Tantra in Österreich: Weg zur Lebensfreude

07/03/2022

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Suchen Sie nach einem ganzheitlichen Entwicklungsweg, der Ihren Geist, Ihre Gefühle und auch Ihren Körper in gleicher Weise mit einbezieht? Tantra, oft missverstanden und doch tiefgründig, bietet genau diesen Pfad zur Entfaltung ursprünglicher Lebensfreude. Seit den 1980er-Jahren hat sich die tantrische Tradition auch im Westen, insbesondere in Österreich, mit neuen Gesichtern und Interpretationen etabliert. Was einst eine mystische Praxis aus dem Osten war, hat sich zu einem vielfältigen Angebot entwickelt, das Menschen auf der Suche nach tieferer Verbindung zu sich selbst und zum Leben anzieht. Doch wie navigiert man in dieser sich wandelnden Landschaft, um das zu finden, was wirklich den eigenen Bedürfnissen entspricht und zu authentischer Selbsterkenntnis führt?

Die Essenz des Tantra: Mehr als nur Sinnlichkeit

Im Kern ist Tantra eine Philosophie und Praxis, die darauf abzielt, alle Aspekte des menschlichen Seins zu integrieren und als Instrument für spirituelles Wachstum zu nutzen. Der Satz „Tantra ist Lebensfreude“ fasst dies treffend zusammen. Es geht darum, jede sinnliche Erfahrung und alle Gefühle, die unser Körper ermöglicht, nicht als Hindernis, sondern als Tor zur Entfaltung unseres Bewusstseins zu begreifen. Im Gegensatz zu vielen anderen spirituellen Wegen, die eine Abkehr von der materiellen Welt oder die Unterdrückung bestimmter Triebe lehren, ermutigt Tantra dazu, das Leben in seiner ganzen Fülle anzunehmen – sowohl Licht als auch Schatten, Freude und Leid, Lust und Verlust. Diese radikale Akzeptanz ist der Schlüssel, um zu unserem innersten Kern zu finden. Übungen und Meditationen auf einer personalen Ebene – das achtsame Herausschälen der Konturen unseres Ichs – bilden den Ausgangspunkt, um dann zu wagen, diese Grenzen immer wieder in einen transpersonalen Raum zu entspannen, einen Raum, der unendlich viel größer ist als unser individuelles Selbst. Die Kontinuität einer tantrischen Praxis besteht darin, alle Erfahrungen des Lebens gleichermaßen willkommen zu heißen und sie als Wegweiser zu nutzen.

Wie geht es weiter mit dem Tantrismus inösterreich?
Seit den 1980-er Jahren ist im Westen die Tradition des Tantrismus mit neuen Gesichtern erwacht. In Österreich hat der Verein Lichtung 1990 begonnen, die tantrische Praxis anzubieten. seitdem sind unterschiedliche Tantra-Institute hervorgetreten, die mit ebenso unterschiedlichen Ideen und Grundlagen Tantra in Österreich propagiert haben.

Tantra in Österreich: Eine Vielfältige Landschaft

Seit der Verein Lichtung im Jahr 1990 begann, tantrische Praxis in Österreich anzubieten, ist eine bemerkenswerte Entwicklung zu beobachten. Inzwischen sind zahlreiche Tantra-Institute entstanden, die mit ebenso unterschiedlichen Ideen und Grundlagen Tantra im Land propagieren. Dieser sich wandelnde Markt erschwert die Orientierung erheblich, denn unter „Tantra“ wird nicht immer dasselbe verstanden, und die Weitergabe in den Seminaren variiert stark. Dies führt oft zu Verwirrung bei jenen, die sich dem Tantra nähern möchten. Von traditionellen Ansätzen, die tief in alten Schriften verwurzelt sind, bis hin zu modernen Interpretationen, die psychologische oder therapeutische Elemente integrieren, reicht die Bandbreite. Es ist wichtig zu erkennen, dass diese Vielfalt sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung darstellt. Eine Chance, weil sie es ermöglicht, einen Pfad zu finden, der wirklich zu einem passt; eine Herausforderung, weil sie eine sorgfältige Recherche und ein klares Verständnis der eigenen Motivation erfordert.

Das „Richtige“ Tantra für Sie finden

Die Frage, was das „richtige“ Tantra sei, wurde schon in den 80er-Jahren weise beantwortet: „Tantra ist ein großes Haus, unter dessen Dach es viele Räume gibt.“ Dies bedeutet, dass es keine universelle Definition gibt, die für jeden gültig ist. Die meisten „Tantra-Schulen“ mögen behaupten, allein im Besitz des „richtigen“ Tantra zu sein, und subjektiv mag das für sie auch stimmen. Die entscheidende Frage ist daher nicht, was objektiv „richtig“ ist, sondern was für Sie persönlich das „richtige“ Tantra ist. Um dies herauszufinden, müssen Sie sich selbst die Gegenfrage stellen: Was erwarte ich von einem Tantraseminar, und was möchte ich letztendlich damit erreichen? Bin ich bereit, mich auf mich selbst einzulassen, oder suche ich in erster Linie Begegnungen mit anderen Teilnehmern? Bin ich an Meditation im Sinne achtsamer Innenschau interessiert, oder geht es mir mehr um neue, spektakuläre Techniken und besondere Sensationen im Außen? Mit der Klarheit über Ihre Motivation werden Sie bemerken, dass unterschiedliche Institute unterschiedliche Schwerpunkte anbieten. Ein Seminar, das sich auf tiefgehende Selbsterfahrung und Bewusstseinsentwicklung konzentriert, mag für den einen geeignet sein, während ein anderer vielleicht einen eher körperorientierten oder beziehungsorientierten Ansatz bevorzugt. Die Selbstreflexion ist hier der erste und wichtigste Schritt.

Tantra als Partnerschaft, nicht als Konsumgut

Auch wenn ein Tantraseminar als Dienstleistung angeboten wird, lässt es sich nicht einfach wie eine Wurstsemmel konsumieren. Die Vermittlung von Tantra geht weit über eine übliche Dienstleistung hinaus, denn es lässt sich nicht vermeiden, dass Teilnehmer ihren persönlichen Themen begegnen. Dies bedeutet, dass sowohl Trainer als auch Teilnehmer zur Arbeit aufgefordert sind. Es ist ein gemeinsamer Prozess, der gegenseitiges Vertrauen und eine passende „Chemie“ zwischen allen Beteiligten erfordert. Wenn Sie das Glück haben, jemanden zu kennen, der bereits ein Tantraseminar besucht hat, ist das die beste Möglichkeit, Informationen aus erster Hand zu erhalten. Andernfalls empfiehlt es sich, zu recherchieren, seit wann das angepeilte Institut bereits Tantra in Österreich anbietet. Die Erfahrung und Stabilität eines Anbieters können Indikatoren für Qualität sein. Letztendlich wird es Ihnen nicht erspart bleiben, einen Versuch zu wagen: Man kann uns lange erklären, wie ein Apfel schmeckt, aber wenn wir es wirklich wissen wollen, müssen wir ihn selbst kosten. Der persönliche Kontakt und das Erleben sind unerlässlich, um zu spüren, ob ein Angebot mit den eigenen Bedürfnissen resoniert.

Tantra im Wandel der Jahrzehnte: Von Osho bis heute

Wer sich in den 80er-Jahren mit zeitgemäßer tantrischer Praxis beschäftigte, kam an Osho, dem Meister aus dem indischen Poona, nicht vorbei. Er trug wesentlich dazu bei, Tantra im Westen populär zu machen. Seine Lehre und sein Zugang zum Tantra entsprachen dem Zeitgeist der „sexuellen Revolution“: Eine scharfe Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Liebe und Sex und ein Eintreten für eine natürlichere Atmosphäre. Osho lehrte, dass die Grundenergie der Sexualität göttlich sei und sexuelle Gefühle nicht unterdrückt, sondern dankbar akzeptiert werden sollten. Nur durch Anerkennung seiner wahren Natur könne der Mensch frei werden. Die moderne Bioenergetik (begründet von W. Reich, weiterentwickelt von A. Lowen), die humanistische Psychologie und westliche Erkenntnisse der Sexualforschung verbanden sich ausgezeichnet mit Oshos Lehre und dem traditionellen Tantra. Diese von Osho initiierte und von anderen westlichen Lehrern weiterentwickelte Sinnesart wird „Neo-Tantra“ genannt. Viele Techniken und Meditationen dieser Richtung waren damals Inspiration für die Seminare wie „Tantra ist Lebensfreude“. Über die Jahre hat der Verein Lichtung jedoch seine eigene Praxis entwickelt und eine verstärkte Rückbindung an ursprüngliche Formen des Tantrismus gefunden. Es ist bedauerlich, dass Oshos Forderungen trotz der „sexuellen Revolution“ heute nicht weniger aktuell sind als zu seinen Lebzeiten. Dominanzgesellschaften pflegen traditionell einen repressiven Umgang mit dem Körper und mit Sexualität. Die zur Schau gestellte sexuelle Freizügigkeit, die fortschreitende Kommerzialisierung von Sex und Pornographie, stellen dazu nur einen scheinbaren Widerspruch dar. Sie zeugen in Wirklichkeit von einer anhaltenden Fixierung unserer Gesellschaft auf das Thema Sexualität, was ein Zeichen dafür ist, dass etwas nicht im freien Fluss ist. Die wirkliche „Befreiung der Sexualität“ im Sinne eines natürlichen, einfachen und selbstverständlichen Umganges ist noch lange nicht in Sicht.

Wie geht es weiter mit dem Tantrismus inösterreich?
Seit den 1980-er Jahren ist im Westen die Tradition des Tantrismus mit neuen Gesichtern erwacht. In Österreich hat der Verein Lichtung 1990 begonnen, die tantrische Praxis anzubieten. seitdem sind unterschiedliche Tantra-Institute hervorgetreten, die mit ebenso unterschiedlichen Ideen und Grundlagen Tantra in Österreich propagiert haben.

Tantra und Sexualität: Mythen entlarven

Sexualität ist nach dem Überlebenstrieb die stärkste Kraft und die Basis unseres Energiesystems. Daher lehrt uns Tantra, dass sie für eine sinnvolle spirituelle Praxis nicht unterdrückt, sondern ausgedrückt werden will. Diese wichtige Erkenntnis hat jedoch auf der anderen Seite zu einem grundsätzlichen Missverständnis geführt und dem Tantra einen seltsamen Ruf eingebracht: Tantra sei entweder ein sexuell ausschweifender Kult mit archaischen Wurzeln oder eine neue soziale Bewegung, die nur nach Befriedigung von Trieben aller Art streben würde. Die Hoffnung vieler Adepten, die nach dem Tantra greifen, lag – und liegt noch immer – darin, eine Art religiöser Rechtfertigung für sexuellen Konsumismus zu finden: Eine Idee, sich mit Hilfe von Sexualität in ein hedonistisches Nirvana zu befördern. Dies lässt außer Acht, dass die tatsächliche Öffnung sexueller Energie auch bloß eine Station auf dem Weg ist. Nicht weil wir im Tantra die Sexualität „hinter uns lassen“ oder transformieren müssten – ganz im Gegenteil! –, sondern weil wir erleben, dass sie nur ein Teil unserer Lebensenergie und nicht das Ganze ist, wenn wir einem mystischen Entwicklungsweg folgen. Ohne diese Einsicht werden alle guten Methoden und Meditationen des Neo-Tantra missbraucht und führen nirgendwohin. Die weit verbreitete Vorstellung, die den Tantrismus auf irgendwelche sexuellen Techniken reduziert, hat nichts mit der jahrtausendealten tantrischen Praxis zu tun, aber sehr viel mit dem Versuch der Kommerzialisierung des Tantrismus. Man sieht es an Beispielen wie künstlich-süßen „erotic drinks“ namens „Tantra“, Swingerclubs, die „Tantra-Abende“ anbieten, oder Inseraten, die früher als „Blow-Job“ beworbene Dienstleistungen heute als „Tantra-Massage“ anpreisen. Das Gleiche gilt für populäre Tantra-Literatur oder den Seminarbetrieb: Auch und gerade wenn sexuelle Techniken mit dem Hinweis auf ein heiliges, spirituelles Ziel versprechen, Praktizierende auf wundersame Weise zum Erwachen und zur Befreiung vom Ego zu führen, ist eher das Gegenteil der Fall. Eine neue Ablenkung von uns selbst, ein neues Suchtmittel ist gefunden. Im allerbesten Fall bleiben solche „tantrischen“ Techniken wirkungslos, weil sie weder vom bewussten Atmen, der Achtsamkeit für die körperlich-seelischen Vorgänge noch von einer inneren Leere durchdrungen sind. Authentisches Tantra fordert eine tiefe Achtsamkeit und Bewusstheit in allen Lebensbereichen.

Der Weg der „Absoluten Liebe“: Kaschmirisches Tantra

Einem Meister des shivaitischen Tantrismus, Daniel Odier, der sich in Kaschmir im Himalaya entwickelt hat, verdanken wir einen Zugang zum Tantrismus, welchen er einen Weg der „absoluten Liebe“ nennt. Im Westen haben wir uns an ein Universum gewöhnt, das auf Gegensätzen beruht: Gott und Teufel, hell und dunkel, gut und böse – das eine wird geliebt, das andere verdammt. Zu dem einen streben wir hin, das andere bekämpfen wir. Dagegen ist es im kaschmirischen Tantra von grundlegender Relevanz, dass es keine Trennung zwischen Licht und Finsternis, zwischen Göttern und Menschen, auch nicht zwischen Gut und Böse gibt. Dieses Tantra ursprünglicher Prägung ist nicht-dualistisch. Das mag wie eine philosophische Spitzfindigkeit klingen, ist aber in der tantrischen Praxis des Alltags von entscheidender Bedeutung. Es bedeutet, dass alles, was existiert, Teil des Göttlichen ist und angenommen werden kann. Es geht darum, die Polaritäten nicht zu bekämpfen, sondern sie zu umarmen und zu integrieren. Diese Integration führt zu einem tiefen Gefühl der Ganzheit und des Friedens.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Tantra in Österreich

FrageAntwort
Ist Tantra immer mit Sexualität verbunden?Nein, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Während Tantra die sexuelle Energie als eine mächtige Lebenskraft anerkennt und integriert, ist es nicht auf sexuelle Handlungen reduziert. Viele tantrische Praktiken konzentrieren sich auf Meditation, Atemarbeit, Körperbewusstsein und die Erweiterung des Bewusstseins, ohne sexuellen Kontakt. Sex ist ein Teil des Lebens, aber nicht das Ganze des Tantra.
Wie finde ich einen seriösen Tantra-Anbieter in Österreich?Recherchieren Sie die Geschichte und Philosophie des Instituts. Suchen Sie nach Anbietern, die Transparenz über ihre Lehrmethoden bieten und auf eine fundierte Ausbildung ihrer Trainer Wert legen. Persönliche Empfehlungen von vertrauenswürdigen Personen können hilfreich sein. Ein Probeseminar oder ein Informationsgespräch kann ebenfalls Aufschluss geben, ob die „Chemie“ stimmt und die Ausrichtung Ihren Erwartungen entspricht.
Muss ich spirituell sein, um Tantra zu praktizieren?Nicht im Sinne einer bestimmten Religion oder Glaubensrichtung. Tantra ist ein spiritueller Weg im Sinne der Selbsterforschung und Bewusstseinserweiterung. Eine Offenheit für innere Prozesse, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und der Wunsch nach ganzheitlicher Entwicklung sind jedoch von Vorteil. Tantra kann Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen bereichern, die auf der Suche nach tieferer Bedeutung und Lebensfreude sind.

Die Suche umkehren: Von außen nach innen

Die Reise mit Tantra ist letztlich eine Umkehrung der Suche: Anstatt im Außen nach Erfüllung, Sensationen oder dem „richtigen“ Weg zu suchen, lehrt Tantra, die Antworten in sich selbst zu finden. Es ist ein Weg der tiefen Selbsterkenntnis und der Akzeptanz aller Facetten des eigenen Seins. In Österreich gibt es viele Wege, sich dieser Praxis zu nähern, doch der Kern bleibt stets derselbe: Die Einladung, das Leben in seiner ganzen Fülle zu umarmen und die eigene innere Wahrheit zu entdecken. Ob Sie einen Pfad der stillen Meditation, der energetischen Körperarbeit oder der bewussten Beziehung suchen, Tantra bietet die Werkzeuge, um eine tiefere Verbindung zu sich selbst und zur Welt herzustellen und so wahre Lebensfreude zu erfahren.

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