04/04/2023
Arthrose ist eine häufige und schmerzhafte Gelenkerkrankung bei Hunden, die nicht nur die Beweglichkeit einschränkt, sondern auch die Lebensfreude unserer geliebten Vierbeiner erheblich mindern kann. Während die Diagnose oft besorgniserregend ist, gibt es viele proaktive Schritte, die Sie als Hundehalter unternehmen können, um Ihrem Hund zu helfen. Es geht nicht nur darum, Schmerzen zu lindern, sondern auch darum, die Gelenkfunktion zu erhalten, die Muskulatur zu stärken und die allgemeine Lebensqualität zu verbessern. Dieser Artikel baut auf dem Verständnis der Arthrose auf und stellt Ihnen zwei äußerst effektive und unkomplizierte Übungen vor, die Sie regelmäßig mit Ihrem Hund durchführen können. Das Ziel ist klar: Schmerzreduktion, verbesserte Gelenkbeweglichkeit, Reduzierung des Hinkens und Erhalt der wichtigen Muskulatur. Diese Übungen sind so konzipiert, dass sie ohne großen Aufwand in Ihren Alltag integriert werden können und dennoch eine bemerkenswerte Wirkung erzielen.

Arthrose beim Hund: Warum Aktivität entscheidend ist
Die Entstehung von Arthrose ist ein komplexer Prozess, der zu einer fortschreitenden Schädigung des Gelenkknorpels führt. Dies wiederum verursacht Schmerzen, Entzündungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks. Während es verlockend sein mag, einen Hund mit Arthrose zu schonen, ist Inaktivität oft kontraproduktiv. Eine mangelnde Bewegung führt zum Abbau von Muskelmasse, was die Gelenke noch weniger stabilisiert und den Teufelskreis der Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verstärkt. Aktive, aber kontrollierte Bewegung hingegen kann entscheidend dazu beitragen, die Gelenke geschmeidig zu halten, die umgebende Muskulatur zu kräftigen und die Nährstoffversorgung des Knorpels zu fördern. Es ist ein Balanceakt zwischen Schonung und gezielter Aktivierung, der auf die individuellen Bedürfnisse und die Tagesform Ihres Hundes abgestimmt sein muss. Die hier vorgestellten Übungen sind darauf ausgelegt, genau diese Balance zu finden und Ihrem Hund einen Weg zu mehr Wohlbefinden zu ebnen.
Übung 1: Das gezielte „Pfote anheben“
Diese scheinbar einfache Übung ist ein Kraftpaket für die Stabilität und Koordination Ihres Hundes. Sie mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken, doch ihr Effekt auf die Kräftigung der unterstützenden Muskulatur und die Verbesserung des Gleichgewichtssinns ist bemerkenswert, insbesondere wenn Ihr Hund einen Schwachpunkt im Bewegungsapparat hat.
Durchführung Schritt für Schritt
Beginnen Sie damit, dass Ihr Hund auf einem rutschfesten Untergrund steht. Dies ist essenziell, um ein Ausrutschen zu verhindern und Ihrem Hund die nötige Sicherheit zu geben. Hocken Sie sich neben Ihren Hund, sodass Sie ihn bei Bedarf stützen können, falls er während der Übung das Gleichgewicht verliert. Diese Nähe schafft auch Vertrauen und beruhigt Ihren Hund.
- Vorderläufe: Greifen Sie einen Vorderlauf Ihres Hundes vorsichtig oberhalb der Pfote. Heben Sie das Bein leicht an, sodass es nur noch minimal Bodenkontakt hat oder ganz entlastet wird. Halten Sie diese Position für etwa 3 bis 5 Sekunden. Achten Sie darauf, dass Sie dabei keine ruckartigen Bewegungen machen und das Bein nicht zu hoch anheben, um Unbehagen zu vermeiden.
- Hinterläufe: Auch hier greifen Sie oberhalb der Pfote. Beugen Sie den Lauf dabei leicht, ähnlich wie Sie es tun würden, wenn Sie die Pfote Ihres Hundes abtrocknen. Auch hier geht es darum, das Bein leicht zu entlasten und für die gleiche Dauer zu halten.
Lassen Sie das Bein anschließend langsam und kontrolliert wieder auf den Boden sinken. Wiederholen Sie den Vorgang mit den anderen Läufen. Die Herausforderung für den Hund besteht darin, sein Gewicht auf die verbleibenden drei Läufe zu verlagern und dabei die Rumpfmuskulatur sowie die Muskulatur der tragenden Beine zu aktivieren und zu stärken.
Wirkung und Trainingsprogression
Der Hauptnutzen dieser Übung liegt in der Kräftigung der Muskulatur der drei verbleibenden Läufe. Diese stabilisieren den Hund und entlasten das arthrotische Gelenk. Gleichzeitig wird die Koordination und das Gleichgewicht Ihres Hundes signifikant trainiert. Dies ist besonders wichtig, da Hunde mit Arthrose oft dazu neigen, Schonhaltungen einzunehmen, die zu einer einseitigen Belastung und einem Abbau der Muskulatur in anderen Bereichen führen können.
Beginnen Sie mit einer geringen Anzahl von Wiederholungen: zweimal täglich 2 Wiederholungen pro Lauf. Dies ermöglicht Ihrem Hund, sich an die neue Belastung zu gewöhnen und Überanstrengung zu vermeiden. Wenn Ihr Hund die Übung gut toleriert und keine Anzeichen von Schmerz zeigt, können Sie die Dauer des Haltens schrittweise steigern. Erhöhen Sie die Haltezeit auf bis zu 15 Sekunden pro Lauf und steigern Sie auch die Anzahl der Wiederholungen. Beobachten Sie stets die Reaktion Ihres Hundes. Zeigt er Unbehagen oder Schmerz, reduzieren Sie die Intensität oder legen Sie eine Pause ein.
Übung 2: Das koordinative Cavaletti Training
Das Cavaletti Training ist eine hervorragende Methode, um die Koordination Ihres Hundes zu schulen, die Gelenke durch bewusste Beugung und Streckung zu mobilisieren und die Muskulatur auf spielerische Weise zu stärken. Es fördert zudem die Körperwahrnehmung und das Vertrauen des Hundes in seine eigenen Bewegungsabläufe.
Was Sie dafür benötigen
Für diese Übung benötigen Sie fünf Hindernisse. Diese Anzahl ist entscheidend, da sie ermöglicht, dass Ihr Hund in einen fließenden Bewegungstakt kommt. Zuhause eignen sich Besenstiele oder ähnliche Stangen hervorragend. Wenn Sie im Freien trainieren, können stabile Äste im Wald oder Garten perfekt als Hindernisse dienen. Wichtig ist, dass die Hindernisse eine Höhe haben, die es Ihrem Hund ermöglicht, bequem darüber zu steigen, ohne zum Springen verleitet zu werden. Ein zu hohes Hindernis könnte das arthrotische Gelenk übermäßig belasten. Die Hindernisse sollten in einer geraden Linie auf ebenem, rutschfestem Boden aufgebaut werden. Der optimale Abstand zwischen den Hindernissen beträgt etwa eine Hundelänge. Dies gewährleistet, dass Ihr Hund seine Schritte bewusst setzen und die Gelenke gezielt beugen und strecken muss.
So starten Sie das Training
Führen Sie Ihren Hund langsam und kontrolliert an einer kurzen Leine über die Hindernisse. Die kurze Leine hilft Ihnen, das Tempo zu bestimmen und zu verhindern, dass Ihr Hund die Übung abbricht oder versucht, die Hindernisse zu überspringen. Das Tempo ist hier von entscheidender Bedeutung: Gehen Sie so langsam wie möglich. Nur so kann das Gehirn Ihres Hundes die korrekte und gesunde Bewegung verinnerlichen und neue neuronale Verbindungen für präzisere Bewegungsabläufe aufbauen. Ist Ihr Hund zu Beginn aufgeregt oder unkonzentriert, lassen Sie ihn vor dem ersten Hindernis absitzen. Dies hilft ihm, zur Ruhe zu kommen und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren.
Sobald Ihr Hund die Reihe der Hindernisse durchlaufen hat, lassen Sie ihn am Ende erneut absitzen. Und vergessen Sie nicht, ihn ausgiebig zu loben! Diese Übung erfordert viel Konzentration und ist für jeden Hund, insbesondere aber für Hunde mit Arthrose, anstrengend. Das positive Lob bestärkt ihn und macht das Training zu einer positiven Erfahrung. Führen Sie Ihren Hund anschließend auf dem gleichen Weg wieder zurück über die Hindernisse. Auch hier gilt: Langsamkeit ist der Schlüssel.
Effekte und Trainingsgestaltung
Das Cavaletti Training ist ein umfassendes Koordinationstraining. Es zwingt Ihren Hund, seine Läufe langsam und bewusst zu bewegen, was die Körperwahrnehmung und das Vertrauen in seinen eigenen Körper erheblich verbessert. Durch das Übersteigen der Hindernisse beugt und streckt der Hund seine Gelenke in einem kontrollierten Maße, was die Gelenkbeweglichkeit fördert und die Muskulatur um die Gelenke herum stärkt. Bänder, Sehnen und die Gelenkkapseln werden geschmeidiger gehalten, was zur allgemeinen Gelenkgesundheit beiträgt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Übung keinen Sinn macht, wenn Ihr Hund ein bereits versteiftes Gelenk hat, da die erforderliche Beugung und Streckung dann nicht mehr möglich oder zu schmerzhaft wäre.
Beginnen Sie auch hier mit zweimal täglich zwei Wiederholungen (also zwei Durchgänge über die Hindernisse). Im Laufe des Trainings und je nach Kondition und Fortschritt Ihres Hundes können Sie die Anzahl der Wiederholungen schrittweise steigern. Achten Sie immer auf die Ermüdungsanzeichen Ihres Hundes und überfordern Sie ihn nicht.
Wichtige Grundsätze für das Training mit Ihrem Hund
Unabhängig davon, welche Übung Sie mit Ihrem Hund durchführen, ist es von größter Bedeutung, immer die Tagesform Ihres Hundes zu berücksichtigen. So wie wir Menschen nicht jeden Tag gleich gut drauf oder leistungsfähig sind, gilt dies auch für unsere Hunde. Es gibt Tage, an denen die Gelenkschmerzen stärker sein können oder die allgemeine Energie geringer ist. An solchen Tagen ist es ratsam, die Intensität oder Dauer des Trainings zu reduzieren oder eine Pause einzulegen. Zwang und Überforderung können die Situation verschlimmern und das Vertrauen Ihres Hundes in das Training untergraben.
Seien Sie geduldig und konsequent. Ergebnisse bei der Arthrosebehandlung zeigen sich oft nicht über Nacht, sondern sind das Resultat langfristiger Bemühungen. Loben Sie Ihren Hund ausgiebig für jede Anstrengung, auch wenn sie noch so klein erscheint. Positive Verstärkung macht das Training zu einer angenehmen Erfahrung für Ihren Hund und fördert seine Motivation. Denken Sie daran, dass diese Übungen Teil eines umfassenden Managements der Arthrose sind, zu dem auch eine angepasste Ernährung, gegebenenfalls Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel und regelmäßige tierärztliche Kontrollen gehören sollten. Der im Text erwähnte Arthrosefit Online Kurs ist ein Beispiel für ein Intensivtraining, das Ihnen helfen kann, Ihren Hund dauerhaft und umfassend bei Arthrose zu mobilisieren und fit zu halten.
Vergleich der Übungen: Pfote anheben vs. Cavaletti Training
Um Ihnen eine bessere Übersicht über die beiden vorgestellten Übungen zu geben, finden Sie hier eine vergleichende Tabelle:
| Merkmal | „Pfote anheben“ | Cavaletti Training |
|---|---|---|
| Hauptziel | Muskelkräftigung (tragende Läufe), Koordination, Gleichgewicht | Koordination, Gelenkmobilisierung (Beugung/Streckung), Körperwahrnehmung |
| Benötigte Hilfsmittel | Rutschfester Untergrund, eigene Hände | Fünf Hindernisse (Besenstiele, Äste), kurze Leine, ebener Boden |
| Ausführung | Individuelles Anheben und Halten der Pfoten | Kontrolliertes Übersteigen einer Reihe von Hindernissen |
| Intensität | Hohe Anstrengung für die stabilisierenden Muskeln | Hohe Konzentration und körperliche Anstrengung |
| Besonderheit / Einschränkung | Einfach durchzuführen, auch bei starker Lahmheit möglich | Nicht sinnvoll bei bereits versteiften Gelenken; erfordert etwas mehr Platz |
| Langfristiger Nutzen | Entlastung des betroffenen Gelenks durch stärkere Unterstützung | Erhalt der Gelenkgeschmeidigkeit und Aufbau von Bewegungssicherheit |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
F: Wie oft sollte ich diese Übungen mit meinem Hund durchführen?
A: Beginnen Sie mit zweimal täglich zwei Wiederholungen für jede Übung. Steigern Sie die Intensität und Häufigkeit nur langsam und beobachten Sie stets die Reaktion Ihres Hundes. Konsistenz ist wichtiger als hohe Intensität zu Beginn.
F: Wie erkenne ich, ob die Übung meinem Hund guttut oder ihn überfordert?
A: Achten Sie auf Anzeichen wie stärkere Lahmheit, vermehrte Schmerzlaute, Unwilligkeit zur Mitarbeit, Hecheln oder Zittern. Wenn Ihr Hund die Übung gerne mitmacht, danach entspannt ist und sich die Lahmheit langfristig bessert, ist dies ein gutes Zeichen. Im Zweifelsfall immer Rücksprache mit Ihrem Tierarzt halten.
F: Kann ich diese Übungen auch vorbeugend bei jungen Hunden anwenden?
A: Ja, das „Pfote anheben“ und das Cavaletti Training sind hervorragende Übungen zur Förderung der Koordination, des Gleichgewichts und der Muskulatur bei Hunden jeden Alters. Sie können präventiv dazu beitragen, die Gelenkgesundheit zu unterstützen und das Risiko von Gelenkproblemen zu minimieren, indem sie eine starke und stabile Muskulatur aufbauen.
F: Was tun, wenn mein Hund die Übung nicht gleich versteht oder nicht mitmachen will?
A: Seien Sie geduldig. Loben Sie jede kleine Anstrengung. Führen Sie die Übungen in einer ruhigen Umgebung durch, frei von Ablenkungen. Beginnen Sie mit sehr kurzen Einheiten und steigern Sie langsam. Manchmal hilft es, die Übung spielerisch zu gestalten oder mit Leckerlis zu arbeiten, um die Motivation zu erhöhen. Wenn Ihr Hund Schmerzen hat, wird er nicht mitmachen wollen – stellen Sie sicher, dass er schmerzfrei genug ist, um zu trainieren.
F: Wann sollte ich das Training unterbrechen oder anpassen?
A: Unterbrechen Sie das Training sofort, wenn Ihr Hund Anzeichen von Schmerz zeigt, sich weigert mitzumachen oder eine deutliche Verschlechterung der Lahmheit auftritt. Passen Sie das Training an, wenn Ihr Hund einen schlechten Tag hat (z.B. durch Wetterwechsel) oder sich von einer anderen Belastung erholt. Hören Sie auf die Signale Ihres Hundes.
Fazit: Ein aktiver Weg zu mehr Lebensqualität
Die Diagnose Arthrose bei Ihrem Hund ist kein Urteil, sondern ein Aufruf zum Handeln. Mit gezielten und liebevoll durchgeführten Übungen wie dem „Pfote anheben“ und dem Cavaletti Training können Sie aktiv dazu beitragen, die Lebensqualität Ihres vierbeinigen Freundes maßgeblich zu verbessern. Diese Übungen sind nicht nur physiotherapeutisch wirksam, sondern stärken auch die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Hund durch gemeinsame, positive Erlebnisse. Denken Sie immer daran, die individuelle Tagesform Ihres Hundes zu berücksichtigen, mit Geduld und positiver Verstärkung zu arbeiten und bei Unsicherheiten stets den Rat Ihres Tierarztes einzuholen. Ein aktiver und bewusster Umgang mit der Arthrose ermöglicht es Ihrem Hund, trotz der Erkrankung ein erfülltes und möglichst schmerzfreies Leben zu führen. Es ist ein Marathon, kein Sprint, aber jeder Schritt, jede bewusste Bewegung, zählt und bringt Ihren Hund einem besseren Wohlbefinden näher.
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