Besonders gefährlich wird es dann, wenn die Bakterien sich am Herz festsetzen. Herzklappen- oder Herzmuskelentzündungen können somit infolge von Sport während oder nach der Antibiotikaeinnahme beziehungsweise der (bakteriellen) Erkrankung entstehen.
Inhaltsverzeichnis

Die Sauna als Immunsystem-Booster: Ein Wintermärchen?

Der regelmäßige Gang in die Sauna wird seit Langem für seine vielfältigen gesundheitlichen Vorteile geschätzt. Abseits der entspannenden Wirkung auf Körper und Geist dient das heiße Ritual dazu, unser Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System zu stärken. Es ist weit mehr als nur eine Methode zur Entspannung; es ist ein gezieltes Training für den Körper. Durch den Wechsel von extremen Temperaturen – dem heißen Saunagang und der anschließenden kalten Abkühlung – wird der Körper einem intensiven Reiz ausgesetzt. Diese Temperaturschwankungen trainieren die Gefäße und regen die Durchblutung an, was wiederum die Abwehrkräfte des Körpers mobilisiert. Es ist, als würde man dem Körper einen kleinen, kontrollierten Stressimpuls geben, auf den er mit einer Stärkung seiner Resilienz reagiert.

Professor Christian Weiß, Chefarzt der Klinik für Kardiologie des Klinikums Lüneburg und selbst ein überzeugter Saunagänger, betont die präventive Kraft der Sauna: „Bei gesunden Menschen, die regelmäßig in die Sauna gehen, kann das sogar das Leben verlängern.“ Dieser Effekt resultiert aus der kontinuierlichen Anpassung des Körpers an die wechselnden Bedingungen. Die erhöhte Körpertemperatur während des Saunierens, die der eines Fiebers ähnelt, kann die Produktion von weißen Blutkörperchen anregen, die entscheidend für die Bekämpfung von Krankheitserregern sind. Der anschließende Kälteschock durch kaltes Wasser wirkt wie ein „Booster“ für das Immunsystem, indem er eine schnelle Reaktion des Körpers hervorruft und die körpereigenen Abwehrkräfte schärft. Wer also konsequent sauniert, kann tatsächlich seltener von Erkältungen heimgesucht werden und gestärkt durch die kalte Jahreszeit gehen.

Herzgesundheit und Sauna: Was der Kardiologe sagt

Die Vorstellung, dass die Sauna eine große Belastung für das Herz darstellt, hält sich hartnäckig. Doch Professor Weiß räumt mit diesem Mythos auf. Er erklärt, dass die Körperoberfläche sich nur um etwa ein bis eineinhalb Grad erwärmt und die Belastung für das Herz als „leicht bis mittelschwer“ einzustufen ist. Entgegen vieler Befürchtungen rät der Kardiologe sogar vielen seiner Herzpatienten zur Sauna, natürlich immer abhängig vom individuellen Fall und nach ärztlicher Rücksprache. „Viele meiner Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, fragen danach“, sagt er. „Wir verbieten heute nicht mehr alles, was Spaß macht. Es geht auch um die Lebensqualität.“

Für Patienten mit Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche ist die Sauna nicht grundsätzlich tabu, und selbst ein Herzschrittmacher hält die hohen Temperaturen problemlos aus. Auch bei Bluthochdruck kann der Schwitzgang unterstützend wirken, da die Wärme die Gefäße erweitert und den Blutdruck vorübergehend senken kann. Ebenso können Hautprobleme von den positiven Effekten der Sauna profitieren. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, dass bei jeder bestehenden Erkrankung, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stets der behandelnde Hausarzt oder Kardiologe konsultiert wird, bevor man mit dem Saunieren beginnt. Eine individuelle Risikobewertung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Sauna eine sichere und vorteilhafte Ergänzung zum Gesundheitsmanagement darstellt. Die Kombination aus körperlicher Aktivität und regelmäßigen Saunabesuchen wird von Experten als doppeltes Präventionsprogramm für ein gesundes Herz empfohlen.

Achtung bei akuten Erkältungen: Wann die Sauna zum Feind wird

Obwohl die Sauna präventiv das Immunsystem stärken kann, gibt es eine ganz klare Ausnahme: der akuter Infekt. Viele Menschen glauben fälschlicherweise, ein Saunabesuch könne eine aufkommende Erkältung „ausschwitzen“ oder „im Keim ersticken“. Dies ist jedoch ein gefährlicher Irrtum. Professor Weiß warnt eindringlich: „Das ist eher kontraproduktiv und kann die Erkältung sogar verlängern. Deshalb sollte man sich zuerst gut auskurieren.“

Ein Saunabesuch während einer Erkältung, insbesondere wenn Symptome wie Fieber, starker Husten, Gliederschmerzen oder ausgeprägte Müdigkeit vorliegen, belastet den bereits geschwächten Körper zusätzlich. Die Hitze und die damit verbundene Kreislaufreaktion können den Organismus überfordern, das Herz-Kreislauf-System unnötig strapazieren und die Genesung verzögern. Im schlimmsten Fall kann sich eine einfache Erkältung zu einer schwerwiegenderen Erkrankung wie einer Herzmuskelentzündung entwickeln, wenn der Körper unter Belastung steht. Die Sauna ist in diesem Zustand kein Heilmittel, sondern ein potenzielles Risiko. Der Körper benötigt Ruhe und Erholung, um die Viren zu bekämpfen und sich zu regenerieren. Saunieren sollte erst wieder in Erwägung gezogen werden, wenn die Symptome vollständig abgeklungen sind und man sich wieder fit fühlt. Im Zweifelsfall ist es immer ratsam, vor dem Saunabesuch einen Arzt zu konsultieren.

Richtig saunieren: Tipps für Anfänger und Profis

Damit der Saunabesuch seine volle positive Wirkung entfalten kann, ist die richtige Vorgehensweise entscheidend. Es geht nicht um Leistung, sondern um das Wohlbefinden. Professor Weiß betont: „In der Sauna gilt kein Leistungsprinzip. Jeder sollte nur so lange und so intensiv saunieren, wie er sich noch wohlfühlt.“ Weder die oft angegebene 90-Grad-Temperatur noch die 15 Minuten der Saunasanduhr sind eine Pflicht. Hören Sie auf Ihren Körper.

Hier sind einige wichtige Tipps:

  • Regelmäßigkeit ist der Schlüssel: Für einen nachhaltigen positiven Effekt ist es wichtig, regelmäßig – etwa einmal die Woche oder auch öfter – zu saunieren.
  • Sitzhöhe anpassen: Je höher man in der Sauna sitzt, desto heißer ist die Luft. Anfänger sollten zunächst auf den unteren Bänken Platz nehmen und sich langsam an die Hitze gewöhnen.
  • Die Abkühlung: Nach dem Saunagang ist die Abkühlung entscheidend. Der Wechsel aus Hitze und Kälte trainiert die Gefäßmuskulatur intensiv. Wer die eiskalte Schwalldusche (noch) als zu viel empfindet, kann sich langsam abkühlen, indem er zum Beispiel in einem kühlen Raum umherläuft oder die Beine mit einer Handbrause abduscht. Die Abkühlung ist der „Booster“ für das Immunsystem.
  • Pausen einlegen: Sowohl für Neulinge als auch für erfahrene Saunagänger sind die Ruhephasen zwischen den Saunagängen und nach dem letzten Gang besonders wichtig. Gönnen Sie Ihrem Körper Zeit zur Entspannung und Regeneration.
  • Ausreichend trinken: Durch das Schwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit. Achten Sie darauf, vor und nach dem Saunieren ausreichend Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen.
  • Auf den Körper hören: Wenn Sie sich unwohl fühlen, schwindlig werden oder Herzklopfen bekommen, verlassen Sie die Sauna sofort. Ihr Wohlbefinden hat immer oberste Priorität.

Sauna und Langlebigkeit: Was die Forschung beweist

Die positiven Auswirkungen des regelmäßigen Saunierens auf die Gesundheit sind nicht nur subjektiv spürbar, sondern auch wissenschaftlich belegt. Professor Weiß verweist auf eine beeindruckende Studie aus Finnland, dem Mutterland der Sauna, die den lebensverlängernden Effekt des regelmäßigen Schwitzens nachgewiesen hat. Die Studie zeigte, dass bei Teilnehmern, die jede Woche dreimal in der Sauna schwitzten, ein messbarer Effekt auf die Lebenserwartung festzustellen war.

Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung der Sauna als integralen Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Die Kombination aus der Stärkung des Immunsystems, der positiven Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und der mentalen Entspannung trägt maßgeblich zur allgemeinen Resilienz des Körpers bei. Es ist die Synergie dieser Effekte, die die Sauna zu einem wertvollen Werkzeug für die Gesundheitsvorsorge und zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens macht. Wer also langfristig gesund und vital bleiben möchte, sollte die Sauna als festen Bestandteil seines Lebens in Betracht ziehen. Am besten für ein gesundes Herz sei es, sich eine Kombination aus Kardiotraining und regelmäßigen Saunagängen anzugewöhnen, so der Experte.

Sauna: Eine Gegenüberstellung

Um die wichtigsten Aspekte des Saunierens zusammenzufassen, hilft diese Gegenüberstellung:

AspektSauna bei Gesundheit und PräventionSauna bei akuter Erkältung / Infekt
ZielStärkung des Immunsystems, Herz-Kreislauf-Training, Stressabbau, Förderung der Lebensqualität.Vermeidung weiterer Belastung, Erholung, Genesung.
EmpfehlungUneingeschränkt empfohlen (bei Herzpatienten nach ärztlicher Absprache). Regelmäßige Anwendung (z.B. 1x wöchentlich).Klares Tabu! Unbedingt vermeiden, bis alle Symptome abgeklungen sind.
WirkungAnregung der Abwehrkräfte, Verbesserung der Durchblutung, Training der Gefäße, Entspannung der Muskulatur.Zusätzliche Belastung für den geschwächten Körper, Risiko der Verschlimmerung des Infekts, potenzielle Herzbelastung.
Besondere HinweiseAuf den Körper hören, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, langsame Abkühlung für Anfänger.Ruhe bewahren, viel trinken, ärztlichen Rat einholen, falls Symptome sich verschlimmern.

Häufig gestellte Fragen zum Saunieren

Kann ich mit einer leichten Erkältung in die Sauna gehen?

Nein, es wird dringend davon abgeraten, mit einer Erkältung, selbst wenn sie nur leicht erscheint, in die Sauna zu gehen. Auch wenn Sie nur einen leichten Schnupfen oder ein Kratzen im Hals spüren, ist Ihr Immunsystem bereits damit beschäftigt, die Erreger zu bekämpfen. Die Hitze der Sauna stellt eine zusätzliche Belastung für den Körper dar und kann die Genesung verzögern oder sogar zu einer Verschlimmerung der Symptome führen. Es besteht auch die Gefahr, andere Saunagänger anzustecken. Warten Sie, bis Sie vollständig genesen sind und sich wieder fit fühlen.

Wie oft sollte ich in die Sauna gehen, um mein Immunsystem zu stärken?

Für einen messbaren positiven Effekt auf das Immunsystem und die allgemeine Gesundheit wird eine Regelmäßigkeit empfohlen. Idealerweise sollte man ein- bis zweimal pro Woche in die Sauna gehen. Eine finnische Studie deutet sogar darauf hin, dass dreimal wöchentliches Saunieren die Lebenserwartung positiv beeinflussen kann. Wichtig ist dabei, dass der Saunagang als angenehm empfunden wird und nicht als Zwang oder Leistung.

Ist die Sauna auch für Herzpatienten sicher?

Ja, in vielen Fällen kann die Sauna auch für Herzpatienten sicher und sogar vorteilhaft sein. Moderne kardiologische Empfehlungen sind hier offener als früher. Ein Lüneburger Kardiologe bestätigt, dass die Belastung für das Herz gering bis mittelschwer ist. Allerdings ist eine individuelle Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Kardiologen unerlässlich. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie akuten Herzrhythmusstörungen oder instabiler Angina Pectoris kann die Sauna kontraindiziert sein. Bei einem Herzschrittmacher ist die Sauna in der Regel unbedenklich. Hören Sie immer auf den Rat Ihres Arztes.

Worauf sollte ich als Sauna-Anfänger achten?

Als Sauna-Anfänger sollten Sie langsam beginnen. Wählen Sie niedrigere Temperaturen oder nehmen Sie auf den unteren Bänken Platz. Bleiben Sie nicht länger als 8-10 Minuten im Saunaraum und beenden Sie den Saunagang, sobald Sie sich unwohl fühlen. Die Abkühlung sollte schrittweise erfolgen, zum Beispiel durch Gehen an der frischen Luft oder eine lauwarme Dusche, bevor Sie sich an kälteres Wasser wagen. Planen Sie zwischen den Gängen und nach dem letzten Gang ausreichend Ruhephasen ein und trinken Sie viel Wasser, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Hilft die Sauna gegen Stress?

Absolut. Der Saunabesuch ist nicht nur körperlich, sondern auch mental wohltuend. Die Wärme entspannt die Muskulatur und hilft, Verspannungen zu lösen. Die ruhige Atmosphäre in der Sauna, oft ohne Ablenkung durch digitale Geräte, fördert die Achtsamkeit und kann dabei helfen, den Alltagsstress abzubauen. Viele Menschen empfinden das Saunieren als eine Form der Meditation, die zu tiefer Entspannung und einem Gefühl der inneren Ruhe führt. Dies trägt ebenfalls zur Stärkung der allgemeinen Widerstandsfähigkeit des Körpers bei.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Sauna ist ein wunderbares Instrument zur Stärkung der Gesundheit und zur Förderung des Wohlbefindens, besonders in der kalten Jahreszeit. Sie kann das Immunsystem stärken, das Herz-Kreislauf-System trainieren und zur mentalen Entspannung beitragen. Doch wie bei vielen guten Dingen im Leben gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift, und die Beachtung wichtiger Regeln, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder akuten Infekten, ist unerlässlich. Hören Sie auf Ihren Körper und genießen Sie die Wärme bewusst und verantwortungsvoll.

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